Annekes Welt
Manchmal hilft einfach alles nichts. Ob ich mich jetzt bei jemand im speziellen angesteckt habe, oder einfach nur im riesigen Newsroom brav nach Viren geschnappt habe, ist eigentlich auch egal. Jedenfalls hat es pünktlich zum Wochenende angefangen.
 
Wann auch sonst?
 
Ich gehöre zu der Fraktion von Kranken, die erstens ungeduldig ist und zweitens auch nicht auf die Bremse treten will. Jedenfalls so lange nicht bis ich dazu gezwungen werde. Was dieses Mal der Fall war. Da helfen dann auch alle Hausmittelchen nichts: Der Kopf ist dicht, das Fieber steigt und der Körper fühlt sich an wie eine träge Wurst nach einem 30-minütigem Mikrowellenaufenthalt!
 
Ich möchte hier aber gar nicht groß weiterjammern, denn meine Krankheitswoche war alles in allem einfach nur sehr langweilig- genau wie das Fernsehprogramm! Hätte es das Dschungel Camp nicht gegeben, hätte ich womöglich nicht mal was zu lachen gehabt. Ich habe die Kandidaten sogar um die Hitze in Australien beneidet! Bei Menge und Konsistenz des Essens waren die Camp Insassen und ich allerdings ungefähr auf dem gleichen Level.
 
Irgendwann musste ich die Wohnung dann notgedrungen aber doch verlassen und mir schlug ein eisiger Wind entgegen. Der Winter war also doch noch zurückgekehrt. So was aber auch. Und das mitten im Hochwinter! Die meisten von uns haben sich wohl schon an die frühlingshaften Temperaturen der letzten Wochen gewöhnt. Ich möchte nur mal ganz kurz an letztes Jahr erinnern. Da ging das Thermometer Anfang Februar auf -20 Grad runter. Wir sollten den Winter also keinesfalls  zu früh abschreiben.
 
Allerdings muss es gar nicht sooo kalt sein, um den gesamten Flugverkehr in München lahm zu legen. Da denkt man doch, wenn eine Stadt den Schnee im Griff hat, dann MÜNCHEN! Aber weit gefehlt.
Also von Anfang an: Ich bin letzten Donnerstag für den Dreh meiner Video Kolumnen nach München geflogen. Zumindest hatte ich das vor! Ich wollte morgens hin und abends wieder zurück. Aufgrund von Schneefall hatte mein Flieger gleich mal eine Stunde Verspätung. Das machte mich aber noch nicht wirklich nervös, denn so was muss man bei dieser Witterung ja einplanen. Als ich dann in der verschneiten Landschaft gelandet bin, habe ich mich sogar noch gefreut. Endlich mal wieder richtig viel Schnee. Und München wird gleich ganz malerisch. Dieses Gefühl hielt aber nur bis zu dem Zeitpunkt, als ich ein Taxi anhalten wollte!! Nur leider war so gut wie keins unterwegs, und wenn, dann natürlich besetzt. Beherzt hab ich mich durch den Schnee gekämpft- leider wie eine Schnecke, denn in mir trugen ja immer noch Abwehrkräfte und Grippeviren zahllose Gefechte aus. Zu der Zeit standen die Quoten noch bei 1:10 – der Vorteil lag also ganz klar auf Virenseite. Und wer jetzt vor Schreck denkt, ich spreche über einen Fußmarsch vom Münchener Flughafen in die Innenstadt, den kann ich beruhigen; ich war mittlerweile schon via Flughafenbus in der Münchener City. TIPP Nr. 1: Flughafenbus, sehr empfehlenswert und eigentlich die beste Alternative um in die Innenstadt zu gelangen. Und im Sommer ruhig mal den Busfahrer auf ein Kaltgetränk ansprechen. In den meisten Fällen findet man sich im wohl-klimatisierten und nicht mehr durstigen Zustand auf einem der gemütlichen Sitze wieder. Aber wir waren gerade ganz woanders: WINTER, GRIPPE!!  Nun hatte ich also noch den letzten Rest der Strecke zu bewältigen: zu Fuß! Eine Strecke von 10 Minuten hat sich somit auf 25 Minuten ausgedehnt. Ich kam völlig fertig, mit rasselndem Atem und komplett durchgeschwitzt im Sender an. Meiner Maske sind erst mal die Augen aus dem Kopf gefallen, als sie mich in diesem Zustand gesehen hat (wahrscheinlich hat sie sofort gewusst, wie viel Arbeit da auf sie zukommt).
 
Den Rückweg zum Flughafen erspare ich euch, denn eigentlich wird es sowieso erst jetzt spannend. Vor den Schaltern standen schon riesige Schlangen von genervten Urlaubern. Getoppt wurde dieses Schauspiel nur noch von absolut aggro genervten - ich nenne sie mal - Business Pendlern! Oha, da waren also doch einige Flüge annulliert worden. In weiser Voraussicht war ich viel zu früh am Flughafen und bin auch gleich zu den Gates gelaufen. Tipp Nr. 2: Wenn es eine Möglichkeit zur Umbuchung gibt, dann hier! Und siehe da: Mein Flug wurde annulliert. Mit viel Glück und noch mehr Penetranz habe ich es in eine andere Maschine geschafft. Die hatte zwar 2 Stunden Verspätung, sollte aber immer noch früher gehen, als meine Ursprüngliche. Juhu! Ich freute mich diebisch….noch!
 
Irgendwann war es auch wirklich soweit und wir wurden mit einem Bus zur Maschine gekarrt. Kaum hatten wir unsere Sitzplätze eingenommen, gab es auch gleich die erste Hiobsbotschaft: Starterlaubnis erst in 1,5 Stunden. Ich frage mich ja, ob die Flugbegleiterinnen einen Extrakurs in „Wie gehe ich mit unverschämten Passagieren um“ machen müssen? Selbst ich hätte dem Typen neben mir gerne eine übergebrezelt, vielleicht auch besser gleich zwei. (Das könnte übrigens der Grund sein, warum ich keine Flugbegleiterin geworden bin). Und deshalb an dieser Stelle ein Appell an alle „unverschämten“ Fluggäste: Ich weiß, man ist müde, kaputt und will nach Hause, aber DAS WOLLEN WIR ALLE! Dennoch lassen eure cholerischen Anfälle das Flugzeug bei Eisregen auch nicht schneller abheben. TIPP Nr. 3: Ich als Wetterfee kann kein besseres Wetter herbeizaubern, und die Flugbegleiterinnen können es ebenfalls nicht...also am besten einfach mal tief durchatmen!
Das Gezeter hat jedenfalls rein gar nichts bewirkt. Nach gefühlten 3 Stunden wurde uns mitgeteilt, dass wir überhaupt nicht fliegen! Und nochmals 40 Minuten später waren dann auch endlich Busse da, um uns wieder zum Terminal zu bringen. Und das war´s dann! Ende, Aus, Schluss! Hotels waren alle ausgebucht, die Warteschlangen an den Schaltern hatten mittlerweile „Heidepark Soltau – 30 Grad – Ferien – Familientag – Holzachterbahn Kolossos“ Ausmaße angenommen und es gab keine Möglichkeit mehr, mit der Bahn zu fahren. Es war schlicht und einfach ZU SPÄT! Irgendwann machte sich dann auch bei mir Verzweiflung breit. Was macht man in so einer Situation denn am besten? Schreien? Heulen? Telefonieren? Ach ja, hatte ich schon erwähnt, dass mein Akku leer war? TIPP Nr. 4: Am besten IMMER ein Ladegerät in der Tasche haben! Man weiß nie was passiert.
 
Mein Energielevel, ähnlich dem des Handys, hat nicht mehr wirklich viel zugelassen und somit habe ich mich auf die Couch bei Freunden gerettet. (Das hat mich übrigens eine weitere Stunde gekostet, denn ich musste vom Flughafen wieder in die City). Zum Glück haben mich meine Herbergsbesitzer mit dem Nötigsten ausgestattet, denn eigentlich hatte ich keine Übernachtung in München geplant (und deshalb auch so gut wie nichts dabei, uuaaahhh).
 
Die Lust aufs Fliegen war mir jedenfalls vergangen und ich habe mich entschieden, am nächsten Morgen lieber 6 Stunden in der Bahn zu verbringen und auf diesem Weg nach Hamburg zu gurken! Im Nachhinein eine gute Idee: Auch morgens wurden wieder viele Flieger gestrichen und in Hamburg hat das Bodenpersonal gestreikt.
 
Mein Fazit für den nächsten Aufenthalt Ende Januar in München: Gleich mit der Bahn fahren! Auf dieses Theater und einen ungewollten, mehrtägigen Ausflug habe ich einfach kein Lust mehr!  Wer weiß wann der Winter das nächste Mal zuschlägt? TIPP Nr. 5: Wer krank ist, sollte einfach im Bett bleiben!!!
 
Eure Anneke