Eröfnnung
Beim Wetter gibt es immer wieder Überraschungen! Wer hätte das nach dem winterlichen Dezember-Start gedacht? Und dann waren da die monatelangen Berechnungen von Kälte im Dezember und zu Weihnachten. Und schließlich bekommen wir ausgerechnet an Weihnachten Rekordwärme. Rein als „Wetterkonsument“ fand ich das schon genial. Wenn es eben warm, trocken und schneelos ist, gehe ich radeln oder wandern.
west
Die klassische Grundstruktur einer West-Wetterlage.
 
Aber mal ehrlich, das ist doch irgendwie doof: Wenige Wochen vor Weihnachten, wo alle noch arbeiten, die Kinder in der Schule sind und einfach viel zu viel Stress ist und war, da haut es zum Teil massenhaft Schnee herunter. Die Straßen sind dicht, Pendler genervt, die Winterstimmung dafür perfekt. Und dann, wenn fast alle frei haben und „nur“ der Reiseverkehr rollt und die Wintersportgebiete von schneehungrigen Skifahrern und Snowboardern überfallen werden, ja dann, dann ist der Schnee weg!? Ich persönlich wäre an Weihnachten lieber Langlaufen gewesen statt mit kurzen Klamotten beim Fahrradfahren – apropos: Mich fragte eine Frau, die ebenfalls mit dem Rad fuhr, auf der Loisachbrücke bzgl. meiner kurzen Hose: „Ist Ihnen nicht kalt.“ Daraufhin fragte ich zurück: „Wir haben 16 Grad. Wenn es im Sommer nur 10 Grad hat und die Menschen laufen mit kurzen Sachen rum, fragen Sie dann auch, ob es nicht zu kalt sei?“ Sie grinste und meinte: „Stimmt.“
 
Das fiel mir schon als Kind immer auf: Im Sommer ist es okay, wenn man kurze Sachen trägt, ungeachtet der Temperaturen. Und im Winter trägt man bei fast 20 Grad mit Sonne Schal, Mütze und Handschuhe? Ist mir bis heute ein Rätsel…
 
Dennoch war die Wärme von Weihnachten eine „komische“ Wärme. Wäre jetzt Ende Januar oder gar schon Februar gewesen, spürt man ganz klar den nahenden Frühling. Aber es flog trockenes Laub durch die Luft und das ganze Flair wirkte eher herbstlich als frühlingshaft. Mal gucken, ob da noch was kommt…
 
Wir sprachen einst an dieser Stelle einmal darüber, dass dieser Winter tendenziell kälter wird - mit einem kalten Dezember, einem milderen Januar und dann wieder einem kälteren Februar. Das mit dem kalten Dezember – bezogen auf das Mittel der Jahre 1961-90 – können wir uns von der Backe streichen. Mit dem 2. Weihnachtstag hat das deutschlandweite Mittel erstmals in diesem Monat die 0,0 Grad-Marke erreicht was die Abweichung betrifft. Und die restlichen Tage bis zum Jahresende bleiben unterm Strich deutlich zu mild, so dass am Ende ein (leichtes) Plus herauskommen wird. Das Ganze mit einem Nordost-Südwest-Gefälle (Nordosten minus 1,5, Südwesten plus 1,5 Grad).
Abweichungen
Die Abweichungen in Grad Celsius bis zum 26. Dezember, bezogen auf das Gesamtmonatsmittel der Jahre 1961-90.
 
Deutlicher als das Temperatur-Plus wird jedoch das Niederschlags-Plus ausfallen. Bis einschließlich Weihnachten betrug das deutschlandweite Mittel des Niederschlags schon 120 Prozent. Die Flüsse können ein Lied davon gluckern!
Die großen Regenfälle sind jetzt aber erst einmal vom Tisch, ebenso wie das ganz große Tauwetter - zynisch gesagt: Es ist ja eh nichts mehr zum Tauen da!
 
Nehmen wir der Form halber noch die Sonnenscheindauer mit ins Hochwasser-Boot. Bis Weihnachten hatte die Sonne gerade mal zwei Drittel gemittelt vom Gesamtdezember-Soll. Lediglich am sonnigen Bodensee haben wir die 100 Prozent-Sonnenschein-Soll-Marke überschritten. Düster blieb es mit rund 40 Prozent direkt an und auf Nord- und Ostsee sowie im Dreieck – Teutoburger Wald – Rhön – Siebengebirge/Eifel.
 
Die gemittelten Zahlen sagen leider wenig darüber aus was dahinter steckt. Dahinter steckt ein Dezember 2012, der am Anfang sogar einige Kälterekorde aus dem Hut zauberte und am Schluss etliche Wärmerekorde im Süden pulverisierte. Ein Meter Schnee in den Alpentälern, 20 Grad an Weihnachten in München, brachialer Eisregen im Nordosten und Hochwasser durch Tauwetter. Wahrlich ein ereignisreicher Monat.
 
Eines steht fest: Zum Ende des Monats und zu Beginn des Januars wird es unterm Strich ruhiger, aber nicht wirklich winterlich!
 
Die rasante Berg- und Talfahrt der Temperaturen wird abklingen, ebenso das Regenfronten-Fließband vom Atlantik. Schauen wir uns dazu die 15 Tage-Trends für den Norden und den Süden an. (Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer. 
Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.)
beginn 2 dekade
Der Beginn der zweiten Januar-Dekade birgt wieder mehr Überraschungen, hier die gemittelte Wetterlage.
 
Besonders im Süden kann man im ersten Drittel noch dieses starke Auf und Ab aus der zu Ende gehenden Dauerwest-Dröhnung erkennen. Dann dümpelt es so lustlos um das Mittel herum, im Norden auch knapp darüber.
Ich muss mich korrigieren. Das ist nicht das Ende der Westlage, sondern nur das Ende der Dauer-Tiefdruck-Dröhnung. Tendenziell bleibt es westlastig, noch zumindest. Im Norden ist das volatile Gehampel der Temperaturen nicht ganz so ausgeprägt.
 
Derweil halten sich die Niederschlagsneigungen im Rahmen. Solche Schütten wie zuletzt stehen erst einmal nicht mehr an.
Norden
Der 15-Tage-Trend für den Norden.
 
Solche 15 Tage-Trends sehen auf dem ersten Blick alles andere als winterlich aus, insbesondere für das Flachland. Beim näheren Betrachten und beim Analysieren der einzelnen Wetterlagen besteht jedoch besonders in den Bergen, im Osten und im Süden für Winterfreunde ein kleiner Hoffnungsschimmer am Ende der Weihnachtsferien – also Richtung erstes Januar-Wochenende.
Hier könnte am Rande eines Westeuropa-Hochs ein Tief mit einem Schwall feuchter Polarluft am Hoch vorbei nach Süden schrammen und zumindest kurz etwas Schnee und kältere Luft bringen. Danach schüttet das Hoch erst einmal nach den meisten Modellen alles zu und legt sich genau über uns. Hätten wir theoretisch Frost und Schnee, dann stünden uns eisige Zeiten bevor. Aber ohne Frost und Schnee dümpeln wir schnee- und wärmelos durch kühle Wintertage, verschenkte Wintertage. Das ist ungefähr so als wenn es zur schönsten Hochsommerzeit regnet – was wir in den vergangenen Sommern ja häufiger hatten.
 
Dieses Hoch unterbricht bzw. beendet dann die Tiefdruck-Serie. Vielleicht ist aber genau das Hoch der Schlüssel zur Änderung. So wie sich das milde Wetter in Etappen durchsetzen musste, muss es natürlich auch umgekehrt laufen: Um richtiges Winterwetter zu bekommen, braucht es eine allmähliche Umstrukturierung. Da reicht es nicht einfach, dass ein Tief eine Kaltfront bringt und dann ist gut. Nein, da müssen die großen Zahnräder auf dem Atlantik und über Europa anders laufen.
Süden
Der 15 Tage-Trend für den Süden.
 
Derzeit ist die klassische Konstellation Tief Island, Hoch Osteuropa, Hoch Iberische Halbinsel für das milde West-Wind-Wetter verantwortlich. Die Kälte fließt zwischen Grönland und Labrador auf den nördlichen Westatlantik und facht immer wieder das Tief an. Dieses kann nicht weiter ziehen, weil das Hoch im Osten blockt. Eine klassische Mildwinter-Konstellation.  
 
Wenn das Hoch von Spanien/Portugal in den zentraleuropäischen Bereich zieht, stockt das atlantische West-Wind-Gebläse. Die sich daraus ergebenden Varianten könnten langfristig wieder „winterinteressant“ werden. Einmal tauchen immer wieder Möglichkeiten auf, die die gestörte Zirkulation wie Anfang Dezember zurückkommen lassen würden. Aber auch das Verlagern der Kaltluftmassen in den eurasischen Bereich haben einige Modell-Berechnungen auf´m Schirm. Das heißt, dass wir nach der ruhigeren Phase Richtung zweite Januar-Dekade durchaus temperamentvolle Wetterlagen kriegen werden bzw. könnten – von einer Schockfrostung bis hin zur Renaissance der milden und wilden West-Wind-Lage.
 
Schauen wir uns kurz das Wetter für die Zeit zwischen dem letzten Dezember-Wochenende und dem ersten Januar-Wochenende an.
Der Samstag bringt uns mit Hoch VALENTIN deutlich ruhigeres Wetter. Die dichten Wolken aus der Nacht ziehen nach Nordosten ab. Sonst haben wir einen Mix aus viel Sonnenschein und lockeren Wolkenfeldern. Im Norden frischt der Südwind wieder auf. Die Höchstwerte erreichen im Schnitt 4 bis 12 Grad; 4 Grad im Südosten und bis zu 12 Grad im Nordwesten.
zweiter januar
Die Wetterlage am Mittwoch, den 2. Januar.
 
Am Sonntag überquert uns von West nach Ost eine Wolkenfront (schwache Kaltfront) mit wenigen Regenfällen. Dahinter folgt ein Mix aus längeren sonnigen Phasen, Quellwolken und einzelnen Schauern, vor allem in den westlichen Mittelgebirgen und an der Nordsee. Die im Schnitt 4 bis 9 Grad fühlen sich durch den starken bis stürmischen Südwestwind deutlich kälter an.
 
An Silvester zieht es in der Mitte und im Norden zu. Vor allem im Norden fallen gelegentlich Nieselregen und Regen. Am meisten regnet es an den Küsten und in Schleswig-Holstein. Im Süden wechseln sich viel Sonne und harmlose Wolken ab. In freien Lagen weht starker bis stürmischer Südwestwind. An den Küsten und auf den Bergen gibt es verbreitet Sturmböen! Im Süden Baden-Württembergs und Bayerns sowie in den Alpenländern ist es friedlich mit wenig Wind und eben recht viel Sonne.
Dazu sind es im Schnitt 5 bis 12 Grad. Kälter bleibt es über windgeschützten Niederungen im Südosten sowie in den Beckenlagen und großen Flusstälern der Alpenländer.
 
Zum Jahreswechsel um Mitternacht erwarten uns in der gesamten Nordwesthälfte dichte Wolken und stürmischer Südwestwind. Der Regen hält sich mit etwas Glück noch zurück. Dieser Regen liegt zwischen dem nördlichen Emsland und Nordfriesland. Hier wird das mit der Freilandknallerei wohl nicht so toll. Sonst verweht es die Raketen.
Friedlich ist es im Südosten sowie in den Alpenländern, speziell in Österreich. Hier haben wir auf den Bergen eine sehr gute Sicht, kaum Wind und recht milde Temperaturen (auf den Gipfeln).
Im Flachland liegen die Temperaturen zum Jahreswechsel bei 5 bis 10, im Südosten bei plus 4 bis minus 4 Grad. In einigen Alpentälern über Schnee wird es kälter.
zehn tage
Die Wetterlage im Anschluss.
 
Das junge Neujahr beginnt tagsüber am Dienstag mit Regen in der gesamten Nordwesthälfte Deutschlands. Dieser Regen arbeitet sich bis zum Abend südostwärts voran und klingt von der Nordsee her wieder ab. Derweil geht der Regen in den westlichen Mittelgebirgen in Schnee über. Bis Mittwochmorgen zieht sich das Tief mit seinen Wolken nach Südosten zurück. Hier, also im äußersten Südosten, wird es möglicherweise ein paar Zentimeter Schnee geben.
 
Im Anschluss rutscht das Hoch nach. Da dieses Hoch jedoch mit seinem Kern eher westlich von uns liegt, gelangt von der Nordsee her feucht-milde Luft zu uns. Damit erwarten uns meist tiefe, hochnebelartige Wolken und besonders im Norden und Nordosten auch gelegentlicher Regen und Nieselregen. Chancen auf Sonne haben wir dann besonders im Südwesten und im Alpenraum. Hier haben wir tagsüber um die null Grad und knapp darüber, nachts herrscht Frost. In den bewölkten Gebieten mit Westwind sind es tagsüber weiter grob zwischen 5 und 10 Grad, nachts ist es ein, zwei Grad kälter.
 
Danach werden die Wetterkarten, wie eben schon erwähnt, langsam neu gemischt. Ab wann die Großwetterlage dann mit ganz offenen Karten spielt, bleibt abzuwarten. Mal sehen, ob auch ein Joker dabei sein wird ;)…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)