Eröffnung
Gestern Nachmittag hörte ich in einem landesweiten Radio die Aufforderung an einer Umfrage im Internet teilzunehmen und abzustimmen, welches Sommerwetter einem am liebsten ist. In diesem Moment war ich sehr gespannt, denn, darüber lasse ich mich immer wieder aus ;), die grundsätzliche Medienmeinung lautet: Sonne und über 30 Grad.
Unlängst diskutierte ich mit einem Moderator, der erklärte, Zitat: „Meteorologen haben kein Gefühl, wir Moderatoren dafür schon.“ (Es ging um den Bezug Wetter.) Ich entgegnete ihm, dass die wenigsten dieses Wetter wollen, dafür aber am lautesten schreien.
Sonnenscheinsoll Sommer
Das bisherige Sonnenscheinsoll des meteorologischen Sommers bis zum 20. August in Prozent, bezogen auf das Gesamtmittel der Jahre 1961-90.
 
Und eben schaute ich mir diese (nicht repräsentative) Umfrage an. 55 Prozent wollen Temperaturen von 20 BIS 25 Grad, die Hälfte davon auch mit Regen. Gut 15 Prozent möchten Werte um 20 Grad, knapp 25 Prozent mögen Werte von bis zu 30 Grad. Und der geringste Anteil wünscht sich durchweg sonniges und über 30 Grad heißes Sommerwetter.
 
Abgesehen davon, dass ich ein breites Grinsen bekam möchte ich das Ganze nicht weiter kommentieren und einfach mal so stehen lassen. Ich danke diesem Radiosender aus tiefster Seele!
 
Spannend waren die Tage zwischen Freitag und gestern. Um aus dem Nähkästchen der Meteorologie zu plaudern: Das, was wir da erlebt haben, gab es noch nicht. Niemand, weder Meteorologen noch Modelle hatten einen Erfahrungswert was das Verhalten einer derart extrem heißen Luftmasse um diese Jahreszeit angeht. Um mehrere Grade übertrafen die Luftmassentemperaturen in 1500 Meter Höhe die bis dato gemessenen Allzeitrekorde. Satte 25 Grad wurden in 1500 Meter Höhe ermittelt.
 
Leider wurde aus diesem sehr interessanten Sachverhalt wieder einmal ein Medienhype. Es ging ja gar nicht mehr um 40, sondern schon um 41 Grad. Und ich gebe zu, dass ich am Wochenende auch stundenweise auf die Werte schaute und geschwitzt habe – aber nicht wegen der Temperaturen ;). Besonders als am Samstagabend die neuesten Modelle die Hitze noch ein wenig heftiger machten. In manchen Foren überschlugen sich die Schätzungen, ob es 40 oder gar 41 Grad plus x gibt. Eine innere Stimme sträubte sich massiv in mir. Hätten wir Juli gehabt oder wäre diese Luftmasse 2 Tage bei uns geblieben, wäre ich auf 40 Grad gegangen, aber nicht in dieser Situation. Die ausführlichen Begründungen dazu hatten wir letzten Freitag in der Videokolumne besprochen.
Ausgangslage
Die aktuelle Ausgangswetterlage.
 
Es wurden am Boden zwar keine Allzeit-Hitzerekorde aufgestellt, dafür fielen am Sonntag und Montag jede Menge neuer Dekadenrekorde. Am Sonntag in der Nordwesthälfte, am Montag in der Südosthälfte. An vielen Wetterstationen war es seit Aufzeichnungsbeginn zwischen dem 11. und 20. August noch nie so heiß.
Fast untergegangen ist dabei die Tatsache, dass gut eine Woche vorher im Osten eine Hand voll Dekadenrekorde in Sachen „kalt“ aufgestellt wurden. Hier war es seit Aufzeichnungsbeginn an manchen Wetterstationen nachts noch nie so frisch.
 
Was für eine interessante Wetterzeit! Symptomatisch ist jedoch die Differenz zwischen „Kälterekorden“ (eine Hand voll) und „Wärmerekorden“ (reihenweise). Sie zeigt den massiven Wandel unseres Klimas und spiegelt auch die Monate und Jahreszeiten wider, die immer wärmer und wärmer und wärmer werden. Zwischendurch gibt es immer weniger kalte Monate.
 
So nun auch unser Sommer, der sich nun endgültig aus der Reihe kühlerer Sommer aus der letzten Zeit befreit hat und nun sogar im Mittel der vielen Warmjahre 1981 bis 2010 liegt. Während der Norden gerade mal mit Ach und Krach knapp über das Mittel der deutlich kälteren Jahre 1961-90 kommt, prescht der Süden nach vorn. Spitzenreiter ist Bayern mit einem deutlich zu warmen, zu trockenen und fast sogar „zu sonnigen“ Sommer.
Damit stellt Bayern den Übergang in den Alpenraum dar. Hier, also im Alpenraum, wird der Sommer 2012 sich in die heißesten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn einreihen.
 
Schauen wir uns noch kurz das Sonnenscheinsoll an. Dieses ist ziemlich ausgeglichen in Deutschland. Es liegt bis zum 20. August bei 80 bis 100 Prozent, bezogen auf das Gesamtsommermittel der Jahre 1961-90. Gemittelt sind es 87 Prozent. Was für eine Aufholjagd, wenn wir bedenken, dass wir bis zum 30. Juli, also bis vor 3 Wochen, noch mit 58 Prozent rumkrebsten und ordentlich in der Kreide waren! Beachtlich…
 
Verlassen wir den Rückblick und schauen nach vorn. Die Zeit der Rekorde ist vorbei und der verlängerte Hochsommer nimmt spätestens am Freitag auch im Südosten seinen Hut. Das heißt jetzt nicht, dass es nicht noch einmal für kurze Episoden hochsommerlich werden kann, doch das Thema große Hitze ist vom Tisch. Wir bewegen uns auf eine „der Jahreszeit entsprechende Wetterlage“ zu. Und diese wird uns einen Wechsel aus Frühherbst und Spätsommer bringen. Der lang ersehnte Regen für Landwirtschaft und Natur kommt und es wird zwischendurch genug Sonne und Spätsommerwärme geben, so dass der Übergang moderat und nicht drastisch ausfällt wie beispielsweise 2007, wo es Anfang September das erste Mal bis auf 700 Meter Höhe herab schneite oder 2008, wo wir bis Mitte September im Süden fast noch Hochsommer hatten und wenige Tage später graues und kaltes Herbstwetter einzog.
Samstag
Die (Grenz)Wetterlage am Samstag.
 
Am Mittwoch weht im wahrsten Sinne des Wortes ein anderer Wind! Tief YVA ist mit seiner Kaltfront durchgezogen und besonders an den Küsten zieht es ganz schön. Hier werden sogar Spitzenböen von über 50 Sachen dabei sein. Dazu gibt es bis zur Mittagszeit vor allem rund um Schleswig-Holstein noch ein paar Schauer und vereinzelte Gewitter. Und auch in der Südosthälfte sind ein paar Schauer und Gewitter unterwegs. Sonst wechseln sich im böigen Westwind Sonne und Wolken ab.
Am Nachmittag legt sich die Schauer- und Gewitterlinie an die Alpen. Sonst sind allenfalls rund um Nordfriesland und im Südosten Sachsens letzte Schauer mit von der Partie. Im großen Rest dominiert die Sonne und der Wind lässt nach. Mit den Temperaturen geht es weiter abwärts. In der Nordwesthälfte sind es „nur“ noch 20 bis 25, in der Südosthälfte 25 bis 30 Grad. An der See verharren die Nachmittagswerte sogar knapp unter 20 Grad.
(So nebenbei: Die Modelle werden mit den Höchstwerten vor allem im Südosten wieder ihre Probleme bekommen und, ähnlich wie in der vorletzten Woche, zu niedrig liegen.)
 
Die Nacht auf Donnerstag wird für viele eine Wohltat sein, denn hier kann man bei Tiefstwerten von unter 15 Grad mal endlich gut durchlüften. Tagsüber scheint die Sonne. Oft ist es in der Mitte und im Süden fast wolkenlos. Ein paar kompakte Wolken ziehen über die norddeutsche Tiefebene und auch in Alpennähe sind mehr Wolken unterwegs als in den übrigen Gebieten. Hier gibt es jeweils Schauer, an den Alpen auch Gewitter, aber nur lokal.
Ich sage mal ganz frech: Schlagen sie auf die Temperaturen, die Ihnen überall gezeigt werden, besonders im Süden 2 bis 4 Grad drauf! Die Höchstwerte liegen im Norden bei 19 bis 24, in der Mitte bei 23 bis 28 und im Süden bei 25 bis 32, vielleicht auch 33 Grad.
Montag
Die Wetterlage mit Kaltfrontdurchgang am Montag.
 
Der Freitag gestaltet sich äußerst unsicher. Bisher sollte dieser Tag vor allem in der Osthälfte noch einmal sonnig und um bzw. über 30 Grad heiß werden. Sonst hätte es schon im Laufe des frühen Tages Schauer und Gewitter gegeben. Nun wird in einem breiten Streifen von Baden-Württemberg und Franken über die Mittelgebirge bis Berlin/Brandenburg schon bis zur Mittagszeit mit vielen Schauern und Gewittern gerechnet, die sich bis zum Abend ein Stückchen weiter nach Osten ausdehnen. Dafür soll sich in der Westhälfte öfter die Sonne zeigen.
 
In diesem Gewitterstreifen sowie nordwestlich davon erreichen die Höchstwerte 18 bis 24, südöstlich davon mit Sonnenschein zuvor 25 bis knapp über 30 Grad, Schwüle inklusive. Der Freitag ist aber noch nicht in Stein gemeißelt. Da kann sich noch viel tun.
 
Grund für die Unsicherheiten ist die sich noch entlang schlängelnde Luftmassengrenze über dem südlichen Mitteleuropa. Während im Nordwesten Deutschlands die Temperaturen in 1500 Meter Höhe auf unter 10 Grad zurückgehen, stemmt sich die Tropenluftmasse von mehr als 15, teilweise nahe 20 Grad in 1500 Meter Höhe über dem östlichen Alpenraum bis einschließlich Samstag vehement dagegen! So wird uns auch der Samstag eine sehr unsichere Lage was die Schauer-/Gewitter- und Sonnenverteilung angeht bringen.
 
Je nach Sonnenscheindauer erreichen die Höchstwerte am Samstag aus heutiger Sicht 20 bis 28 Grad. Hier muss ich aber auch wieder dazu sagen, dass das Ganze sehr unsicher ist!
 
Mehr „Sicherheit“ bringt dann der Sonntag. Nach einer im Südosten regnerischen Nacht, die die letzten Reste der bis dato rumlungernden Warmluft auswäscht, präsentiert sich der Tag mit zwei Gesichtern: In der Nordwesthälfte sorgt eine Mischung aus Wolken, Sonne und Schauern samt starkem bis stürmischem Wind für ein eher frühherbstliches Empfinden, während sich sonst die Wetterküche wieder beruhigt. Mit Sonne, Wolken und nachlassendem Wind wartet der Sonntag eher spätsommerlich auf. Dazu sind es 20 bis 25, im Nordwesten 17 bis 20 Grad.
Mittwoch
Die Wetterlage mit einem Wiederaufbäumen der Wärme am Mittwoch in einer Woche.
 
Im Anschluss, sprich in den letzten Tagen des Augusts, taumeln wir zwischen Spätsommer und Frühherbst hin und her. Nach der deutlichen Abkühlung auch im Südosten baut sich zu Wochenbeginn abermals ein Hoch auf. Derweil flutscht ein Tief über dem Ostatlantik und Westeuropa nach Süden und schaufelt abermals einen Schwall Warmluft aus dem Mittelmeerraum zu uns.
 
Diese hat allerdings erstens nicht mehr die Heftigkeit und die Wucht wie derzeit und zweitens kann sich die Luft nicht mehr ganz so schnell und nicht mehr ganz so stark erwärmen wie zuletzt. Eine zumindest leicht abgekühlte Landschaft (Böden) und längere Nächte mit frischen Temperaturen hemmen ein wenig die ganz große Erwärmung, die es von Juni bis Anfang/Mitte August noch gibt. Die 25 Grad-Marke wird in der Südosthälfte an den Nachmittagen aber locker überschritten und die 30 Grad-Marke angepeilt ;).
 
Blickt man über die recht zuverlässigen 10 Tage-Trends der Modelle hinaus, so deutet sich eine Fortführung der Schaukelei an: Vorderseite, Rückseite, Vorderseite, Rückseite. Das bedeutet nichts anderes als dass ein Hoch über Mitteuropa zusammen mit einem Tief westlich von uns Warmluft heranschaufelt. Ein paar Tage später wird das Hoch abgebaut, das Tief zieht mit Wind, Regen und Abkühlung über uns und dann geht alles wieder von vorne los.
Septemberg
Für die erste September-Dekade deutet sich der Aufbau umfangreicher Hochdruckgebiete an...!
 
All das findet mit durchschnittlichen bzw. leicht überdurchschnittlichen Temperaturen statt. Verglichen mit den letzten Tagen ist das natürlich eine ganz andere Hausnummer, doch verglichen mit normalem Hochsommerwetter ist das auf lange Sicht gesehen ein ganz moderater Übergang in den meteorologischen Herbst, der am 1. September beginnt. Und in den Glaskugelbereichen der Wetterkarten deutet sich ohnehin wieder eine Hochdruckdominanz mit dem Beginn des Septembers an. Die Bauernregel dazu lautet: September schön in den ersten Tagen will den ganzen Herbst ansagen!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)