Der Sommer lockt in die Berge!
„Wann fahrt ihr wieder?“ Das war die Frage, die wir als Kinder immer Oma und Opa gestellt hatten, wenn sie zu Besuch kamen. Und da das ein Besuch aus über 700 Kilometer Entfernung war, handelte es sich da grundsätzlich mindestens um eine Woche. Wir bekamen zwar immer geschimpft, dass sich das „nicht gehört“ und „unhöflich“ sei. Aber Oma und Opa wussten immer wie das gemeint war. Die negative Interpretation kam von den Erwachsenen. Wir haben uns gefreut und haben grundsätzlich gehofft, dass Oma und Opa so lang wie nur irgend möglich bleiben.
Donnerstag
Wetterlage am Donnerstag.
 
Nach der kurzen Antwort war das sofort vergessen und dann begann das, was vorzugsweise Kinder (und Tiere) leben: Sie genießen das Hier und Jetzt. Und genau das, aber ganz genau das, sollten wir auch mit dem Wetter tun: Den Genuss im Hier und Jetzt!
(Das ist übrigens auch vielfach der Punkt, warum das Wetter früher „immer besser“ war als wir Kinder waren. Selbst wenn es nur 2 Tage mit Badewetter gegeben hat. Da sind wir raus. Und daran können wir uns erinnern. Es ist die Wahrnehmung! Das Gegenbeispiel brachte mal eine Bekannte von mir, die im Sommer 2003 (!!!) – und dann noch im August – aus dem Urlaub zurückkam und sich per SMS zurückmeldete mit den Worten „Wir sind zurück im verregneten Deutschland!“)
 
Beim Wetter, so vermute ich mal, hat auch vieles, wie im wahren Leben, mit der Einstellung und der Erwartungshaltung zu tun. Wir werden gleich einen Modellvergleich für den August-Start machen und die mögliche Sommergestaltung für den Auguststart angucken. In den letzten Läufen hat sich da ein interessanter Ansatz herauskristallisiert, der durchaus das wechselhafte und sonnenscheinarme Muster durchbrechen könnte. Dass der Sommer 2012, im Vergleich zum langjährigen Mittel (1961-90), zu kühl ausfallen wird, halte ich nahezu für ausgeschlossen! Aber, wie gesagt, dazu gleich mehr!
 
Der letzte absolut unterirdische Sommer in Deutschland liegt inzwischen 25 Jahre zurück. Es war das Jahr 1987. Er war regnerisch und kühl. Aber dieser Sommer brachte Anfang Juli etwas über eine Woche Hitze und Sonne mit perfektem Badewetter. Und der für viele gefühlt unterirdische Sommer 2012 wird uns genau dieses in dieser Woche bringen. Vor allem der vom Sonnenschein lang vernachlässigte Nordwesten bekommt erst einmal eine ganze Latte an Sonnenüberstunden.
GFS
Der Start in den August nach Ansicht des GFS, ...
 
Und dazu wird es hochsommerlich heiß, aber nicht extrem. Wir bekommen Hochsommertemperaturen, die sich sehen und fühlen lassen können, nicht aber wieder einen Rekord nach dem anderen brechen werden. Da ist vieles im Rahmen. Garniert wird das Ganze mit einzelnen Wärmegewittern, die zum Hochsommer dazu gehören. Und das Flair, das diese Woche bieten wird, wird nach den schloddrigen zwei Wochen kaum zu überbieten sein: Die Mähdrescher ziehen über die Felder, es wird Heu gemacht und die Sommerblumen – von Dahlien bis hin zu Sonnenblumen – blühen um die Wette. In den Freibädern und an den Badeseen wird Hochsaison sein. Die Abende laden zum lange draußen sitzen ein. Es ist Sommer. (Und die Kinder von heute werden später einmal sagen: „Früher hatten wir noch schöne Sommer!“ ;))
 
Sonnig und vielerorts wolkenlos präsentiert sich der Dienstag – von der Nordsee bis zum Königssee und von der Ostsee bis ins Breisgau. Ein paar nennenswerte Wolken tummeln sich am ehesten über dem Schwarzwald und spätnachmittags in Alpennähe. Hier, also in Alpennähe, rumpelt gegen Abend das ein oder andere Wärmegewitter los.
Die Höchstwerte erreichen 26 bis 31 Grad. Etwas kühler bleibt es nur an der See, wenn der Wind übers Meer weht. Das ist am ehesten mit auflandigem Ostwind an der Ostsee der Fall.
 
Klammheimlich und über Nacht sickert in den äußersten Süden ein bisschen feuchtere Luft. So sind im südlichen Baden-Württemberg und Bayern auch nachts lokale Schauer und schwache Gewitter unterwegs. Keine Panik, die bringen keinen Rückfall ;)!
 
Die Schwüle nimmt zwar am Dienstag schon langsam zu, bleibt aber erträglich. Am Mittwoch wird es schwüler. Dafür ist und bleibt es sonnig, verbreitet sogar wieder wolkenlos, von Baden-Württemberg und Bayern mal abgesehen. Bis zum Abend bilden sich dann auch über dem Mittelgebirgsraum mächtigere Quellwolken. Und so entstehen erst in Baden-Württemberg und Bayern, dann auch über den Mittelgebirgen einzelne Schauer und Gewitter. Am höchsten ist das Gewitterrisiko im Dreieck Schwarzwald – Oberpfälzer Wald – Alpen.
 
Es liegt satte Heißluft über uns, die von der Sonne mächtig erwärmt wird. So klettern die Temperaturen auf 27 bis 33 Grad. Einen Tacken heißer kann es von der Leipziger Tieflandsbucht bis in die Lausitz werden. Einen Tacken kühler ist es mit einem vorzeitigen Gewitterduscher im Süden sowie mit auflandigem Wind an der See; dieses Mal sind es Ost- UND Nordsee, da der Wind an der Nordsee auf Nord bis Nordost dreht und vor allem den ostfriesischen Inseln Seeluft beschert. Am Nachmittag dreht der Wind mehr auf Nord und auch die nordfriesischen Inseln bekommen Seewind und etwas mehr Brandung!
GEM
... nach GEM, ...
 
Dieses kleine Feuchtefeld mit gewitterträchtiger Luft schlurft in der Nacht auf Donnerstag ein bisschen nach Norden. So müssen wir am Donnerstag vor allem über dem Mittelgebirgsraum (gemeint ist die Mitte zwischen Eifel/Sauerland und Erzgebirge/Fichtelgebirge) sowie über dem Schwarzwald, der Alb und dem Bayerischen und Oberpfälzer Wald mit einzelnen Wärmegewittern rechnen. Sonst bleibt es sonnig, oft sogar wolkenlos.
 
Verbreitet sind es 27 bis 33 Grad. Nicht ganz so heiß ist es im äußersten Norden mit Seewind. (Offen gestanden wäre ich angesichts dieser Aussichten liebend gern an der Nordsee mit wolkenlosem Himmel, kristallklarer Salzluft und schönen Wellen. *schwelg*)
 
Am Freitag ändert sich nach aktuellen Trends noch wenig, zumindest östlich einer Linie schleswig-holsteinische Ostseeküste – Harz – Saarland. Hier bleibt es sonnig und oft auch wolkenlos mit nur vereinzelten Wärmegewittern im Mittelgebirgsraum.
Sonst aber erwarten uns vor allem im westlichen Niedersachsen und in NRW erste Schauer und Gewitter, die sich bis zum Abend weiter ostwärts bis zur gerade genannten Linie ausbreiten.
 
Die Höchstwerte erreichen zuvor 29 bis 34 Grad. Frischer bleibt es mit flottem Ostwind an der Ostsee. Vielleicht werden in den heißesten Ecken Süddeutschlands sogar 35 Grad erreicht. Die Luftmasse gäbe es mit 20 Grad in 1500 Meter Höhe auf jeden Fall her.
BOM
... nach BOM und ...
 
Mit dem Freitag haben wir auch das Ende dieser (ersten) Hitzewelle erreicht. Das Wochenende bringt uns sukzessive weniger Hitze und schubweise Schauer und Gewitter, die auch mal heftiger ausfallen können. Verglichen mit den vergangenen Wochen hält die Sonne aber die Flagge weiter hoch! Am Samstag zeigt sie sich in der Osthälfte länger, am Sonntag in der Westhälfte, zumindest nach aktueller Kartenlage.
 
Und genau diese, also die Kartenlage, simuliert Höchstwerte am Samstag von kaum 25 Grad in der Eifel und nahe 35 Grad im Osten Brandenburgs und Sachsens. Am Sonntag sind es 17 bis 26 Grad, 17 Grad im Nordseeumfeld, 26 Grad in der Niederlausitz.
 
Nach dem Willen der Modell-Welt bis gestern Abend wäre es ab Montag in eine ähnliche Witterungsphase gegangen wie die, die wir bis Samstag hatten, sprich kühl, windig und wechselhaft, wenn auch etwas sonniger. In den letzten Modellberechnungen, und jetzt sind wir in der erweiterten Mittelfrist, verlässt man jedoch allmählich die sehr kühlen Wege und scheut ein wenig die Rückkehr zum alten (übers Wetter Mecker)Trott. Sehen wir uns die aktuellen Lösungsansätze bzw. Großwetterlagenideen der Modellwelt einmal an:
 
Am sommerfreundlichsten ist das aktuelle GFS. Es zeigt das Ausbüchsen der Tiefs weiter nach Westen. Als Gegenbewegung könnte sich neuerlich ein Hoch über Mitteleuropa etablieren, das in der Folge Warmluft aus dem Mittelmeerraum zu uns pumpen würde.
 
Ähnlich „drauf“ sind auch das BOM und das GEM, wobei das BOM da noch deutlich offensiver ist, während das GEM vor allem den Küstengebieten wieder Wind, Wolken, Schauer und kühle Luft bescheren würde.
EZ
... nach ECMWF.
 
Das ECMWF tanzt momentan aus der Reihe. Es simuliert ein Tief, angereichert mit feuchter und kühler Luft, genau über uns. Sommerfeeling käme da bestimmt nicht auf.
Die anderen Modelle waren bisher ähnlich wie das ECMWF bzw. simulierten bis gestern zum Teil eine frische Nordwest- bis Nordlage mit Sonne, Wolken, Schauern, Wind und kaum 20 Grad.
 
Die gemittelte Großwetterlage des GFS gibt da auch wenig Aufschluss, da sie genau das zeigt, was GFS, GEM und BOM simulieren. Diese angedeutete Lage wäre jetzt auch nicht der Hochsommerkracher, wohl aber eine ganz andere und vor allem von den Temperaturen her eine deutlich „größere“ Hausnummer als die Modellberechnungen bisher.
 
Um die Verwirrung ganz auf die Spitze zu treiben ist das Langfristmodell CFS für den August auch völlig gekippt. War bis vor kurzem hier noch von einer eher durchwachsenen Sommerepoche die Modellrede, so stehen nun die Zeichen auf (sehr) viel Hochdruck mit Sonne und Wärme bzw. Hitze.
 
Die Weiterführung der bisher seit Wochen eingefahrenen Großwetterlage bröckelt bzw. ist ernsthaft am Wanken. Wir müssen uns ein wenig gedulden, ob das ganze System zurück auf wechselhaft und eher mäßig-warm kippt oder ob sich eine Entwicklung wie 2004 und 2009 anbahnt. Diese beiden Jahre bestachen durch eine eher maue und nasse erste Sommerhälfte und eine sonnig-heiße zweite Sommerhälfte. Vor allem der August 2009 war fulminant mit einem Plus von satten 2,2 Grad, nur die Hälfte an Regen und einem Sonnenscheinüberschuss von 25 Prozent (jeweils bezogen auf 1961-90).
 
Wir werden morgen per Video die 15 Tage-Trends unter die Lupe nehmen und schauen uns mal noch einen anderen Trend an – mit Humor und einem Schuss Ernsthaftigkeit.
gemittelt 15
Das Ganze noch als gemittelte Großwetterlage für den 1. August.
 
Zu guter Letzt noch der Hinweis für die Alpenländer, die ich explizit jetzt nicht erwähnt habe. Hier gilt im Prinzip dasselbe wie sonst auch (für den Süden Deutschlands): Es bleibt hier sonnig und heiß. Das Gewitterrisiko steigt am Dienstag an und ist am Mittwoch am höchsten, vor allem im Osten der Schweiz und in Österreich. Sonst erwarten uns am Donnerstag und Freitag hier nur einzelne Schauer und Gewitter in den jeweiligen Spätnachmittags- und Abendstunden, bevorzugt über den Bergen. Die Temperaturen liegen ebenfalls bei im Schnitt 25 bis 32 Grad.
 
Am Wochenende nimmt zwar von Westen das Schauer- und Gewitterrisiko zu, dafür werden im Osten Österreichs erneut Werte von um und knapp über 35 Grad erreicht. Damit wird diese neuerliche Hitzewelle in den Alpenländern den Hitzesommer 2003 locker erreichen bzw. in den Schatten stellen!
Man mag es sich im Nordwesten Deutschlands kaum vorstellen können, doch von Tagen her, die mehr als 30,0 Grad haben (also Hitzetage) hat beispielsweise Klagenfurt schon 2003 erreicht. Eisenstadt, Graz, Salzburg und Innsbruck werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nachziehen, zumal der meteorologische Sommer noch fast 40 Tage hat!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)