Einstieg
Kalendarische und/oder meteorologische Jahreszeiten weichen meist von den gefühlten Jahreszeiten ab. Und was gefühlte Jahreszeiten angeht, so entsteht ein riesiger Spagat. Es gibt welche, die fanden die über 35 Grad von vor einer Woche nicht mehr hochsommerlich, sondern eher frühherbstlich, weil die Sonne schon tiefer steht und es nicht mehr so ewig hell ist. Und dann gibt es welche, die sich auch noch Ende Oktober geschützt in der Sonne aalen und das als hochsommerlich bezeichnen.
Kühtai
2007 gab es Anfang September eine winterliche Überraschung in den Alpen.
 
Wenn wir den Durchschnitt nehmen und das auf die aktuelle Kalenderzeit münzen, so kann der September sicherlich noch lang ein hochsommerliches Flair bringen. 2011 und 2006 sind dafür beste Beweise. Es gibt aber auch Septembermonate, bei denen Sicht im Schacht ist. Ganz „bitter“ war das 2007 oder aber auch 2008. Hier, also in 2008, gab es zwar in der ersten Monatshälfte zumindest in Süddeutschland und im Alpenraum noch hochsommerliche Episoden, dann wurde es jedoch zappenduster und der September schloss nach einem (sehr) warmen Start am Schluss sogar noch zu kühl ab.
 
Ebenfalls kein Glanzgeselle war der September 2010 mit einem Minus von ein Grad, einem deutlichen Nässeüberschuss und einem sehr leichten Sonnenscheindefizit. Und überhaupt waren die September der vergangenen Jahre phasenweise volatil. Schauen wir kompakt zurück: 2011: Viel zu warm, zu sonnig, Nässe fast ausgeglichen. 2010 wie eben erwähnt. 2009: deutlich zu warm, deutlich zu trocken, etwas zu sonnig. 2008: Zu kühl, zu dunkel, Regen ausgeglichen. 2007 auch zu kühl, viel zu nass, Sonnenscheindefizit. 2006 brachte hingegen extreme Wärme, nicht einmal die Hälfte des Regensolls und über 130 Prozent Sonne. Auch die September davor, 2005 bis 2003 waren allesamt zu warm, zu trocken und zu sonnig.
 
Der September 2012 wird es schwer haben. Er muss sich dem hochsommerlichen September 2011 stellen und wird verglichen werden. Und – und das wird das hüpfende Komma oder der springende Punkt sein – er wird sicherlich von vielen als eine Art Hoffnungsträger als „Entschädigung“ für den „verkorksten Sommer“ herhalten müssen. Ob er diesen Ansprüchen gerecht wird? Ich wage es zu bezweifeln, zumindest was die Temperatur betrifft.
 
Zurück zur Zäsur. In 2011, 2009, 2006 und 2005-03 schien also für viele das gefühlte Hochsommerwetter bis in den Herbst zu gehen. In 2010, in 2008 und in 2007 war hingegen schon deutlich früher Schluss mit lustig, sprich mit Hochsommerwetter. In 2007 fiel sogar in den ersten Septembertagen bis auf 700 Meter Höhe herab der erste Schnee. Da war sogar der (Spät)Sommer schon rum.
Niederschlag
Die Regensummen bis Sonntagfrüh in Liter pro Quadratmeter.
 
Und wie sieht es in diesem Jahr aus? Ich vermute einmal, dass der kommende Einbruch mit Tief CHRISTINE den Hochsommer ad acta legen wird. Danach wird es allenfalls zu schönem Spätsommer kommen. Die Kombination, die hochsommerliches Flair ausmacht, wird zu Ende gehen. Beispielsweise können von Ende Mai bis Mitte August nach regnerischen und kühlen Phasen ein Hoch mit trockener und warmer Luft die Feuchtigkeit schnell beseitigen und etwaige Wärme kann sich durch Aufheizen (bei kühler Luftmasse) bilden oder einfließende Warmluft wird kräftig angeschürt.
Ab Mitte August wird es von Tag zu Tag schwerer nachhaltige Kaltlufteinbrüche mit viel Feuchtigkeit zu relativieren. Haben sich erst einmal feuchte Luft und Kühle eingenistet, hat es ein Hoch mit warmer Luft immer schwerer. Es braucht viel mehr Zeit, viel mehr Trockenheit und viel mehr Wärme im September als beispielsweise im Juli. Daher auch die Bauernregel: Was der Sommer nicht kocht, kann der September nicht braten.
 
Es geht jedoch nicht immer nur um die Temperatur. 25 bis über 30 Grad und viel Sonne sind selbstverständlich auch im September hochsommerlich, 20 bis 25 Grad allerdings spätsommerlich. Kommen diese 20 bis 25 Grad in Verbindung mit ganz viel Sonne, so werden bestimmt ganz viele Menschen glücklich sein ;).
 
Eine solche spätsommerliche Phase steht uns nach dem Einbruch sogar bevor. Grob kann man sagen: Zunächst Einbruch mit viel Regen im Süden, dann langsam freundlicher und wärmer. Richtung Ende der ersten September-Dekade und zu Beginn der zweiten September-Dekade möglicherweise „Absturz“ in den Herbst.
 
Mit dem Mittwoch ging eben der wohl letzte verbreitet gefühlte Hochsommertag mit Temperaturen von bis zu 30 Grad zu Ende. Die finalen Tage des meteorologischen Sommers gehen stark bergab.

So bringt uns der Donnerstag in einem breiten Streifen von der Schweiz über Baden-Württemberg und Bayern bis Berlin/Brandenburg und Sachsen immer mehr Schauer und Gewitter. Später regnet es sich vor allem in Bayern richtig ein. Auch von Vorarlberg bis Salzburg beenden Gewitter und einsetzender Schnürlregen den Sonnenschein. Schauer und Gewitter gibt es auch in Oberösterreich und in Oberkärnten. Weiter nach Osten zu bleibt es in Österreich sonnig. In der Nordwesthälfte Deutschlands wechseln sich Wolken, Sonne und einzelne Schauer und Gewitter ab. Die Höchstwerte liegen bei 18 bis 25 Grad. Im äußersten Osten Deutschlands und Österreichs sind es über 25, teilweise nahe 30 Grad. Im nachmittäglichen und frühabendlichen Dauerregen im Dreieck Bodensee – Donau – Tiroler Alpenhauptkamm kühlt es sich dann deutlich ab.
Freitag
Wetterlage am Freitag.
 
In der Nacht auf Freitag und am Freitag tagsüber regnet es von der Schweiz über Bayern bis Berlin-Brandenburg sowie im Westen und der Mitte Österreichs anhaltend und zum Teil sehr ergiebig. In den Regenhochburgen werden bis Samstagfrüh über 100 Liter Regen auf den Quadratmeter zusammen kommen. Die Gebirgsflüsse werden anschwellen, es wird riesige Wasserlachen auf den Wiesen geben und im Hochgebirge sinkt die Schneefallgrenze auf rund 2000 Meter Höhe. Ein Segen für die im alpinen Hitzesommer geschunden Gletscher!
 
Und so ganz nebenbei wird der Dauerregen im Südosten das bis jetzt noch „amtierende“ Regendefizit des meteorologischen Sommers 2012 am letzten Tag ausgleichen und den Sommer hier möglicherweise sogar „zu nass“ werden lassen. Dann stimmen Statistik und Volksmeinung wieder überein ;).
 
In den übrigen Gebieten, nordwestlich einer Linie Oberrhein – Thüringer Wald – Stettiner Haff, wechseln sich am Freitag Wolken und Sonne mit zunächst einigen Schauern und Gewittern ab. Am Nachmittag werden die trockenen Phasen mit deutlich mehr Sonnenschein von der Nordsee her deutlich größer.
 
Der Temperatur-Spagat reicht von gerade mal einen Tick über 10 Grad im Allgäu bis knapp über 20 Grad am Mittelrhein und im Elbtal. Auch in der äußersten Südostecke Österreichs sind es noch einmal etwas über 20 Grad. Dort, wo die Sonne heraus kommt, weht allerdings ziemlich kühler und ruppiger Nord- bis Nordwestwind. So fühlen sich die etwas milderen Werte kühler an und im Dauerregen in Alpennähe fühlen sich die gut 10 Grad wie nur 5 bis 7 Grad auf der Haut an.
Montag
Wetterlage zu Wochenbeginn.
 
Mit dem Freitag verabschieden wir den August und den meteorologischen Sommer. Und mit dem Samstag begrüßen wir den September und beginnen mit dem meteorologischen Herbst. Und das Wetter fängt sich langsam wieder. Wer bis hier keinen richtigen Regen bekommen hat, der wird binnen Wochenfrist dann erst auch mal keinen kriegen. (Es gibt Regionen, vor allem in Franken, die dringend Regen brauchen. In Mittelfranken fielen im Großraum Nürnberg nicht einmal 130 Liter Regen in 90 Tagen. Das entspricht etwa 60 Prozent des Solls und ungefähr der Menge, die an der Grenze zu Tirol von Donnerstagnachmittag bis Samstagmittag fallen wird.)
 
Das neue Hoch CHRISTOPH kommt am Wochenende zwar nur langsam in die Puschen, startet dafür zu Wochenbeginn ordentlich durch! Am Samstag halten sich südlich der Donau und im Bayerischen Wald noch viele Wolken. Der Regen lässt jedoch nach. Auch im Nordseeumfeld bleibt es bewölkt mit einigen Regenfällen. Im großen Rest dazwischen scheint häufig die Sonne. In einem breiten Streifen vom Saarland und Rheinland-Pfalz bis rauf nach Vorpommern und Berlin/Brandenburg scheint die Sonne von einem teilweise wolkenlosen Himmel!
 
Am Sonntag beweisen dann auch am Alpenrand die Wolken Mut zur Lücke und die Sonne zeigt sich immer häufiger. Derweil wabern die dichten Wolken samt leichtem Regen und Nieselregen von der Nordsee her bis nach NRW, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Obendrein weht hier ein ruppiger Westwind.
 
Am Samstag sind es 17 bis 21, am Sonntag 20 bis 24 Grad. Jeweils kühler bleibt es unter den dichten Wolken mit Regen.
Die Nächte sind bei längerem Aufklaren sehr frisch mit Tau und Nebel und erinnern damit schon an den Herbst.
Donnerstag
Tendenz für den kommenden Donnerstag. (Noch hält das Hoch.)
 
Von Montag bis Mittwoch steht uns friedliches Spätsommerwetter bevor. Dichtere Wolken halten sich am Montag anfangs in der Nordhälfte. Sonst geht es durch sonnige September-Tage. Die Nachmittagswerte liegen am Montag bei 17 bis 25, sonst bei 20 bis 27 Grad. Die Nächte bleiben frisch. Bei längerem Aufklaren gibt es jeweils einstellige Temperaturen. Und dort, wo es bis zum Wochenende viel geregnet hat, bildet sich nachts auch Nebel.
 
Bis einschließlich Mittwoch steht der Trend. Nachdem Hoch CHRISTOPH von Westen her zu uns gewabert ist und sich über uns niedergelassen hat, deutet sich eine Art Auseinanderbrechen der Hochzelle über uns an. Ein Teil flutscht nach Osten, ein anderer nach Westen und stützt damit ein sehr weit nördliches Azorenhoch. Damit würde der Weg für ein kräftiges Skandinavien-Tief frei werden.
 
Vor einigen Tagen hatten die Modelle immer wieder diese Idee, jetzt konkretisiert sich das Ganze. Wann und wie intensiv das kommt, ist noch offen. Immerhin ist es bis dato noch mindestens eine Woche hin, doch dass es in diese Richtung geht, manifestiert sich mehr und mehr.
 
So wird es Richtung Ende der kommenden Woche und damit zum Ende der ersten September-Dekade voraussichtlich von Nordwesten her ungemütlich mit Wind, Regen und einer ordentlichen Abkühlung. Die 20 Grad-Marke wäre dann für ein paar Tage passé und in den Hochlagen der Alpen (oberhalb von 2000 Meter Höhe) Schnee. Freundlicher bliebe es auf der Alpensüdseite, bedingt durch Nordföhn.
Dekade
Trend für das übernächste Wochenende bzw. Richtung Ende der ersten Septemberdekade.
 
Generell zeichnet sich mittelfristig ein Wechsel aus kurzen Einbrüchen mit ein paar Schauern und längeren Hochdruckphasen mit Spätsommerwärme sowie Spätsommerlicht ab.
 
Damit startet der junge September am Samstag etwas unterkühlt, sonst aber mit Temperaturen, die der Jahreszeit entsprechen. Die Sonne wird sich mächtig ins Zeug legen und fleißig Überstunden machen. Ergiebige und flächendeckende Regenfälle zeichnen sich ab dem Wochenende nicht ab. Das heißt nicht, dass es nicht zwischendurch mal regnet oder es ein paar Schauer gibt.
Derweil freuen sich die Winzer über beste Witterungsverhältnisse für den Wein…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)