Annekes Welt
Ist diese Wahnsinns Wetter Woche wirklich schon ein Jahr her?
 
Mir kommt es so vor, als sei es erst gestern gewesen. Was genau an dieser Woche so „anders“ war, möchte ich hier erzählen.Vielleicht hat der ein oder andere ja schon mal mitbekommen, dass Wetter Leute auch öfter mal ihr vertrautes, gut beheiztes Studio verlassen müssen. Meistens geschieht dies genau dann, wenn es um Wetter-Extreme geht. Dies kann zum Glück schönster Sonnenschein an Nord- oder Ostssee sein, oder aber auch Schnee in den Bergen, Wind auf dem Brocken... oder auch -17 Grad im Hamburger Hafen! (Letzteres kommt in meinem Leben komischerweise häufiger vor.)
 
Vor genau einem Jahr gab es in Deutschland eine ziemlich lange und heftige Kältewelle. Für meinen Arbeitgeber war dies ein Grund, das Wetter mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Ich erinnere mich genau, dass ich Sonntag Nachmittag von der Planung angerufen und gefragt wurde, ob ich nicht in Hamburg bleiben möchte, um das Wetter von der Elbe aus zu präsentieren. In blindem Enthusiasmus habe ich sogar voller Freude zugesagt.
 
Danach wurde mir erst klar, was es bedeutet: Ich muss raus in die Kälte! Oh mein Gott, und dabei bin ich doch so eine Frostbeule. Aber egal, ich wollte auf keinen Fall als Mimose dastehen.
Montagmorgen quetschte ich mich also dick eingepackt auf die Rückbank eines wohlig warmen Hamburger Taxis. Der Fahrer redete nonstop über die eisigen Temperaturen und wies mich nicht nur einmal darauf hin, dass es draußen -18 Grad sind. Zu der Zeit konnte ich alles noch nicht so recht einordnen, wusste aber, dass „Herr Taxifahrer“ und ich keine Freunde mehr werden. Dank seiner präzisen Schilderung, wie es sich auf der anderen Seite dieser Autotür anfühlen musste, fing ich im Taxi bereits an zu frösteln.
 
Mein fleißiger Kameramann hatte bei den Landungsbrücken bereits alles aufgebaut und wir waren startklar. Nach nicht einmal 5 Minuten kroch die Kälte durch alle Klamotten hindurch. Klar, wir standen ja auch direkt am Wasser! Und zudem wehte ein eisiger Wind ums Hafenbecken. Endlich war es kurz vor sieben Uhr und es ging los! Die ersten Schalten liefen gut, aber nach 15 Minuten nonstop draußen merkte ich, dass mein Mund nicht mehr das machte, was ich wollte. On air kam ein nuscheliges Stammeln von unzusammenhängenden Wörtern rüber! Ups, das durfte nicht noch mal passieren. Meine Pause zwischen den einzelnen Moderationen betrug 10 Minuten. Ich hechtete also jedes Mal die Landungsbrücke rauf und ins Auto rein. Wenigstens kurz aufwärmen und das Gesicht lockern und entspannen. Dieses Spiel wiederholten wir ganze 6 Stunden lang. Die Hafenarbeiter habe ich mit meinen Aktionen wenigstens zum Lachen gebracht. Ich frage mich heute noch, ob diesen Jungs irgendein Wetter etwas anhaben kann?
 
Daheim angekommen war ich zu nichts mehr fähig. Jedenfalls nichts außer schlafen, baden und Suppe essen. Ach ja, fernsehen ging auch J Und während ich gemütlich auf der Couch saß, kam der nächste Anruf der Planung. Ich sollte die ganze Woche draußen moderieren. Der Schock fuhr mir bis ins Mark! Noch weitere 5 Tage frieren. Schaffe ich das? Sollte ich vielleicht doch noch zur Mimose werden? Aber gut, wat mut dat mut!
 
Ein paar Tage später standen mein Kameramann und ich an der Alster. Es war zwar immer noch -15 Grad kalt, aber zumindest zeigte sich die Sonne jetzt jeden Tag für ein paar Stunden. Und an unserer Schaltposition waren wir auch nicht allein. Damit sind nicht die Hardcore Stirnlampen Jogger gemeint, die übrigens zahlreich vor Ort waren, sondern die Kollegen der anderen Sendern. Einer von ihnen wagte sich sogar mit Schlittschuhen aufs Eis. Voller Neid beobachtete ich ihn bei seinen Moderationen und heckte, aufgrund meines aufkommenden Konkurrenzgedankens, Pläne aus, was wir noch alles anstellen könnten. Aber nur zwei Stunden später hörte ich in nicht allzu weiter Ferne das Martinshorn. Der Krankenwagen hielt direkt neben uns und sammelte den verunglückten Kollegen vom Eis ein. Ich möchte hierbei erwähnen, dass ihm nichts Schlimmes passiert ist. Allerdings habe ich meine Ideen danach alle verworfen. Und als ich im Dezember 2012 gefragt wurde, ob ich am Potsdamer Platz zum moderieren mit Schlittschuhen auf die Eisbahn gehen würde, habe ich „nein“ gesagt.
Zum Glück gab es aber auch genug Situationen, über die mein Kameramann und ich uns amüsieren konnten. Zum Beispiel wurde uns von unseren lieben Kollegen im warmen Sender immer wieder empfohlen viel zu trinken. Vor allem natürlich heiße Getränke. Darauf wären wir sogar selbst gekommen, aber unser Standort ließ dies gar nicht zu: Es war nämlich weit und breit keine Toilette in Sicht. Da gerate ich als Frau dann schon mal in die Bredouille. Mein einfaches Rezept: Von 7- 13 Uhr einfach nichts trinken. Ist zwar ungesund, aber wenigstens kommt man nicht in Bedrängnis. Und die Vorstellung, mich im Winter bei Sonnenschein mitten an der Alster hinter einen kahlen Busch zu setzen, kommt meinem schlimmsten Albtraum schon sehr nahe.
 
Mein Fazit dieser Woche: Man muss sich unangenehmen Situationen einfach mal stellen und die Zähne zusammen beißen! Auch die kälteste Woche ist irgendwann vorbei. Und wenn man das alles in einem tollen Team erlebt, lässt es sich auch gleich viel besser ertragen.
 
Vielen dank noch mal an meinen tollen Kameramann. :-)
Eure Anneke
 
P.S. Immer wenn ich auf diese Woche zurückblicke, wird mir klar, wie selbstverständlich es für die meisten von uns ist, ein warmes Dach über dem Kopf zu haben. Oder zumindest nach getaner Arbeit dorthin zurückzukehren. Aber leider geht es nicht allen so... Und genau diesen Menschen könnten wir doch ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken.