Einstiegsbild
Sieht man sich einfach mal die nackten Zahlen der statistischen Ausbeute des Julis bisher an – und es sind ja schon gut zwei Drittel rum – dann stimmen Statistik und das Gefühl vieler überein: Mit dem heutigen Tag werden wir wohl das Regensoll eines durchschnittlichen Julis erreicht haben. Damit sind die 100 % erst einmal erreicht. (Mehr als 100 % haben bisher in diesem Jahr nur Juni (111 %) und Januar (165 %) geschafft. Der Rest hinkte mit 27 bis 78 % gewaltig hinterher.)
Sonne
Das Sonnenscheinsoll vom 1. bis 19. Juli in Prozent, bezogen auf das Gesamtmonatsmittel eines durchschnittlichen Julis der Jahre 1961-90.
Die Sonne hat nicht einmal die Hälfte dessen geschafft was sonst in einem Durchschnittsjuli üblich ist! In Sachen Sonnenstunden ist das Saarland mit rund 70 Sonnenstunden in 19 Tagen absolutes Schlusslicht. Der Bodenseeraum und das Nordseeumfeld sind mit mehr als 120 Stunden obenauf.
 
Und genau das sind die Parameter, die den Juli so „schlecht“ ausfallen lassen: Wenig Sonne und viel Regen, sprich, viele Wolken und keine Beständigkeit. Da fallen die Temperaturen kaum ins Gewicht, die mit einem „Tutterl“ von 0,1 Grad überm Schnitt liegen.
 
Diese Werte beziehen sich alle auf den Schnitt der Jahre 1961-90. Vergleicht man die Temperatur mit dem Zeitraum 1981-2010, so ergibt sich ein Minus von ein Grad. Ein Grad klingt vielleicht nicht viel, aber: Man schätzt, dass wir zur „Kleinen Eiszeit“ im Mittelalter um ca. ein Grad niedrigere Temperaturen hatten als im Mittel 1961-90.
 
Um noch kurz bei den Zahlen zu bleiben. Der Juli hat eine Durchschnittstemperatur im Mittel von 1981-2010 von 18,0 Grad. Das alte Mittel, also das von 1961-90, jedoch „nur“ 16,9 Grad. „Erschreckend“ dabei ist, dass das Mittel aus rund 250 Jahren ebenfalls exakt 16,9 Grad beträgt.
Und in diesem Zusammenhang möchte ich damit auch die immer wieder gestellte Frage beantworten, warum noch immer das alte Mittel verwendet wird. Erstens ist das von der WMO so geregelt und zweitens – und das finde ich sehr wichtig bzw. mahnend – entspricht das alte Mittel einem recht konstanten Klima aus mehr als zwei Jahrhunderten. Und nun peitschen die Temperaturen innerhalb von 2 Jahrzehnten massiv nach oben.
 
Vor 30 oder 40 Jahren wäre dieser Juli von den Temperaturen her sicherlich nicht auffällig gewesen. Zu unseren Zeiten ist dieser schon ziemlich kalt. Um mit der Zahlenspielerei abzuschließen halten wir uns den heißesten Juli aller Zeiten einmal vor Augen, den wir erlebt haben: Das war der Juli 2006 mit satten 22,0 Grad. Sein „Vorgänger“ in Sachen Hitze war der Juli 1994 mit 21,3 Grad. Erinnern Sie sich? (Hochsommerknaller brachten auch die Julis 1991, 1995, 1999, 2003 und 2010.)
 
So. Zurück zum Wetter im Hier und Jetzt und in der nächsten Zeit. Der Juli bekommt gerade noch so die Kurve und sorgt in den kommenden Tagen für einen ruhigen und sehr sonnigen Witterungsabschnitt. Die Temperaturen machen ebenfalls einen ordentlichen Satz nach oben und peilen hochsommerliche Werte, jedoch keine Extremwerte an!
Samstag
Wetterlage am Samstag.
 
Am Wochenende geht es schon langsam los mit dem Sonnenschein. Am Samstag packt es die Sonne bis zum Nachmittag besonders in der Nordwesthälfte „ganz“ gut. Wir haben hier zwar keine durchgehende Dauersonnen-Bestrahlung, aber mehr Sonne als bisher. (Ist ja auch nicht schwer ;)!) Sonst sind die Wolken zahlreicher. Dazu entstehen im Laufe des Tages einzelne, in der Südosthälfte einige Schauer und Gewitter. Am höchsten ist das Schauer- und Gewitterrisiko in Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern.
 
Die Temperaturen kommen noch nicht so richtig aus dem Quark. Nach einer frischen Nacht mit zum Teil nur einstelligen Tiefstwerten steigen die Temperaturen am Tage schleppend an und erreichen 16 bis 23 Grad.
Der fiese Wind der vergangenen Tage ist fast weg. Lediglich an den Küsten und im Nordosten bleibt der West- bis Nordwestwind sehr unangenehm und lässt uns entsprechend die Temperaturen kälter vorkommen!
 
In der Nacht auf Sonntag verzupfen sich die letzten Schauer und anfänglichen Gewitter an den östlichen Alpenrand. Sonst klart der Himmel vielerorts auf. Da sich das neue Hoch XERXES fast genau über uns legt, schläft auch der Wind ein. Die Kombination kühle und klare Luft, Windstille und Aufklaren ist ein Garant für ungewöhnliche Juli-Frische. Vielerorts bekommen wir einstellige Temperaturen. In klassischen Kaltluftlöchern wie Mittelgebirgstäler, Hochmoore, usw. sind sogar unter 5 Grad möglich. Aber keine Panik ;). Die Rekordtiefstwerte für die letzte Juli-Dekade liegen grob zwischen 4 und 6 Grad. In den Wärmehochburgen sind es ein paar Grad mehr, in den Kältelöchern sogar noch etwas weniger.
 
Am Sonntag sorgt die Restfeuchte in der Luft in Verbindung mit der hochstehenden Sonne bis zum frühen Nachmittag noch einmal für viele Quellwolken, vor allem in der Osthälfte sowie im Süden Baden-Württembergs und Bayerns. Bis zum Abend lösen sich diese meist auf. Nur im äußersten Süden bleiben uns die Quellwolken erhalten. Vor allem hier sind noch ein paar Schauer und Gewitter unterwegs. Sonst besteht am ehesten im Osten und über den Mittelgebirgen noch ein ganz leichtes Risiko für einen kurzen Mini-Schauer.
Montag
Wetterlage am Montag.
 
Die Temperaturen ziehen ein wenig an. Bis zum späten Nachmittag erreichen die Höchstwerte meist so 20 bis 23 Grad, die sich wärmer anfühlen werden. Einen Tick kühler bleibt es an der See, in den östlichen Mittelgebirgen und bei Schauern in Alpennähe.
 
Nach einer abermals frischen und oft sternenklaren oder nur leicht bewölkten Nacht driften am Montag tagsüber höchstens ein paar harmlose, hohe Wolken über den Horizont. Sonst bleibt es sonnig, oft sogar wolkenlos. Ein paar bauschige Quellwolken tummeln sich allenfalls in Bergnähe.
Und es wird wärmer! Recht verbreitet werden es 22 bis 27 Grad – und das Ganze mit trockener und klarer Luft ohne Wind und einer entsprechend hohen Sonnenbrandgefahr! Etwas kühler bleibt es, zumindest gefühlt, mit ruppigem Südwestwind an den Küsten sowie mit unangenehmem Nordostwind im Süden Baden-Württembergs und Bayerns. Hier sind es gerade mal nur 20 bis 23 Grad mit eben diesem Wind. Dieser Wind ist übrigens für Surfer und Segler ein gefundenes Fressen :)!
 
Nahezu wolkenloses Hochsommerwetter schenkt uns der Dienstag! Nur über den nordfriesischen Inseln tauchen voraussichtlich am Nachmittag einige Wolken auf und auch im Südosten, speziell über den Bergen, entstehen Quellwolken. Zwischen dem Bayerischen Wald und den Alpen entstehen bis zum Abend vereinzelte Wärmegewitter.
Die Höchstwerte erreichen 24 bis 30 Grad. An den Küsten bleibt es mit auflandigem Wind eine Spur kühler.
 
Von Mittwoch bis Freitag geht es zwar insgesamt sonnig und hochsommerlich, aber eben nicht mehr ganz so edel weiter wie noch an den beiden Vortagen. Unter dem kräftigen Hochdruck-Tandem zwischen dem sich nach Nordosten ausbeulendem Azorenhoch und dem Hoch über Osteuropa sickert ein bisschen feuchtere und bis Freitag im Norden auch ein Stück kühlere Luft ein.
Mittwoch
Wetterlage am Mittwoch.
Der Gesamteindruck bleibt zwar freundlich, doch bevorzugt in der zweiten Tageshälfte müssen wir mit ein paar Schauern und Gewittern rechnen, nicht überall und nicht überall mit demselben Risiko. Tendenziell ein paar Wolken mehr halten sich im äußersten Norden – hier jedoch hauptsächlich im Binnenland!
 
Die Temperaturen ändern sich wenig und die 30 Grad-Marke wird an allen Tagen besonders im Osten und Süden, in den wärmsten Ecken erreicht und überschritten. Parallel dazu kühlt es sich bis Freitag von der Nordsee her im Nordwesten ab. Hier sind es dann unter 25 Grad.
Wir müssen jedoch bis hierher festhalten: Das ist alles kein Vergleich zur bisherigen Witterung!
 
Schauen wir kurz auf die Entwicklung in den Alpenländern. Am Samstag lassen die intensiven Regenfälle mit lokalen Überflutungen in Österreich nach und bis zum Nahmittag kommt besonders im Donauraum öfter die Sonne heraus. Am längsten bewölkt bleibt es in Osttirol, Kärnten und in der Steiermark. Von Salzburg an westwärts bis in die Schweiz herrscht wechselhaftes Sommerwetter mit Wolken, Sonne, Schauern und Gewittern. Im Süden der Schweiz ist es meist sonnig.
Dazu sind es 16 bis 23, in Österreich in den Regengebieten kaum 15 Grad.
 
Am Sonntag scheint häufig die Sonne. Im Osten der Schweiz sowie in Österreich zwischen Vorarlberg und dem Waldviertel sowie bis in die westliche Steiermark entstehen ein paar Schauer und Gewitter. Die Höchstwerte liegen bei 17 bis 23 Grad im Schnitt.
 
Am Montag scheint in der Schweiz und in Österreich die Sonne. Der Wind weht in freien Lagen unangenehm böig aus nordöstlichen Richtungen. Mit 20 bis 26 Grad wird es spürbar wärmer.
Freitag
Wetterlage am kommenden Freitag.
 
Von Dienstag bis Freitag herrscht meist sonniges Sommerwetter. Allerdings steigt ab Dienstag von Südosten her das Schauer- und Gewitterrisiko an, wobei der Gesamteindruck auch hier, ähnlich wie in Deutschland, freundlich bleibt. Erst am Freitag selbst, so die Trends, werden die Schauer und Gewitter zahlreicher. Mit 24 bis 32 Grad im Schnitt ist es hier die gesamte Woche über hochsommerlich warm, am wärmsten ist es dabei im Osten und Südosten Österreichs.
 
Während bei uns viele über die wärmeren Temperaturen froh sind, geht die Gluthitze auf der Iberischen Halbinsel und am östlichen Mittelmeer weiter mit Temperaturen weit jenseits der 30 Grad-Marke. Oft sind es hier sogar um die 40 Grad im jeweiligen Binnenland.
Derweil sorgt ein Tief im zentralen Mittelmeerraum einerseits für viele Schauer und Gewitter mit hoher Unwettergefahr, andererseits sorgt dieser Gewitterregen für eine Entschärfung des Waldbranddesasters hier. Dies am Rande.
 
Schauen wir uns zu guter Letzt kurz an, was so der weitere Trend auf Lager hat! Der ehemalige Ableger des Azorenhochs, der über Mitteleuropa westwärts wandert, bekommt wohl keinen Nachfolger bei uns. Stattdessen beult sich der Kern des Azorenhochs Richtung Nordwesteuropa aus. Damit entsteht abermals eine poröse Stelle über dem zentraleuropäischen Raum, also bei uns. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sickert damit erneut feuchtere und kühlere Luft zu uns und dämpft die „Ausgleichserwartungen“ „Es möge der August doch bitte den Sommer retten!“
 
Auch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit werden wir in den alten Trott der bisherigen Witterung zurückkommen, allerdings mit weniger Regen und mit etwas mehr Sonne, jedoch nicht mit großer (Sonnen)Beständigkeit.
Trend
Der gemittelte Trend für den Verlauf des letzten Juli-Wochenendes.
Das mit dem „weniger Regen“ müsste ich in Anführungszeichen setzen, denn: Damit meine ich, dass die Gesamtniederschlagsmengen über mehrere Wochen wohl nicht so hoch ausfallen werden wie in den vergangenen zwei Wochen, aber: Die sich aufbauende Großwetterlage ab dem letzten Juli-Wochenende KÖNNTE ein Steigbügelhalter für eine brisante Wetterlage werden, nämliche eine Vb-Lage, sprich, eine Lage mit Hochwassergefahr für den Südosten und den östlichen Alpenraum. Könnte, wohlgemerkt. Diese Spekulation würde hier allerdings zu weit gehen. Das behalten wir im Hinterkopf und schauen uns das Ganze dann in den neuen Berichten bzw. im Video am Sonntagnachmittag an.
 
Bis dahin wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende und organisieren Sie sich ihre Sommertage gut. Dieser Sommer zeichnet sich nicht dadurch aus dass wir Non-Stopp-Sommer haben, sondern den Sommer, der stattfinden, gelebt haben…!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)