eroeffnung

Nach den ganzen Hypes und Sensationsjagden der vergangenen Tage kehrt nun ein bisschen Ruhe in der Wetterküche ein, gespannte Ruhe. Und nachdem ich mich an das neue „Kolumnen-System“ noch nicht wirklich gewöhnt habe, möchte ich wieder mehr zu den Wurzeln des Wetters zurückkehren und wieder etwas mehr über die Hintergründe des Wetters und deren Auswirkungen schreiben. Nehmen wir die Videos als „Ergänzung“ ;-)!

Einst einmal hatten wir an dieser Stelle das Straßen- bzw. das Gartenwetter. Jetzt, Mitte März, müsste oder könnten wir im Prinzip beides nehmen. In der Natur tut sich schon etwas – wenn auch wenig – und auf den Straßen sowieso. Ausgerechnet der März brachte mit die winterlichsten und vor allem die kältesten Phasen des allmählich auslaufenden Winters! Die vergangene Nacht (die Nacht von Dienstag auf Mittwoch) brachte sogar neue Minusrekorde für die 2. Märzdekade zustande!

Die meisten Messreihen der verschiedenen Wetterstationen starteten irgendwann zwischen Ende des 19. Jahrhunderts und Mitte des 20. Jahrhunderts. Ein in der Klimatologie äußerst übersichtlicher Zeitraum. Mitteleuropäische Durchschnittswerte der einzelnen Monate bzw. Jahreszeiten reichen hingegen immerhin schon bis 1761 zurück. Und setzten wir den aktuell für die meisten gefühlt (extrem) kalten März mal in die Relation der jüngsten Wettergeschichte:

Stellen wir uns dazu den März wie ein Hochhaus vor. Es hat 10 Stockwerke und einen Keller. Die drei wärmsten März-Monate seit 1761 finden wir in den Jahren 1938 und 1989 mit 7,0 bzw. aus dem Jahre 2012 (!!) mit 6,9 Grad! Diese Monate kommen in den 10. Stock.
In den mittleren Stockwerken ist das Mittel der Jahre 1961-90 mit 3,5 Grad, ein Stockwert drüber das Mittel 1981-2010 mit 4,3 Grad.
Das in 2013 aktuelle März-Mittel liegt bei 2,3 Grad, also ein Stockwerk unterhalb des Mittelwertes bzw. 2 Stockwerke unterhalb des Wertes aus dem aktuellen Klimamittel, an das wir uns gewöhnt haben.

Aber wieso sind wir in den mittleren Stockwerken? Weil es noch deutlich niedriger geht! Die Luft nach „unten“ ist sogar noch größer als die nach oben. Den letzten wirklich kalten März erlebten wir im Jahre 1987 mit einem Durchschnitt von minus 0,5 Grad. Und die zwei kältesten März-Monate (die aus dem Keller) stammen aus den Jahren 1845 und 1785 mit jeweils einer Durchschnittstemperatur von minus 3,7 Grad. Ähnlich eisige Monate hatten wir im Dezember 2010, im Januar 2010 und dann erst wieder in den Wintern der Mitt80er Jahre!

So gesehen ist der März also alles andere als extrem oder gar eisig. Er ist etwas kälter, ja, und in der Kombination mit den Schneefällen in der Mitte und den ungewöhnlich niedrigen Höchstwerten im Dauerfrostbereich ist dieser März ein regelrechter Bruch mit den Super-März-Monaten der jüngsten Klimageschichte.

Auch der so gern zitierte ungewöhnlich lange und strenge Winter entpuppt sich bei genauem Hinsehen in Sachen Temperatur als langweiliger Durchschnitt. Bemerkenswert war die rekordverdächtige Sonnenscheinarmut.
Und setzt man die ganzen Puzzleteile vom ersten Wintereinbruch Ende Oktober, dem sonnenscheinarmen Winter mit seinen Kälteperioden und dem winterlichen März zusammen, so ergibt sich das subjektive Bild eines langen und strengen Winters, der, wäre er sonnig und damit deutlich kälter gewesen, längst nicht solch einen schlechten Ruf bekommen hätte.

Und betrachten wir uns die mittel- und langfristigen Aussichten, so wird sich wieder eines rar machen: Die Sonne! Nach ein paar netten (und kalten) Tagen bis Freitag/Samstag übernimmt ein Tief die Regie bei uns, das für jede Menge Schmuddelwetter sorgen wird…!

Von einigen in meinem Umfeld kommt nun die Frage, wann man denn endlich die Sommerreifen aufziehen könne. Und in einer Umfrage sah ich neulich im Fernsehen, dass jetzt der März gekommen sei. Der Winter gehöre nicht in den März. Jetzt sei die Zeit gekommen, um die Blumen herauszutun. Ganz in Loriot-Manier dachte ich mir da: „Ach was!?“
Das mit den Sommerreifen vertagen wir mal in den nächsten Monat und das mit den (Sommer)Blumen in den übernächsten!

Manches Mal können wir um diese Jahreszeit schon die im Winterquartier lauernden, frostempfindlichen Überwinterlinge aus dem Haus ins Freie stellen, um sich schon mal an Luft und Licht und damit an die kommende Saison zu gewöhnen. Wenn es sicher milde und frostfreie Nächte gibt und sich höchstens kurze Rückschläge andeuten, macht das Sinn. Heuer nicht.

Soweit das Wetterkartenauge reicht, ist keine nachhaltige frost- und zum Teil auch sicher schneefreie Wetterlage zu erkennen, auch wenn es am Wochenende (vorübergehend) deutlich milder wird. Die sich ab Sonntag/Montag einnistende Großwetterlage ist fies kompliziert und bietet ein – nennen wir es interessantes – Potential:

GFS 130313
Die Lage binnen Wochenfrist nach GFS
 

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