Eröffnung
Immer wieder bin ich aufs Neue erstaunt, wie spannend und interessant Wetter sein kann. Selbst nach so vielen (Berufs)Jahren gibt es Ereignisse, die sich in der „Wetter-Erinnerungs-Seele“ einbrennen. Und das dem Alpenraum nun bevorstehende Frühwinterereignis könnte schon mehrere Vögel abschießen. Während es in weiten Teilen des Flachlandes einfach nur kälter wird mit einem grob der Jahreszeit entsprechendem Wetter mit eben kalten Nächten, erleben wir in Teilen der Schweiz, in Österreich und im Süden Deutschlands unser weißes Wunder!
vor einer Woche
Vor einer Woche gab es selbst auf 2000 Meter Höhe gefühlt über 25 Grad!
 
Das könnte nicht nur in Sachen Schneehöhen ein besonderes Ereignis werden, sondern auch in Sachen Nachhaltigkeit - also der Schnee bleibt länger liegen – und es könnte bei entsprechender Konstellation - Schneedecke und klarer Nachthimmel – auch neue Temperaturminusrekorde geben. Und das nicht nur um ein paar Zehntel Grad, sondern um viele Grad.
Ich formuliere noch ein bisschen im Konjunktiv, obwohl ich mir eigentlich ziemlich sicher bin, dass das passieren wird. Es ist eher der Respekt vor diesem Ereignis!
 
Wir werden uns am Wochenende ausführlich mit der mittel- und langfristigen Entwicklung beschäftigen. Hier sieht es, so viel kann man schon sagen, nach stinknormalem Spätherbstwetter aus – nicht zu warm, nicht zu kalt.
 
Schauen wir zurück. Vor einer Woche, also am 19. Oktober, fielen reihenweise neue Dekadenrekorde in Sachen Wärme. Ich selbst war an diesem Tag viel und lange draußen, auch im alpinen Gelände. Das Autothermometer zeigte bis zu 28 Grad im Allgäu. Ein gefühlter Hochsommertag wie aus dem Bilderbuch. Das bunte Laub glühte in der Sonne und wenn man die Augen schloss, kam man sich vor wie an einem Hochsommertag zur späten Nachmittagszeit an einem Badesee. Quer durch Deutschland wurden am Freitag (19.) und Samstag (20.) neue Wärmerekorde aufgestellt. Auch der Beginn der 3. Oktoberdekade am Sonntag (21.) war für neue Wärmerekorde besonders im Osten gut. Hier gab es jeweils an einigen Wetterstationen die bis dato höchsten Werte seit dem jeweiligen Bestehen. Spitzenreiter war Oberstdorf mit 27,2 Grad (2. Oktoberdekade).
 
Oberstdorf ist übrigens auch Spitzenreiter in Sachen Kälte für die 3. Oktoberdekade mit minus 12,7 Grad. Gemessen wurde dieser Wert nach dem Hitzesommer 2003 am 25. Oktober.
Tamex Fr
Das waren die Höchstwerte vom 19. Oktober...
Sollte, wie eben erwähnt, die Kombination aus klarem Nachthimmel und Schneedecke kommen, dann wird dieser Wert weit nach unten ausbrechen. Minus 20 Grad wären dann näher als minus 15. Es kommt eben nur auf den klaren Himmel an. Die Schneedecke wird es geben…
 
Los geht der winterliche Spuk in der Nacht auf Samstag südlich einer Linie Eifel – Erzgebirge. Hier setzt in der Nacht Schneefall ein. Bis zum Samstagmorgen wandert dieses Schneefallgebiet nach Süden. Dann schneit es in weiten Teilen Baden-Württembergs und im Norden Bayerns bis nach Sachsen sowie im Thüringer Wald. Am Ober- und Hochrhein, am Bodensee sowie in weiten Teilen Südbayerns, in der Schweiz und in Österreich ist es noch Regen. In höheren Lagen, oberhalb von 300 bis 600 Meter Höhe wird es am Samstagmorgen in den genannten Gebieten winterliche Straßenverhältnisse geben!
 
Der Samstag wird im Süden Deutschlands und im Alpenraum heftig! Ein sattes Niederschlagsgebiet, wie es so schon im beamtigen Meteorologendeutsch heißt, liegt über der Schweiz, dem südlichen Baden-Württemberg, weiten Teilen Bayerns und gesamt Österreich. Die Schneefallgrenze sinkt von Nordwesten her bis in die Niederungen. Nur von Wien über das Burgenland bis in die südliche Steiermark, in Kärnten und Osttirol, im Tessin und im Unterengadin fällt bis zum Abend noch Regen. Den großen Rest schneit es mehr oder weniger ein.
Vom Genfer See über den Bodensee bis Niederösterreich wird die Schneefallgrenze bis zum Boden simuliert. Oftmals schneit es so kräftig, dass es innerhalb von 6 Stunden locker 5 bis 10, in den Starkschneefallgebieten auch 15 Zentimeter Schnee runterhauen kann und wird.
 
Der Schnee wird am Anfang noch nass und pappig sein, ehe die null Grad-Grenze bis auf unter 300 Meter Höhe absinkt und der Schnee pulvrig wird und überall festklebt bzw. festfriert.
Tmin Mo
... und das sind die Frühwerte vom kommenden Montag.
 
Damit gibt es mehrere Gefahren. Einerseits ist es natürlich die Glätte durch Schneematsch, Schnee und zunehmend dann auch durch Eis, andererseits sind viele Bäume noch belaubt. Die Blätter tragen den Schnee, können aber die Last nicht mehr tragen. Es wird verbreitet zu Schneebruch kommen, d. h. Bäume und Äste werden durch die Last des Schnees umknicken. Einige Straßen und Bahnlinien könnten durch umgestürzte Bäume blockiert werden!
 
In der Nacht auf Sonntag verlagert sich der Schwerpunkt der Schneefälle in den äußersten Osten der Schweiz, in den Süden Bayerns sowie in den Bayerischen Wald. Auch in ganz Österreich schneit es. Nur von der südsteirischen Weinstraße bis zum Neusiedler See schneit es nur leicht.
In diesen Gebieten geht in der Nacht auf Sonntag mit Frostluft und Schnee ohne Winterreifen und/oder Schneeketten rein gar nichts mehr. Von der Glätte werden alle Gebiete betroffen sein, auch die jeweiligen Innenstädte und Autobahnen. Und da das das erste Glätteereignis der Saison ist und die Straßen vorher noch nicht gesalzen waren, bleibt auch alles liegen!
 
Im Laufe des Sonntags lassen die Schneefälle im Alpenraum nach. Vor allem in den Alpen selbst schneit es noch weiter – das allerdings mit deutlich geringerer Intensität!
 
Am Sonntagmorgen werden wir im Alpenraum und drum herum staunen! Die Landschaft wird ausschauen wie im tiefsten Winter! Das einzig Bunte werden die „Teller“ auf dem Schnee unter den Bäumen sein, die durch Schnee und Frost im Nu entlaubt worden sind. Mancherorts wird so viel Schnee liegen, dass die bis jetzt noch im Spätsommeranblick amtierenden Sommerblumen eingeschneit sein werden. Und statt des Klangs der Rasenmäher werden wir Eiskratzer und das Schaben von Schneeschaufeln hören. Es ist Winter und es ist Oktober…
 
In den übrigen Gebieten, um diese nicht zu vergessen ;), merken wir davon gar nichts. Am Samstag scheint im Nordwesten vielerorts die Sonne. Einzelne Regen-, Schneeregen- und Graupelschauer sowie kurze Gewittern lümmeln sich in Küstennähe durch den Samstag. Den dichten Wolkenschirm des Schneefalltiefs merken wir hauptsächlich vom Kraichgau über Thüringen bis Berlin/Brandenburg.
Montag
Wetterlage am Montag.
 
Am Sonntag scheint in einem breiten Streifen diagonal von Rheinland-Pfalz und dem Saarland über Sachsen-Anhalt bis zur Ostsee und zur Oder die Sonne, sofern sich örtliche Nebelfelder aufgelöst haben. Südlich davon lungern die Wolken des Schneetiefs, nordwestlich davon ziehen kompakte Wolken eines neuen Tiefs auf. An der Nordsee beginnt es gegen Abend zu regnen.
 
Von Montag bis Mittwoch haben wir in der Nordwesthälfte einen Wechsel aus kompakten Wolken samt etwas Regen und Sonnenschein. In der Südosthälfte ist es teils sonnig, teils trüb durch Nebel und Hochnebel. Besonders über den Schneeflächen und in den Flussniederungen Süddeutschlands werden sich zähe Nebel- und Hochnebelfelder halten.
 
Auch in Österreich und der Schweiz herrscht ruhiges Hochdruckwetter mit Sonne und Nebel. Nur am Montag fällt in weiten Teilen Österreichs noch leichter Schnee, in den Niederungen auch Schneeregen.
 
Die Temperaturen liegen am Samstag im Südosten Österreichs noch einmal bei bis zu 15 Grad. Sonst sind es 5 bis 9 Grad. In den Schneefallgebieten kühlt sich die Luft auf um und etwas unter null Grad ab.
Von Sonntag bis Dienstag haben wir recht einheitliche Temperaturen. Die Nachmittagswerte erreichen oft 5 bis 11 Grad. Über den Schneeflächen und in den Nebelgebieten sind es meist nur um die null Grad. In den Alpentälern und in höheren Lagen des Alpenvorlandes herrscht sogar Dauerfrost – was schon sehr ungewöhnlich ist für diese Jahreszeit. Am Mittwoch wird es zum Oktoberfinale einen Tick milder.
Frei
Wetterlage zum Start in den November am Ende der kommenden Woche.
 
Die Nächte bringen uns verbreitet Frost. Nur der äußerste Nordwesten bleibt vom großen Frost verschont, vor allem dann, wenn Wolken da sind. Sonst bekommen wir minus 2 bis minus 7 Grad in den schneefreien Gebieten oder über Schnee mit Wolken. Bei klarem Himmel werden es über Schnee minus 10 bis minus 20 Grad. In einigen inneralpinen Tälern, also in klassischen Kaltluftlöchern, kann es auch unter minus 20 Grad geben.
Achten Sie auf ausreichend Frostschutz im Scheibenwischwasser!
 
Der November, der letzte meteorologische Herbstmonat, wird dann immer milder mit ein paar Regenfällen und beginnendem Tauwetter in den Wintergebieten. Das schauen wir uns, wie schon erwähnt, dann am Wochenende genauer an. Das Verrückte an der Geschichte: Der Oktober 2012 wird damit im Alpenraum und im Südosten Deutschlands bis dato schon mehr Winter gehabt haben als der gesamte Supermildwinter 2006/07…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)