Anneke neu

Bis zu 38 Grad im Südwesten, im Norden immerhin 28 Grad. Hätte sich die Hitze langsam aufgebaut und es wäre über viele Wochen hin immer wärmer geworden, wäre es für viele wohl nicht so schlimm gewesen. So aber empfanden es die meisten wie ein Schock. Ich habe in dieser kurzen Zeit etwas Wichtiges gelernt: Die meisten mögen eben KEINE Hitze. Es ist ein schmaler Grad zwischen guter Laune aufgrund von sommerlichen Temperaturen und absoluter Gereiztheit wenn es zu heiß ist. Daher habe ich eine kleine persönliche Recherche gestartet. Nein, sie ist natürlich nicht wissenschaftlich bewiesen und es fand auch keine Evaluation statt. Einfach pure Neugierde meinerseits. Was mir dabei als erstes auffiel: Während meines Studiums sind Worte wie Evaluation und Neugierde nie wirklich zusammen aufgetaucht. Und freiwillig schon gar nicht! Hier kommt also die alles entscheidende Frage: „Wie hoch sollen die Temperaturen im Sommer sein?“ Meine Strategie war folgende: Behutsamer Small Talk als Einstieg zum Thema Wetter. Sollte keine Schwierigkeit sein, macht man eigentlich täglich. Dann der schwierigste Part: Beim Thema Wetter bleiben! Gar nicht so einfach, denn meistens schwenkt das Gegenüber nach dem üblichen Small Talk auf ein „Tschüß“ oder auf weitere Themen um. So hat also mein komplettes Umfeld bewusst oder unbewusst an meiner Befragung teilgenommen. „Opfer“ wurden Kollegen, Freunde, Bekannte, Leute auf dem Markt, Kassiererinnen an der Supermarktkasse, Eisverkäufer. Kurzum: Einfach  viele Menschen, die mir in den letzten 2 Wochen begegnet sind. Junge Junge…übers Wetter hat man echt eine Menge zu erzählen! Anfangs hoffte ich darauf, dass mir vielleicht jeder zweite eine Antwort gibt. Aber Pustekuchen!  Fast alle haben mir detaillierte Auskünfte gegeben (wieso genau diese Temperatur und und und). Um nicht länger um den heißen Brei herumzureden, hier das Ergebnis: Zwischen 20 und 24 Grad- das ist für die meisten die perfekte Temperatur im Sommer! Ich kann dabei noch eine weitere These aufstellen: Grundsätzlich mögen es Frauen gerne ein klein wenig wärmer als Männer.

 
Wenn ich also jetzt auf den Frühling und Sommer 2013 zurückblicke, kommen nur ganz wenige Tage überhaupt als „perfekt“in Frage. Vor zwei Wochen war es wie weiter oben schon erwähnt viel zu heiß. Letzte Woche war es mit Temperaturen weit unter 20 Grad wieder viel zu kühl. Den Volltreffer landen wir wohl momentan. Aber auch nur bis Freitag, denn dann steigen die Temperaturen wieder über 26 Grad. Mist! Fakt ist also, dass der Sommer in Deutschland in den letzten Jahren ganz selten so war, wie es sich die meisten von uns wünschen: Einfach mal mehrere Wochen stabiles Wetter (kann ruhig ab und zu regnen) und dazu jene besagten Temperaturen. Deshalb sind viele von uns aufgrund des Wetters immer mal wieder gefrustet. Wenigstens habe ich nach dieser Befragung aber eine Ahnung davon, welche Vorstellungen meine Mitmenschen von Sommer haben, und genau darum ging es mir ja.
Meine Pläne für das letzte Wochenende wurden vom Wetter auch zerschlagen. Zusammen mit Freunden wollte ich einen Tagesausflug nach Sylt unternehmen. Von Hamburg aus ist das mit der Bahn ganz stressfrei. Im August 2012 haben wir dies bereits gemacht und es war einfach nur traumhaft. Wir waren den ganzen Tag am Strand, die Sonne schien nonstop, und der Sohn meiner Freunde sprudelte über vor lauter Lebensfreude. Da wir den diesjährigen Ausflug länger geplant hatten, habe ich das Wetter auf Sylt bereits 10 Tage vorher schon genauer beobachtet. Und es sah anfangs auch wirklich gut aus: 19 Grad sollten es werden, dazu leicht bedeckt. Perfekt also, denn auf den Nordseeinseln muss man ja wirklich keine 26 Grad erwarten. So weit so gut! Nur leider änderte sich das Wetter genau in den letzten 3 Tagen noch mal rapide. Von 14 Grad war jetzt die Rede, dazu den ganzen Tag Bewölkung und regnen sollte es auch. Wenn man als Urlauber schon auf Sylt ist, ist das natürlich kein Grund das Haus nicht zu verlassen. Aber von Hamburg aus extra auf die Insel fahren? Dazu noch mit einem kleinen Buben, der dann nicht mal im Sand spielen kann? Nein, wirklich nicht. Der „Ausflug“ fand dann bei mir daheim statt. Erst ein ausgedehntes Frühstück und danach ging es auf den Spielplatz im Stadtpark- mit Regenmantel und Gummistiefeln, so konnten wir wenigstens die Pfützen genießen.
 
Genau damit muss man in Deutschland eben rechnen: Das Wetter kann sich irre schnell ändern und nichts ist mehr so wie gedacht. Aber wenn man flexibel bleibt, kann einem das Wetter weder die Laune noch die Wochenendepläne verderben (hier also wenigstens ein kleiner Lösungsansatz). Und genau aus diesem Grund bin ich sehr gespannt, wie sich mein morgiger Ausflug gestalten wird: Ich besuche Freunde aus Bayern am Timmendorfer Strand. Das Wetter? Es soll bewölkt sein und immer mal wieder regnen. Meine Daumen sind aber für Sonnenschein gedrückt. Ich lass mich einfach überraschen.
 
Liebe Grüße,
Eure Anneke