Wallberg Eröffnung
An den vergangenen Tagen wurde ich wiederholt gefragt, wo denn „endlich der goldene Herbst“ bleibt. „Es war doch letztes Jahr auch so schön!“ heißt es dann. Das denke ich mir auch so manches Mal ;). Das ist eben immer das Gefährliche, wenn man besonders „schöne“ Jahreszeiten beginnt als „Norm“ anzusehen und die Norm (den Durchschnitt) an sich dann plötzlich als „schlecht“ sieht.
Wir kennen diese Problematik ja mit dem Sommer. Alles was nicht annähernd so ist wie 2003 oder das „Sommermärchen 2006“ ist schlecht.
Niederschlag Europa
Niederschlagssummen in Liter pro Quadratmeter binnen Wochenfrist.
 
Natürlich hat sich das Klima gewandelt. Die Strukturen der Großwetterlagen haben sich ge- und verändert und die „düsteren Kapitel“ aus der mittleren Vergangenheit aus der Zeit vor September 1987 gehören in die Geschichtsbücher. Für Sonnen- und Wärmeliebhaber hat sich das Ganze schon um ein, zwei Klassen „verbessert“. Das bedeutet nur noch lange nicht, dass der zum „schlecht“ abgestiegene „Durchschnitt“ nicht mehr vorkommen kann ;).
 
Und genau das tut er im Moment. Wir haben einfach mal Herbst. Herbst mit Wind, Wolken und Regen und nicht mit einem Hoch samt Mittelmeerluft und Wärmerekorden nach dem anderen. Und die aktuelle Zwischenbilanz für den Oktober beweist: Es war bisher zu nass! Temperaturen und Sonne sind im Schnitt.
Die Abweichung des bisherigen Oktoberschnitts (bezogen auf das Gesamtmonatssoll) liegt bei plus 1,3 Grad. Das ist in Wirklichkeit kein echtes Plus. Die erste Monatshälfte ist statistisch wärmer als die zweite. Insofern kann man sagen: Genau im Schnitt.
 
Ähnlich verhält es sich mit der Sonne. Der Schnitt liegt bei den ersten 12 Tagen bei rund 40 Prozent des Solls. Wenn wir pauschal den Dreisatz anwenden, kämen fast genau 100 Prozent raus, ohne jetzt mit einzukalkulieren, dass die Tage kürzer werden. Schaut man sich jedoch die Großwetterlagenentwicklung an, so bin ich ganz zuversichtlich, dass wir die 100 Prozent erreichen, vielleicht sogar überschreiten werden.
 
Beim Niederschlag sind wir inzwischen bei rund 70 Prozent angekommen, wobei die Verteilung in Deutschlands höchst unterschiedlich ist. Während wir in der Westhälfte teilweise deutlich über 100 Prozent haben, hinken wir in Sachsen mit kaum 20 Prozent noch weit hinterher.
Montag
Wetterlage am Montag.
Die Niederschlagskarte für die kommenden 7 Tage verspricht nicht mehr allzu viel Nachschub. Ausgerechnet in den Gebieten, in denen es ohnehin schon viel geregnet hat, werden noch 10 bis 30 Liter dazu plätschern. Um Deutschland herum wird allerdings in den nächsten 7 Tagen die Wasserpost abgehen. So richtig nass wird es dabei in Skandinavien, Westeuropa sowie von der Iberischen Halbinsel bis zum Balkan werden. Die trockensten Gebiete in Europa werden der Osten Mitteleuropas und die Türkei sein.
 
Eine beginnende Umstellung erwartet uns in den nächsten ein bis zwei Wochen. Wiederholt hatten wir in den Videos schon darüber gesprochen: Drei Hauptakteure werden die Regie in der europäischen Wetterküche übernehmen. Da hätten wir einmal das Hoch-Duo Azoren/Atlantik und Osteuropa. Diese beiden Hoch-Geräte werden sich immer wieder miteinander verbinden. Dem gegenüber steht ein Tief zwischen Nordwesteuropa und Island. Die brüchigste Stelle des Hoch-Systems liegt dabei über West- und Mitteleuropa. Das wird das Ganze auch mittelfristig recht knifflig machen.
 
Damit haben wir tendenziell im Norden und Westen weiter ein erhöhtes Regenrisiko, während im Osten und Süden die Chancen auf Hochdruck höher sein werden. Aber so richtig durchgehend und sicher beständig schaut es nirgends aus. Damit fehlt von einem sicheren und dauerhaft goldenen Herbst der Marke 1a nach wie vor jede Spur. Das heißt aber nicht, dass es nicht mal für einige Tage am Stück „ganz nett“ sein und bleiben kann ;).
 
So startet die neue Woche mit vielen Wolken und einigen Regenfällen. Die meisten Regenfälle sind jedoch durch und ziehen sich Richtung Ostsee zurück. Länger trüb bleibt es Richtung Alpen mit zeitweiligen Regenfällen. In den übrigen Gebieten kommt nach und nach die Sonne häufiger zum Zuge. Einzelne Schauer folgen noch vom Niederrhein bis Schleswig-Holstein.
Donnertag
Wetterlage am Donnerstag.
Es wird vor allem in der Südosthälfte empfindlich frischer als an den Vortagen. Unter den kompakten Wolken mit nachlassenden Regenfällen verharren die Nachmittagswerte bei etwas unter 10 Grad. Sonst werden um und über 10 Grad erreicht. Bei 13, 14 Grad ist aber schon Schluss. Außerdem weht ein unangenehmer und ruppiger Wind aus West bis Südwest, vor allem in der Mitte und im Norden. An der See sind auch noch Sturmböen dabei.
 
Nach derzeitigen Trends baut sich in der Nacht auf Dienstag ein Hoch zwischen Mittelfrankreich, Süddeutschland und Südpolen auf. Damit bleibt ein Tief über Italien auf der Alpensüdseite hängen und das nächste Tief auf der Nordsee strandet am Rande des Hochs im Nordwesten. Entsprechend klart der Himmel auf und in der feuchten Luft bildet sich Nebel. Und bei längerem Aufklaren ist dann auch Frost möglich. Richtung Nordsee bleibt es im Wind deutlich milder und einige Schauer sind auch dabei.
 
Am Dienstag tagsüber streift uns voraussichtlich noch einmal eine Front im Westen. Besonders von Schleswig-Holstein bis in die Pfalz bringen dichte Wolken ein paar Regenfälle. Aus derzeitiger Wochenend-Sicht kann man das Regengebiet von seiner Lage und Intensität logischerweise nicht genau einschätzen. Tendenziell ist und bleibt es damit in der Südosthälfte nach und außerhalb zäher Nebelfelder recht freundlich mit einem Mix aus Sonne und Wolken.
 
Der Mittwoch und der Donnerstag versprechen jeweils ruhiges Herbstwetter. Das mit dem Mittwoch deutet sich ohnehin schon seit längerer Zeit an. Aktuell kommt nun wohl auch der Donnerstag dazu. Der Mittwoch bringt uns abseits zäher Nebelfelder eine Mischung aus viel Sonnenschein und nur harmlosen Wolken.
gemittelt Ende O 1
Gemittelte Wetterlage Ende Oktober mit Tiefdruchbruch...
Am Donnerstag nimmt der Luftdruckunterschied zu. Dieser wird bekanntermaßen durch Wind ausgeglichen. Entsprechend wird der Südostwind zunehmen, in den Alpen setzt Föhn ein.
 
Liegen die Höchstwerte am Dienstag noch bei 10 bis 16 Grad, so ist am Donnerstag die 20 Grad-Marke nicht nur in Reichweite, sondern locker überschreitbar – und das recht verbreitet. In der Höhe, also in 1500 Meter Höhe, steigen die Temperaturen massiv an. 10 bis 15 Grad könnten es am Donnerstag werden. Mit wenig oder keinem Wind und nach ausgekühlten Nächten hätte eine solch leichte und warme Luftmasse um diese Jahreszeit kaum noch eine Chance die feuchten und durch die längeren Nächte ausgekühlten und im Dunst und Nebel liegenden Niederungen zu erreichen. Wenn allerdings der Wind die feucht-kühle Luftmasse aus den Niederungen wegweht und die Wärme nach unten mischt, dann kann es noch mal richtig warm werden, vor allem an den jeweiligen Nordrändern der Berge dank Föhn.
 
Diese Föhnlage sehen alle Modelle ähnlich. Nur das „Herauskommen“ aus dieser Wetterlage wird unterschiedlich gesehen. Und damit wären wir schon beim vorletzten Oktoberwochenende in einer Woche. Einige Modelle – und das ist schätzungsweise auch die wahrscheinlichste Variante – sehen ein langsames Vordringen des Tiefs von Westeuropa nach Mitteleuropa, wo sich eben das Tief auflöst, ehe sich erneut ein Hoch aufbaut. Die flotte Süd- bis Südostströmung würde abbrechen, von Westen her kämen Wolken samt Regen und Abkühlung heran. Auf dem Weg nach Osten schwächt sich der Regen ab und am Schluss haben wir eine Mischung aus Sonne, Wolken und zunehmender Nebelneigung in den Niederungen.
 
Die zwei anderen Lösungsmöglichkeiten zeigen einmal ein abebben der Süd- bis Südostströmung ohne Tiefdruck. Das heißt, der Wind würde nachlassen und die Temperaturen würden langsam wieder zurückgehen, die Neigung zu Nebel und Hochnebel in den Niederungen würde zunehmen. In den Bergen und in höheren Lagen hieße das jedoch traumhaft goldenes Oktoberwetter mit allem schönen und bunten Schwärmerdrum und –dran.
gemittelt Ende O 2
... und mit Hochdruckbrücke.
Die 3. Variante zeigt mehr und mehr Tiefdruckeinfluss mit einem Zurückweichen der Hochs. Das halte ich für die unwahrscheinlichste aller Varianten.
 
Den Variantenreichtum in der erweiterten Mittel- und Langfrist schauen wir uns dann noch im Video an. Bis hier her können wir festhalten: Es wird in den nächsten Tagen langsam freundlicher und beständiger. Die Sonne mischt häufiger mit und es sind auch dazu einige sehr milde Oktobertage ab Wochenmitte drin. Die ideale Zeit, um im Garten langsam die Herbstarbeiten abzuschließen und erste Dinge winterfertig zu machen…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)