Einstieg
„Viele Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr erreichen können und sie unterschätzen, was sie in 10 Jahren erreichen können.“ Das ist und war einer meiner Lieblingssprüche, den ich vor vielen Jahren einmal gelesen und seitdem verinnerlicht habe.
Sinngemäß geht es ja darum, dass wir vielleicht zu viel auf einmal wollen, statt beharrlich an ein Ziel zu glauben und es, was immer auch kommen mag, zu verfolgen daran zu glauben und dadurch zu wachsen. Es ist wie mit dem Bergwandern: Wir kommen mit der Gondel zwar schneller hoch und können die Aussicht genießen, so richtig davon zehren kann man jedoch nur dann, wenn man den Weg geht…
 
Die Kolumne befindet sich nun im 9. Jahr. Ich habe mal grob überschlagen wie viele Seiten auf dem PC das waren: ca. 3000! Am Anfang stand die Idee. Einer Idee, die Art und Weise wie mit dem Wetter umgegangen wird, zu verändern. Das kann man nicht mit ein paar lumpigen Sätzen oder wenn man seine Meinung über das tägliche Wetter so verändert wie die Fahne sich im Wind dreht. Das kann man aber, wenn man versucht, die Sprache der Natur, des Wetters und seiner Gewalten zu verstehen und weiterzugeben.
 
Und inzwischen hat sich diese Kolumne, Kais Kolumne, zu einer Art „Instanz“ entwickelt, vor der sich selbst großen Respekt habe, großen Respekt, Demut und Dankbarkeit. Die Kolumne hat bei allen Wettertätigkeiten, die ich - vom Vorhersagen für das Radio schreiben bis hin zum Moderieren vor der Kamera – durchführe, den höchst möglichen Grad an Energie. Zwar übe ich alle Tätigkeiten so aus als gäbe es nur das und gebe dabei immer mein Bestmögliches, doch bei der Kolumne ist das noch einmal anders; Beispiel:
See
Wenn ich meinetwegen eine Lokalvorhersage für einen Radiosender erstelle, dann fummel ich mich in die Wetterlage und in die Gegend rein, analysiere die Karten und muss bei den harten Fakten bleiben. Wie wird das Wetter heute, morgen, übermorgen und die kommenden Tage, wann passiert wo was und welche Auswirkungen hat das. Das mache ich gern, manchmal aber ist das aber auch eine undankbare Aufgabe. Obwohl das Wetter im Radio so wichtig ist, wird es von sehr vielen Radiomachern so behandelt als wäre es das Unwichtigste im Programm. Da kommen dann Sätze wie „Kann man nicht eine Temperatur für ganz Deutschland machen?“… (Mir fiel dazu nichts ein, … bis heute nicht!)
 
Bei der Kolumne können wir so über das Wetter reden und sprechen als würden wir uns am Gartenzaun treffen und unterhalten. Wir dürfen „Tabus“ brechen und alles machen. Natürlich ist das manches Mal dünnes Eis, vor allem wenn es in die ganzen Langfristgeschichten geht. Aber genau das macht doch Spaß! Als Kind habe ich auch aus der Zeitung die Wetterlagen ausgeschnitten, Warmfronten rot und Kaltfronten blau eingezeichnet, zu einem Block zusammen geklebt und das Ganze als Daumenkino laufen lassen, um die Großwetterlage besser analysieren zu können.
 
Lange Rede, kurzer Sinn: In dieser Kolumne steckt jede Menge Herzblut, viel Zeit, viel Energie und auch viel Respekt Ihnen und Euch gegenüber. Und ich möchte an dieser Stelle einfach mal für das Vertrauen und die Treue danken, die ich sehr zu schätzen weiß!
Mal gibt es große Enttäuschungen beim Wetter, mal große Freunde, Unsicherheiten, Überraschungen, geniale Treffer, Fehleinschätzungen - und genau das macht den Reiz aus!
 
Da die Welt nicht untergegangen ist ;), wird Wetter auch weiterhin wichtig sein und wahrscheinlich noch wichtiger werden. Und ich versichere Ihnen, dass ich auch in den nächsten Jahren diese Kolumne so weiterführen werde wie bisher, unzensiert und unabhängig.
 
Noch ein Wort zur „nicht untergegangenen Welt“: Ich bin zu tiefst davon überzeugt, dass alles Energie ist und nichts verloren geht. Also kann auch keine Welt untergehen, wohl aber eine Zeit(epoche). Und wenn eine gewisse Zeit geht, kommt eine neue. Es ist wie mit einem Wald nach einem Sturm: Die Bäume sind weg, aber der Wald ist noch da. Man sieht ihn nur nicht sofort, aber er wächst neu. Und vielleicht viel schöner als er vorher war. Gab es vor 25 Jahren viele Monokulturen, so haben wir nun, nach den zerstörerischen Orkanen aus 1990, gesunde, junge Mischwälder – schöner als vorher.
Alpen
 
Und der angebliche „Weltuntergang“ war eine Art Zeitenwende, wie sie es schon oft in der Menschheits- und Erdgeschichte gegeben hat. Mit unserer Entwicklung und unserem Bewusstsein sind wir heute so weit, dass wir wissen (sollten), dass wir viel Verantwortung haben. Verantwortung uns, unseren Nachfahren und natürlich auch unserer Mutter Erde gegenüber. Stellen Sie sich einmal vor, alle Menschen würden eine Zeit lang nur noch ehrlich das Beste denken und auch so handeln und hätten keine Angst. Nach einem Jahr würde man schon viel merken. Nach 10 Jahren wären wir im Paradies…
 
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch einen guten Rutsch bzw. einen guten Beschluss! Alles Gute und immer die besten Gedanken in und für 2013 und danach… :)!
 
Herzlichst Ihr Kai Zorn
 
 
(P.S.: Wetterfakten gibt es an Silvester noch per Video und als ausführlichen Bericht an Neujahr. Nur so viel: Nach einer dunklen Durststrecke mit einem Hoch an der im Winter „falschen Stelle“ kommt ab dem Ende der ersten Januar-Dekade wieder ein bisschen Pep in die (Winter)Wetterküche!)