Einstiegsbild
Alles hat so seine zwei Seiten im Leben. Die vergangenen 3 Wochen waren von den Wetterlagen, den Wetterphänomenen und den Wetterauswirkungen her unglaublich spannend. Für mich wird die zweite Oktoberhälfte 2012 mit dem Start in den November unvergesslich sein und bleiben. Und es war eine Zeit, in der ich mich wieder „neu“ in meinen Beruf verliebt habe. Das ist ein bisschen wie im siebten (Wetter)Himmel schweben ;).
Auf der anderen Seite kostet diese (An)Spannung auch jede Menge Zeit und Energie. Da wird jede einzelne Wetterkarte angeschaut, jedes einzelne Grad untersucht, die Luftmasse analysiert, ob es für soundso viel Rekordwärme reicht oder ob es für neue Rekordkälte reicht. Da bleibt relativ wenig Zeit für etwas anderes. Aber das ist und war es wert.
Nordsee
An der See gibt es noch ein paar raue Tage.
 
Die kommende Zeit macht es ein wenig anders. Beim Wetterkartenlesen steigt einem die Feder nicht mehr unbedingt aus der Matte. Statt des wilden Wuchtens der unterschiedlichsten Luftmassen binnen kürzester Zeit geht es in naher Zukunft eher gemächlich weiter. Etwaige Versuche von Tiefs, warme und kalte Luftmassen durch und über Mitteleuropa rollen zu lassen, werden von sich immer wieder aufbauenden Hochs südlich und östlich von uns blockiert. Es wird relativ „langweilig“, dafür „entspannt“. Und das ist auch einmal gut so :).
 
Die einst einmal ins Leben gerufene Idee, einen möglichen Kaltlufteinbruch zu Beginn der kommenden Woche aus dem Spätherbst-Hut zu zaubern, wurde verworfen. Die wohl spannendsten Fragen werden sein: Wolken oder Sonne, Nebel oder Sonne, Hochnebel oder Sonne und ab und zu Regen. Große Bocksprünge nach oben und nach unten sind nicht in Sicht. Es ist ein langsames Auslaufen des turbulenten Herbstes bisher. Das wohl „Aktionreichste“ wird der Wind in der Nordhälfte in den kommenden Tagen sein. Sonst gleiten wir in den nächsten zwei Wochen durch den letzten meteorologischen Herbstmonat. Die 15 Tage-Trends sind fast wie mit dem Lineal gezogen. Es geht nur noch seitwärts.
 
Für eingefleischte Wetter-Action-Fans ein Graus. Und wenn es in der Kurz- und Mittelfrist eben langweilig geworden ist, schaut man auf die Langfrist und vergleicht mal Wetterlagen. Das ist dann eher amüsant, denn: Wenn man die aktuellen Prognosekarten mit Karten vor Kaltwintern vergleicht, so erspäht man verblüffende Ähnlichkeiten. Das Problem ist dabei nur, dass fast identische Wetterlagen auch vor Mildwintern um diese Jahreszeit aufgetreten sind… ;). Und in manchen Diskussionsplattformen argumentiert die eine Fraktion gegen die andere und beide haben stichhaltige Argumente, augenscheinlich. Ich spreche nämlich jetzt nur von einer ähnlichen Wetterlage zu einer ähnlichen Zeit, nicht von einer großräumigen Druckkonstellation. Da sieht das Ganze schon wieder etwas anders aus, wobei wir da nur vermuten können.
 
Und um das i-Tüpfelchen draufzusetzen: Da sieht das eine Modell, das eine ganze Jahreszeit im Voraus berechnet, einen (sehr) milden Winter, während das andere Modell einen (sehr) kalten Winter sieht. Schlauer werden wir dadurch nicht. Und was bleibt uns anderes übrig als ins Hier und Jetzt zurückzukehren und das Wetter so zu nehmen, wie es ist und kommt – und genau das hat, wie ich finde, seine guten Seiten:
 
Das langsame Ausklingen des Herbstes ohne viel Tamm-Tamm gibt uns die Möglichkeit, draußen ordentlich klar Schiff zu machen. Der Garten kann in Ruhe winterfertig gemacht werden, Blumenzwiebeln können noch in den Boden und umpflanzen kann man auch noch gut, zumal die Böden bei weitem nicht so nässetechnisch aushungert sind wie vor einem Jahr.
Mittwoch
Wetter(Sturm)lage am Mittwoch.
Beim Auto können wir die Winterreifen in Ruhe montieren und die Straßen bleiben, von örtlichem Nebel, ein paar Regenfällen und anfangs auch Windböen witterungstechnisch im grünen Bereich.
 
Und der Meteorologe an sich schiebt einfach nur mal ein paar Wolken hin und her und eine etwas ruhigere Herbstkugel ;) – das ist eher sinnbildlich und nicht ganz ernst gemeint. Die Arbeit bleibt ja, aber sie wird dann einfach mal zur Arbeit…
 
Am heutigen Dienstag heißt es: Nach der Front ist vor der Front. Die alte (Kalt)Front von Tief ZELDA zieht nach Südosten ab und die Warmfront Tief ANNKATRHIN taucht im Nordwesten auf. Entsprechen erwarten uns im Süden ein paar leichte Regenfälle, die sich bis zum späten Nachmittag Richtung Oberpfälzer Wald, Bayerischer Wald und Alpen zurückziehen. Oberhalb von 600 bis 900 Meter Höhe fällt nasser Schnee oder Schneeregen. Hinter den vielen Wolken über der Mitte und dem Süden klafft ein längliches Sonnenscheinfenster über dem Norden auf. Dieses huscht im böigen Wind südostwärts. Dahinter schließt sich dieses Fenster und dichte Wolken bringen von der Nordsee her Regen. An der Ostsee gibt es einzelne Schauer.
 
Das ganze Hin und Her der Wolken wird von starkem bis stürmischen Wind begleitet, der von West auf Südwest dreht. Gegen Abend rappelt der Wind mit über 50 Sachen in Böen über den Norden.
Die Höchstwerte erreichen 3 bis 10, an und auf der Nordsee auch 11 Grad. Egal ob mit oder ohne Sonne: Diese Werte fühlen sich überall zum Teil erheblich kälter an!
Freitag
Ab Freitag kehrt Ruhe ein.
 
Die im Nordwesten eingetroffene Warmfront rollt mit Schmackes bis Mittwochmorgen südwärts. Das Windfeld dieser Warmfront braust im wahrsten Sinne des Wortes nach Süden. Starker, in freien Lagen und in Böen auch stürmischer Wind begleitet uns durch die Nacht. Dazu weitet sich der Regen fast bis an die Alpen aus. Hier und in den östlichen Mittelgebirgen sind anfangs auch Schneeflocken dabei. Aber keine Angst vor großen Schneemassen ;)!
 
In den Bereichen des Windfeldes und des Regengebietes ist es natürlich für Nachtfahrten äußerst unangenehm: Einerseits haben wir den böigen Seitenwind, andererseits schlechte Sicht durch reißende Gischt und Aquaplaninggefahr. Das Laub wird obendrein von den Bäumen geschüttelt und macht es zusätzlich rutschig.
 
Am Mittwochvormittag hat die Warmfront mit Regen die Alpen erreicht und verliert dabei an Schwung. Ein kleines Hoch beginnt sich über dem Süden aufzubauen und nimmt der windigen Front die Wucht weg. Die Regenfälle lassen allgemein nach, die Wolken lockern jedoch nur wenig auf. Der Wind flaut im Süden spürbar ab. In der Mitte bleibt er unangenehm, im Norden ruppig, an der See stürmisch.
Die Höchstwerte erreichen 7 bis 12 Grad. Einen Tick kühler bleibt es im äußersten Süden.
 
In der Regel gehört zu einer Warmfront eine Kaltfront. Diese streift uns am Donnerstag im Norden und leitet damit das vorläufige Ende der turbulenten Witterungsphase ein. Über den Norden und die Mitte ziehen kompakte Wolken mit Regen und Wind. Im Süden haben wir einen Mix aus dichten Wolken und Sonne. Die Höchstwerte liegen auch hier bei etwa 6 bis 12 Grad.
Sonntag
Wetterlage am Sonntag. Zwischen den großen Hochs kann sich ein Regengebiet reinmogeln.
Es bleibt im Norden, wie gesagt, windig, an der See anfangs auch noch stürmisch.
 
Von Freitag an schläft die Wetterküche ein. Möglicherweise bringt uns der Sonntag noch einmal eine schlappe Wolkenfront, die von Westen her reinzieht und sich auf dem Weg nach Osten auflöst. Diese Front kann noch mal Regen bringen. Ansonsten erwartet uns eine spätherbstlich-ruhige Mischung aus vielen Wolken, vorübergehendem Sonnenschein, Nebel und Hochnebel. Das heute schon genau und präzise zu prognostizieren gliche einem Lottospiel.
 
Ähnlich „aufregend“ wie das Wetter verhält sich auch das Temperatur-Niveau. Das pendelt an allen Tagen um die 10 Grad-Marke, mal 2, 3 Grad drüber, mal 2, 3 Grad drunter. Die Nachtwerte bleiben größtenteils im Plusbereich. Nur bei längerem Aufklaren bekommen wir leichten Frost – dies jedoch hauptsächlich im Süden und im Mittelgebirgsraum.
 
Und mit diesem Witterungscharakter, den wir von Freitag bis Dienstag bekommen werden, dürfen wir uns nach aktueller Kartenlage anfreunden. Das Kontinental-Hoch bläht sich weiter auf und liegt mit seiner Westseite bei und über uns. Die nicht allzu motivierten Tiefs auf dem Atlantik rödeln munter vor sich hin und schaffen es allenfalls mal bis Westeuropa. Aufregendstenfalls schaffen es mal schlappe Regenfronten vor allem in den Westen. Das war es aber auch schon.
Trend Mitte kom Wo
Trend für Mitte der kommenden Woche.
 
Und selbst wenn wir uns die verschiedenen Modellberechnungen um den 20. November ansehen, da gibt es vielleicht mal die Abwechslungsmöglichkeiten Hoch über Skandinavien, Hoch über der Nordsee, Hoch über dem Baltikum, Hoch über Osteuropa… Eine richtig durchfegende Wetterlage, sei es nun mit Wärme aus Süden oder Kälte aus Norden, ist nicht in Sicht. Was will uns Petrus nur damit sagen…?
 
So bleibt als Fazit: Nach der windigen Wochenmitte mit Regen wird es friedlicher. Die Natur kann nach den letzten 3 sehr extremen Wochen von Temperatur-Unterschieden von bis deutlich über 30 Grad endlich mal auf Normalmodus schalten und sich langsam zur Ruhe setzen. Und wir können, wie schon besprochen, Haus, Garten und Auto stressfrei winterfertig machen. Und wer weiß? Vielleicht ist diese kommende ruhige Zeit die Ruhe vor dem nächsten Wetter-Sturm… (Sollte einer auftauchen, trommle ich ganz laut ;)!)
 
(Alle Grafiken: Kai Zorn; Einstiegsbild: Kai Zorn, Sturmbild Nordsee Moritz Pollak)