Einstieg
Vor einigen Jahren ging die Sommerzeit noch bis Ende September. Da hätten wir an diesem Wochenende die Uhren umstellen müssen. Ich persönlich finde ja, dass wir die Sommerzeit, wie in Russland, durchgehend lassen sollten. Was nützt es in den dunklen Monaten, wenn es morgens hell ist und am Nachmittag dunkel!?
HH
15 Tage-Trend für den Norden.
Und damals, als die Sommerzeit eben bis Ende September ging, war gefühlt der Sommer endgültig rum. Und auch wenn die Zeitumstellung noch 4 Wochen dauert, so wird der Sommer 2012 nun auch gefühlt vorbei sein. Ein Wärmepolster wie vor einem Jahr wird der Start des Oktobers 2012 nicht (mehr) auf die Beine stellen können! Erinnern Sie sich? Vor einem Jahr waren die Freibäder noch bis Anfang Oktober geöffnet - dank sommerlicher Temperaturen von um und über 25 Grad.
 
Seinerzeit hagelte es in den ersten beiden Oktobertagen vor allen in der Nordhälfte Wärmerekorde. Bremen brachte es gar auf 28,6 Grad am ersten Oktober. Der wärmste Wert seit Aufzeichnungsbeginn von vor über 120 Jahren!
Am 3. Oktober 1985 schlug sogar der Hochsommer in Freiburg mit 30,8 Grad noch einmal zu! Ein beachtlicher Wert. Und keine 6 Wochen später zog im besagten Jahr deutschlandweit der Winter ein…
 
Vom Winter sind wir noch relativ weit entfernt und, wie eben schon erwähnt, verabschieden wir uns auch vom Sommer. Aber beides ist immer wieder Thema. Vor wenigen Tagen hatte ich zwei interessante „Begegnungen“. Eine Business-Frau aus der Stadt sagte, dass der Sommer jetzt endgültig rum sei und er hätte „kaum stattgefunden“. Ein paar Tage zuvor unterhielt ich mich mit einem jungen Papa, der im August Elternzeit hatte und viel in der Natur ist. Er urteilte über den Sommer 2012, Zitat: „Wer sich über den Sommer beschwert, beschwert sich auch über einen Lottogewinn!“ Das lass ich mal beides so stehen, dann es spiegelt so schön die verschiedenen Meinungen wider ;).
 
Ziehen wir wieder den Bogen zum kommenden Winter: Am Mittwoch, als der Föhn über die Alpen wuchtete, radelte ich spontan auf einen Berg und ging die letzten 200 Höhenmeter zu Fuß. Erstens wollte ich die Stimmung aufnehmen und mich zweitens mal tiefer mit der „Materie“ „Wie wird der kommende Winter?“ beschäftigen. Es ist schon ein ganz anderes Feeling, wenn man auf einem kargen Gipfel in 1700 Meter Höhe steht und einem stürmische Böen um den Gewürzprüfer peitschen. In der Ferne sah man die Föhnmauer am Alpenhauptkamm, die immer wieder über die Gletscher der Zentralalpen rollte. Das ist Wetter! Kein Vergleich zum stupiden Geklicke am PC.
E
15 Tage-Trend für den Westen.
 
Am Gipfelkreuz kam ich mit jemandem ins Gespräch. Bevor ich mich als „Wetterfrosch“ outete, erzählte er mir über seine Bergtouren und seine Einschätzung, wie der Winter werden würde. Interessiert hörte ich zu und er spekulierte auf einen „russischen Winter“. Da wurde mir schon ein wenig anders, da ich die Winterkarten, die immer wieder berechnet werden, im Kopf hatte. Und diese deuten zumindest phasenweise einen eben solchen Winter an… Damit werden wir uns in Kürze mal auseinandersetzen – und zwar in einem Video mit den wahrscheinlichsten Wetterlagen in den kommenden Monaten.
 
Vielleicht sind wir, ähnlich wie 1985, noch oder nur gut 6 Wochen vom Winter entfernt. Mit dem Oktober, ab Montag, beginnt nicht nur der zweite meteorologische Herbstmonat, sondern auch der so genannte Vollherbst. Ab jetzt können wir zuschauen, wie sehr sich die Natur verändert, Tag für Tag. Und das Wetter dazu sollte, bis auf ein paar Ausnahmen, von seiner sonnigen Seite her mitspielen:
 
Am Samstag beeinflusst uns vorübergehend Tief LULU. Dieses bringt im Norden stark böigen und stürmischen Südwestwind mit Wolken, Sonne und ein paar Schauern. Eine dichte Wolkenfront legt sich über den Südosten. Diese bringt südlich einer Linie Schwarzwald – Fränkische Alb Oberpfälzer Wald zeitweise Regen. Der dazugehörige Wolkenkragen reicht noch ein Stück weiter nordwestwärts. Zwischen den Schauern im Norden und dem Regengebiet im Süden gibt es einen breiten Streifen mit viel Sonnenschein. Hier, also im Sonnenscheinstreifen, werden es 16 bis 20, in südöstlichen Brandenburg und im Osten Sachsens vielleicht sogar 21 Grad. Mit Wolken, Wind und Regen werden es rund 13 Grad. Bei längerem Regen kühlt es sich bis auf 10, 11 Grad ab.
 
In der Nacht auf Sonntag sind an den Küsten letzte Schauer unterwegs und am östlichen Alpenrand fällt noch Regen. Sonst klart der Himmel auf und mit wenig Wind bildet sich in der Mitte und im Süden Nebel.
Berlin
15 Tage-Trend für den Osten.
Am Sonntag tagsüber löst sich der Nebel im Laufe des Vormittags auf. Dann scheint verbreitet die Sonne. Von wenigen, dünnen und hohen Wolken abgesehen ist es sogar wolkenlos. Einige Wolken ziehen über den äußersten Norden und auch im äußersten Süden halten sich kompakte Wolkenreste. Die letzten Regenfälle klingen aber auch hier ab.
Die Nachmittagswerte von 13 bis 19 Grad fühlen sich geschützt in der Sonne wärmer an.
 
Damit verabschiedet sich der September unterm Strich sehr sonnig. Mit den letzten Tagen wird er statistisch den Sprung über die 100 Prozent-Sonnenscheinsoll-Marke deutlich schaffen (deutschlandweit gemittelt auf die Jahre 1961-90 bezogen). Das Regensoll wird bei rund drei Viertel verharren und bei den Temperaturen wird wohl ein leichtes Plus von einem halben Grad heraus kommen (alles jeweils deutschlandweit gemittelt und auf die Jahre 1961-90 bezogen).
 
Der Start in den Oktober von Montag bis Mittwoch verläuft in der Südosthälfte meist friedlich, im Nordwesten ein wenig „holprig“. Am Montag hängen voraussichtlich im äußersten Südosten noch einige Wolken mit letzten Schauern. Sonst scheint nach unterschiedlich rascher Auflösung von Nebel die Sonne. Dichte Wolken haben wir erst wieder an Nord- und Ostsee. Besonders an der Nordsee und in Nordfriesland fällt etwas Regen.
Mit im Schnitt 15 bis knapp über 20 Grad ist es angenehm mild und oft fühlen sich diese Werte vor allem in der Nachmittagssonne auch wärmer an.
 
Am Dienstag rückt uns im Nordwesten erneut ein Tief auf die Pelle. So zieht es nordwestlich einer Linie Eifel – Harz – Mecklenburg zu und es folgt Regen. An und auf der Nordsee entladen sich auch Gewitter. Im großen Rest haben wir einen friedlichen Herbst-Mix aus Sonnenschein und lockeren Wolken. Diese, also die Wolken, können aber durchaus mal etwas kompakter sein. Der Südwestwind wird in der Mitte und im Norden wieder ruppig.
17 bis 21 Grad sind es in der Südosthälfte, 13 bis 18 Grad in der Nordwesthälfte.
München
15 Tage-Trend für den Süden.
 
Die latent leichte Zweiteilung bleibt uns auch am Mittwoch treu: In der Nordwesthälfte erwarten uns Wolken, Wind und einzelne Schauer, in der Südosthälfte viel Sonnenschein und harmlose Wolken. An den Temperaturen ändert sich wenig.

Die Prognose bis hierher dürfen wir als durchaus „sicher“ ansehen. Die Entwicklung danach ist äußerst fragil, vor allem was die Temperaturen angeht. Das Ganze schauen wir uns jetzt mal in den jeweiligen 15 Tage-Trends an:
(Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer. 
Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.)
 
Ab dem 4. Oktober (Donnerstag) gehen die Temperatur-Linien in 1500 Meter Höhe weit auseinander. „Hinter den Kulissen“, also in der Modellwelt, werden zwei Richtungen gerechnet: Die eine Richtung lautet Hochdruck mit Mittelmeerluft und bestes goldenes Oktoberwetter mit viel Sonne und traumhaftem Wanderwetter in den Bergen. Die andere Richtung zeigt das Einsickern deutlich kälterer Luftmassen inklusive einiger Regenfälle.
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Gemittelte Großwetterlage in 10 Tagen.
 
Betrachtet man sich die gemittelten Linien, so werden wir wohl wärmstenfalls um das jahreszeitliche Mittelmaß herumeiern.
Besonders ausgeprägt sind die Temperatur-Unterschiede übrigens im Süden Deutschlands. Dominiert hier das Hoch samt warmer Mittelmeerluft, sind in 1500 Meter Höhe locker 10 bis 15 Grad drin. Sickert jedoch die kühle Luft aus nördlichen Richtungen ein, geht es sogar auf etwas unter null Grad in 1500 Meter Höhe. Hier liegen wir zwischen gefühlten Spätsommer und Spätherbst.
 
Außerdem werden im Norden deutlich mehr Regensignale berechnet als im Süden. Das spricht für eine sich möglicherweise aufbauende Grenzlage. Die gemittelten Wetterkarten zeigen das gut: Da haben wir für Tag 10 (8. Oktober) noch ein kräftiges Hoch über dem Alpenraum, das an Tag 15 (13. Oktober) weicht. Damit würde die Hochdruckbrücke zwischen dem Azoren- und dem Russlandhoch brechen und die atlantischen Tiefs könnten weiter zu uns vordringen. Besonders betroffen von eher wechselhafterem Wetter wären dann der Westen und Norden.
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Gemittelte Großwetterlage in 15 Tagen.
 
Gut zwei Drittel der Modellberechnungen sehen in etwa dieses Bild. Eine weitere Variante kommt auch immer mehr in den Fokus mancher Modellierungen: Der Aufbau eines Hochs über Skandinavien und dem Baltikum, an dessen Südostseite aus nordöstlichen Richtungen ziemlich kühle Luft zu uns fließen könnte. Das wären dann die kühlsten Berechnungen in den 15 Tage-Trends.
Und um die Verwirrung komplett zu machen: Das Langfristmodell CFS berechnet sogar eine durch und durch von Tiefdruck dominierte zweite Oktoberdekade.
 
Damit haben wir leichte Unsicherheiten in der Kurz- und Mittelfrist und große Unsicherheiten in der Langfrist. Wir werden diese Unsicherheiten per Videos in den kommenden Tagen noch einmal beleuchten und einen kleinen Exkurs in die Großwetterlagen der nächsten Monate machen. Bis dahin genießen wir das sonnig-milde Herbstwetter. Wer weiß, wie lange das noch so bleibt ;)… Schönes Wochenende!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)