Erföngnun
Es wird mal wieder Zeit für einen ausführlichen Überblick über das aktuelle Wettergeschehen. Die nun zu Ende gehende Juli-Dekade brachte schon ein ordentliches Auf und Ab, oder sagen wir besser Ab und Auf. Hatten wir am 22., also am Sonntag vor einer Woche, bei vereinzelten Wetterstationen im Nordwesten neue Tiefstwert-Rekorde erreicht, schmorten wir 5 Tage später in hochsommerlicher Juli-Hitze mit Temperaturen jenseits der 30 Grad. Und nach örtlichem Bodenfrost am Montagmorgen vor einer Woche in Mittelfranken gab es wenige Tage später, nämlich am Freitag, gut 37 Grad im Rhein-Main-Gebiet. Kurz darauf kühlte es sich am vergangenen Wochenende mal wieder um rund 10 Grad ab.
Dienstag klein
Wetterlage am Dienstag.
 
Betrachten wir die kommenden Tage, so geht es erneut rasant bergauf. Das Beispiel Hamburg zeigt einen Temperatur-Anstieg der Luftmasse in 1500 Meter Höhe von 4 auf 14 und das Beispiel München zeigt einen Anstieg der Temperaturen in 1500 Meter Höhe von 10 auf 18 Grad. Damit liegen wir von Nord nach Süd wieder oberhalb des langjährigen Mittels. Im Anschluss kühlt sich die Temperatur der Luftmasse nur ein wenig ab und wir pendeln um das langjährige Mittel herum.
Zwar gibt es, wie natürlich immer beim Wetter, stärkere Möglichkeiten des Aufs und des Abs, doch die groben Trends zeigen alle in dieselbe Richtung. Zudem nimmt die Feuchtigkeit ab Donnerstag zu. Damit befinden wir uns mittel- und langfristig im stinknormalen mitteleuropäischen Hochsommer.
 
Und ziemlich „normal“ verlief unser Sommer auch bisher, zumindest von der Temperatur her. Dazu aber gleich. Ähnlich wie der Juni erreichte auch der Juli sein Sonnenscheinsoll nicht ganz. Mit etwas über 90 Prozent hinkte die Sonne ordentlich hinter, holte aber durch das sonnige Hitze-Hoch XERXES in der vergangenen Woche mächtig auf. Hatten wir beispielsweise bis zum 20. Juli deutschlandweit gemittelt noch keine 50 Prozent Sonnenscheinsoll, so waren es 7 Tage später deutlich über 80 Prozent.
 
In Sachen Regen holte der Juli das massive Defizit der Zeit vor dem meteorologischen Sommer weiter auf. Nahezu überall war der Juli zu nass. Nur vom Bodensee bis Mittelfranken und zum Teil an der Ostsee wurde das Soll nicht erreicht. Sonst fiel im Schnitt ein Viertel mehr als im Schnitt.
 
Was die Temperatur betrifft, war auch dieser Juli einmal wieder zu „warm“. Der heiße Start und die heiße vergangene Woche hievte das Mittel auf über null. Am Schluss werden es 0,5 bis 0,6 Grad „zu warm“ gewesen sein. All die Daten beziehen sich natürlich auf die Referenzperiode 1961-90.
Donnerstag klein
Wetterlage am Donnerstag.
 
Vergleicht man den ganzen „Spass“ mit 1981-2010, so kommt natürlich ein Minus heraus. Der Klimawandel bescherte dem Juli innerhalb von 20 Jahren ein Plus von 1,1 Grad. So dass der Juli, verglichen mit dem aktuellen Klimamittel, um 0,5 bis 0,6 Grad zu kühl ausfiel. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint der Juli übrigens auch noch nasser und noch dunkler, sprich sonnenscheinärmer.
 
Wir mögen es heutzutage kaum für möglich halten, doch die Sommer waren vor ein paar Jahrzehnten zum Teil erheblich schlechter, nicht alle, aber ein paar.
Dass es den Juli so stark nach oben katapultiert hat seit Anfang der 80er Jahre liegt unter anderem auch an den Super-Julis der Jahre 1983, 1991, 1992, 1994, 1995, 1999, teilweise auch 2001 und 2003 und dann natürlich 2006 und 2010. Und da wir sicherlich zahlreiche dieser Julis noch eher in Erinnerung haben als 2000, 1984 oder die Julis von 1977 bis 1981, vermag uns ein solcher Monat wie der zu Ende gehende natürlich „gruselig“ vorkommen.
 
Ein solch „gruseliger“ Absturz wie um die Monatsmitte deutet sich in naher Zukunft nicht mehr an, wobei ich am Samstag das Wort „grauenhaft“ für das Wetter vom vergangenen Freitag hörte. Ich war beim Einkaufen und huschte durch prasselnden Gewitterregen zum Supermarkt und Traf bekannte meiner Eltern. Da schmetterte es mir entgegen: „Was machst´n für´n Wetter!?“ Ich dachte so für mich, och, tu den Damen mal was Gutes und schaute schon auf den kommenden Mittwoch und fragte gegen: „Wieder was wie gestern?“ Daraufhin, Zitat: „Um Himmels Willen, nein, dann lieber Regen. Das war grauenhaft. Eine Woche Sonnenschein und 24 Grad. Das wünschen wir uns.“
 
Nun gut. Der Mittwoch wird nicht so extrem heiß wie der vergangene Freitag, doch er geht in diese Richtung. Das haben wir schon im Video besprochen. Der Mittwoch wird damit auch der mit Abstand „sicher“ trockenste Tag der nächsten Zeit. Und das Ganze zusammen mit oft wolkenlosem Wetter und hochsommerlicher Wärme bzw. Hitze.
Samstag klein
Wetterlage am Samstag.
 
Der Dienstag wird schon „ganz nett“. Sonne und immer weniger Wolken wechseln sich ab. Vereinzelt sind noch ein paar Schauer unterwegs, vor allem im Küstenumfeld. Der Gesamteindruck ist aber freundlich. Einzelne Schauer und Gewitter gibt es auch in den Alpen, hauptsächlich vom Tiroler Alpenhauptkamm bis Oberkärnten. Der anfangs in freien Lagen flotte Westwind lässt nach.
Die Temperaturen steigen auf knapp 18 Grad in Nordfriesland. Sonst sind es in der Nordwesthälfte 19 bis 24, in der Südosthälfte 21 bis 27 Grad. Vielleicht werden am Oberrhein schon 28 Grad erreicht. In den Alpenländern, speziell im Süden sowie in Wien und im Burgenland peilen wir schon wieder die 30 Grad-Marke an.
 
Und dann kommt eben der Edel-Mittwoch. Fast überall ist es wolkenlos. Die letzten dichten Wolkenreste im äußersten Norden verzupfen sich Richtung Dänemark und auf die Ostsee. Am Nachmittag tauchen im äußersten Westen Wolken auf und auch über den Alpen bilden sich zwischen dem Südosten der Schweiz und Oberkärnten Quellwolken mit einzelnen Schauern und Gewittern. Schauer und Gewitter sind bis zum frühen Abend auch zwischen dem Niederrhein und der Eifel drin! Sonst aber scheint einfach nur die Sonne.
 
Und was die Höchstwerte betrifft, so werden wahrscheinlich wieder sämtliche Computer-Berechnungen zu niedrig liegen. Läse man den direkten Modelloutput ab, so werden es „nur“ 20 Grad auf Sylt und 30 Grad am Oberrhein. Im Schnitt werden wir auf die Computer-Daten 2 bis 4 Grad draufschlagen können. Damit erreichen die Höchstwerte verbreitet 28 bis 33 Grad. Ein paar Grad kühler bleibt es im äußersten Norden und mit Seewind am Meer. Die 34 Grad dürften wir in den heißesten Ecken im Südwesten erreichen.
in einer Woche klein
Wetterlage am kommenden Montag.
 
Von Donnerstag bis ins Wochenende bleibt es unterm Strich recht sonnig und hochsommerlich warm bis heiß. Allerdings müssen wir zwischendurch immer wieder mit Schauern und Gewittern rechnen, vor allem in der zweiten Tageshälfte. Es wird nicht jeden Tag und nicht überall gewittern, aber es kann. Mal ist das Gewitterrisiko höher, mal niedriger. Aus heutiger Sicht ist das Gewitterrisiko von Donnerstag bis Samstag moderat. Erst am Sonntag nimmt das Schauer- und Gewitterrisiko überall deutlich zu. Generell heißt es an den Küsten mehr Sonne, in den Bergen mehr Gewitter.
 
Die Temperaturen bleiben auf ähnlichem Niveau wie am Donnerstag. Generell gilt auch hier: Die Südosthälfte inklusive der Alpenländer haben höhere Temperaturen, die Nordwesthälfte nicht ganz so hohe Werte. Gerade rund um Berlin/Brandenburg und Sachsen sowie im Südosten Österreichs werden wir nahezu jeden Tag mehr als 30 Grad haben.
 
Damit wird der August einen statistischen „Plus-Klotz“ in Sachen Temperatur hinlegen. Außerdem wird die Sonne, trotz der schwülen Gewitterluft, die Oberhand behalten, so dass wir bis mindestens Sonntag eher Schwitz- als Bibberwetter haben werden, beginnend eben ab Mittwoch.
 
Im Anschluss, also ab dem Beginn der neuen Woche, geht der „Pendelsommer“ weiter, wobei das Gependel nicht mehr so drastisch ausschlagen wird wie bisher. Voraussichtlich wird ein neues Tief mit Schauern und Gewittern die heiße Luft nach Osten ausräumen. Danach geht es mal sonniger, mal gewittriger weiter mit „normalen“ Hochsommertemperaturen von grob 20 bis 30 Grad, je nach dem ob die Sonne mit einem Schwall Mittelmeerluft am Drücker ist, oder ob Atlantik-Luft mit ein paar Schauern reingrätscht.
Trend 10 klein
Der Trend für den 10. August.
 
Die grobe Struktur der Großwetterlage bis Mitte August zeigt keine Änderung der eingefahrenen Situation. Die Konstellation Azorenhoch – Islandtief mit zeitweiligem Aufbaue eines Hochkeils über Mitteleuropa bleibt uns erhalten.
Damit ändert sich auch mit der Ferien-Wetter-Situation wenig. Dort, wo es jetzt eher wechselhaft und moderat temperiert ist, nämlich im Nordwesten Europas, bleibt alles beim Alten und dort, wo es sonnig und heiß ist, nämlich am Mittelmeer, bleibt es ebenfalls sonnig und heiß.
 
Um diese Jahreszeit macht auch die Wetterküche einen auf Sparflamme, d. h. auf großartige Änderungen hat sie in der Regel keinen Bock, zumindest nicht vor Mitte August. Und das wären eben die berühmten 7 Wochen seit dem Siebenschläfer. Und diese Siebenschläferregel hat in diesem Jahr mal wieder eine Punktlandung auf die Matte gelegt, so wie schon in den vergangenen Jahren!
 
Nach Mitte August kippt die Wetterküche dann gerne wieder oder erstmals um. Nach heißen Sommern kommt die erste große Abkühlung und nach eher durchwachsenen Sommern dreht der Sommer hier erst so richtig auf – siehe auch 2011!
In diesem Zusammenhang blicken wir, für alle Freunde der Spekulation ;), einmal weit über den seriösen Tellerrand hinaus und nehmen uns die aktuellen Langfrist-Trends unter die Lupe. Und glaubt man diesen, so könnte sich in der Tat im Laufe der zweiten August-Hälfte die Großwetterlage langsam umstrukturieren:
UMgestaltung klein
So sähe die mögliche Umgestaltung der Großwetterlage in 4 bis 6 Wochen aus.
 
Bis dahin pendelt das Azorenhoch mal mehr nach Norden, mal mehr nach Osten und lässt einfach keine richtige Ruhe aufkommen. Dann allerdings verliert das Azorenhoch seinen Einfluss und wird mehr oder weniger abgebaut bzw. auf den westlichen Nordatlantik verfrachtet. Derweil macht ein Nordeuropa-/Nordmeerhoch den Aufwölbinger. Hier könnte sich erstmal seit Monaten tatsächlich eine Änderung anbahnen. Es ist nur ein wager Trend, wurde jedoch schon häufiger mal in den Ring geworfen.
 
Der Aufbau eines Nordeuropahochs bringt bodennah eine eher östliche Strömung mit trockenerer Luft. Vielleicht kommt sogar noch eine Südkomponente ins Spiel, hervorgerufen durch ein sich aufbauendes Gegenspieler-Tief auf dem Nordatlantik. Dies könnte dann sogar, auch ähnlich wie im vergangenen Jahr, durchaus noch für viel „Nachsommer“ sorgen. Und wie heißt es doch so schön in der „Siebenschläfer-Regel des Herbstes“: September schön in den ersten Tagen, will den ganzen Herbst ansagen.
 
Ich möchte abschließend aber betonen, dass das noch alles offen ist und es sich um einen groben Trend handelt, der gerade so in den Langfristmodellen rumgeistert. Persönlich rechne ich bei weitem nicht mit einem solch warmen, sonnigen und trockenem Herbst wie 2011…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)