Bundestag im Nebel
Für mich gehört der November definitiv zu den Monaten, die ich am wenigsten mag. Der Herbst mit all seinen schönen, bunten Farben ist vorbei. Die Sonne hat ihre Kraft verloren und es wird vor allem eins: NEBLIG!!! Damit muss man erst mal zurechtkommen. Vor allem in Berlin: So sehr das Leben in dieser Stadt auch pulsiert - wenn der Nebel knapp über den Dächern hängt, wird sie einfach nur grau! Das bedeutet jetzt ja nicht nur Schlechtes. Es ist ganz normal, dass man sich in der trüben Zeit wieder mehr auf sein "Nest" konzentriert. Zuhause ist es schön warm und gemütlich, die Kuscheldecken werden rausgeholt und Kerzen sorgen für eine schöne Stimmung. Soweit so gut. ABER: Nach nicht nur tage-, sondern sogar wochenlangem Nebel hat man irgendwann genug. Wo soll die gute Laune noch her kommen? Man kann ja nicht immer kurz mal in die Berge fahren, um ein wenig Sonne zu erhaschen. Ich habe da mein ganz persönliches Rezept: Man muss sich Highlights schaffen. Egal in welcher Form, Hauptsache man empfindet dabei Freude. Und somit auch Vorfreude - die bekanntlich ja sowieso die Schönste ist. Dieses Jahr habe ich in kurz aufeinanderfolgenden Abständen Freunde zum Essen eingeladen, Restaurantbesuche ausgemacht oder Shopping-Dates vereinbart. Somit kann ich mich eigentlich immer auf etwas freuen. Mit Freunden lacht man viel (dabei werden Glückshormone ausgeschüttet), beim Restaurantbesuch genießt man kulinarische Eindrücke (machen auch glücklich) und beim Shoppen... Oh Gott, dazu muss ich ja nun wirklich nichts sagen, oder?
 
Im Dezember verändert sich dann schon wieder alles. In jeder Stadt und jedem Dorf gibt es Weihnachtsmärkte. Überall sieht man schöne Lichter in allen Farben, die Vorgärten werden dekoriert und in Großstädten ist sowieso alles bunt. Von der weihnachtlichen Stimmung mitgerissen, vergisst man die melancholischen Novembergedanken ziemlich schnell.
Sobald dieser Zeitpunkt erreicht ist, werde ich (pünktlich ab dem 01.12.) sehr oft gefragt, ob es denn weiße Weihnachten gibt? Man könnte ja meinen, dass dieser Wunsch vor allem Kindern sehr am Herzen liegt. Aber weit gefehlt! Es scheint eine tiefsitzende Sehnsucht bei allen Menschen (unseres Breitengrades) zu sein. An Weihnachten muss Schnee liegen (und die Sonne soll scheinen...und es darf nicht glatt sein...aber dennoch kalt...aber nicht zu kalt). Eine Aussage zu diesem heiklen Thema kann man wirklich erst 7-5 Tage vorher machen. Also genau so, wie sonst auch beim Wetter. Wenn ich aber in die leuchtenden Augen der Fragenden schaue, möchte ich am liebsten jedes Mal mit „Ja“ antworten. „Ja, es gibt weiße Weihnachten“. Eine glatte Lüge!
Und dann ist es doch tatsächlich Anfang Dezember schon so weit und es SCHNEIT! Wie jedes Jahr bricht auf Flughäfen, bei der Bahn und im Straßenverkehr das totale Chaos aus. Obwohl es jedes Jahr wieder passiert. Ich habe das Gefühl, dass man in Berlin mit Schnee komplett überfordert ist. Jedenfalls bleibt er auf dem Gehweg meistens liegen und verwandelt sich nach 2 Tagen zu einer harten, rutschigen Eisschicht. Komischerweise ist die Freude über das flächendeckende Weiß auf einmal gar nicht mehr so groß. Die Leute ärgern sich darüber, Schnee schippen zu müssen, kommen zu spät zur Arbeit und werden womöglich noch krank. Zum Glück freuen sich ein paar über die weiße Pracht. Das wird auch in sozialen Netzwerken sehr deutlich. Bei Facebook werden unglaublich viele „Schnee-Fotos“ gepostet: Schnee im Garten, Schnee auf der Straße, Schnee auf dem Vogelhäuschen, Schnee auf dem Autodach, Schneeengel und Schneemänner sowieso.

Für mich als Wetterfee bedeutet Schnee meistens eins: Ich moderiere draußen! Leider bin ich eine ziemliche Frostbeule... Nein, ich bin die größte Frostbeule überhaupt! Und egal, was ich versucht habe: Es hat nichts gebracht. Ein Beispiel: "Anneke, du musst dich jeden Tag kalt abduschen". Habe ich gemacht, sogar ein ganzes Jahr lang. Im Sommer fiel mir das auch nicht schwer, im Winter war es dagegen die Hölle. Aber gut, es soll ja helfen... Hat es aber nicht! Ich habe nicht den kleinsten Unterschied gespürt. Sport mache ich sowieso schon seit Jahren. Das hilft ja angeblich auch - von wegen besserer Stoffwechsel und so. Pah...auch keine Verbesserung!
Mein Fazit: Es gibt einfach Menschen, denen schnell kalt ist und die eigentlich immer frieren. Ich gehöre zu dieser Gruppe. Also hilft nur eins: Alles mit warmen Klamotten ausgleichen! Zudem viele warme Getränke und Bewegung. Das geht nur leider vor der Kamera nicht so gut (also das mit der Bewegung). Somit kommt es ab und zu vor, dass ich on air zittere...ist halt so.
Zum Glück kann ich dem Ganzen aber auch etwas Positives abgewinnen: Ich bin so gut wie nie krank. Keine Grippe, keine Erkältung oder sonst was. Außerdem durfte ich in den letzten 6 Jahren an vielen wunderschönen und verschneiten Orten moderieren. Schnee sehe ich also jedes Jahr.
Tja, aber dann ist die ganze weiße Pracht doch genau in der letzten Woche vor Weihnachten geschmolzen. Eigentlich sehr schade, aber für alle, die erst kurz vor, oder sogar erst an Weihnachten zu ihren Liebsten fahren, ist das gar nicht so schlecht. Jetzt bleibt niemand mit den Zügen „in the middle of nowhere“ stecken, hängt am Flughafen fest oder steht stundenlang im Stau. Und das ist doch wirklich ein Grund zur Freude.
In diesem Sinne wünsche ich allen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!
Eure Anneke