Eröffnung
Der Sommer 2012 ist schon ein Kuriosum. Sein Ruf ist wesentlich schlechter als er bisher wirklich war, zumindest im Süden. Und die Meinungen über den Sommer können nicht weiter auseinander gehen. Da ich ja „zwangsläufig“ ;) mit der Medienwelt zu tun habe, bleibt mir die Meinung mancher Redakteure und Moderatoren über den Sommer nicht erspart. Auf der anderen Seite wohne ich auf dem Land und bin sehr viel in der Natur. Allein diese Konstellation birgt schon eine riesige Kluft.
SOmmer Temp
Bis zum 13. August wichen die Mittelwerte des meteorologischen Sommers 2012 so ab. (Alle Zahlen in Grad Celsius, bezogen auf das Gesamtsommermittel der Jahre 1961-90.)
 
Nun hörte ich jedoch vor ein paar Tagen den Kommentar von Landwirten aus dem fränkischen Bereich, Zitat: „Ich weiß gar nicht, was die im Radio immer vom kalten und regnerischen Sommer schimpfen. Es war weder kalt, noch nass, nur die Sonne schien vielleicht nicht ganz so viel!“
Balsam für meine Ohren :)!  
 
Wir kommen gleich noch einmal auf diese Kluft zu sprechen. Ein weiteres Kuriosum stellt das Gefälle zwischen Nord und Süd, vor allem jedoch zwischen dem Norden Deutschlands und dem Alpenraum dar. Während sich der Sommer 2012 (bis jetzt) im Norden nun wirklich nicht mit Ruhm bekleckert hat, wird zumindest in weiten Teilen Österreichs der Sommer 2012 in Sachen Hitze den berühmt behitzigten Sommer 2003 vom Thron kicken. Und den letzten großen Kick bekommt der Sommer 2012 mit der nun anstehenden Hitzewelle!
 
Kommen wir aber noch einmal zur Kluft zwischen der – ich sag mal salopp – „Spaßgesellschaftsmeinung“ (35 Grad und Sonne von April bis Oktober ohne Regen will „jeder“) und der Meinung vom Land und schauen uns das Ganze mal mit den tatsächlichen statistischen Daten an:
Der Sommer 2012 brachte es bis jetzt in der Nordwesthälfte Deutschlands auf ein Temperatur-Mittel von -0,4 bis +0,5 Grad. In der Südosthälfte liegt das Temperatur-Mittel bei +0,8 bis +1,8 Grad. Das sind allein schon einmal mehr als 2 Grad unterschied. Da haben die Nordlichter allen Grund zu meckern ;).
 
In Sachen Regen gibt es zwischen dem Nordseeumfeld und Berlin/Brandenburg teilweise ein Plus von mehr als 30 Prozent des sonst üblichen Regens. Im großen Rest sind es zwischen 80 und 90 Prozent. An der Ostsee und im Süden Deutschlands fielen hingegen oft nur 50 bis 80 Prozent des Regens. Wenn wir davon ausgehen, dass wir nur noch gut 2,5 Wochen (meteorologischen) Sommer haben, wird es schwer das Regendefizit im Süden aufzuholen. Meist aber ist die Sache doch recht ausgeglichen.
Sonnenscheinsoll sommer
Das Sonnenscheinsoll des meteorologischen Sommers bis zum 13. August in Prozent, bezogen auf das Gesamtsommermittel der Jahre 1961-90.
 
Aber die Faktoren Temperatur und Regen machen noch keinen Sommer. Wichtig ist und bleibt die Sonne. Zwar hat das Sonnenscheinsoll in den vergangenen knapp 10 Tagen vielerorts eine massive Aufholjagd aufs August-Parkett gelegt, dennoch herrscht hier ein latentes Defizit, auf dessen Abbau der August weiter erpicht ist: Bis zum 13. schien die Sonne in einem breiten Streifen zwischen dem Saarland und dem Niederrhein bis rauf zur Ostsee zwischen 65 und 75 Prozent. An der Nordsee und im Südosten war es etwas mehr. Spitzenreiter sind Sachsen und weite Teile Baden-Württembergs. Zwischen dem Bodensee und dem inneralpinen Bereich waren es bis zu 13. gut 85 Prozent.
 
Trotz der uns bevorstehenden sehr sonnigen Tage wird es schwer für den meteorologischen Sommer auf eine deutschlandweit gemittelte schwarze Null zu kommen. Insofern war der Sommer 2012 wirklich nicht soooo toll. Doch er wird um Längen besser sein als sein Ruf. Und im Süden Deutschlands wird der Sommer 2012 zu einem der wärmsten Sommer überhaupt gehören mit zu wenig Regen und vielleicht hier sogar einem Tick „zu viel“ Sonne.
 
Aber was regen wir uns über das Wetter auf. Wir können angesichts der dramatischen Trocken- und Hitzesituation in der Nordhemisphäre froh sein, dass wir so „gut“ weggekommen sind. Schaut man in die USA, nach Russland oder in den Mittelmeerraum, dann dürfen wir echt nicht meckern!
 
Alle gemittelten Werte von eben beziehen sich übrigens auf den Referenzzeitraum der Jahre 1961-90. Und demnach liegen wir aktuell deutschlandweitgemittelt bei einem Plus von 0,5 Grad. Mal gucken, wie weit das in den nächsten Tagen nach oben katapultiert wird.
Selbiges gilt für den August. Er hat gerade ein Plus von rund 0,5 Grad im Emsland sowie in Brandenburg und von knapp 3 Grad am Bodensee und im Allgäu. Gemittelt beträgt das Plus in der Fläche 1,3 Grad.
In Sachen Regen fiel gerade einmal ein Viertel des Solls und in manchen Gegenden war es sogar fast ganz trocken. Die Sonne war recht gleichmäßig am Werk und hat ein Mittel von 55 Prozent erreicht. Mit zwei Drittel des Sonnenscheinsolls führt übrigens der Bodensee die Skala an!
 
Persönlich bin ich auf die Werte am übernächsten Wochenende gespannt! Mal gucken, was die Hitzewelle von Hoch ACHIM so alles bewegen wird. Und die uns bevorstehende Hitzewelle wird es ganz schön in sich haben! Auf der einen Seite kommt sie sehr massiv daher, auf der anderen Seite könnte sie im Süden Deutschlands über eine Woche anhalten mit Temperaturen von 30 Grad plus x jeden Tag. Das Ganze natürlich mit viel Sonne und wenig bis gar keinem Regen.
EL WOE
Wetterlage am Wochenende. (Temperaturen stehen für Werte in 1500 Meter Höhe.)
 
Derzeit geht die Mehrheit der Modellberechnungen im Süden Deutschlands von einer anhaltenden Hitzewelle aus, die am Freitag (17.) beginnt und um den 25. (Samstag) endet. Im Norden kommt die Hitze kurz und heftig, wird aber aller Voraussicht nach ab Dienstag stark gestutzt auf normales Hochsommerwetter mit „moderat überdurchschnittlichen“ Temperaturen. Für den Alpenraum gilt Ähnliches wie für den Süden Deutschlands.
 
Nach der kurzen und kleinen Front von Tief XENIA, die uns bis Donnerstagnachmittag überquert haben wird, baut sich Hoch ACHIM auf. Übrigens, die Front von Tief XENIA wird mit jedem Kilometer Richtung Osten schwächer und ehe sie uns bis Donnerstagabend nach Osten verlassen hat, wird sie sich ohnehin mehr oder weniger aufgelöst haben!
 
Hoch ACHIM wird all das vereinen was eine richtige Hitzewelle ausmacht. Der Mittelmeerraum ist randvoll gefüllt mit extrem heißer Luft. Extreme Trockenheit, Hitze und brennende Wälder zeugen davon. Die Luftmassentemperaturen betragen am Freitag beispielsweise in Spanien, auf den Balearen und im Nordwesten Afrikas 25 bis über 30 Grad in 1500 Meter Höhe! 40 Grad sind hier abseits des Mittelmeeres ein Kinderspiel! Und diese Luftmasse zieht genau zu uns. Die 20 Grad-Isotherme erreicht am Samstag den Südwesten Deutschlands. Am Sonntag liegt diese Zone südlich einer Linie Niedersachen – Thüringen. An der Grenze zu Frankreich sind es fast 25 Grad in 1500 Meter Höhe. Das sind absolute Extremwerte. Sie sind die oberste Grenze dessen, was bei uns möglich ist!
 
Damit bringt uns der Freitag viel Sonnenschein. In der Südhälfte ist es oft wolkenlos. Im äußersten Norden ziehen ein paar Wolken durch. Hier besteht ein äußerst geringes Schauerrisiko. Nach einer vorerst letztmals „frischen Nacht“ von 17 bis 9 Grad erreichen die Höchstwerte 25 bis 32, im Südwesten vereinzelt schon 34 Grad. Einen Tick kühler bleibt es mit Seewind.
 
Das Wochenende bringt uns nur Sonnenschein, von früh bis spät, von den Bergen bis zur See, vom Rhein bis zur Oder. Lediglich über den Norden ziehen am Samstag dünne, hohe Wolkenfelder. Am Samstag liegen die Höchstwerte zwischen 27 und 34, am Sonntag zwischen 30 und 37 Grad. Besonders am Oberrhein können auch ein, zwei Grad mehr erreicht werden. Einen Tick kühler bleibt es vor allem in den östlichen Mittelgebirgen und natürlich mit Seewind am Meer. Dazu geht kaum Wind, die Luft steht also. Allerdings ist die Luft relativ trocken, vor allem in der Mitte und im Osten. So lässt es sich noch ganz gut aushalten, falls man überhaupt noch von „aushalten“ sprechen kann ;).
Rekorde
Diese Rekordwerte in Grad Celsius aus der 2. Augustdekade gilt es zu knacken!
 
Ob es aber für die 2. Augustdekade für neue Hitzerekorde reichen wird, wage ich fast zu bezweifeln. Immerhin gilt es die Rekorde vom 13. August 2003 zu knacken. Das Hitze-Hoch MICHAELA war seinerzeit der Höhepunkt des Jahrhundert-Sommers. Die Luftmasse jetzt steht dieser Hitze von damals zwar in keiner Weise nach, allerdings ist nicht immer nur allein die Luftmasse entscheidend. Bei solch extremen Hitzewerten, vor allem wenn es Richtung 40 Grad geht, spielt die Vorgeschichte eine große Rolle. Ein völlig ausgetrocknetes Land mit vielen Hitzewellen vorher, wie 2003, sind für Extremwerte ein gefundenes Fressen. Jetzt hingegen wird es etwas geregnet haben und die Landschaft ist vielerorts „grüner“ als vor 9 Jahren. Und das kann locker um die 2 Grad ausmachen.
 
Nichts desto trotz wird es sehr, sehr spannend! Ab Montag knickt die Hitzeblase aus dem Mittelmeerraum von Nordwesten her ein. Wir müssen uns das so vorstellen wie ein Ballon, dem die Luft ausgeht und in sich zusammenfällt, trotzdem aber noch genügend Luft hat, um rumwabern zu können. Und so wird die Hitze ab Montag in der Nordhälfte abgebaut. Im Süden hingegen wird sie nur minimal abschwächt, ehe sich die 20 Grad-Isotherme aus dem Alpenraum wieder nordwärts nach Baden-Württemberg und Bayern ausbeult.
 
In der Nacht auf Montag und am Montag tagsüber erwischen uns voraussichtlich im Nordwesten zum Teil schwere Schauer und Gewitter. Die schwülere Luftmasse in Form einer schwachen Luftmassengrenze zieht bis Dienstag in die Mitte und in den Süden. So steigt hier besonders im Mittelgebirgsraum und knapp südlich davon die Gewittergefahr. Wo es wie stark und wann loskracht, kann man beim besten Willen kaum sagen – wenn es überhaupt kracht.
Das Problem wird nämlich ein „Deckel“ sein. Die Luft wird zwar deutlich feuchter, doch in hohen Höhen ist die Luftschichtung sehr stabil. So kann die aufgeheizte und brodelnde Luftmasse nicht nach oben ausweichen und Gewitter produzieren. Reißt der Deckel jedoch auf, und das wird mit Sicherheit passieren, dann schießen vor allem in den Abendstunden die Wolkentürme wie im Zeitraffer empor und es können lokale Unwetter entstehen. Sich darüber aber jetzt schon den Kopf zu zerbrechen wäre vertane Zeit.
 
Und diese nicht Fisch-, nicht Fleisch-Luftmasse von großer Hitze im Süden und normaler Sommer- bis Hochsommerwärme im Norden lungert dann bis voraussichtlich Donnerstag über Deutschland rum.
 
Neben den örtlichen Gewittern bekommen wir viel Sonnenschein. Am Montag sind es wohl noch einmal 30 bis 38 Grad. Weniger heiß ist es an der See und im Nordwesten, wenn die Schauer- und Gewitterwolken schon aufgezogen sind. An den Folgetagen staffeln sich die Höchstwerte aller Wahrscheinlichkeit nach auf 25 bis 35 Grad, jeweils von Nord nach Süd. Im äußersten Norden und an der See bleibt es noch etwas kühler.
Mitte komm Wo
Die Wetterlage in knapp einer Woche. (Südlich der roten Linie setzt sich die Hitzewelle fort.)
 
Wir stehen vor sehr heißen und auch sehr spannenden Wettertagen! Zunächst bekommen wir ein Backofen-Wochenende mit viel, viel Sonnenschein – PÜNKTLICH zum Wochenende, gelle ;)!? Anschließend fummeln wir uns durch eine schwache Luftmassengrenze, deren genaue Lage alles andere als Sicher ist. Liegt diese Linie 500 Kilometer weiter im Norden, bleibt fast ganz Deutschland ein Glutofen, liegt diese Linie 500 Kilometer weiter im Süden, ist das Thema Hitze vom Tisch.
 
Und dann gibt es noch einen 3. Punkt in Sachen Hochspannung beim Wetter. Dieser Punkt wird erstens schon länger in den Wetterkarten berechnet und zweitens würde er eine Zäsur setzen. Ein sich über dem Nordmeer, Nordwest- und Nordeuropa aufbauendes Tief-System wird mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die Hitze aus dem gesamten mitteleuropäischen Bereich rausfegen samt Wolken, Wind und Regen. Die Temperaturen in 1500 Meter Höhe werden zwischen 10 und 18 Grad sinken. So wären bei wechselhaften Tagen nach dem 25. August kaum noch 20 Grad am Tage drin.
letwzte Dekade
Voraussichtliche Entwicklung nach dem übernächsten Wochenende.
 
All das erinnert doch stark an das vergangene Jahr. Auch hier holte der August mit einer brachialen Hitzewelle auf und wusch die Hitze mehr oder weniger über Nacht weg, um dann einen ewig langen und sonnigen Spätsommer einzuleiten. Und wer weiß, womöglich schwappt die bis zum Rand gefüllte Hitzewanne im Mittelmeerraum nach der Abkühlung zum Ende des meteorologischen Sommers, der dann wieder einmal (deutlich) zu warm war, über…!?
 
(Wir schauen uns die Details der Hitzewelle und die mögliche Entwicklung in der kommenden Woche sowie in der letzten Augustdekade (wahrscheinliche Abkühlung) in aktuellen Videokolumnen an!)
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)