Eröffnung
Es ist ja bekannt, dass ich meine Berufung liebe und dass ich das Wetter manches Mal auch etwas „anders konsumiere“. Doch was die Wetterküche in der vergangenen Woche bot, werde ich selbst so schnell auch nicht vergessen: Am Montagabend war ich auf 1300 Meter Höhe im Schneetreiben und schnupperte die alpine Schneeluft. Für mich immer ein besonderer Moment zu Beginn der Wintersaison. Manche verstehen das, andere zeigen mir vielleicht innerlich den Vogel ;).
Schlegeis
Selbst im hochalpinen Gelände gab es gefühltes Sommerwetter.
 
Selbigen abgeschossen hat ein paar Tage später der Föhn am Alpenrand. Da zeigte das Autothermometer am Freitag im Allgäu sage und schreibe 28 Grad an. Die gesamte Fahrt von Oberbayern bis ins Allgäu rüber pendelte das Thermometer zwischen 25 und 28 Grad. Und das um diese Jahreszeit - mit einer Landschaft, die Bob Ross nicht hätte schöner malen können: Überall die leuchtenden Gold-, Gelb- und Rottöne, dazu ein unglaublich blauer Himmel und in der Sonne ohne Wind gefühlt um und über 30 Grad.
Und um einen weiteren Vogel abzuschießen war ich dann am Samstag noch auf 2300 Meter Höhe, um mit kurzen Klamotten bei gefühlten 25 Grad mit einer lustigen Truppe eine Schneeballschlacht zu machen…
 
3 Jahreszeiten in wenigen Tagen. Das war schon eine ganz besondere Wetterwoche. Doch während beispielsweise die bergnahen Gebiete mit Sonne und Wärme verwöhnt wurden, tauchten die ersten Fluss- und Seeniederungen Süddeutschlands im Nebel ab, und es begann am Wochenende ein gewaltiger Temperatur-Spagat zwischen einstelligen Nebelwerten in den Flussniederungen und über 20 Grad im Bergland und im Westen Deutschlands, vorne dran NRW. Die gefühlten Temperaturen waren dabei besonders enorm. Während sich 7 Grad an der Donau wie kaum 5 Grad mit der klammen Nebelluft anfühlten, vermochte man in den Rheinauen geschützt noch einmal sommerliche Temperaturen von gefühlt 30 Grad aufzusaugen.
 
Dank Hoch LARS wird und wurde mit den immensen Wetter- und Temperaturunterschieden jetzt Schluss gemacht. Klamme Nebelluft aus den Niederungen und tiefe Wolken von der See haben nun fast die gesamten Niederungen inklusive der Mittelgebirgs- und Alpentäler gefüllt. Und die letzten Sonnenscheinfenster im Flachland rund um NRW werden sich spätestens am Mittwoch auch schließen. Und während wir alle im novemberlichen Grau abtauchen und die auf Spätherbst in der Natur schaltende Langeweile beginnt, braucht der geneigte Wetterkartenstudierer Baldrian :)…
 
Seit dem vergangenen Wochenende herrscht in der Modellwelt eine Art Bastelwettbewerb. Wir könnten auch ein Gänseblümchen nehmen und die Blütenblätter rauszupfen und sagen: Er kommt, er kommt nicht, er kommt, er kommt nicht, …!? Mit „er“ ist der Winter gemeint, nicht überall und nicht nachhaltig, aber in einigen Gegenden. Und es wären genau diese Gegenden, die gut eine Woche vor dem ersten (richtigen) Schnee noch über 25 Grad hatten: Schwarzwald, Alb, Allgäu, das Alpenvorland und die gesamte Alpennordseite vom Jura über das Säntis, quer durch das südliche Oberbayern bis rüber zum Wiener Wald. In der Nacht auf Samstag würde der Schneefall denn auch die Südseite des Ostalpenraums erfassen.
 
Das KANN passieren. Was das Ganze so spannend macht, sind die Möglichkeiten. Diese reichen vom Durchzug einer Kaltfront mit Wind und ein paar Regentropfen, die in Schnee übergehen bis hin zu 30 Zentimetern Schnee! Wir müssen uns das mal vorstellen: Erst 25 Grad und Sonne und eine Woche später 25 Zentimeter Schnee und Dauerfrost!? Zuletzt gab es einen solch herben Wintereinbruch 1995, wo es nach einem abseits von Nebel und Hochnebel sonnig-warmen Oktober in den ersten Novembertagen zu einem massiven Wintereinbruch kam.
aktuell
Aktuelle Wetterlage.
 
Das Ganze ist schon überaus spannend. Aber nicht nur das. Auch die weitere Entwicklung an den Folgetagen macht „kartenlessüchtig“. Mit dem Start in den November in der kommenden Woche reicht die Wetterpalette vom spätherbst-frühwinterlich nass-kaltem Gedöns mit Regen und Wind bzw. Schnee im Bergland bis hin zur sonnenscheinreichen und warmen Südströmung, bei der noch einmal die 20 Grad-Marke überschritten werden könnte.
 
Die Temperatur der Luftmasse in 1500 Meter Höhe stürzt mal eben um über 20 Grad ab (von fast plus 15 auf fast minus 10 Grad)  und eröffnet in den ersten November-Tagen einen Rahmen von rund minus 5 bis plus 15 Grad. Und da soll noch einmal einer sagen, Wetter sei langweilig ;)…
 
Und um das i-Tüpfelchen draufzusetzen: Die Prognose für die Tage von Freitag bis Sonntag ist alles, nur nicht sicher! Während das amerikanische GFS die Kaltfront von Tief URSULA schon nachmittags in die Alpen ziehen lässt und den Regen hier zu Schnee machen würde, käme die Front nach den anderen Modellen erst im Laufe des Samstags an.
Und das GEM würde uns ein nass-kaltes Wochenende mit Schnee im Berg- und Alpenvorland bringen und eine knappe Woche später gäbe es satten Südwind und teilweise mehr als 20 Grad. Diese Idee hatten vor wenigen Tagen übrigens auch die anderen Modelle schon…
 
Zurück ins Hier und Jetzt. Am Mittwoch schließen sich auch die letzten Wolkenlücken im westdeutschen Flachland, speziell in NRW. Sonst dominieren überall tiefe Wolken, Nebel und Hochnebel samt etwas Nieselregen, im Norden auch leichten Regen. Nur noch die höchsten Gipfel der Mittelgebirge und der Alpen ragen aus dem Wolken- und Hochnebelmeer. Die Höchstwerte erreichen dabei im Schnitt 7 bis 15 Grad. Nur abseits des Nebels können mit Sonne noch einmal um und etwas über 18 Grad erreicht werden. Alles in allem ist der Eindruck grau, klamm und novemberlich.
 
In der Nacht auf Donnerstag frischt der Wind im Norden stark böig, an den Küsten auch stürmisch auf und dreht von West auf Nordwest. Er kündigt die Kaltfront von Tief URSULA an. Diese Kaltfront macht sich hauptsächlich durch Wind und eine deutlich Abkühlung bemerkbar. Sonst bleibt es einfach nur trüb und es fällt etwas Regen.
Donnerstag
Wetterlage am Donnerstag.
 
Grau ist grau. Mit der Kaltfront walzt sich jedoch die Wand aus tiefen Wolken aus dem Norden bis Donnerstagabend in die Mitte voran. In den Nebelgebieten merken wir das daran, dass der Nebel zu Hochnebel wird und aufsteigt. Im äußersten Süden tut sich gar nichts. Hier bleibt es bei fast stehender Luft einfach weiter trüb durch Nebel und Hochnebel. Im Süden ändert sich an den Temperaturen nichts, im Norden gehen die Werte zurück auf 9 bis 12 Grad. Durch die feuchte Luft ohne Sonne mit viel Wind fühlen sich diese Temperaturen deutlich kälter an.
 
Und dann sind wir auch schon bei Tag 3, dem Freitag. Und irgendwie ist die Prognose für kommende Woche Mittwoch fast leichter als die von heute für Freitag. Die Kaltfront zieht in der Nacht auf Freitag nach Süden und lupft hier den Nebel ebenfalls hoch. Die Front kommt mit ein paar Regenfällen an. Aus diesem Regen wird im Mittelgebirgsraum schon Schnee. Mehr als Geflunsel würde das aber nicht werden. Im Nordosten folgen noch ein paar Regen-, Schnee- und Graupelschauer. Sonst reißt die Wolken- und Nebeldecke auf.
 
Nach dem amerikanischen GFS drückt es diese Front am Freitag gegen die Alpen. Südlich einer Linie Vogesen – Alb – Bayerischer Wald/Böhmerwald setzt Regen ein, der fast bis in tiefe Lagen bis zum Abend in Schnee übergeht. Diese Berechnung ist sehr forsch und wird nicht von vielen Berechnungen unterstützt!
In der Mitte klafft ein riesiges Sonnenscheinfenster auf. An den Küsten sind zahlreiche Regen- und Graupelschauer sowie kurze Gewitter unterwegs. Die Temperaturen gingen von 4 bis 11 Grad um die Mittagszeit auf minus ein bis plus 6 Grad am späteren Nachmittag zurück.
Samstag
Wetterlage am Samstag.
 
Andere Modelle sehen die Entwicklung zwar ähnlich, nur zeitverzögert. Hier käme der Schnee im Süden erstens erst im Laufe des Samstags an und zweitens nur oberhalb von rund 500 Meter Höhe.
 
Schuld daran ist Ex-Hurrikan RAFAEL. Dieser schlendert als normales Tief vom Atlantik über die Iberische Halbinsel Richtung Mittelmeer und würde dann von der von Nordeuropa abstürzenden Kaltluft am Wochenende mit in das System rund um URUSULA aufgenommen und fungiert dann als (Schnee/)Italientief.
 
Damit präsentiert sich das Wochenende größtenteils nass-kalt. Der Samstag bietet zumindest nach GFS am ehesten in der Südhälfte Chancen auf viel Sonne. Sonst ziehen sich die letzten Schneefälle über die Alpensüdseite an den Balkan zurück. Derweil kommen von der Nordsee her neue Wolken mit Regen und Schneeregen reingezogen. In den Mittelgebirgen gäbe es Schnee.
Am Sonntag flutet dann die nächste Front die Nordhälfte mit Landregen. Im Süden inklusive der Alpenländer scheint die Sonne.
 
Die Höchstwerte erreichen am Samstag nur noch 4 bis 10, über möglichen Schneeflächen und bei Schneefall nur um und wenig über null Grad. Am Sonntag wird es mit 5 bis 12 Grad nicht nur wieder deutlich milder, sondern vor allem in der Nordhälfte auch sehr windig mit Sturmböen an der See (Südwestwind).
Montag
Trend für den Wochenbeginn.
 
Das Wochenende ist von der Prognose her die reinste Sisyphusarbeit! Und die Prognose für die Tage von Freitag bis Sonntag wird sicherlich mit den kommenden Modellberechnungen fleißig hin- und herpendeln.
 
Etwas strukturierter schaut es dann in der Übergangswoche vom Oktober in den November aus! In der Nordhälfte bleibt es anfangs noch unbeständig mit einigen Regenfällen, sonst setzt sich ruhigeres Spätherbstwetter mit Wolken, Sonne und Nebel durch. Da geht dann das „Modellraten“ wieder in eine andere Runde, denn mit dem Nebel kommen die Wettermodelle gar nicht zurecht ;).
Und dann käme in den ersten Novembertagen möglicherweise eine ausgeprägte Südströmung in Gang mit Föhneffekten auf den Nordseiten der Berge, ehe das nächste Tief reinzieht und für Überraschungen sorgen könnte… Das ist aber noch viel zu weit weg und es lohnt sich auch nicht, darüber zu philosophieren.
 
Erwähnenswert sind zu guter Letzt noch die Nachttemperaturen am Wochenende. Es wird bei Aufklaren verbreitet Frost geben. Die Sommerblumensaison ist damit endgültig vom Tisch. Retten Sie bis Freitagnachmittag noch aus dem Garten, was zu retten ist, sei es nun ein schöner Blumenstrauß oder sämtliches Obst und/oder frostempfindliches Gemüse wie Tomaten und Gurken. Vor allem in der Mitte und im Süden wird es deutliche Minustemperaturen geben. Und sollte der Extremfall in den südlichen Mittelgebirgen sowie im Alpenraum zuschlagen, nämlich die Kombination aus frischer Schneedecke und klarem Nachthimmel mit Polarluft, dann gäbe es sogar zweistellige Minuswerte!
Allerheiligen
Trend für Allerheiligen.
 
Mit den Tagen ab Freitag wird der inzwischen auf plus 1,5 Grad angewachsene Temperatur-Überschuss Oktober rasant abgebaut. Dafür wird mit der klaren Polarluft auch die Nebelpampe weggeräumt und Platz für sonnige Stunden gemacht, so dass das Sonnenscheinsoll Oktober die 100 Prozent wohl erreichen oder gar überschreiten kann. Und mit dem Regen (und Schnee) wird auch das Niederschlagssoll Richtung 100 Prozent gehievt.
Und wer weiß!? Vielleicht heißt es statistisch am Ende: Der Oktober war im Schnitt. Und das ist die Crux der Statistik: Sie verwäscht alle Farben in ein Grau. Denn, was uns der Oktober 2012 bis jetzt schon alles geboten hat und auch noch bieten wird, war alles, nur nicht „normal“… ;)
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)