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Die Regensummen nach GFS binnen Wochenfrist. Angaben in "bis zu" Liter pro Quadratmeter.

Schaut man sich vor allem im Norden und Nordosten Deutschlands um, dann erkennt man deutlich die Spuren des extrem nassen Sommers: Immer noch stehen Wiesen unter Wasser und die Böden sind schlecht befahrbar, oft schlammig und matschig. Dazu kommen bis Freitag noch weitere Regenfälle, die die Situation nicht wirklich verbessern. Der September bringt zwar bei Weitem nicht mehr hochsommerliche Verdunstungsraten, die an trocken-heißen Tagen möglich sind, wohl aber gute und trockene Spätsommertage, an denen die Böden zumindest einigermaßen abtrocknen können. Und genau eine solche Phase deutet sich an. Schon seit Tagen berechnen die Modelle eine Abkehr vom volatilen Zick-Zack-Kurs der Temperaturen hin zu einem moderaten Seitwärtstrend auf – aus Sommersicht gesehen – „schlechtestenfalls“ durchschnittliches Temperatur-Niveau. Wir müssen eines bedenken: Jetzt sind Hochs mit warmer Luft samt Sonnenschein für die Trocknungsprozesse noch hilfreich. Spätestens in 5 Wochen wendet sich das Blatt. Ab Mitte Oktober beginnt bei stabilen Hochs ohne Wind im Flachland die herbstliche Nebelsaison. Die nassen Böden wären ohnehin ein gefundenes Fressen für die klamme Nebel-Produktionen.
Sonnenscheinsoll Sommer
Sonnenscheinsoll Sommer
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Nach dem Willen des GFS wird es noch viel Sonne und Wärme im September geben!

Noch ist es aber nicht soweit und der September, der im Volksmund auch „der Mai des Herbstes“ genannt wird, will uns nach dem Willen der meisten Modell-Läufe noch eine Art „Nachsommer“ schenken. (Das Wort „Nachsommer“ kommt ebenfalls aus dem Volksmund, sprich den Bauernregeln. Hier heißt es „Allerheiligen bringt den Nachsommer.“) Die Karte rechts zeigt die ungefähren Regensummen binnen Wochenfrist, wobei das Meiste innerhalb der nächsten Tage runterkommen wird. Diese Regensummen werden relativ konstant von den Modellen gerechnet. Was sich bei dieser Karte auch deutlich zeigt, ist das Nord-Süd-Gefälle. Der Süden liegt schon mehr unter einem „Hochdruck-Schutz“. Die derzeit noch verhaltenen Temperaturen gehören spätestens ab Samstag auch der Vergangenheit an!

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Der 15 Tage-Trend für den Norden.

In der Nacht auf Donnerstag erwischt uns ein neues Regengebiet. Es breitet sich mit starkem bis stürmischen Wind bis in den Mittelgebirgsraum aus. An den Küsten entladen sich auch einzelne Gewitter. Die höchsten Regenmengen haben wir an der unmittelbaren Nordseeküste und in Schleswig-Holstein.Am Donnerstag tagsüber regnet es fast in ganz Deutschland weiter, wobei die Intensität und Dauer der Regenfälle am Nachmittag nachlässt. Relativ friedliches Wetter mit sonnigen Phasen bekommen wir von der Vorderpfalz bis an den oberbayerischen Alpenrand. Hier fällt auch die 20 Grad-Marke. Sonst sind es im kalten Wind deutlich unter 20 Grad.Am Freitag und Samstag bekommen wir einen Vorgeschmack auf den Spät-, oder bald auch Altweibersommer. Am Freitag lassen Schauer und Wind nach und die Sonne zeigt sich immer häufiger. Der Samstag verläuft dann größtenteils sonnig. Mit Nachmittagswerten von 23 bis gut 30 Grad erwarten uns für Anfang/Mitte September fast schon ungewöhnlich hohe Verdunstungsraten, so dass viele Böden – abgesehen von den Nass-Gebieten – gut befahrbar sein dürften.
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Der 15 Tage-Trend für den Süden.

Auch im Garten können wir viel machen. Den Rasen dürfen Sie gerne ziemlich weit runterkappen, denn große Hitze, die den Rasen verbrennen kann, wird es wohl nicht mehr geben. Die einzige Ausnahme könnte uns zwischen der Eifel und Ostfriesland sowie in Nordfriesland blühen: Hier ziehen voraussichtlich am Nachmittag erste Schauer und Gewitter auf. Diese ziehen bis Montag von West nach Ost schubweise über uns hinweg. Diese Schauer und Gewitter gehören zu einer Kaltfront, die sich zwischen dem jetzt kommenden Hoch und dann dem nächsten Hoch durchmogeln wird. Im Bereich dieser Schauer und Gewitter sind lokal auch wieder unwetterartige Gewitter mit starkem Regen, Hagel und Sturmböen möglich. Wo genau wie hoch das Risiko ist, können wir nur in der Kurzfrist klären.

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So sieht das GFS die Wetterlage für den 15. September, ...

Tendenziell bekommt in Sachen Regen die Nordhälfte wieder das Meiste ab. Das sollte dann aber nach GFS der letzte große Regenschlag sein. Anders schaut es da unter anderem beim europäischen ECMWF-Modell aus. Dieses zaubert das nächste Herbst-Tief aus der Wetterkiste. Bevor wir uns in die Modellwelten von GFS, ECMWF, GEM und BOM stürzen, schauen wir uns kurz zwei 15 Tage-Trends an. Heute nehme ich repräsentativ nur zwei; einmal den Norden und einmal den Süden. (Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer.
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... so sieht es das BOM, ...

Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.) Sowohl der Norden als auch der Süden zeigen bis knapp zur Hälfe des Vorhersagezeitraums ein munteres Schwingen der Temperatur-Linie. Danach geht es seitwärts weiter. Im Süden verläuft die Durchschnittslinie aller Modelle (dicke, weiße Linie oben) etwas oberhalb des Mittelwertes (rote Linie), im Norden sind sie fast gleichauf, obwohl hier auch ein leichter Trend für minimal überdurchschnittliche Temperaturen erkennbar ist. Das liegt in beiden Fällen übrigens daran, dass tendenziell mehr Einzelberechnungen die wärmere Schiene sehen und weniger eine kältere Schiene.

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... so das ECMWF und ...

Interessanter sind jedoch die Ausschläge unten, sprich, die Niederschlags-Simulationen! Einerseits sehen wir im Norden deutlich die beiden Peaks mit dem Regen in der kommenden Nacht und morgen. Anderseits sind auch die Ausschläge der Schauer- und Gewitterfront am Sonntag/Montag deutlich zu erkennen. Danach tut sich in Sachen Regen relativ wenig. Es könnte uns nach den 15 Tage-Trends des GFS also eine längere trockene und insgesamt sonnige Witterungsperiode bevorstehen!Der Teufel steckt aber im Detail, nämlich in den anderen Modellen! Während das GFS am Aufbau eines riesigen Mitteleuropa-Hochs arbeitet, das uns viel Sonne und angenehme Spätsommerwärme bringt, schlägt die übrige Modell-Welt in eine deutlich rauere und ungemütlichere Kerbe.
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... so das GEM.

Gerne nehme ich die mittelfristigen Karten für Tag 10 als Trend für die Aussichten her. Heute möchte ich Tag 8 nehmen, also den 15. September. Da zeigt das GFS das Heranrollen eines großen Hochs, das mit Kern zwischen Irland und unserem Mittelgebirgsraum liegt. Es soll sich im weiteren Verlauf über dem nördlichen Mitteleuropa breitmachen und für wirklich edelstes Spätsommerwetter sorgen. Das europäische ECMWF sieht den Kern dieses Hochs deutlich weiter im Südwesten auf dem Atlantik nordöstlich der Azoren. Gegenspieler soll demnach ein Tief vor der Küste Norwegens werden. Der Norden Deutschlands bekäme erneut Wind, Wolken und einige Regenfälle. Südlich von Main und Mosel wären wir mit einem Hochkeil geschützter samt mehr Sonne, weniger Wind und vor allem wärmeren Temperaturen. Im Norden ginge es herbstlich kühl zu.

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Extreme Unterschiede in der Modell-Welt: Das GFS für den 17. September...

Das GEM zeigt für Tag 8 ebenfalls eine Hochdruck-Lage ähnlich des ECMWFs. Ein Tief-System läge hier zwischen Schottland und dem Nordmeer. Das spätsommerlich sonnige und warme Wetter würde mit einigen Kaltfronten dann auch aus dem Südosten verschwinden. Das australische BOM wiederum geht wieder ein bisschen mehr in die Richtung des GFS, also in die friedlichere und wärmere September-Kategorie. Wir hätten es also Mitte September mit einem Patt der Modelle zu tun. GFS und BOM sehen ruhiges und sonnig-warmes Spätsommerwetter, ECMWF und GEM besonders im Norden kühles, wechselhaftes und windiges Frühherbstwetter.
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... und das ECMWF!

Und jetzt kommt das ein wenig erleuchtende „Aber“ ;). Zumindest das GEM sieht diesen neuerlichen Rückfall als Intermezzo. Dieses Modell brächte in der Folge auch steigenden Luftdruck und damit mehr Sonne und steigende Temperaturen. Nur das ECMWF bleibt mit seinen Mittelfristaussichten für Tag 10 allein auf kühler Herbstschiene mit Wind, Wolken, Schauern und deutlich unter 20 Grad.Fazit: Den sonnigsten, wärmsten und fast schon hochsommerlichsten Tag erleben wir pünktlich zum Wochenende, am Samstag, so wie schon an den vergangenen Wochenenden. Danach schaut der Trend gar nicht mal so schlecht aus, wenn da nicht die Uneinigkeit der Modelle wäre. Da könnte man fast meinen, es handle sich um eine „Wetter-Regierungs-Koalition“ ;). Morgen schauen wir uns das genaue Wochenend-Wetter an und schielen kurz über die Monatsmitte hinaus! (Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)