kkkEröffnung
Genug der Wortspiele. Wir kommen gleich auf die Statistik zu sprechen.
 
An den vergangenen Tagen wurde ich doch immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass der Mai anders zu sein hat. Schließlich ist es ein Wonnemonat und es kam eigentlich permanent die Frage auf: „Wo bleibt der Sommer?“ Diese Kälte und vor allem Schnee seien doch völlig „unnormal“. Aber ist es das wirklich?
 
Statistisch liegt der Mai im aktuellen Klimamittel (1981-2010) bei 13,0 Grad. Die noch offiziell gültige Referenzperiode ist ein gutes Stück kälter mit 12,1 Grad. Sie liegt damit in etwa beim Mittel seit 1761 mit 12,2 Grad. Seit 2006 gab es, abgesehen von 2010, überhaupt keinen Mai, der selbst das aktuelle Mittel erreicht hat. Alle Mai-Monate lagen (teilweise deutlich) über der ohnehin schon warmen Mitteltemperatur der warmen Epoche. Diese warme Epoche hat sich bei uns eben eingebrannt. Des Weiteren waren alle Mai-Monate seit 2006 – mit Ausnahme von 2010 – zu sonnig und vor allem 2008, 2011 und 2012 erheblich zu trocken. Diese Monate fühlten sich nach Sommer an.
 
Und dann? Und dann kommt der Mai 2013. Die Sehnsucht nach Sonne und Wärme ist groß wie nie nach dem dunklen Winter und dem kalten März. Und der Mai spielt bei der Sehnsucht nicht (überall) mit! Stattdessen bringt er abermals viel Tristesse, gefühlt viel Regen und keine Wärme. Dabei war der Mai-Verlauf in Deutschlands höchst unterschiedlich! Während der Südwesten immer wieder Regen (und Schnee) mit Dauergrau und Kälte bekam, verdorrte bis jetzt der Nordosten. In manchen Regionen fiel im gesamten Mai weniger Regen als an einem sonnigen Mai-Tag verdunstet.
 
Entsprechend groß ist das Temperatur-Gefälle in Deutschland. Während die Abweichungen im Südwesten mehr als ein Grad minus betragen (bezogen auf 1961-90), liegen sie im Nordosten im Plus. Deutschlandweit gemittelt schaffte es erst der 24. Mai mit seiner Polarluft samt Schnee bis ins höhere Flachland das aktuelle Mai-Mittel minimal unter die schwarze Null zu drücken. Davor war der Mai „zu warm“!
 
Der nächste Punkt: Die Sommertage, also Tage über 25,0 Grad. Beispielsweise gab es in den wärmsten Regionen des Südwestens 2011 sage und schreibe 16 Sommertage am Stück. Das ist und war jedoch eine große Ausnahme. Sommertage sind aber für den Mai gar nicht so häufig. Hier, also im Südwesten, gab es sogar viele Jahre, teilweise sogar Jahrzehnte, in denen es keinen Sommertag gab oder nur wenige, knapp erreichte.
 
Schaut man sich die Bauernregeln an, so wird dort für die Landwirtschaft und Natur ohnehin ein kühler und nasser Mai bevorzugt als ein trocken-warmer oder gar heißer. Manche Bauernregeln sagen auch, dass der Winter erst nach Mitte Mai vorbei ist und dass so mancher Zaunpfahl noch einen „Schneehut“ tragen kann. Unter diesen Gesichtspunkten ist das, was wir jetzt haben und hatten, absolut normal und ohne weitere Auffälligkeiten. Wir sind es nur nicht mehr gewohnt.
 
Was allerdings auch im Mai wieder einmal mehr auffällig ist, ist seine Sonnenscheinarmut. Das zeigt ebenfalls die Statistik. Und damit reiht sich der Mai in das graue Grusel-Team der sonnenscheinarmen Vormonate ein.
Dafür war die schützende Wolkendecke auch eine große Hilfe gegen verbreitete und starke Nachtfröste. Die hat es zwar besonders im Südwesten erst in der Nacht auf Samstag geben. Die Luftmasse an sich wäre jedoch ohne weiteres für wesentlich mehr Frost gut gewesen.
 
kkkRegensoll
Regensoll: Das Regensoll in Prozent, bezogen auf das Gesamtniederschlagssoll des Mais (1961-90).
 
 
Zu guter Letzt schauen wir auf den Niederschlag. Der 24. Mai brachte hier, ebenfalls deutschlandweit gemittelt, eine schwarze Null im Soll. Hier wurde das 100%ige Durchschnittssoll erreicht mit einem großen Gefälle: Rund um Hamburg und im Westen war es teilweise deutlich zu nass, in Teilen Bayerns und im Osten erheblich zu trocken. Schaut man sich die aber nun kommenden Regenfälle binnen Wochenfrist an, könnten aus den 100 Prozent am Ende sogar 200 Prozent werden. Das wird noch sehr, sehr nass! Und was sagen die Bauernregeln dazu?
„Nasser Mai bringt trockenen Juni herbei.“ Wir werden sehen und ich persönlich habe da so meine Zweifel… Ist aber ein anderes Thema.
 
 
 
 
Der Weg der letzten Mai-Woche wird ein für Sommer-, Sonnen- und Wärmeliebhaber ein beschwerlicher Weg und aus dem Wonne-Monat wird eher ein Regentonne-Monat. Nur kurz klaffen größere Sonnenscheinfenster auf. Sonst bleibt es duster und am Sonntag sogar regelrecht unterirdisch:
 
Nach einer teilweise durchtränkten Nacht schüttet es am Sonntag in weiten Teilen Deutschlands wie aus Eimern, stundenlang und gleichmäßig. Mittags liegt der Regenschwerpunkt über der Mitte. Weniger Regen gibt es rund um die Nordsee, rund um Oder und Neiße und im äußersten Süden. Am Nachmittag stückelt das Regengebiet im Süden an. Bis zum späten Sonntagabend wird es verbreitet 20 bis 30, zwischen den Mittelgebirgen und den bis dato trockenen Gebieten in Berlin/Brandenburg auch bis zu 50 Liter pro Quadratmeter geben.
 
 
kkkRegensummen
Regensummen: Die Niederschlagssummen in Liter pro Quadratmeter binnen Wochenfrist.
Besonders „nett“ macht es der starke, im Süden auch stürmische Wind aus Nordwest bis Südwest. Das wird ein Mai-Tag in weiten Teilen Deutschlands, der unterirdischer nicht sein kann! Glauben Sie´s mir ;-)! Der Regen wird jedoch wärmer. In der Nordhälfte sind es deutlich über 10, mit Wolkenlücken im äußersten Nordosten und an den Küsten sogar bis zu 19 Grad. Im Mittelgebirgsraum und im Süden sind es 5 bis 12 Grad. Ein Spätherbst-Sturmtief im November könnte ähnlich aussehen…
 
Das Dauergepladder geht bis Montagmittag zwischen der Elbmündung, den Mittelgebirgen und dem Osten Bayerns weiter. Östlich und westlich davon hört es auf zu regnen. Am Montagnachmittag schwächt sich das Regengebiet ab. Nordöstlich der Elbe entstehen in sehr warmer Luft Schauer und Gewitter, südwestlich davon zeigt sich neben allem möglichen Wolkengattungen öfter die Sonne mit nur wenigen Schauern. Kaum 10 Grad sind es im Dauerregen, 15 bis 20 Grad sonst und etwas über 20 Grad im Nordosten und teilweise am Mittelrhein.
 
Der Dienstag wäre vom Charakter her in 2011 ein kühler und wechselhafter Ausreißer gewesen. In 2013 stellt er einen großen Lichtblick dar! In einem breiten Streifen von der Nordsee bis Bayern rein scheint länger die Sonne mit nur ganz vereinzelten Schauern oder Gewittern. Im Nordosten und im Südwesten brauen sich mehr Schauer und Gewitter zusammen. Und es wird vergleichsweise warm mit 17 bis 23 Grad.
 
Die Tage danach sind wieder wechselhaft mit Wolken, Sonne, Schauern und Gewittern. Erst am Freitag lassen diese langsam nach. Im Süden besteht aufgrund einer sehr kuriosen Wetterlage die Gefahr von sintflutartigen Regenfällen, Überschwemmungen und Hochwasser! Eine ähnliche Wetterlage gab es im August 2005. Allerdings waren die Luftmasse damals um einiges wärmer und konnte wesentlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Und die Schneefallgrenze war im August 2005 sehr, sehr hoch. Das, was da von Mittwoch bis Freitag in und an den Alpen runterkommt, kommt zwischen 1500 und 2500 Meter Höhe als Schnee herunter. Damit wird das Wasser in den Hochlagen erst einmal gebunden bleiben. Ein Segen für die Gletscherwelt und eine Entlastung für die Flüsse, die ordentlich anschwellen werden!
 
Die Temperaturen gehen bis Donnerstag von Südwesten her wieder zurück. Die 20 Grad-Marke plus x bleibt dem Nordosten vorbehalten und bei längeren Regenfällen wird die 10 Grad-Marke zum „warmen Ziel“. Nach derzeitigen Trends verabschiedet sich der Mai am Freitag mit 12 bis 20 Grad.
 
Er wird wohl im Vergleich zu 1961-90 einen Tick zu kühl, im Vergleich zu 1981-2010 deutlich zu kühl und im Vergleich zu den vergangenen Jahren saukalt ausfallen!
Und damit setzen wir einen Haken an das kälteste Frühjahr seit 1987. (Bis zum 24. Mai ist dieses übrigens teilweise noch deutlich zu trocken (Das wird sich ändern!) und deutlich zu unsonnig (Das wird sich nicht mehr ändern!).)
 
Im Juni ändert sich die Wetterlage und es wird mittel- und langfristig (deutlich) wärmer. Das Dauertiefdruck-Bombardement von Atlantik, Nordsee und Mittelmeer geht zu Ende. Kräftige Hochs überziehen weite Teile Europas und es kehrt Ruhe ein, zumindest auf dem ersten Blick.

Der zweite Blick sieht anders aus. Der sich verstärkende Hochdruck ändert jedoch an der seit Wochen und Monaten Strömung aus Nordwest bis Nordost/Ost nichts. Es kann erstens dadurch keine Heißluft aus dem Mittelmeerraum zu uns strömen und zweitens bleibt uns eine gewisse Labilität erhalten. Die Luftmasse in 5,5 Kilometer Höhe ist relativ kühl und die Luft und das Land sind bei uns noch feucht. Ein hoher Sonnenstand, eine recht warme Luftmasse in tiefen Luftschichten, kühle in der Höhe und Feuchtigkeit sorgen für jede Menge Labilität = Konvektion = Schauer und Gewitter.
 
Damit geht es in einen wechselhaften und mal mäßig-warmen, mal warmen Witterungsabschnitt über. Ein Beispiel: Wir haben in 1500 Meter Höhe um 10 Grad. Scheint den ganzen Tag die Sonne, und es bilden sich keine Schauer und Gewitter, bekommen wir Nachmittagswerte von 25 Grad und etwas mehr. Ein angenehmer Sommertag. Bilden sich jedoch Schauer und Gewitter mit kräftigem Platzregen am Nachmittag, dann liegen die Nachmittagswerte nur bei 15 Grad und das Ganze kommt uns kühl und klamm vor. Es ist aber ein- und dieselbe Wetterlage.
 
 
kkkgemittelt Juni
Gemittelt Juni: Die voraussichtliche Großwetterlage zur Mitte der ersten Juni-Woche.
 
Dabei gibt es jedoch Abstufungen: An den Küsten wird es wesentlich beständiger und sonniger sein mit nur wenigen Schauern und Gewittern bei dieser Wetterlage. Mit jedem Kilometer weiter nach Süden nimmt das Schauer- und Gewitterrisiko zu. Am höchsten wird dieses folglich im Alpenraum sein. 
 
Eine langfristige Juni-Einschätzung gibt es im Video. Ich habe sie aus den aktuellen Prognosen der Langfristmodelle und ähnlichen Jahren aus der Vergangenheit erstellt. Für den Mai hatte das ja ganz gut hingehauen :-).
 
So oder so können wir als Fazit festhalten: Der Regen wird langsam wärmer und mittelfristig kommt die Sonne wieder häufiger ins Spiel. Die Ansprüche an dieses Jahr sollten wir aber tiefer ansetzen als den meisten von uns lieb ist. Das Verwöhnprogramm der vergangenen gut 25 Jahre mit seinen vielen Wärme- und Sonnenscheinrekorden ist erst einmal unterbrochen oder vorbei!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)