Eroeffnung
In der Abenddämmerung des Montags riss ich mich mal vom PC los und marschierte durch die Natur. Es war Frühlingsanfang, der 20. März. In den vergangenen Jahren (und gut zweieinhalb Jahrzehnten) um diese Zeit war es in der Regel schon am Wegesrand grün und in den mildesten Gegenden der Innenstädte oder auch an den geschützten Autobahnrändern um diese Zeit begannen die ersten Sträucher mit dem Blattaustrieb. Aber an diesem Abend… Nun wohne und lebe ich auch noch in der Gegend, die – rein statistisch – eigentlich überhaupt keinen kalten März abbekommen hat. Mit einem Hauch an Minus von ein paar Zehntel gegenüber dem langjährigen Mittel (1961-90) ist mal alles im Lot. Immerhin gab es Anfang März schon Temperaturen, die ihrer Zeit um 6 bis 8 Wochen voraus waren!
Es fühlte sich dennoch so an, als hätten wir Ende November und der Advent mit seinem ersten Schnee stünde vor der Tür…

April 2007
April 2007 (Überschrift: Der April kann so, …)
Während der äußerste Süden eigentlich so ziemlich von allen (spätwinterlichen) „Schandtaten“ verschont geblieben ist, erlebt der Nordosten Deutschlands eine sehr außergewöhnliche März-Witterung. Große Schneemengen, oft Dauerfrost und ein Flair, das viele Mildwinter zwischen 1987/88 und 2007/08 vermissen ließen.

Rein hypothetisch gesprochen: Wenn das ganze Wetter- und damit auch Kältesystem nur rund 500 Kilometer weiter im Südwesten wäre, würden spielend an die 10 Prozent der kältesten März-Monate seit Mitte des 18. Jahrhunderts heran kommen. Aktuell liegt die deutschlandweit gemittelte Temperatur des März bei 0,9 Grad. Vor einem Jahr waren es 6,9 Grad! Nach unten wäre aber auch noch Luft von fast 5 Grad. Irre, was der März kann!

April 2012
April 2012 (… aber auch so!)
Vor dem Ende der Kleinen Eiszeit (um 1850) gab es einige solcher März-Kälte-Kaliber. Danach wurden sie seltener. Der eisigste März nach 1850 kam mit minus 1,8 Grad 1853 daher. Es gab bis zum Temperatur-Sprung nach September 1987 nur wenige Monate mit einer (plus/minus) Null vor dem Komma des Märzmittels. Der letzte „Hochwintermärz“ stammt aus dem Jahre 1987, also VOR dem „Klimawandel“.
Zu „kühl“ waren dann nur noch 1988 (2,7 Grad; der schneereiche Spätwinter nach dem Mildwinter), 1995 (3,1 Grad), 1996 (1,0 Grad; als Verlängerung nach dem langen dunklen und letzten strengen Winter) und 2006 (1,5 Grad; ebenfalls als Verlängerung nach dem kalten Winter).

Die letzten zwei Tage des März werden entscheiden, ob er ein Minus oder ein Plus vor der Null haben wird. Sollte die kälteste Variante der Modelle kommen, könnten wir 1987 vielleicht sogar noch erreichen, denn die Temperaturen, die da für die nächsten Tage gerechnet werden, haben es ganz schön in sich!

Mal ganz abseits der „Wann kommt der Frühling - Diskussion“ oder der „Scheiß Winter – Schimpferei“ finde ich diese Entwicklung als Vollblutmeteorologe und von Herz und Seele tief mit dem Wetter verbundenen „Wetterfrosch“ dieses aktuelle Ereignis hoch spannend und unglaublich interessant! Bis auf wenige Ausnahmen erlebten wir seit September 1987 einen Wärmerekord nach dem nächsten. Es wurde wärmer, wärmer und wärmer und die Erwärmung schien kein Ende zu nehmen bis zum Höhepunkt des Zeitraums zwischen Mitte 2006 und Mitte 2007.

Wir wurden von immer mehr Wärme „verwöhnt“. Ein Klima wie am Mittelmeer wurde als „normal“ erachtet. Ein zwei bis 4 Grad zu warmer Monat war „Pflicht“ und ein schnöder Durchschnittsmonat wurde als „kalt“ deklariert, ein zu kalter Monat sogar als „extrem“ und „unnormal“.
Mag sein, dass so manche Einzelheit wie manche Schneehöhen oder Tiefstwerte neue Rekorde an den jeweiligen Messstationen gebrochen wurden, aber um die breiten Facetten unseres Klimas und unserer Klimazone mit einzubeziehen, so muss man sagen: Es darf ein Monat auch mal deutlich zu kalt sein!

Vor vielen, vielen Kolumnen sprachen wir mal darüber, was passieren würde, wenn mal wirklich ein Monat kommt, der das zu kalt ist, was er sonst zu warm ist. Und was wäre wenn wir mal wirklich einen richtig schlechten Sommer kriegen würde – in etwa so wie ein 1987er Sommer oder allgemein so einige Sommer aus den 1970er und 1980er Jahren (77-81). Dann käme aber Stimmung in den Medien auf… ;-)!

Von einem solchen „unterirdischen“ Sommer gehe ich heuer nicht aus. Im Gegenteil. Aber dazu ein anderes Mal. Wovon ich allerdings inzwischen nicht mehr überzeugt bin ist meine „Frühlingsprognose“ von 7 bis 8 Grad. Vielleicht war die etwas „optimistisch“. Der April und der Mai müssten schon beide gut zu warm oder zumindest einer extrem warm ausfallen, um überhaupt das Mittel zu erreichen…

Ein Wort noch zur „Frühlingsprognose“. Ich hörte von ein paar Kommentaren, dass das „einfach“ sei, Rückschläge“ und „Eisheilige“ zu prognostizieren, da das ja schließlich „normal“ sei. Sagen wir es mal so: Es WAR normal. Von einem April erwarten viele inzwischen das erste Mal die 30 Grad-Marke und die Eisheiligen sind in den vergangenen 25 Jahren, bis auf wenige Ausnahmen, oftmals „Schweißheilige“ gewesen. Und wie eben schon erwähnt: Das, was früher wirklich „normal“ war, gilt heute als zu kalt. Insofern wird ein Frühjahr mit „Rückschlägen“ und möglichen ausgeprägten „Eisheiligen“ ein klarer Bruch zu den Wünschen der meisten Menschen darstellen und zu unserem aktuellen Klimamittel sowieso…

Bevor die Temperaturen ein „Normalniveau“ für diese Jahreszeit (deutschlandweit) erreichen, schreiten wir in den kommenden Tagen durch ein ungewöhnlich kaltes Temperatur-Tal für diese Jahreszeit, das möglicherweise neue Rekorde hervorbringen könnte.
Und bevor einige von Ihnen schimpfen: Seien Sie froh, dass es jetzt passiert und nicht im Dezember, Januar oder Anfang Februar. Eine solche Wetterlage im Hochwinter mit diesen Luftmassen und diesem Wind würden uns das Fürchten vor dem Winter lehren!

Wetterlage WE
Wetterlage am Wochenende
Beginnen wir mit dem Wochenende: Starker bis stürmischer Wind aus östlichen Richtungen peitscht mit eiskalter Hand übers Land. Der Wind schlägt wie eine Mauer ins Gesicht! Dazu scheint hauptsächlich in den Gegenden mit Schneedecke (Nordosten) die Sonne. Sonst haben wir es mit vielen hochnebelartigen Wolken zu tun. Vereinzelt fällt etwas Schnee. Südlich einer Linie Eifel – Oberbayern schneit und regnet es etwas häufiger.
Die wirklich extreme Märzkälte für einen 23. März (Welttag der Meteorologie) liegt über der Nordosthälfte. Hier sind es gerade mal minus 5 bis null Grad; in manchen Mittelgebirgslagen bleibt es sogar noch eisiger. Vom Niederrhein über die Pfalz bis in die Gebiete südlich von Main und Mosel bekommen wir Plusgrade, um und knapp über 10 Grad am Ober- und Hochrhein. Aber selbst diese milden Temperaturen können ein (deutlich) negatives Tagesmittel nicht mehr verhindern.

Das Tagesmittel (Durchschnittstemperatur eines gesamten Tages) bleibt auch am Sonntag satt im Minus. Nach abermals eisiger Nacht mit zweistelligen Minuswerten über sternklaren Schneeflächen sind es auch am Sonntagnachmittag gerade mal minus 5 bis plus 3, im äußersten Süden und Südwesten auch um plus 5 Grad. Vom Wetter her ändert sich wenig mit Wolken, nördlich der Mittelgebirge auch sonnigen Phasen sowie ein paar leichten Schnee- und Regenfällen im Süden.

Wochenende gefühlt
Gefühlte Temperaturen am Wochenende
Die Höchstwerte fühlen sich übrigens am Wochenende ohne Sonne und mit Wind wie minus 5 bis minus 15 Grad auf der Haut an! Mit Frühling hat das wahrlich nichts zu tun! Da es auch nachts windig ist, fühlen sich beispielsweise minus 10 wie minus 20 Grad und weniger auf der Haut an.

Mal sehen, ob es neue Kälterekorde gibt! Von den positiven Dekadenrekorden (hauptsächlich 1968, 1989 und einzelne aus 2010) mit bis zu 26 Grad sind war so was von weit entfernt…!

Von Montag bis Mittwoch schwächen sich einerseits der Wind und andererseits die Kälte ganz langsam ab. Die Tage sind länger als die Nächte und die Sonne hat Kraft. Außerdem scheint die Sonne vor allem im Norden und in der Mitte bis Mittwoch immer häufiger. Nur im Süden bleibt es trüb mit gelegentlichen Schneefällen. Die Höchstwerte erreichen am Mittwoch immerhin schon minus 2 bis plus 7 Grad. Vor allem in den Gebieten, die bis jetzt die ganze Zeit Winterkälte von maximal um die Null Grad hatten und auch noch haben werden, bekommen zaghaftes Tauwetter (Schleswig-Holstein, Hamburg, östliches Niedersachsen, Teile von Sachsen-Anhalt und Thüringen, sowie Mecklenburg-Vorpommern, Berlin/Brandenburg und Sachsen).
Die Nächte bleiben frostig kalt mit Tiefstwerten im Schnitt von minus 3 bis minus 12 Grad.

Wetterlage Wochenmitte
Wetterlage zur Wochenmitte
Ab Donnerstag wird es in der Modellwelt ein wenig unsicher. Die für den Frühling optimistischsten Lösungen sehen ein rasches Vorankommen milder Luftmassen aus dem Mittelmeerraum, die pessimistischsten Varianten ließen die mildere Luft erst an den Osterfeiertagen selbst kommen.

Mit den milderen Luftmassen kommt allerdings auch die Feuchte wieder zurück. Und so entscheidet das Eintreffen der milderen Luft nicht nur über das endgültige Auftauen der März-Kälte, sondern auch über Sonnenschein oder wechselhaftes Wetter samt ein paar Schauern und Gewittern.

Ostern gemittelt
Gemittelte Großwetterlage Ostern
Die sich an und ab Ostern etablierende Wetterlage wird deutlich wärmer sein als die aktuelle Witterung – von der Luftmasse her um gut 10 Grad. Sie wird allerdings „nur“ dem Mittel  entsprechen bzw. einen Tick drüber liegen und eben von feuchter Luft begleitet werden.

Wichtig ist FÜR den Frühling erst einmal, dass der extrem Kälteblock nördlich und nordöstlich von uns weichen wird. Damit kann sich eine neue Wetterlage aufbauen, die dann für neue Überraschungen gut ist. Und von der Großwetterlage her deutet sich heuer ein April an, der seinem einst einmal launischen Ruf durchaus gerecht werden könnte. Zumindest das ist wahrscheinlicher als ein April wie 2007, 2009 oder 2011 mit (hoch)sommerlichem Flair samt Dauersonnenschein und über 30 Grad am Schluss…


(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)
(Anmerkung zum Eröffnungsbild: So sieht der fortgeschrittene Frühling Ende April im Flachland und Anfang/Mitte Mai im Berg- und Alpenvorland aus ;-)!)