Eröffnung
Es sieht schon ein bisschen unwirklich aus. Die gesamte Adventszeit 2011 brachte nicht einmal solch eine winterliche „Dezember- und Vorweihnachtsstimmung“ zustande wie der diesjährige Oktober, zumindest in weiten Teilen Sachsens, Thüringens, Bayerns und Baden-Württembergs. Aber auch in den angrenzenden Gegenden fiel Schnee – und natürlich in den Alpentälern! Belaubte Bäume krachten zusammen und es gab zahlreiche Glätteunfälle. Das ist und war ziemlich viel und ziemlich heftig Winter um diese Zeit.
Stimung
Bis auf manch belaubte Bäume wirkte es am Sonntag nach dem Ende der Sommerzeit wie im Dezember.
 
Eingeschneite Blumen und bunte Bäume erinnern an den Oktober. Pulverschnee und Frostluft taten das am vergangenen Wochenende sicherlich nicht ;).
Doch wir kamen zumindest auf den Straßen noch „glimpflich“ davon. Wäre der Boden nicht so warm gewesen, hätte es bedeutend mehr Glätte gegeben… Ein schwacher Trost.
Derweil erleben wir im Nordwesten Deutschlands ein zum Teil strahlend schönes und sonniges und damit auch goldenes Herbstwochenende, wenn auch kühl…
 
Nach der gigantischen Temperatur-Achterbahnfahrt der vergangenen 2 Wochen, bei der wir vom gefühlten Sommer in den Winter katapultiert wurden, kristallisiert sich nach dem Monatswechsel schnödes Spätherbstwetter heraus. Die 15 Tage-Trends (schauen wir uns gleich an) zeigen erst ein kleines Hin und Her, dann geht es mit einer unspektakulären Seitwärtsbewegung über den Martini-Tag auf Mitte November zu. Es deuten sich weder große Nachschläge in Sachen Spätsommer an, noch etwaige Winterabstürze wie zuletzt, wobei ich bei letzterer Aussage ein klein wenig „vorsichtig“ bin. In den aktuellen Wetterkarten ist zwar nichts zu erkennen, in den vergangenen Läufen tauchte jedoch Richtung Monatsmitte immer mal wieder ein neuer Polarluftvorstoß auf. Dieser käme jedoch erst nach St. Martin, wenn überhaupt ;).
 
Apropos St. Martin oder Martini-Tag (11. November): Da heißt es in einer Bauernregel: „Bricht vor Allerheiligen der Winter ein, so herrscht um Martini Sonnenschein.“ Na dann…
 
Bevor wir lang über Herbst, Winter oder Sommer sprechen, schauen wir uns die aktuellen 15 Tage-Trends für den Norden und den Süden an. (Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer. 
Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.)
Norden
15 Tage-Trend für den Norden.
 
Wir erkennen gleich mal wieder auf dem ersten Blick einen großen Unterschied zwischen Nord und Süd. Die Ausreißer nach oben in Sachen Wärme sind im Norden bei Weitem noch nicht so ausgeprägt wie im Süden. Sonst aber ist das Bild einheitlich: Nach der Kühle/Kälte geht es zum Monatswechsel kurz rauf, dann etwas runter, dann wieder rauf, dann runter, ehe es nach dem 5. (kommende Woche) seitwärts geht. Erstaunlich dabei ist die Einheit. Wir erinnern uns: Vor ein paar Wochen betrugen die Möglichkeiten zwischen den kältesten und den wärmsten Läufen noch über 20 Grad. Jetzt befindet sich die Masse der Einzelläufe innerhalb der 15 Tage-Trends in einem Temperatur-Rahmen von nur wenigen Graden. Nicht einmal eine Hand voll Einzelläufe weichen etwas stärker nach oben und unten ab. Das spricht für eine stabile und recht „strukturierte“ Großwetterlage.
 
Und eine solch stabile Struktur ist wiederum ein Zeichen für eine relativ ruhige Wetterküche, sprich für einen nicht allzu munteren Atlantik. Das hatten wir zwar im vergangenen Jahr auch mit einem Betonhoch nach dem anderen. Unterm Stich lässt sich jedoch die Großwetterlage mit 2011 nicht vergleichen.
 
Der jetzt beginnende Temperaturanstieg in 1500 Meter Höhe (Warmfront von Tief WILMA) beendet den markanten Frühwinter im Südosten, der damit etwas schneller endet als noch zum Ende der vergangenen Woche berechnet. Außerdem werden Wolken und Wind ein zu starkes nächtliches Auskühlen verhindern, was ganz gut für die Natur ist. Deutlich zweistellige Minuswerte wären schon heftig.
Süden
15 Tage-Trend für den Süden.
Im Anschluss kommen wir auf die so genannte Rückseite von Tief Wilma, wenn die Kaltfront durchzieht. Direkt dahinter folgt das nächste Tief, auf dessen Vorderseite wir mit Warmluft kommen. Mit dieser Vorderseite wird ein ordentlicher Schwall Mittelmeerluft zu uns gedrückt. Und wenn dieses Tief dann durchzieht, was langsam geschehen wird, tauchen wir in klassisches „nicht Fisch, nicht Fleisch-Spätherbstwetter“ ab.
 
Und genau in dieser Abtauchphase KANN es (zwischen dem 5. und 9. November) in der Kombination Regen und Windstille bei sinkenden Temperaturen oberhalb von 500 Meter Höhe in den Gebieten, in denen jetzt noch Schnee liegt, zu klassischem Isothermie-Schnee kommen. Die Temperaturen in 1500 Meter Höhe wären für Schnee und Frost bis ins höhere Flachland einfach zu warm. Wenn es allerdings bei Temperaturen in 1500 Meter Höhe von ein paar Grad minus längere Zeit regnet bzw. schneit und kein Wind geht, dann wird die Kälte aus der Höhe durch die „Niederschläge“ nach unten gezogen. Es entsteht eine Art Luftsäule gleicher oder ähnlicher Temperaturen. Im Extremfall kann es dabei zwischen 1500 und 500 Meter Höhe null Grad haben und es schneit.
 
Das wäre möglicherweise eine Option, die auch Winter über das „Hintertürchen“ genannt wird, wenn ein Tief, das östlich von uns liegt eben durch die Niederschlagsabkühlung Schnee brächte. Für den großen (Flachland)Rest gibt es keinerlei Anzeichen von Schnee, geschweige denn von Winter.
 
Die Warmfront von Tief WILMA zieht bis Dienstmorgen in den Norden und die Mitte Deutschlands. Hier fällt verbreitet Regen, im äußersten Osten und im Mittelgebirgsraum anfangs auch Schnee oder gefrierender Regen mit entsprechender Glättegefahr. Die kompakten Wolkenfelder dieser Warmfront schwappen auch nach Baden-Württemberg und Bayern und verhindern hier eben ein zu starkes Auskühlen über den Schneeflächen.
Am kritischsten in Sachen Glätte wird es östlich einer Linie Westerwald – Odenwald.
Sonst nerven Aquaplaninggefahr und anfangs auch starker bis stürmischer Wind mit schlechter Sicht durch Gischt und Seitenwind.
 
Tagsüber zieht sich der Regen der Warmfront nach Osten zurück und klingt ab. Zwischen dem Erzgebirge und dem Bayerischen Wald fällt noch Schnee. Nach dem Regen bleibt es noch eine Weile trüb mit tief hängenden Wolken und etwas Nieselregen. Die Sonne kommt zumindest im Norden phasenweise heraus. Auch im südlichen Baden-Württemberg und Bayern scheint immer öfter die Sonne. Hier beginnt es über den Schneeflächen massiv zu tauen. Die Höchstwerte erreichen 2 Grad im Erzgebirge und 12 Grad am Niederrhein.
Allerheiligen
Wetterlage zu Allerheiligen.
 
Dahinter kommen wir in die genau umgekehrte Hoch-Tief-Konstellation wie am Wochenende: Ein Hoch (MARIO) liegt nun östlich von uns und das neue Tief (XANTHIPPE) zieht auf Nordwesteuropa zu. Die großen Zahnräder der Temperatur-Schaufelbagger gehen an und hieven mit einer auf Süd bis Südwest drehenden Höhenströmung einen Berg Warmluft über die Alpen nordwärts. In 1500 Meter Höhe klettern die Temperaturen auf 6 Grad plus im Süden. Dazu wird es aus den Bergen föhnig.
 
Im nördlichen Drittel Deutschlands halten sich noch einige Wolken. Sonst scheint neben dünnen, hohen Wolken die Sonne. In einzelnen windgeschützten Niederungen halten sich Nebel und Dunst, sonst sorgt der flotte Süd- bis Südostwind für klare Luft. Die Temperaturen steigen auf 7 bis 12, mit Föhn und im Westen auf bis zu 14 Grad.
 
Mit dem Mittwoch geht ein unglaublich interessanter Oktober zu Ende. Statistisch wird er sich am Ende völlig unspektakulär mit ein bisschen zu nass, ein bisschen zu mild und normal sonnig verabschieden. Dahinter verbirgt sich ein Gemisch aus gefühltem Hochsommer und Frühwinter binnen kürzester Zeit.
 
Der November startet am Donnerstag mit dem berühmt berüchtigten Allerheiligen-Tag. Dieser hat ja den Ruf von Nebel, Kälte und Dunkelheit, wie der November überhaupt. Dass das nicht so sein muss, bewies der November 2011, der uns vor allem in den Bergen viel Sonne und Wärme brachte. Außerdem war er staubtrocken. Der November 2012 wird, wie eben schon erwähnt, nicht in diese Fußstapfen treten.
eine WO
Wetterlage zu Beginn der ersten Novemberwoche.
 
Die Südströmung endet an Allerheiligen und geht in eine wolkenreiche Südwestströmung über. Damit erwarten uns viele Wolken mit einzelnen Regenfällen. Es ist aber immer noch offen, ob und wie viel es regnet. Voraussichtlich werden die Regenmengen nicht allzu hoch sein. Am höchsten ist das Regenrisiko am Tage zwischen der Nordsee und Baden. Dazu bleibt es mit 6 bis 14 Grad mild und windig, an den Küsten auch stürmisch.
 
Nach dem wolkenreichen Allerheiligen-Tag bringt Allerseelen am Freitag Schwung in die Wetterbude. Möglicherweise zieht das Windfeld von Tief XANTHIPPE über den Ärmelkanal Richtung Nordsee und erreicht bis Samstagfrüh auch die Ostsee. Damit wird es zwischen NRW und der Ostsee von Freitag bis Samstagfrüh ziemlich ruppig und rappelig mit Windgeschwindigkeiten von über 70 Sachen.
Vom Wind abgesehen wird’s am Freitag wieder freundlicher mit immer mehr Sonnenschein. Die letzten Regenfälle im Südosten klingen ab und an der Nordsee sind anfangs noch Schauer und Gewitter unterwegs. Die Höchstwerte erreichen in etwa 7 bis 12 Grad.
 
Das erste November-Wochenende wird meteorologisch wieder äußerst spannend. Im Süden klettern die Temperaturen in 1500 Meter Höhe auf über 15 Grad. Damit ist die Luftmasse um gut 25 Grad wärmer als am letzten Oktoberwochenende! In der Südosthälfte bleibt es wohl noch länger sonnig und „nett“ samt Föhn aus den Alpen und dem Erzgebirge heraus. Sonst verdichten sich die Wolken und es setzt Regen ein.
 
Dieses Regengebiet kommt voraussichtlich nur sehr schleppend bis Sonntagabend nach Osten voran und macht die Prognose entsprechend schwierig. Und dadurch entsteht ein großer und bunter Strauß an Temperatur-Möglichkeiten, denn: Sowohl am Samstag mit Föhn als auch am Sonntag mit „noch Südströmung“ sind durchaus (deutlich) über 15 Grad drin! Sollte die Regenfront den Osten schon früher im Visier haben, kühlt es sich rasch auf einstellige Höchstwerte ab.
Ende erste D
Wetterlage Richtung St. Martin.
 
Kühler wird es dann ab Montag sowieso wieder. Das Tief zieht langsam nach Osten und schwächt sich ab. Gleichzeitig bauen sich drum herum Hoch auf, die das Tief einklemmen. Das Tief läge dann mit seinem Kern irgendwo zwischen Italien und Südosteuropa. Es schaufelt feuchte Luftmassen gegen den Urzeiger sind um sich herum und eine kühle und teilweise feuchte Witterungsperiode würde uns Richtung zweites Novemberwochenende begleiten. Tagsüber gäbe es einstellige Plusgrade, nachts bei kurzem Aufklaren Frost und im Berg- und Alpenvorland bestünde die Möglichkeit von Schneeregen und nassem Schnee.
 
Dann, und das habe ich eingangs angedeutet, könnte möglicherweise ein neuerlicher Vorstoß von Polarluft aus Norden kommen. Das wird aber ganz von der Lage der sich bis dato aufgebauten mächtigen Hochs ankommen. Und dieser Kaltluftvorstoß könnte möglicherweise dann wieder so enden wie die Wetterlage an den Tagen zuvor mit einem sich abschwächenden Tief, das irgendwo über Mittel- und Südosteuropa seine Kreise zieht und entsprechendes November-Wetter mit Wolken, Sonne und Regen und/oder Schnee in den Bergen brächte.
 
Das heißt als Fazit: Für all die, die in den aktuellen Frühwintergebieten mit Schnee ihren Garten noch nicht winterfertig gemacht haben, können dies in der nächsten Zeit tun. Selbiges gilt für die, die noch Sommerreifen montiert haben. Der erste Winterschlag ist durch. Und wenn der Schnee weg ist, wird wieder alles auf null gestellt und es geht im ganz normalen Spätherbst-Trott weiter. Lediglich ein paar abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume erinnern dann noch an den geschmolzenen Schnee von gestern…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)