Eröffnung
Zu Wochenbeginn hatten wir uns in der Video-Kolumne darüber unterhalten, dass es zum ersten Oktober-Wochenende große Unterschiede in der Modell-Welt gab. Da waren zum einen das GFS und das BOM, die es sehr mild und sonnig sahen. Auf der anderen Seite zeigten das ECMWF und das GEM windiges und sehr kühles Schauerwetter der Marke Vollherbst!
Bei solchen Unterschieden ist es oft so, dass sich eine Fraktion der anderen anpasst und es dann tendenziell in eine Richtung geht. Dieses Mal jedoch kam eine ganz „interessante“ Lösung als Art Kompromiss heraus: Es wird beides geben!
Tmax 2011
Höchstwerte vom 2. Oktober 2011.
 
Insgesamt bekommt die Nordhälfte mehr vom Tiefdruck samt Wind und Regen ab. Die Südhälfte profitiert durch südwestliche Winde samt Mittelmeerluft eher vom Hoch mit Sonne und wärmeren Temperaturen. Dabei verschiebt sich die Grenze zwischen den Wetterzonen mal weiter nach Norden, mal weiter nach Süden. Erst im Laufe des Wochenendes kommt eine Kaltfront, die Tabula rasa macht.
 
Und nach Durchzug der Kaltfront, so bisher die einschlägige Modell-Meinung, sollte sich ruhiges Hochdruckwetter mit Sonne und Nebel, recht milden Nachmittagen und kalten Nächten aufbauen. Das Ganze ist allerdings schon wieder hinfällig und im wahrsten Sinne des Wortes grenzwertige Lösungen werden angedacht, d. h. das Gerangel zwischen Hoch- und Tiefdruck mit möglichen Luftmassengrenzen zwischen mild und kühl sowie zwischen regnerisch und sonnig steht wieder bzw. weiter auf dem herbstlichen Oktober-Programm.
 
Die ersten beiden Oktober-Tage 2012 begannen in einem breiten Streifen quer durch Deutschland sehr sonnig und mild. Nur im äußersten Nordwesten sowie im Südosten tat sich die Sonne schwer. Eigentlich können wir uns in Sachen Sonne und Wärme kaum über den Start in den zweiten meteorologischen Herbstmonat beschweren. Wenn, ja wenn da nicht der Vergleich mit 2011 wäre ;). So lagen die Höchstwerte beispielsweise am 2. Oktober 2011 bei 22 bis 27 Grad – bestes Sommerwetter für diese Jahreszeit!
 
Solche ungewöhnlich hohen Temperaturen, oft sogar Rekordwerte, werden wir nicht (mehr) erreichen. Der Süden bekommt zwar bis Samstag schubweise sehr milde Luft mit Werten von über 20 Grad, doch bis auf wenige Ausnahmen sind die sonnig-warmen Spätsommertage gezählt. Bevor wir uns mit den Einzelheiten und den Modellen beschäftigen, werfen wir mal einen Blick auf die 15 Tage-Trends für den Norden und den Süden.
Norden
15 Tage-Trend für den Norden.
(Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer. 
Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.)
 
Die gemittelte Temperatur-Linie für den Norden zeigt nahezu durchgehend leicht unterdurchschnittliche Werte in 1500 Meter Höhe. Parallel dazu gibt es bis auf den 8. Oktober kaum trockene Tage. Immer wieder wird Niederschlag simuliert. Erst am Ende deutet sich leicht milderes und tendenziell mehr Hochdruck dominiertes Wetter an, wobei wir uns da schon in der 2. Monatshälfte befänden. Diese wäre mit Hochdruck dann schon sehr nebelanfällig.
 
Im Süden bewegen wir uns anfangs auf überdurchschnittlichem Niveau. Dazu ist es noch trocken. Dann folgt ein nasser Übergang zu kühlerem Wetter. Auch hier zeigt sich am Ende des Vorhersagezeitraums ein leichter Anstieg der Temperaturen und ein Zurückrechnen der Niederschläge, wobei das Ganze noch ziemlich wackelig ist.
 
Während der Range zwischen den wärmsten und kühlsten Läufen im Norden recht gering ist, beträgt er im Süden fast 20 Grad. Beim 15 Tage-Trend im Norden habe ich mal eine 2. dünne Abweichungslinie eingebaut. Hier sind nämlich nur sehr, sehr wenige sehr milde Läufe im Rennen. Der Großteil der Berechnungen scharrt sich um den Mittelwert aller Berechnungen.
Süden
15 Tage-Trend für den Süden.
 
Summa summarum steht uns mittelfristig eher wechselhaftes und oft graues Oktoberwetter bevor. Das klassische goldene Oktoberwetter, getragen von großen Hochdruckgebieten, fällt damit wohl aus.
 
Damit startet der Rest der verkürzten Arbeitswoche am Donnerstag sehr windig und zunehmend ungemütlich. Schon in den Frühstunden fällt in der Nordwesthälfte Regen. Dieser Regen breitet sich ost- und südwärts aus und überschreitet am Nachmittag Oder und Neiße. Im Süden wird das Regengebiet ein wenig zerfleddert und kommt mit ersten Schauern gegen Abend am Alpenrand an. Hinter dem Regengebiet lockern die Wolken wieder auf. Am frühen Abend gibt es von der Nordsee bis ins Saarland einen Streifen mit großen Wolkenlücken. Auf und an der Nordsee folgen Schauer und Gewitter.
 
Der starke bis stürmische Wind dreht von Süd über Südwest auf West und flaut gegen Abend im Westen ab. Besonders auf den Bergen und an der See sind Sturmböen dabei! Vor dem Regen werden im Südosten (Teile Brandenburgs, in Sachsen, südliches Württemberg, südliches und östliches Bayern) 18 bis 22 Grad erreicht. Sonst sind es nur 12 bis 17, im Regen selbst 10 bis 11 Grad. Durch den Wind fühlen sich die Temperaturen erheblich kälter an. 10, 11 Grad empfinden wir mit Wind und Regen wir kaum 5 Grad auf der Haut. Vor der Front fühlen sich im Windschatten mit Sonne die um die 20 Grad wie über 25 Grad an!
 
In der Nacht auf Freitag verschwindet die Front rasch. Danach heißt es: Nach der Front ist vor der Front! So huscht ein neues Randtief nördlich von uns vorbei und saugt von Süden her abermals sehr milde Luft heran. Damit folgt eine Dreiteilung beim Wetter am Freitag. Im nördlichen Drittel ist es regnerisch. Im mittleren Drittel wechseln sich dichte Wolkenfelder mit vereinzeltem Regen und etwas Sonne ab. Im südlichen Drittel, speziell in Alpennähe, hat die Sonne die Nase vorn!
Freitag
Wetterlage am Freitag.
 
Der Wind bleibt Thema bzw. wird wieder Thema. Das Windfeld des Randtiefs erfasst uns bis zur Mittagszeit fast überall. Vor allem von NRW bis Bayern frischt der Südwestwind stürmisch auf. Nur der unmittelbare Alpenrand bleibt windgeschützt. Das frisch gefärbte Laub hat damit eigentlich gar keine Chance und wird ruckzuck von den Bäumen gerupft!
 
Ähnlich unterschiedlich wie das Wetter präsentiert sich auch die Luftmassenverteilung über uns: Auf der Höhe Sylt haben wir in 1500 Meter Höhe gerade mal 2 Grad, auf Höhe östlicher Alpenrand fast 15 Grad. Damit staffeln sich die Höchstwerte auf 10 Grad in Teilen Schleswig-Holsteins und auf über 20 Grad in der Mitte und im Süden Baden-Württembergs und Bayerns.
 
Knifflig wird der Samstag. Die sich am Freitag aufbauende Luftmassengrenze entwickelt sich am Samstag zur Kaltfront. Mal soll diese Kaltfront am späten Nachmittag schon den Alpenrand erreichen und in der Nacht auf Sonntag durchgezogen sein, dann berechnen die Modelle wieder eine deutliche Verzögerung der Front. Aktuell soll sich das Ganze deutlich verzögern. So käme die Kaltfront erst in der Nacht auf Sonntag im Süden Deutschlands an und würde hier dann bis zum Abend mit intensiven Regenfällen liegen bleiben.
 
Grob können wir festhalten: Der Samstag ist in weiten Teilen Norddeutschlands unbeständig mit Wolken und Regen. Nur an und auf der See scheint öfter die Sonne. Im Süden bleibt es freundlich mit Sonne und Wolken. In der Nordhälfte sind es 10 bis 17, in der Südhälfte 18 bis 24 Grad.
gemittelt 10
Gemittelte Wetterlage für den 13. Oktober.
Der Wind kommt dazu spürbar aus Südwest. Richtig ruppig ist und bleibt er an der See, vor allem an der Ostsee!
 
In der Nacht auf Sonntag zieht der Regen unter Intensivierung nach Süden. So ist es am Sonntag bis zum frühen Nachmittag in der Mitte und im Süden trüb mit Regen; besonders intensiv regnet es südlich einer Linie Saarland – Oberpfälzer Wald. Bis zum Abend verlagert sich der Regen weiter nach Süden und die intensiven Regenfälle beschränken sich auf die Gebiete zwischen Schwarzwald und Bayerischer Wald. Derweil setzt sich von Norden her die Sonne durch.
Im Norden wird es einen Tick milder als an den Vortagen. Hier sind es rund 14, 15 Grad. Im Süden wird es hingegen rund 10 Grad kälter als noch am Samstag mit um die 12 Grad.
 
Nach den alten Modellberechnungen hätte sich eben nach Durchzug dieser Front, die schon am Sonntag verschwunden wäre, ruhiges Hochdruckwetter durchsetzen sollen. Nach aktueller Lage wird aus der rumlungernden Kaltfront im Süden abermals eine Luftmassengrenze, die sich zu Wochenbeginn wohl langsam wieder als Warmfront nach Nordosten bewegen wird. Wie schnell und intensiv das vonstatten geht, bleibt abzuwarten. Das GFS ist sehr zögerlich mit der Verlagerung, das GEM beispielsweise brächte gleich von Süden wieder trocken-warme Mittelmeerluft.
 
Nach den Unsicherheiten in der ersten Wochenhälfte der neuen Woche herrscht Richtung 2. Oktoberwochenende wieder mehr Einigkeit in der Wetterküche: Von Westen her zieht ein neues Tief mit Wolken, Wind, Regen und einer beginnenden Abkühlung heran. Dieses Tief brächte Richtung Monatsmitte eine weitere Abkühlung. Das ist übrigens in den 15 Tage-Trends auch gut zu erkennen. Nach Durchzug dieses Tiefs deutet sich eben der allmähliche Hochdruckaufbau an.
 
Schaut man sich die gemittelte Wetterlage für den 19. Oktober an, so zeigt sich wieder das mehr oder weniger aktuelle Bild: Auf der einen Seite haben wir da ein kräftiges Hoch auf dem Atlantik, auf der anderen Seite das Hoch über Russland. Diese Hochs wären miteinander verbunden – das allerdings mit einer Schwachstelle: Mitteleuropa. Auch wenn es dann tendenziell freundlicher werden sollte, so richtig stabil wirkt das Ganze (noch) nicht. Aber es handelt sich um eine gemittelte Wetterlage, in der 21 verschiedene Modelle verwurschtelt wurden. Sehen wir es als groben Trend ;).
gemittelt 16
Gemittelte Wetterlage für den 19. Oktober.
 
So bleibt als Fazit festzuhalten: Bis Samstag bleibt es im Süden eher freundlich und fast schon warm. Sonst begleiten uns Wolken, Regen und ruppiger Wind. Ab Sonntag stehen uns im Norden deutlich freundlichere Tage bevor, dafür sabbert es im Süden rum. Nach Mitte der kommenden Woche bricht von Westen her ein neues Tiefs in unser Wettergehege ein und sorgt für pures Herbstwetter mit Wind, Regen und kühlen Temperaturen. Damit wird das Laub rasch von den Bäumen gefräst und die Alpen bekommen eine Schneemütze.
 
Der Herbst 2012 zieht damit wechselhaftere und rauere Seiten auf als sein Vorgänger. Der sich ankündigende Winter 2012/13 scheint wohl auch andere Register ziehen zu wollen. Ausführliches dazu im nächsten Bericht inkl. Video :)!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)