Einstieg
Irgendwie kann ich´s ja doch nicht lassen. Am Dienstagabend regnet es leicht bei gerade mal 4 Grad. In einer Art „Kurzschlussreaktion“ fuhr ich dann doch noch schnell in die Berge bis auf etwas über 1300 Meter Höhe und schnupperte die erste Winterluft der Saison 2012/13. Da stand ich nun bei gut 10 Zentimeter Pulverschnee und dieser klaren und besonderen Luft in den Bergen, wenn es schneit. Und es rieselte der Schnee. Das muss einfach sein, wenn es den ersten Wintereinbruch in der Nähe gibt. Das gehört zum meteorologischen Pflichtprogramm ;)!
Norden
15-Tage-Trend für den Norden.
 
Diese kleine Winterintermezzo ist und war wirklich ein keines Intermezzchen, wenn man es mit den Oktober-Wintereinbrüchen aus 2011 oder 2010 vergleicht. Und ebenso schnell wie die kurze Kälte mit Schnee in den Alpen kam, so schnell wird sie auch wieder verschwinden! Die großen Mühlräder der Wetterküche richten sich neu aus und schmeißen eine gigantische Wärmepumpe an, die wie ein überdimensionales Fließband von Afrika über das Mittelmeer, die Alpen und Mitteleuropa bis nach Südskandinavien und ins Baltikum reicht.
 
Diese riesige Wärmpumpe kommt dann – und da sind sich die Wetterkarten einig – am Wochenende zum Erliegen. Ein kräftiges Hoch stülpt sich über die große Wärmeglocke auf dem Kontinent und sorgt größtenteils für goldenes Oktoberwetter vom Feinsten. Besonders bevorzugt sind dabei natürlich die Berge.
 
Wenn wir dann noch weiter gucken, so über den 25. Oktober hinaus, dann rappelt es im skandinavischen Frühwinterkarton! Der Hochdruck soll sich mehr und mehr nach Grönland/Island verlagern und ein erster großer und hochreichender Kaltluftbatzen ergießt sich vom Nordmeer Richtung Skandinavien, bzw. ergösse sich ;). Die Temperaturen würden in 1500 Meter Höhe bis auf minus 10 und in 5,5 Kilometer Höhe bis auf unter minus 40 Grad zurückgehen. Eine gewaltige Winterhausnummer, die wir in unseren Breitengraden nicht unbedingt in jedem Winter haben.
Übrigens, zum Vergleich: Am Ende der Woche sind die Temperaturen bei uns in den jeweils genannten Höhen um 25 Grad höher, also über 15 Grad in 1500 Meter Höhe und über minus 15 Grad in 5,5 Kilometer Höhe. Damit ist die Luftmasse über uns fast 15 Grad wärmer als im Durchschnitt! Das schauen wir uns in den 15 Tage-Trends an.
MUC
15 Tage-Trend für den Süden.
 
(Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer. 
Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.)
 
Nun habe ich mal wieder die 15 Tage-Trends für Norddeutschland, Süddeutschland, den westlichen und den östlichen Alpenraum gebastelt. Und auf allen 15 Tage-Trends erkennen wir sehr gut diesen immensen Wärmeberg, der fast überall trockenen Fußes daherkommt. Lediglich im Norden besteht ein latentes Regenrisiko. Und diese einzelnen Berechnungen, die den Regen simulieren, zeigen auch nicht ganz so hohe Temperaturen in 1500 Meter Höhe. Das liegt daran, dass hier von Atlantik und Nordsee streifende Tiefs einen kleinen Strich durch die fast spätsommerliche Oktoberrechnung machen könnten.
 
Sonst erkennen wir in den Trends diese große Wärmpumpe, die nach dem Wochenende abklingt. Die Temperaturen gehen minimal zurück und bis auf ein paar wenige Ausreißer bleibt es unter Hochdruckeinfluss nicht nur trocken, sondern sonnig und mild bis warm. Dann, etwa ab Mitte der kommenden Woche, geht es deutlich abwärts, bis die gemittelte Temperatur-Linie das langjährige Mittel erreicht. Einzelne Ausreißer erreichen sogar fast die minus 10 Grad-Marke inkl. Niederschlag, der dann mindestens bis ins mittlere Flachland schon als Schnee niedergehen könnte.
Genf
15 Tage-Trend für den westl. Alpenraum
 
Auch wenn es sich um wenige Ausreißer handelt, so könnten sie doch eine Art „Hinweis“ auf einen möglichen Kaltlufteinbruch nach Beendigung der großen Wärme sein. Der legendäre Anfang-November-Wintereinbruch von 1995 kommt mir da in den Sinn, wo es nach einem abseits von Nebel und Hochnebel sonnig-warmen Oktober binnen weniger Tage schnurstracks zu einem Wintereinbruch kam, der allerdings nur wenige Tag hielt. Es KANN sein. Die Großwetterlage dazu würde in diesem Jahr gut passen. Und die Berechnungen in den vergangenen Wochen sahen ein solches Ereignis eher nach Martini als um Allerheiligen.
 
Lassen wir uns also von der erweiterten Mittelfrist überraschen ;). Eine spätsommerliche Überraschung erwartet uns hingegen in den kommenden Tagen. Das eben benannte Wärmefließband geht mit Mittwoch los und kommt dann schnell voll in Schuss! So setzt sich am Mittwoch im äußersten Süden richtig die Sonne durch. Sonst erwarten uns noch viele Wolken und in der Nordwesthälfte fällt vereinzelt etwas Regen oder Nieselregen. Auch in den Alpenländern scheint häufig die Sonne. Auf der Alpensüdseite halten sich mehr Wolken. Die Höchstwerte erreichen 11 bis 14 Grad unter dichten Wolken mit etwas Regen im Norden und im westlichen Mittelgebirgsraum und 15 bis knapp 20 Grad sonst.
 
Am Donnerstag drückt die föhnige Südströmung die Wolken immer weiter nach Norden und Nordwesten. Damit hält sich nur noch zwischen NRW und der Ostsee dichtes Gewölk. Auch auf der Alpensüdseite, speziell zwischen Kärnten und dem Burgenland, sind dichtere Wolken unterwegs. Im großen Rest scheint neben dünnen, hohen Wolken die Sonne. In 1500 Meter Höhe erreichen die Temperaturen bis zu 17 Grad. Damit werden am Boden verbreitet 15 bis 22, mit Föhn aus den Bergen heraus (egal ob Alpen oder Mittelgebirge) auch noch deutlich höhere Werte erreicht.
Wien
15 Tage-Trend für den östl. Alpenraum
 
Solch enorm hohe Temperaturen in 1500 Meter Höhe wirken sich durch die fortgeschrittene Jahreszeit samt tiefer stehender Sonne und deutlich kürzerer Tageslänge nur noch bedingt auf die Bodentemperaturen aus. Es muss eine „Durchmischung“ geben, sprich Wind, der die Wärme aus der Höhe in die des Nächtigens auskühlende Niederungen durchmischt. Und das wird der Wind bis einschließlich Samstag voraussichtlich tun. Entsprechend erleben wir mit viel Sonnenschein extrem hohe Nachmittagswerte von 18 bis 25 Grad. Mal gucken, ob es für neue Dekadenrekorde reicht.
 
Ab Sonntag verlagert sich das Hoch von Osteuropa langsam Richtung nördliches Mitteleuropa und Skandinavien. Damit dreht der Wind von Süd auf Ost. Die Tageswerte werden langsam zurückgehen, vor allem in der Nordosthälfte. Dennoch bleiben die Temperaturen auf ungewöhnlich hohem Oktober-Niveau.
Im weiteren Verlauf schläft der Wind ein. Damit kühlt sich die sehr warme Luft in den langen Oktobernächten aus und die Neigung zu Dunst und später Nebel nimmt in den Niederungen zu. Die anfangs recht lauen Nächte werden wieder kühler.
 
Es entsteht langsam eine inversionsartige Wetterlage: In den Niederungen wird es kühler und dunstig, in höheren Lagen setzt sich das sonnige und glasklare goldene Oktoberwetter mit einer traumhaften Gipfelfernsicht fort. Und gerade in höheren Lagen bleiben die Temperaturen auf einem extrem hohen Niveau. Hauptsächlich davon betroffen sind die Mittelgebirge, das Allgäu, das höhere Alpenvorland sowie natürlich der gesamte Alpenraum.
 
Und sieht man mal vom kanadischen GEM ab, so zeigen alle Mittelfristmodelle bis Tag 10 (26. Oktober) die anhaltende Hochdrucklage mit Sonnenschein und Höhenwärme. Das GEM gäbe uns im Nordosten einen Streifschuss mit kühler und teilweise feuchter Luft. Das können wir aber noch vernachlässigen ;).
Ende Okt
Entwicklung Richtung Ende Oktober.
 
Da bleibt uns eigentlich nur als Fazit festzuhalten: Die kommenden gut 10 Tage stehen unterm Strich ganz im Zeichen von goldenem Oktoberwetter, besonders ab Donnerstag. Es wird für diese Jahreszeit noch einmal richtig, richtig warm. Die Sonne wird gewaltig Überstunden machen und das Thema Regen wird vom Tisch sein.
 
Die Oktober-Statistik wird damit, verglichen mit der jetzigen Halbzeitbilanz, einen Wechsel hinlegen. Bis jetzt war der Oktober gut 0,9 Grad zu warm. Die Wärme wird massiv ausgebaut werden. Niederschlagstechnisch haben wir über 80 Prozent des Gesamtmonatssolls erreicht. Viel wird nicht mehr dazukommen. Die Sonne ist mit gut 50 Prozent exakt im Soll. Die Sonnenstunden, die die ersten 15 Oktober-Tage brachten, werden die nächsten 7 bis 9 Tage ebenfalls zusammen bringen. Damit wird der Oktober mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich zu warm, zu sonnig und ein bisschen zu trocken ausfallen…
 
Mit dem möglichen Kaltlufteinbruch zum Monatswechsel oder danach und einer sich evtl. umstellenden Wetterlage beschäftigen wir uns dann im Video bzw. im neuen Bericht!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)