kkd Eröffnung
Unlängst ist in der (Hobby)Meteorologenwelt eine Diskussion entbrannt, ob es sich bei der aktuellen Wetterlage um eine (Siebenschläfer)Umstellung handelt oder nicht. Von den Wetterauswirkungen vielleicht ja, von der Großwetterlage her meine ich nein! Im vergangenen September begann eine gewisse Struktur an und von Hochdruckgebieten, die sich seit dem mehr oder weniger häufig und intensiv wiederholt – aber eben wiederholt, und zwar permanent.
 
In den kommenden Tagen schauen wir uns das einmal im Video an. Anhand der vielen Großwetterlagen kann man das dort viel besser und anschaulicher zeigen als in einer schriftlichen Kolumne mit den „Briefmarkengrafiken“ ;).
 
Apropos Kolumne. Bernd ist im Urlaub – und damit gibt es auch keinen „Bernds Blickwinkel“. Damit Sie nicht auf den 15 Tage-Trend verzichten müssen, kehren wir an alter bekannter Stelle, nämlich hier, dazu zurück und schauen uns die kommenden 2 Wochen aus der Sicht der 15 Tage-Trends an. Die einen staunen und fragen, ob und wie lange es so weitergeht. Andere hingegen werden langsam nervös und würden sich über Regen freuen! Der Juli ist zur Hälfte rum, der meteorologische Sommer ist zur Hälfte rum und der Hochsommer hat ein Drittel geschafft. Nach dem zahlenmäßig durchschnittlichen Juni ist der Juli – man höre und staune – von der Temperatur her nahe am Durchschnitt dran, obwohl er sich vor allem in der Südwesthälfte gänzlich anders angefühlt hat.
 
Die Sonne machte insgesamt Überstunden und hat bereits fast zwei Drittel des Monatssolls eines durchschnittlichen Julis (1961-90) eingefahren. Ganz stark hinkend zurück liegt jedoch das Niederschlagssoll. Es fummelt sich mit 10 Prozent durch den zunehmend verstaubten Juli. Und von wenigen Ausnahmen (diese besprechen wir gleich) abgesehen kommt da auch nicht viel nach. Ich möchte noch einmal auf die Großwetterlage zu sprechen kommen. Die Entwicklung der Wetterlage der kommenden gut 10 Tage ist für mich sehr ähnlich mit der Hochwasserlage Ende Mai/Anfang Juni – nur ist dieses Mal das System einige hundert Kilometer weiter nordöstlich am Rödeln mit einem Tief samt Höhenkaltluft und wiederholten Regenfällen.
 
Läge dieses Tief an ähnlicher Position wie die 3 Tages Ende Mai, Anfang Juni, wäre es bei uns erstens sehr kühl und zweitens sehr nass. Die übergeordnete Struktur der Großwetterlage ist jedoch sehr, sehr ähnlich. Erinnern Sie sich: Während der Südosten unter Wolken und Kühle vor 6 Wochen bibberte, erlebte der Nordwesten einer der sonnigsten ersten Juni-Dekaden überhaupt. Und derzeit ist es, bis auf ein paar Ausnahmen, wieder sehr, sehr sonnig – und das wird es auch bleiben! Sehen wir uns zuerst einmal die 15 Tage-Trends an: (Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer. Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.)
 
kkd Norden
1. 15 Tage-Trend für den Norden.
Mit synoptischem Auge (der geschulte Wetterkarteninterpretierer) fallen folgende Dinge sofort auf: 1. Die Wetterlage ist und bleibt stabil. Die Ausreißer nach oben und nach unten halten sich den gesamten Vorhersagezeitraum in Grenzen. 2. Die Mittellinie verläuft seitwärts und schlingert nicht. 3. So extrem warm ist und wird es gar nicht. Im Süden eiern wir um das langjährige Mittel herum, im Norden liegen wir darüber, was allerdings etwas täuscht (dazu gleich mehr). 4. Die Niederschläge halten sich massiv in Grenzen, meist bleibt es sogar furztrocken. 5. Der Hauch eines möglichen Abwärtstrends Richtung Monatswechsel deutet sich an. Warum täuscht die überdurchschnittlich warme Luft im Norden? Der Referenz-Ort für den 15 Tage-Trend ist Hamburg, also in der Nähe der Küste. Da die Großwetterlage in ihrer Struktur bodennah in der nächsten Zeit weiter Wind aus nördlichen Richtungen favorisiert, kommt die Luft jeweils von Nord- und Ostsee sowie aus den leicht kühleren Gebieten des verregneten Baltikums, die sich tagsüber aber stark erwärmt. Dennoch bleiben die Höchsttemperaturen äußerst moderat. Hätten wir diese 15 Tage-Trend mit einer Süd- oder Südwestlage und bodennahem Wind aus Südwest bis Süd, so wäre es um einiges wärmer, dafür aber auch nicht so trocken. Mit diesen eher nördlichen Winden werden wir in der Nordhälfte, nördlich der Mittelgebirge, binnen Wochenfrist immer wieder die Herbstgrüße in Form von Nebel und Hochnebel in den Morgen- und Vormittagsstunden haben (können) – mal mehr, mal weniger.
 
kkd Süden
2. 15 Tage-Trend für den Süden.

 
Rein von den Temperaturen in 1500 Meter Höhe her könnten wir, besonders zu Wochenbeginn, locker auf deutlich über 30, in den heißesten Regionen sogar 35 Grad gehen. Das wird allerdings durch die bodennahe nordöstliche Strömung nicht so einfach sein. In diesem Zusammenhang ist es auch äußerst bemerkenswert, dass ein so sonniger und so trockener Juli – bis auf wenige Ausnahmen in den neulich genannten Weinanbaugebieten und aufgeheizten Ballungszentren im Westen – noch überhaupt keine Hitze gebracht hat! Und eine große oder nachhaltige Hitzewelle steht auch nicht an, dafür bleibt es nur sonnig und hochsommerlich warm. Gefühlt haben wir es abseits der Herbstgrüße aber weiter mit Hitze zu tun ;)! Kehren wir das Wetter für die kommenden 7 bis 10 Tage über einen Kamm! Da wird sich nicht viel ändern. Tagsüber haben wir jeweils viel Sonnenschein, oftmals sogar wolkenloses Wetter. Die Ausnahmen finden wir, wie bereits erwähnt, in der Nordhälfte, in der die kühle Seeluft immer mal wieder einen nebligen Strich durch die sonnige Hochsommerrechnung macht. Nebel und Hochnebel halten aber nie wirklich lang durch. Am Nachmittag ist es auch hier sonnig. (Von Herbst über Winter bis Frühjahr bliebe es hier allerdings dicht!) Die andere Ausnahme haben wir am Donnerstag und Freitag im äußersten Süden und teilweise über den Mittelgebirgen. Vorübergehend schwappt ein Schwall feuchterer Mittelmeerluft zu uns. Diese sorgt jeweils bevorzugt in der zweiten Tageshälfte für örtliche Wärmgewitter.
 
kkd Monatswechsel
3. Wetterlage am Wochenende (Pfeile gelten für kühlere Bodenströmung).
 
Es wird nicht jeden treffen, aber dort, wo es regnet, wird die Natur aufatmen. Es werden keine verbreiteten Gewitter sein und auch keine Unwetter. Natürlich kann auch ein Wärmegewitter mal gröber ausfallen, vor allem wenn es stationär ist. Am Samstag drückt die nordöstliche Strömung die Feuchtigkeit wieder in die Alpen zurück. Vom südlichen Oberrheingraben über den Südschwarzwald bis in an den unmittelbaren Alpenrand bleibt uns zwar das Gewitterrisiko am Samstag noch erhalten, doch auch das wird am Sonntag verschwinden. Die Temperaturen liegen permanent bei 24 bis 32 Grad. Ein bisschen kühler bleibt es mit auflandigem Wind an der See. Einen Tick heißer kann es in den dafür üblich verdächtigen Ecken vom Markgräfler Land den Rhein entlang bis ins westliche Ruhrgebiet sein. Aber viel weiter als 33,x Grad traue ich mich nach aktueller Kartenlage nicht zu gehen. Außerdem ist die Luft meist immer trocken. Die Hitze wird nie aufdringlich und die Nächte bleiben auch in den Gebieten mit 30 Grad plus x immer durchlüftbar frisch. So genannte Tropennächte (mindestens 20,0 Grad) wird wohl keine geben. Es herrscht eigentlich für Freizeitaktivitäten, Urlaub und selbst für den Alltag idealstes Hochsommerwetter. Es ist sonnig, es bleibt trocken, es ist sehr warm, manchmal auch heiß, aber nie zu heiß, wir haben klare Luft und keine Schwüle (außer am Donnerstag und Mittwoch im Süden) und die Nächte bieten grundsätzlich erholsamen Schlaf. Diese Sommerphase könnte einer der schönsten Sommerphasen der vergangenen Jahre sein. Die Extremhitze aus 2006 und 2003 hat sicherlich weniger Anhänger als ein Flair wie das uns bevorstehende, das übrigens sehr dem August 2009 und 2004 ähnelt…
 
 
kkd Wetterlage am Wochenende
4. Gemittelte Wetterlage zum Monatswechsel.
 
Apropos August. Nicht dass unser August zum Sorgenkind wird oder werden kann. Die aktuelle Wetterlage, die wir übrigens auch im Winter über einen längeren Zeitraum hatten – da allerdings nur mit Dauergrau -, gab sich dann selbst „die Kante“. Das Hoch nördlich von uns zog weiter nach Norden, dockte sich vom Azorenhoch ab und es kam zur Schwachstelle mit immer mehr Tiefdruck zwischen England, Frankreich dem westlichen Mitteleuropa und dem nördlichen Mittelmeerraum – siehe Mai. Fairerweise muss man dazu sagen, dass diese Möglichkeit von den Wetterkarten schon öfter in Betracht gezogen wurde, dann aber genauso wieder „zu den Akten“ kam…
 
 
Ein Hinweis bzw. noch eine Bitte was den kurzen und möglichen Regen im Süden angeht. Ich weiß, die Regentonnen und –Zisternen sind leer und wir brauchen Wasser. Nehmen Sie bitte auf keinen Fall das erste Wasser eines ordentlichen Regengusses! Auf den Dächern lungert so viel Schrott aus der Luft, Rußpartikelchen, Staub, Pollen, einfach alles. Wenn es kräftig regnet, lassen Sie erst einmal das Wasser alles reinwaschen und sammeln Sie dann erst das Regenwasser. Mit etwas „Glück“ können Sie es auch sammeln, weil sie es brauchen werden, denn die Trockenheit geht weiter…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)