Eröffnung
Die jeweiligen Übergangsmonate vom Winter in den Sommer und vom Sommer in den Winter können viel Leid und viel Freud‘ bringen, je nachdem, aus welcher Sicht man das Ganze sieht. Gerade beim Beginn des Übergangs hat natürlich die jüngst zu Ende gehende Jahreszeit die Nase vorn. Und mit jeder Woche weiter Richtung Winter, wie im jetzigen Falle, nimmt die Wärme peu à peu Abschied. Dass es aber noch lange warm bleiben kann, das haben die vergangenen Jahre bewiesen, allen voran 2011 und 2006.
Sonnenprozent
Das Sonnenscheinsoll der ersten 4 September-Tage in Prozent, bezogen auf das Gesamtmonatsmittel der Jahre 1961-90.
 
Und mit jeder Woche, die es tiefer in den Herbst geht, brauchen wir warme Luftmassen, um die Wärme auch zu uns zu bringen. Die Sonne reicht da nicht mehr allein aus, speziell ab Oktober. Und fehlt ab der Mitte des (meteorologischen) Herbstes dann noch der Wind, kann in den Niederungen ganz schnell die Inversion zuschlagen und die klamme Hand des Nebels hält uns fest.
 
Haben wir allerdings die für sommerliche Aspekte „Idealkonstellation“ aus einem kräftigen Hoch und sehr warmen Luftmassen aus dem Süden samt einer noch ordentlichen Sonnenscheindauer, dann sind noch einmal große Temperatur-Sprünge möglich, die sich, zumindest für ein paar Stunden am Tage, durchaus hochsommerlich anfühlen können. So liegen die Wärmerekorde für die erste Septemberdekade bei bis 35 Grad. Selbst in der zweiten Dekade können deutlich über 30 Grad erreicht werden. Nach dem Hitzesommer 1947 trumpfte beispielsweise am 16. September Soltau mit 34,7 Grad auf. Da flirrte über der Lüneburger Heide noch einmal so richtig die Hochsommer-Hitze.
Gut 30 Grad sind auch in der letzten September-Dekade locker möglich. Nach dem Super-Hitze-Sommer 2003 purzelten am 21. und 22. September viele neue Dekaden-Wärmerekorde. (Ein paar Wochen später gab es mit einem markanten Wintereinbruch im Oktober übrigens Kälterekorde.)
 
Der September kann also dem Spätsommer durchaus noch ein hochsommerliches Flair verleihen. Und genau das passiert an diesem kommenden Wochenende. Und damit endet auch die „ungerechte“ September-Sonnen-Verteilung der vergangenen Tage:
Rein von Temperatur- und Regenverteilung her ist das Bild deutschlandweit recht einheitlich: Der Monat begann fast überall zu trocken und mit der Jahreszeit entsprechenden Temperaturen. (Betrachtet man sich die Abweichungen der ersten 4 Tage, so zeigt sich ein Plus von 2,2 Grad. Diese Abweichung ist allerdings auf den Gesamtmonat bezogen. Und da der September ein Übergangsmonat ist, ist er am Anfang wärmer und am Ende kühler. Das Monatsmittel beträgt Pi mal Daumen 13 Grad. So wären es korrekterweise am Anfang 15, am Ende 11 Grad. Ein Plus von 2 Grad am Anfang ist also kein echtes Plus, sonder „normal“, sprich Durchschnitt).)
 
Die große Ungerechtigkeit taucht allerdings in Sachen Sonne auf. Während wir in weiten Teilen Baden-Württembergs und Bayerns die fummeligen Sonnenminuten der ersten 4 Tage addieren, kommen gerade mal 2 bis 10 Sonnenstündchen heraus. Prozentual entspricht das gerade einmal 2 bis 6 Prozent des Gesamtmonatssolls. Nur ein paar Kilometer weiter nach Norden ergibt sich ein gänzlich anderes Bild: Hier hat die Septembersonne mächtig Gas gegeben mit gut 40 Sonnenstunden in einem breiten Streifen vom Saarland über das Rhein-Main-Gebiet bis in den Berliner Raum. Damit haben die ersten 4 Tage bereits ein Viertel des Gesamtmonatssolls erreicht.
WOchenende kompakt
Die kompakten Aussichten fürs Wochenende.
 
Schuld daran das alte Hoch CHRISTOPH im Zusammenspiel mit dem Unwetter-Italien-Tief CHRISTINE. Mit Nordostwind wurde die feuchte Luft an die Alpen gedrückt. Und der Rückstau aus Wolken und Hochnebel ging eben bis über die Donau nach Norden. Das neue Hoch DENNIS wird jedoch alles anders machen. Bevor aber DENNIS kommt, eiert eine schwache Kaltfront von Tief EDITH über uns.
 
Diese Front bringt einerseits einen Schwall kühlerer und leicht feuchte Luft von Nordwesten und Norden her zu uns, andererseits lupft diese Front die dahinsiechende feuchte Luft im Süden Baden-Württembergs und Bayerns. Die Folge sind ein paar Schauer und Gewitter am heutigen Mittwoch.
 
Schauen wir uns jetzt aber die detaillierte Entwicklung ab Donnerstag an: Dieser jene Donnerstag startet im äußersten Süden mit dem altbekannten Bild der vergangenen Tage: Mit Wolken. Diese bringen im Süden Baden-Württembergs und Bayerns noch ein paar letzte Regenfälle aus der Nacht. Der Regenschwerpunkt - den ich fast in Anführungszeichen setzen müsste, weil es nun wirklich nicht viel ist – liegt dabei am östlichen Alpenrand. Bis zum Nachmittag klingen auch hier die letzten Regenfälle ab. Sonst haben wir eine Mischung aus dichteren und lockeren Wolken mit Sonnenschein dazwischen. Der Sonnenschein wird sich im Laufe des Nachmittags fast überall durchsetzen, speziell in einem breiten Streifen in der Mitte. Ganz vereinzelt sind aus den dichten Wolken auch sonst anfangs ein paar Tropfen möglich.
Es ist kühler als zuletzt: Die Höchstwerte schaffen es auf 16 bis 21, in den wärmsten Ecken in den Flussniederungen im Westen auf bis zu 22 oder 23 Grad.
 
Am Abend und in der Nacht auf Freitag zermalmt Hoch DENNIS auch das zähe Gewölk im äußersten Süden und es geht vielerorts durch eine klare Nacht. In den Fluss- und Seeniederungen in der Mitte und im Süden breiten sich Nebelfelder aus. Im äußersten Norden, speziell von der Nordsee über den Norden Niedersachsens bis zum Oderbruch, ziehen mit böigem Wind kompakte Wolken samt etwas Regen durch. Hier haben wir zweistellige Tiefstwerte, sonst meist einstellige.
Hamburg
Der 15-Tage-Trend für den Norden.
 
Am Freitag tagsüber robbt das tiefe und kompakte Gewölk noch um ein, zwei hundert Kilometer weiter nach Süden. Sonst scheint die Sonne. Die Nebelfelder lösen sich auf und auch die letzten Wolken- und Hochnebelreste im äußersten Südosten geben den Geist auf. Es wird wieder wärmer. In den Sonnenscheingebieten sind es 21 bis 26, im äußersten Südwesten vielleicht schon 27 Grad. Unter 20 Grad haben wir unter den Wolken mit Wind im Norden und Nordosten.
Während sich die 17 Grad an der Ostsee im fauchenden Wind wie knapp über 20 Grad anfühlen, perlt bei manchen im Südwesten bei gefühlten 30 Grad schon wieder der spätsommerliche Schweiß von der Stirn.
 
Am Samstag legt sich Hoch DENNIS mit seinem Kern genau über Deutschland. In einem breiten Streifen von Niedersachsen bis Sachsen halten sich nach aktueller Kartenlage zunächst viele Wolken. Das sind meist so tiefe, hochnebelartige Wolken. Diese Wolkendecke wird am Nachmittag löchrig und macht zumindest westlich der Elbe öfter mal der Sonne Platz. In den übrigen Gebieten scheint nach frischer Nacht mit Frühnebel von früh bis spät die Sonne von einem meist wolkenlosen Himmel – auch endlich da, wo sich die Sonne bis jetzt rar gemacht hatte.
Unter dem zähen Gewölk im Nordosten schaffen wir kaum 20, sonst 22 bis 28 Grad.  
 
Am Sonntag wabert DENNIS langsam nach Osten. Parallel dazu beginnt sich zwischen dem Nordmeer und dem Ostatlantik ein Tiefsystem einzugraben. Diese Konstellation löst eine südwestliche bis südliche Höhenströmung aus, die noch einmal ungewöhnlich warme bis heiße Luft zu uns bringt. Die Temperaturen klettern in 1500 Meter Höhe auf bis zu 17 Grad im Süden. Mit viel, viel Sonnenschein von den Küsten bis zu den Alpen werden die Temperaturen mächtig klettern: Meist sind es 22 bis 28, im Südwesten bis zu 30 Grad. (Und damit entwickelt sich die Lage exakt so, wie wir es in der Videokolumne vom vergangenen Sonntag besprochen hatten!)
 
Mit dem Sonntag endet dann auch eine großwetterlagentechnisch sehr zuverlässige und fast klare Entwicklung. In bzw. ab der neuen Woche wird alles anders ;)…
Westen
Der 15-Tage-Trend für den Westen.
 
Und damit bringen uns die Tage von Freitag bis Sonntag zumindest in weiten Teilen West- und Süddeutschlands noch einmal mindestens 2 Tage, die durchaus das Flair des Hochsommers haben, zumindest gefühlt. Natürlich sind das Licht, das spätere Hell- und frühere Dunkelwerden sowie die recht frischen Nächte schon ein deutliches Relikt des Herbstes, aber nicht mittags und nachmittags ;).
 
Nach dem Ende der ersten September-Dekade am Montag, die uns übrigens auch noch einmal viel Sonne und im Schnitt 25 bis 30 Grad bescheren wird, öffnet die Wetterküche einen Kessel Buntes. Beim Modelle gucken an den vergangenen Tagen gab es die buntesten Ideen. Einmal sollte es nach einem kurzen Einbruch zum nächsten Wärmeaufwölben aus dem Mittelmeer samt fast schon hochsommerlichen Temperaturen kommen, dann gab es die Idee eines Tiefs mit Wind und Regen, dann wieder andere Versionen. Sich da einzelne Modelle anzugucken hilft in diesem Falle heute nicht allzu viel. Wir müssen uns mal wieder einen 15 Tage-Trend anschauen, wobei ich dazu sagen muss, dass sich die 15 Tage-Trends in den vergangenen Tagen für die Zeit nach Mitte September drastisch nach unten bewegt haben. Diese Zone 5 bis 7 Grad zu warm, wie an diesem Wochenende, hat sich vor ein paar Tagen so fast durch den gesamten Vorhersagezeitraum gezogen…
 
(Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer. 
Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.)
Osten
Der 15-Tage-Trend für den Osten.
 
Diese Möglichkeiten spiegeln sich auch in den aktuellen Trends wider. Die dünnen weißen Temperatur-Linien zwischen dem 11. und 17. - aktuell sind es eine Hand voll Berechnungen, die das zeigen. Vor ein paar Tagen waren das noch wesentlich mehr. Dafür sind die Linien, die deutlicher nach unten gehen, zahlreicher geworden. Parallel dazu sind auch die Niederschlagssignale (unten) nach oben gegangen.
Auch erkennen wir zum Schluss hin einen Trend von ganz zaghaft ansteigenden Temperaturen und gleichzeitig wieder nachlassenden Niederschlagssignalen.
 
Damit zeichnet sich aus dem groben Lesen der 15 Tage-Trends ein teilweise ordentlicher Einbruch im Laufe der kommenden Woche mit herbstlichem Charakter samt Wolken, Wind und Regen ab. Nach ein paar deutlich kühleren Tagen, die allerdings im jahreszeitlichen Schnitt eher durchschnittlich sind, baut sich langsam wieder höherer Luftdruck zum Ende der zweiten Septemberdekade auf.
Ein Viertel der Berechnungen möchte allerdings von Herbst gar nichts wissen. Nach einem kurzen Knick zur Mitte der kommenden Woche stünde schon wieder das Tandem Hochdruck und Mittelmeerluft auf der September-Matte.
Süden
Der 15-Tage-Trend für den Süden.
 
Lassen wir das Spekulieren über mögliche Details ab Dienstag. Das geht mit dieser Wetterlage fast nicht. Sicher sind erst einmal die sonnigen und sehr warmen Tage von Freitag bis Montag, wobei der Freitag und der Montag der Rahmen für ein exzellentes Späthochsommerwochenende sind, mit ein paar letzten Schönheitswolkenfehlern am Samstag. Nutzen Sie das aus, denn nach den langfristigen Einschätzungen mancher Monats- und Jahreszeitenvorhersagemodelle dürfte spätestens ab dem kommenden Monat Schluss mit Wärmeimport sein…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)