Eröffnung
Am Freitagabend eierte ich spontan meine kleine Entspannungsrunde (ca. 12 km). Es war natürlich mal wieder so, dass ich keine Kamera dabei hatte. Es gab nicht nur ein geniales Abendrot, sondern über den Moorwiesen stieg Nebel auf und die sich gold und bunt verfärbende Natur leuchtete in einem himmlisch-mystischen Rotton. Und das nach einem sonnig-warmen Spätsommertag im Oktober.
Samstag
Wetterlage am Samstag.
 
Bei meiner Schlendertour vor dem Farbspektakel traf ich eine bekannte Frau, die mich mit ihrer Freundin gleich in Beschlag nahm. Und es folgte die Frage: „Wie wird’s?“ Ich frage dann gern zurück: „Wo und wann?“ Es ging letztendlich um die weitere Entwicklung und ich (ver)sprach kühleres Wetter ab dem 2. Oktoberwochenende mit Schnee in den Bergen. Darauf hin sagten die beiden rüstigen Rentnerinnen: „Das wollten wir hören!“ Ich verdutzt: „Ihr seid ja schräg drauf!“. Daraufhin kam mit einem Lächeln: „Wissen Sie, solch eine Wärme bei uns tut uns nicht gut…“  
 
Die meisten von uns werden sicherlich sonnig-warmes Oktoberwetter kühlem und windigem Regenwetter vorziehen – meiner einer übrigens auch! Aber wie lauten doch so schön die Bauernregeln: „Oktober sonnig und warm, folgt ein Winter dass Gott erbarm!“, „Oktober warm und fein, kommt ein scharfer Winter drein!“
Im Umkehrschluss lauten die Bauernregeln bei rauem Oktoberwetter: „Bringt der Oktober schon Schnee und Eis, wird’s im Winter schwerlich weiß!“, „Schneit es im Oktober gleich, wird der Winter weich.“
 
Man kann im Prinzip ganz gut danach gehen, wobei es bei der Interpretation der Bauernregeln immer auf das Untersuchen der (richtigen) Wetterlagen ankommt. Ein warmer Oktober kann durch ein stabiles Hoch über Mitteleuropa zustande kommen, oder aber auch durch eine sehr milde Südwestlage. Während die erste Variante einen kalten Winter wahrscheinlich macht, macht die Zweite einen milderen Winter wahrscheinlicher.
Genauso ist es mit dem rauen Oktoberwetter. Ein erster kälterer Vorwinterschlag in den Bergen bedeutet nicht zwingend das große Winteraus.
Wochenmitte
Wetterlage um die Wochenmitte.
 
Wir wollen in dieser Kolumne aber nicht über den kommenden Winter, sondern über die weitere Entwicklung in den kommenden Tagen und Wochen sprechen. Dem Thema Winter widmen wir uns aber auch noch an diesem Wochenende. So viel sei gesagt: Sollte das nur annähernd so kommen, wie es die Modelle berechnen, stehen uns sehr spannende, abwechslungsreiche und zwischendurch auch sehr „schattige“ Wochen ab Mitte November bevor.
 
Bevor jedoch die Reitspuren von St. Martin im Schnee abtauchen, haben wir noch 3,5 Wochen Oktober und 3 Wochen Sommerzeit vor uns. Und diese werden sich wohl zumindest für einige Tage in der nächsten Woche golden präsentieren. Nur die Temperaturen werden wohl nicht so ganz mitmachen.
Überhaupt stand das Wetter der kommenden Woche, ähnlich wie an diesem Wochenende, ganz schön auf der Kippe! Vor vielen Tagen wurde eine goldene Wetterwoche berechnet, dann sollte es unbeständig werden. Und aktuell sieht es wohl wieder mehr nach ruhigerem Herbstwetter aus.
 
Und ein paar ruhige Tage können nach den windig-ruppigen und nass-rauen Tief-Zeiten nicht schaden ;).
Ruppig fegt der Wind noch am Samstag übers Land. Zunächst weht in der Mitte und im Süden starker bis stürmischer Südwestwind. Nur im äußersten Süden sind wir durch den Windschatten der Alpen geschützt. Dazu liegt ein Regengebiet nördlich einer Linie Eifel – Harz – Berlin. Dieses Regengebiet wandert bis zum frühen Abend südwärts und erreicht in etwa eine Linie Pfälzer Wald – Thüringer Wald – Lausitz. In Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg lockern derweil die Wolken wieder auf. Am längsten freundlich bleibt es südlich einer Linie Schwarzwald – Alb – Donau – Bayerischer Wald.
 
Der Temperatur-Spagat ist enorm: Im Regengebiet und danach sind es nur 10 bis 14 Grad. Vor dem Regengebiet werden um und über 20 Grad erreicht. Die Wärmenase vorn haben Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern, wobei wahrscheinlich in Teilen des Alpenvorlandes inklusive des Großraums München 25 Grad erreicht werden dürften. Diese Werte fühlen sich abseits des Windes geschützt in der Sonne fast noch einmal wie Hochsommer an, während die klammen 10 Grad mit Regen und Wind spätherbstlich wirken.
eine Wohe
Wetterlage in gut einer Woche (2. Oktoberwochenende).
 
Diese nach Süden schlendernde Regenfront (Kaltfront) verliert in der Nacht auf Sonntag an Fahrt und liegt am Sonntagmorgen südlich einer Linie Mosel – Main. Tagsüber zieht der Regen langsam südwärts und klemmt sich am Alpenrand fest. Vereinzelt entlädt sich ein Gewitter. Dahinter folgt ein Mix aus Wolken und immer mehr Sonne. Einzelne Schauer sind besonders in Küstennähe unterwegs.
 
Die Höchstwerte erreichen nur noch 11 bis 16 Grad. Besonders markant ist der Temperatur-Sturz im Süden. Am Vortag über 20 Grad mit Sonne und dann Regen und nur noch etwas über 10 Grad plus gefühlten Aufschlag sorgen schon für einen herb(st)en Schlag ins Gesicht. Besonders in der Nordhälfte ist der Wind dazu noch zackig unterwegs, an den Küsten anfangs auch stürmisch.
 
Die Tage von Montag bis Donnerstag sind zwar größtenteils hochdruckdominiert, dennoch mischen immer wieder kompakte Wolkenfelder mit. Meist sind es hochnebelartige, tiefe Wolkenfelder. Diese verteilen sich unterschiedlich übers Land. Dazwischen scheint längere Zeit die Sonne, bis auf ein Aber. Und dieses Aber wird der Nebel sein. In den frischen und klaren Nächten wird sich dieser ausbreiten und tagsüber ab jetzt auch schon mal längere Zeit halten. Im äußersten Süden besteht außerdem besonders am Montag und Dienstag die latente Gefahr für Regenfälle und einzelne Gewitter. Das betrifft aber nur den äußersten Süden Baden-Württembergs und Bayerns.
 
Die Tageswerte liegen bei 10 bis 16, ab Mittwoch von Südwesten her auch bei deutlich über 15 Grad. In Gebieten mit zähem Nebel bleibt es (zumindest bis zum frühen Nachmittag) bei einstelligen Tageswerten. Die Nächte werden bei längerem Aufklaren sehr frisch mit Frost-, zumindest aber mit Bodenfrostgefahr!
gemittelt 10
Die gemittelte Wetterlage für den 15. Oktober.
 
Damit wird sich das in den ersten Tagen auf über 3 Grad aufgebaute Wärmeüberschuss in der neuen Woche langsam wieder abbauen.
Apropos Statistik. Kurios ist nach den ersten 4 Tagen die Niederschlagsverteilung: Währen im Nordwesten mancherorts schon weit mehr als die Hälfte des Niederschlagssolls eines ganzen Oktobers erreicht wurde, gurkt der Bodensee mit null Prozent an Soll nach weit im Abseits…
 
Nun hat sich also für das Wochenende und die Tage danach eine recht eindeutige Linie gefunden. Sicherlich ist aufgrund der Modellsprünge der letzten Tage die genaue Prognose nicht in Stein gemeißelt, dafür jedoch relativ sicher.
Recht sicher ist die Entwicklung danach, also zum zweiten Oktoberwochenende. Nach all den Trends wird es hier, darüber sprachen wir schon in der letzten Kolumne, zu einem ersten nachhaltigen Einbruch von kühlen Luftmassen mit Tiefdruck kommen.
 
Manche Berechnungen zeigen um die Monatsmitte Temperaturen in 1500 Meter Höhe von um die null Grad und knapp darunter. Damit gäbe es den ersten Schnee in den Alpen bis auf gut 1000 Meter Höhe und die erste Anzuckerung auf den Gipfeln der Mittelgebirge. Dass es dazu kommt, ist, wie schon erwähnt, relativ sicher.
 
Aber es wäre nicht das Wetter, wenn es da noch ein paar Haken und Ösen einbauen könnte bzw. würde. Diese Haken und Ösen manifestieren sich in Form von großen und die Steuerung übernehmenden Hochdruckgebieten. Und diese werden das kommende Tief regelrecht einquetschen und kreuz und quer verschieben. Und dieses eben erwähnte Tief wird nicht das einzige in die Mangel genommene Tief sein. Da wird es noch ein paar geben, die zwischen die Mühlräder der Hochdruckbollwerke geraten.
 
Gehen wir also bis hier her mal davon aus, dass es nach Durchzug der Kaltfront bis Sonntagnachmittag freundlicher, ruhiger und kühler wird. Um das zweite Oktoberwochenende herum kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit das Tief, anschließend bläht sich der Hochdruck erneut auf (siehe auch die gemittelten Großwetterlagen für Tag 10 und Tag 15).
gemittelt 15
Die gemittelte Großwetterlage für den 20. Oktober.
 
Und damit schließt sich der Kreis. Wenn der Oktober jetzt theoretisch kühle und (sehr) nasse Phasen bekommt mit der ersten Anzuckerung bis unter 1000 Meter Höhe durch plan- und ziellose Tiefs, ist das nicht unbedingt ein Zeichen für einen milden Winter; im Gegenteil: Die Hochs sind hier am Drücker. Und es heißt, dass sich die Oktoberzirkulation gerne mal im Winter wiederholt. Wäre eine solche Wetterlage im Hochwinter (Januar) am Werk, gäbe es Regen und Schnee mit anschließendem Hochdruck samt Kälte.
Würden jetzt große Tiefs mit Polarluft aus dem hohen Norden die Regie übernehmen, gäbe es im Januar Sturmtiefs mit entsprechend mildem Atlantik- und Nordseewind.
 
Winterreichen sind (noch) nicht das Thema, aber vielleicht ein langsames Vorbereiten im Garten für die Ruhesaison bzw. das Ende der Saison 2012. Die Sommerblumen müssen wir noch nicht rausrupfen, aber die zeitlosen Arbeiten wie Blumenzwiebeln setzen, das Um- bzw. Ein- oder Verpflanzen und all solche Dinge stehen jetzt an, zumal der Boden in den meisten Regionen für das Anwachsen wenigstens einigermaßen nass ist. Wenn jetzt die ersten kalten Nächte nach Regen und mit Nebel gekommen sind, wird sich das Flair draußen in der Natur ohnehin wesentlich deutlicher Richtung Herbst neigen…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)