Eröffnung
Witterung und Jahreszeit stimmen nicht immer überein. Das wissen wir und erleben es ein ums andere Mal. Doch manches Mal gibt es gefühlt „zwei Jahreszeiten“ an einem Tag, so wie unlängst zum Beispiel. Tagsüber in der Sonne kommt uns das Ganze noch einmal locker wie Sommer, wenn nicht sogar wie Hochsommer vor: Die Sonne brennt und es ist richtig heiß. Zur Abenddämmerung jedoch, wenn die Sonne am Horizont verschwindet, steigt die frühherbstliche Kälte empor. Mit der herandämmernden Nacht kommen die typischen Herbstdüfte, die nach Laub, Moos und Feuchtigkeit schnuppern. Über den Wiesen sammelt sich Nebel und eine gefühlt beißende Kühle macht uns unmissverständlich klar: Der Herbst ist da.
TEmp
Die aktuelle Temperatur-Abweichung in Grad Celsius bis zum 16. September, bezogen auf das Gesamtmonatsmittel der Jahre 1961-90.
 
Bisher konnte der September, der zurecht im Volksmund „Mai des Herbstes“ genannt wird, das Gefühl von Herbst gut abwehren. Trotz ein paar Startschwierigkeiten an den ersten Tagen im Süden und einem ersten Kälteeinbruch am Ende der vergangenen Woche kann sich die spätsommerliche Bilanz sehen lassen: Mit dem vergangenen Wochenende verbuchte der September deutschlandweit ein gemitteltes Sonnenscheinsoll von satten 66 Prozent, also zwei Drittel des Gesamtmonatssolls. Spitzenreiter ist dabei die Mitte, die mit zum Teil über 80 Prozent die Statistik anführt. Die Nordsee und das Allgäu sind mit 50 Prozent zwar Schlusslichter, dennoch brauchen wir uns auch hier nicht beschweren.
 
In Sachen Regen haben wir im umgekehrten Falle noch „Nachholbedarf“. Es sind exakt 25 Prozent an Regen gefallen, also ein Viertel. In Liter ausgedrückt sind es zwischen 6 und 20, im Mittelgebirgsraum, an der Nordsee sowie an den Alpen auch ein bisschen mehr. Und ungefähr dieselben Summen werden binnen Wochenfrist noch einmal fallen. Dazu aber später mehr.
 
Bei der Temperatur sind wir weit im Plus mit rund 1,8 Grad. Allerdings lag das Plus vor wenigen Tagen noch bei 3 Grad. Die kühlen Nächte mit erstem Bodenfrost samt Reif haben den Wärmpuffer ein wenig abgebaut.
Dieser Wärmepuffer wird aktuell wieder ein wenig ausgebaut, doch spätestens ab Mittwoch wird ein weiterer Schritt Richtung Herbst an diesem Puffer zehren.
 
Die wohl markanteste Auffälligkeit in den Wetterkarten derzeit ist, nach Durchzug einer Kaltfront am Mittwoch, ein weiteres Einfließen von sehr kühlen Luftmassen am kommenden Wochenende. Erstmals in dieser Saison soll die null Grad-Isotherme von Norden her Deutschland fluten. Sollte es, so wie es angedeutet wird, anschließend zu einem Hoch kommen, bei der sich die Kaltluft so richtig „setzen“ kann, bestünde nicht nur Bodenfrost-, sondern sogar Nachtfrostgefahr.
ausgangslage
Die aktuelle Ausgangssituation.
 
Bevor es jedoch soweit ist, verspricht uns der Dienstag in der gesamten Südosthälfte noch einmal einen spätsommerlich sonnigen und warmen Tag. Mit viel, viel Sonnenschein klettern die Temperaturen auf 21 bis 25, vielleicht sogar 26 Grad. Diese Zone mit den hohen Temperaturen verläuft vom Saarland über den Harz bis Vorpommern. Nordwestlich davon sind es um und unter 20 Grad. Dazu gibt es hier viele Wolken mit einzelnen Schauern, die sich bis zum frühen Abend langsam südostwärts ausbreiten. Gegen Abend brauen sich auch über den Alpen ganz vereinzelte Schauer und Gewitter zusammen.
 
Bei diesen Schauern im Nordwesten handelt es sich um die Kaltfront von Tief ILKA. Diese Front zieht in der Nacht auf Mittwoch nach Südosten und intensiviert sich dabei. Fast exakt in den Gebieten, in denen es tagsüber sonnig war, setzt bis zum Mittwochmorgen Regen ein. In der Nordwesthälfte klart der Himmel auf. Im Nordseeumfeld erwarten uns ein paar Schauer und Gewitter. In den Regengebieten sind die Nachtwerte zweistellig, mit klarem Himmel in der Nordwesthälfte meist einstellig.
 
Tagsüber zieht sich diese Kaltfront nach Südosten zurück und schmiegt sich bis zum Abend an den Alpenrand und in den Bayerischen Wald. Dahinter folgt ein Mix aus wieder viel Sonnenschein und meist nur noch einzelnen Schauern, besonders im Nordwesten und über dem Bergland.
 
Die Nachmittagswerte liegen grob zwischen 15 und 18 Grad. Kühler ist es unter den Regenwolken im Südosten. Hier sackt die Schneefallgrenze in den Alpen bis zum Abend auf etwas unter 2000 Meter Höhe. Im übrigen fühlen sich die Temperaturen durch den teilweise ruppigen West- bis Nordwestwind selbst mit Sonne kühler an.
Samstag
Wetterlage am Samstag.
 
Nach dem Abklingen der letzten Schauer am Alpenrand klart in der Nacht auf Donnerstag der Himmel auf und der Wind legt sich. Damit wird es sehr frisch. Vom Modell her werden Tiefstwerte sogar im Minusbereich simuliert. Das dürfen wir in diesem Falle nicht wirklich ernst nehmen, es zeigt jedoch das Potential – und das ist für Frost wirklich da! In den westlichen Mittelgebirgen und im Südwesten dürfte es damit in den für sehr kalte Nächte anfälligen Gegenden Bodenfrost geben, oft sogar leichten Luftfrost. Das betrifft geschützte Mittelgebirgstäler, hoch gelegene Muldenlagen wie auf der Alb oder auch das Allgäu.
 
Im Norden und Nordosten wird es zwar auch sehr frisch, meist aber ohne Frostgefahr. Hier ist es nach wie vor windig und an den Küsten sind weitere Schauer unterwegs.
 
Von Donnerstag an beginnt eine leicht knifflige Prognose. Sowohl innerhalb der Modellwelt als auch innerhalb der einzelnen Modelle besteht nicht unbedingt „Klarheit“. So werden beispielsweise im 15 Tage-Trend für Süddeutschland am kommenden Samstag in 1500 Meter Höhe zwischen null und 16 Grad simuliert. Das ist „nur“ Tag 6, von heute an gesehen. Bei null Grad inklusive Durchzug einer Kaltfront wären Tür und Tor für eine erste Frostnacht mit einem Hoch geöffnet. Bei 16 Grad mit Südwind wären wir vom Frost weit, weit entfernt.
 
Das ECMWF berechnet ebenfalls für den Samstag rund null Grad in 1500 Meter Höhe über fast ganz Deutschland. Das GEM ist ein paar Grad milder und das australische BOM ist noch um einiges milder.
Man muss aber dazu sagen, dass der „Trend“ doch ziemlich in diese Richtung geht. Vor ein paar Tagen hatten die Modelle das mit solch niedrigen Temperaturen noch nicht auf dem Schirm…
HH
Der 15 Tage-Trend für den Norden.
 
Im Anschluss, also NACH dem kommenden Wochenende, scheinen sich die Trends wieder zu fangen. Schauen wir uns dazu die jeweiligen 15 Tage-Trends für den Norden und den Süden an. (Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer. 
Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.)
 
Die Temperatur-Kurve geht binnen Wochenfrist wieder über die Durchschnittslinie hinaus und bleibt dann dort bis zum Start in den Oktober. Parallel dazu werden immer wieder Regenfälle simuliert. Es sind zwar nicht viele, doch die Signale sind da.
Im Süden sehen wir nach dem großen Auseinanderklaffen zwischen sehr warm und sehr kühl wieder ein leichtes Annähern der kältesten und wärmsten Ausreißer. Auch hier geht der Mittelwert über den Durchschnittswert und bleibt bis zum Start in den Oktober. Dennoch werden auch hier Regenfälle simuliert.
MUC
Der 15 Tage-Trend für den Süden.
 
Das Ganze deutet damit auf eine recht warme bzw. milde und gleichzeitig recht wechselhafte Witterungsphase hin. Verantwort hierfür wird ein Tiefdruck-System zwischen Nordwest- und Westeuropa sowie auf dem Nordostatlantik sein. Gleichzeitig stützt ein kräftiges Hoch über Osteuropa das Tief vor unseren Toren. Außerdem bläht sich ein weiteres Hoch auf dem mittleren Nordatlantik ein, das dieses Tief regelrecht einklemmt.
 
Damit werden mal mildere, mal kühlere, mal trockene, mal feuchte Luftmassen von Süden und Südwesten her zu uns geführt. Die letzte Septemberwoche gestaltet sich damit frühherbstlich unbeständig mit sonnigen Phasen und Regen. Mal fällt dieser Regen in Schauer- und Gewitterform, mal stundenlang als gleichmäßiger Regen. Die Sonnenscheinanteile werden meines Erachtens jedoch einen Tick die Nase vorn haben. Außerdem könnte angesichts dieser sich einstellenden Südlage zwischendurch Föhn aus den Alpen und aus dem Erzgebirge aufflackern. Die Nächte blieben dann durchwegs frostfrei!
 
Möglicherweise, oder sehr wahrscheinlich sogar, erleben wir mit dieser Wetterlage den Auf- und Ausbau einer sich neu einrenkenden Großwetterlage, die für die kommenden Wochen Bestand haben könnte. Das Hoch weit draußen auf dem Atlantik wird ein wenig an Kraft verlieren. Stattdessen setzt sich hier eher Tiefdruck durch. Das Hoch über Osteuropa plustert sich auf und weitet sich westwärts aus. Die langfristigen Aussichten für die kommenden Wochen lassen dieses Hoch immer wieder zwischen Skandinavien, Mitteleuropa und Osteuropa hin- und herwabern.
 
Wie schon wiederholt spekuliert, gäbe es damit für die nächsten Wochen tendenziell zwar wiederholt sonniges und ruhiges Herbstwetter, zwischendurch jedoch Einbrüche mit Tiefs, Wind und Regen. Das Verhältnis dürfte sich etwa bei ein Drittel „schlecht“ zu zwei Drittel „schön“ bewegen.
dritte Dekade
Die Entwicklung im Laufe der 3. September-Dekade bis zum Monatsende.
 
Der größte Knackpunkt ist und bleibt aber das kommende Wochenende mit dem möglichen Kaltlufteinbruch. Findet dieser statt und gibt es Nachtfrost, ist in einigen Gegenden die Sommerblumensaison beendet. Bleibt dieser jedoch aus, dann verspricht uns die Grundstruktur der Großwetterlage in der nächsten Zeit neben altweibersommerlichem Sonnenschein weiter reinstes Blühvergnügen in der Natur, vor allem jedoch auf dem Balkon oder der Terrasse sowie im Garten.
Obendrein beginnt nun die ganz allmähliche Laubverfärbung.
 
Wir können damit festhalten dass der gefühlt sommerliche Abschnitt der ersten Septemberhälfte zu Ende ist. Die Tage ab Mittwoch werden eher einen herbstlichen Eindruck haben. Der Temperatur-Überschuss wird bis zum kommenden Wochenende abgebaut und das Sonnenscheinsoll wird nicht mehr ganz so rasant wachsen. Derweil nimmt das Regendefizit ein wenig ab.
 
Damit geht sie weiter, die Reise – weg vom Sommer hin zum Winter. Das Ganze aber auf sanfte Weise ;).
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)