Eröffnung
An und für sich würde diese Überschrift jetzt sogar hervorragend passen! Ex-Blizzard NEMO aus den USA hat den Weg über den Atlantik geschafft und gelangt als schwaches europäisches Tief zu uns und mischt sich in unser Wettergeschehen ein. Anders als der „junge NEMO“ mit Orkan und Schneemassen ohne Ende gibt der nun alternde und nun dahinschlendernde „alte NEMO“ langsam seinen Geist auf.
Donnerstag
Die Wetterlage am Donnerstag!
 
Dennoch wird dieses Tief eine gewisse Wetterwirksamkeit bei uns haben. In erster Linie verdrängt es die Höhenkaltluft samt letzter Schneefälle und führt (deutlich) mildere Luft heran. In zweiter Linie – und drum die „Sumpf ist Trumpf!“ - Überschrift – müden wir durch NEMO im Zusammenspiel mit dem noch immer sehr aufgeblähten Hoch DORIS über Nord- und Nordosteuropa in einer „Sumpflage“. Und diese Sumpflage – und wie soll es im Dunkelwinter 2012/13 auch anders sein – hat nur eines im Sinn: Tristesse!
 
Damit aber noch nicht genug. Nach NEMO und der Einsumpfung tischen uns die Wettermodelle das nächste Thema auf, das zu Wochenbeginn folgt und uns von der zweiten in die dritte Februar-Dekade begleitet: Mild oder kalt bzw. eisig?
 
Ein schierer Kampf der Giganten tut sich dort gerade auf. Nicht nur dass die Wettermodelle intern verschiedene Meinungen vertreten, nein auch die Modelle unter sich haben „nette“ Ideen. Eine „krasse“ Idee polterte am Dienstag über den Mittagslauf des GFS herein: Diese Berechnung sah eine Mischung aus der ersten Februar-Hälfte 2012 und den ersten Märztagen 2005 und 2006 vor. (Zur Erinnerung: Der jeweilige März-Beginn dieser Jahre brachte uns extrem kalte Temperaturen und hochwinterliches Flair zum Start in den meteorologischen Frühling!)
Peter
Unser Kameramann Peter bei der Ski-WM in Schladming im Einsatz!
 
Diese Berechnung wiederum war innerhalb des GFS-Modells mit die kälteste, nicht aber die einzige Variante und der den simulierten Möglichkeiten.
Das ECMWF berechnet keine 15, sondern 10 Tage und deutete diese Möglichkeit an. Auch diese Modell-Idee war innerhalb der ECMWF-Berechnungen (sozusagen der 15 Tage-Trend des ECMWFs) am unteren Ende der berechneten Möglichkeiten.
 
Sowohl bei GFS als auch bei ECMWF gab es viele moderate und auch deutlich mildere Lösungen mit einem Hauch von (wackeligem) Vorfrühling.
Mir schossen dabei die Berechnungen des Langfrist-Modells CFS vom vergangenen Herbst in den Sinn. Damals sprachen wir über den möglichen Winterverlauf: Starker Auftakt, Milde in der Mitte, Winter hinten raus im Februar und März. Der Dezember sollte kalt und schneereich werden, der Januar eher milder mit West-Tendenzen und im Februar und März sollten nach damaliger Kartenlage verstärkt Kaltlufteinbrüche aus Nord und Ost mit einer gestörten Zirkulation kommen. Im Prinzip kam es ja so ähnlich, nur alles – subjektiv gefühlt – rund 2 Wochen früher.
 
Mit den alten Berechnungen des CFS im Oberstübchen des Hinterkopfes eine wahrscheinliche Variante in Richtung kalt bzw. kälter…
 
Und dann gibt es da noch so einen Hintergedanken von mir, den wir an anderer Stelle einmal vertiefen werden. Kurioserweise habe ich dazu sogar einen Screenshot von September 2008 gefunden. Mit der Hammer-Hoch-Lage ab Mitte September 2008 verabschiedete sich – mal so ganz vereinfacht gesagt – der drastische Temperatur-Anstieg unseres Klimamittels, der im September 1987 begann. Seitdem ist der Anstieg gedämpft. Die Winter sind kälter geworden und die Sommer deutlich „schlechter“, wenn man sie mit den Super-Sommern aus den Jahren 1991, 92, 94, 95 oder auch 2001, 03, teilweise 04 und 06 vergleicht. Außerdem waren die Jahre bis vor einiger Zeit phasenweise überaus sonnig.
Screenshot 2008
Seit Mitte September 2008 mit dem Hoch, das vom Atlantik bis China ging, wird es nicht mehr so extrem warm wie in den gut 20 Jahren davor.
 
Hätten wir die extrem heißen und sonnigen Hitze-Perioden in den Sommern 2010 (Juni, Juli), 11 und 12 (jeweils August) nicht gehabt, wären diese Sommer statistisch nicht unbedingt zu warm ausgefallen. Das Jahr 2010 war mit dem kalten Winter und dem eisigen Dezember sogar das erste zu kalte Jahr nach 1996.
 
Berücksichtigen wir all diese Aspekte inklusive der derzeitigen Zirkulation in der Nordhemisphäre, so könnte der Weg ins Frühjahr heuer holprig und zäh werden. Es sei denn, es kommt ein „Klick“ wie nach dem Winter und Frühjahr 2006, wo das jemals wärmste und extremste 12 Monats-Mittel von Mitte 2006 bis Mitte 2007 begann. Der bis dato mit Abstand höchste Punkt unseres mitteleuropäischen „immer wärmer Werdens“.
 
Zurück ins aktuelle Wettergeschehen. Ein Teil des wetter.com/Wetterfernsehen-Teams befindet bzw. befand sich in Schladming in der Steiermark zur Ski-WM. Während es daheim in München am Faschingsdienstag ohne Ende fluffigen Pulverschnee gab, schien im Schutze des Dachseins rund um Schladming die Sonne.
In Schladming selbst liegen etwa 20 Zentimeter zusammen gebackener Schnee im Tal. Etwas weiter nördlich Richtung Salzburg liegen unglaubliche Schneemassen! Das sieht dort in etwa so aus wie im Südosten Deutschlands im Katastrophen-Schneewinter 2005/06.
 
Und sehr, sehr viel Schnee mit Unwetterpotential fällt in der Ost- und Südhälfte Österreichs am Aschermittwoch. In Schladming schneit es nur leicht, aber munter vor sich hin. Die Bilder und Videos von Jens und Conny können wir dann hier auf wetter.com sehen :).
Conny und Maria
Unsere Conny trifft Maria Höfl-Riesch bei der Ski-WM in Schladming.
 
Am Donnerstag gibt es vielerorts in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich eine Verschnaufpause in Sachen Schneefall. Oft scheint abseits hartnäckiger Nebel- und Wolkenreste sogar die Sonne. Und wenn die Sonne scheint, fühlt sich das gleich richtig warm auf der Haut an. Die Sonne gewinnt an Kraft. Im Südosten Österreichs klingen die Schneefälle vom Vortag ab. Derweil zieht es von der Nordsee über NRW bis in die Gebiete westlich des Rheins zu und es setzt Schneefall ein. An der Grenze zu den Benelux-Ländern fällt auch Schneeregen oder Regen. Auch im äußersten Westen der Schweiz tauchen erste Schneeregen- und Schneefälle auf.
Die Tageswerte erreichen im groben Schnitt minus 3 bis plus 4 Grad. Die plus 4 Grad gelten für den äußersten Nordwesten Deutschlands sowie für die Niederungen der südlichen Steiermark und das Südburgenland. Im Tessin sind es auch über 5 Grad.
 
In der Nacht auf Freitag wabert NEMO mit seinem Schneefallgebiet ostwärts. Es erreicht bis zum Morgen eine Linie Elbmündung – Vogtland – Salzburger Land – Tauern. Damit müssen wir in einem breiten Streifen von Niedersachsen über Hessen und Thüringen bis Bayern und Baden-Württemberg und weiter rein in die Schweiz, nach Vorarlberg und Nordtirol mit Glätte rechnen. Weiter nach Westen zu wird der Schnee nass oder geht in Schneeregen und Regen über.
GFS
Der neue GFS Lauf (kalte Variante) tischt uns für Mitte der kommenden Woche diese Wetterlage auf.
 
Tagsüber kommt das Schneefallgebiet kaum noch nach Osten voran und löst sich langsam auf. So bleibt es meist trüb durch Wolken und Hochnebel mit etwas Schnee, Schneeregen und Regen in tiefen Lagen Westdeutschlands. Von Schleswig-Holstein bis Sachsen scheint zeitweise die Sonne. Von Polen her drücken ebenfalls dichte hochnebelartige Wolken mit ein paar Schneeflocken rein. Mit nur noch minus ein bis plus 5 Grad kommen wir vom Hochwinter- in den Matsch- und Tauwettermodus.
Wäre jetzt übrigens Dezember oder Januar, dann bliebe es um einiges kälter und winterlicher.

Das gilt insbesondere für das Wochenende! Hier bleibt es vielerorts weiter trüb durch Wolken, Nebel und Hochnebel. Ab und zu fallen Nieselregen, leichter Regen, Schneeregen und etwas Schnee. Chancen auf Sonne bekommen wir am Samstag noch nordöstlich der Elbe und am Sonntag in Teilen des Alpenraums sowie im äußersten Süden Deutschlands.
Die nur noch mäßig-kalte Luftmasse von minus 2 bis minus 7 Grad in 1500 Meter Höhe am Samstag und von plus ein bis minus 6 Grad am Sonntag würde es in den astronomischen Dunkelzeiten im Dezember und Januar nur schwer über null Grad schaffen, besonders mit der winterlichen Vorgeschichte. Jetzt allerdings werden die Werte im Schnitt auf null bis 6 Grad gelupft. Einen Tick milder wird es sogar im Westen Deutschlands. In manchen nebligen Niederungen oder dunstigen Schneetälern des Alpenraumes bleibt es leicht frostig.
EZ
Das ECMWF will es für Mitte der kommenden Woche noch einmal eisigst mit Schneefällen gestalten.
 
Die neue Woche bringt dann aller Voraussicht nach von Osten her langsam wieder kältere Temperaturen. Die Berechnungen des ECMWF bleiben, ähnlich wie gestern, kalt und bringen uns rasch wieder kältere Temperaturen und im weiteren Wochenverlauf dem Süden Deutschlands, speziell am Alpennordrand, (viel) Schnee.
Aber auch das GFS macht es langsam wieder kälter im Laufe der neuen Woche. Und auch nach den GFS-Berechnungen gäbe es in der Südosthälfte Deutschlands und in den Ostalpen teilweise ergiebige Neuschneefälle. Die Temperaturen würden dann binnen Wochenfrist wieder das Niveau erreichen, das uns der Donnerstag bringt: minus 3 bis plus 4 Grad.

Das Geschehen darüber hinaus, also in und ab in 10 Tagen schaut, ähnlich wie die Berechnungen des GFS-Mittagslaufs vom Dienstag, „abenteuerlich“ aus mit herben Rückschlägen und Schnee bis ins Flachland. Mit diesem Thema werden wir uns in weiteren Kolumnen und Videos beschäftigen.
Jens und Kai
Jens und ich im wetter.com/Wetterfernsehen-Studio in Schladming.
 
Während ich mich für die Redaktionsarbeit brav in den Innendienst zurückgezogen habe, ist der Rest des Teams vor Ort in den Bergen rund um Schladming unterwegs und dreht interessante Videos und trifft ebenso interessante Menschen wie beispielsweise Maria Höfl-Riesch bei der WM in Schladming…
 
(Weitere interessante Wettervideos gibt es auch von Özden und Bernd!)
 
(Bilder: Jens Kreusch; Screenshots Wetterfernsehen, wetter.com; Kai Zorn. Grafiken: Kai Zorn)