kaisk Eröffnung

Das ein oder andere Kuchenstück wurde da nicht mehr gekaut, sondern in einer Schnappatmung ähnlichen Inhalation hustend verschluckt. Der Winter schlug zu und es lag für 5 Tage Ende Oktober Schnee. Der November hatte sich zwar wieder berappelt, doch das gefühlte Spätsommerwetter war definitiv vorbei!

Und vor 2 Wochen gab es wieder solch eine Situation beim Sport. Es wurde zwar nicht unbedingt übers Wetter geschimpft, doch die Sehnsucht nach Licht und Sonne war immens. Und ich kommentierte wieder in die Runde: „Es sieht so aus, als hätten wir in zwei Wochen eher Frühsommerwetter und 25 Grad als einen langsamen Übergang. Das wird jetzt ganz schnell gehen.“ Kuchen gab es zwar keinen, dafür aber große Augen.

Der Winter verschwand also so wie er kam: Abrupt bzw. über Nacht. Natürlich ist und war es nicht überall so frühsommerlich anmutend wie im Süden und es erinnern an vielen Stellen in den Wäldern und Schattenlagen noch letzte Schneehaufen an die jüngste Spätwinterzeit, doch das Thema Winter ist vom Tisch!
So wie der Sommer im Herbst vom Sonnenstand her irgendwann aufgeben muss, muss es auch der Winter im Frühjahr.

Und auch ähnlich wie Ende Oktober/Anfang November des vergangenen Jahres kommt die „der Jahreszeit entsprechende Witterung“ nach dem volatilen Ab- und Auf-Spiel der Temperaturen. Erst war es 5 bis 10 Grad zu kalt, jetzt ist es 5 bis 10 Grad zu warm und ab Freitag gehen wir in Richtung „Schnitt“. Das wiederum wird für viele ein Rückschritt sein, der sich zu „kalt“ anfühlen wird. Denn vor der Abkühlung hat die Wetterküche den April-Heizstrahler am Donnerstag auf die höchste Stufe gestellt, bevor der Stecker gezogen wird!

Bevor wir uns die Woche sowie die mittel- und langfristigen Aussichten detailliert anschauen, schnell noch ein Blick auf die aktuellen Temperaturen des Aprils. Bis einschließlich Sonntag weist der April eine Durchschnittstemperatur von etwas über 4 Grad auf. Das entspricht einem Minus von knapp 3 Grad. (Bezogen auf das Klimamittel der Jahre 1961-90.)

Bis einschließlich Donnerstag dürfte das Minus aufgefuttert sein und eine schwarze Null dastehen. Die Tage von Montag bis Donnerstag werden zwischen einem Mai-Mittel und einem normalen Sommermittel liegen. Vielleicht wird der April am Schluss sogar im Plus herauskommen. Ich sehe das erstens als wahrscheinlich an und zweitens wäre das ein „Klassiker“ inmitten einer recht kalten Phase. Das ist allerdings ein anderes Thema, mit dem wir uns woanders beschäftigen werden. Nur so viel sei gesagt: Die letzten wirklich kalten Jahre 1996 und 1987 hatten im Verhältnis alle einen ordentlichen April

kaisk Abweichungen
Grafik 1 (Abweichungen): Die Abweichungen in Grad Celsius der ersten 14 April-Tage, bezogen auf das Gesamtmonatsmittel der Jahre 1961-90.
 

Ordentlich präsentieren sich die Tage bis Donnerstag. Nach dem Durchschlendern der Kaltfront von Tief MICHAEL in der Nacht auf Dienstag liegt die feuchte Luft am Dienstag tagsüber vor allem in der Süd- und Osthälfte. Hier müssen wir im Laufe des Tages mit zahlreichen Schauern und Gewittern rechnen. Sonst erwartet uns ein Mix aus Sonne und Wolken. Kompakteres Gewölk zieht am Nachmittag zwischen Schleswig-Holstein, NRW und dem Pfälzer Wald auf. Diese Wolken sind aber harmlos.

Die Höchstwerte erreichen im groben Schnitt 17 bis 23 Grad. Mit auflandigem Wind bleibt es an den Küsten entsprechend kühler


In der Nacht auf Mittwoch schlendern vor allem im Süden letzte Schauerreste durch die April-Nacht. Tagsüber haben wir deutschlandweit einen sehr freundlichen Mix aus Sonnenschein und harmlosen Wolken. Kompaktere Wolken driften über den Nordwesten. Der Sonnenschein wirkt recht milchig, da es sich um hohe Schleierwolken handelt, durch die die Sonne unterschiedlich kräftig hindurchscheint. Viele der Computermodelle sehen das dann als „bedeckt“ an mit entsprechend geringer Sonnenscheindauer, während wir das Ganze als „schön“ empfinden. Ein leichtes Schauerrisiko gibt es anfangs im äußersten Süden und am Nachmittag im Nordwesten. In der Nordhälfte liegen die Höchstwerte bei 15 bis 21, in der Südhälfte bei 20 bis 26 Grad. Kühler bleibt es abermals mit auflandigem Wind an der See.

Dieses hohe Gewölk vom Mittwoch gehört zur Vorhut subtropischer Luftmassen aus dem Süden. In der Nacht auf Donnerstag und am Donnerstagmittag wird der Höhepunkt dieser Luftmassen erreicht. In Alpennähe sind mit Föhneffekten Temperaturen in 1500 Meter Höhe von um die 15 Grad drin („normal“ sind 2 Grad). Gleichzeitig schleicht am Donnertag von Nordwesten her eine erste schwache Kaltfront herein

 
kaisk Donnerstag
Grafik 2 (Donnerstag): Die Wetterlage am Donnerstag.


Der Donnerstag beginnt damit mit viel Sonnenschein, vor allem in der Südosthälfte. Sonst ziehen erste Wolken auf und um die Mittagszeit bilden sich zwischen dem Saarland und Schleswig-Holstein, am Nachmittag auch sonst, einzelne Schauer und Gewitter. Zuvor klettern die Temperaturen auf sommerliche 23 bis 28 Grad. 25 Grad und mehr gibt es verbreitet in der Südhälfte sowie vom östlichen Niedersachsen bis Berlin/Brandenburg und Sachsen. Zwischen der Westpfalz, NRW, dem westlichen Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind es um bzw. knapp unter 20 Grad. Hier ist schon etwas kühlere Luft eingesickert. Mit 28 Grad befinden wir uns übrigens in der Nähe von Extremwerten, sprich Dekadenrekorden! (Wäre ja kein Wunder in diesem Frühjahr: Der März brachte erst Wärme-, dann Kältedekadenrekorde. Der April begann mit einzelnen Kältedekadenrekorden. Vielleicht bringt er nun neue Wärmedekadenrekorde!?)
 

In einer fast schon „fiesen“ und in den Wetterkarten auf den ersten Blick unscheinbaren Aktion gibt es bis und am Freitag einen heftigen Wettersturz. Am Rande eines Hochs im Westen sickert ein sich abschwächendes Tief bis Samstagmorgen nach Nordwestitalien. Auf seiner Westseite strömt verbreitet kühle Luft über weite Teile von Mittel und Westeuropa. Dadurch entsteht eine Art Luftmassengrenze hin zur sehr warmen Luft im Osten. Während in sehr hohen Höhen die warme Luft am Drücker bleibt und bodennah feucht-kühle Luft einfließt, entsteht ein riesiges „Niederschlagsgebiet“. Am Freitag liegt das über der gesamten Südosthälfte sowie über weiten Teilen des Alpenraumes. Ausgeschlossen sind Niederösterreich, Wien, das Burgenland und die Steiermark.
Und auch am Samstag regnet es südlich einer Linie Mosel und Main sowie vom Erzgebirge bis in die Lausitz weiter. Die Schneefallgrenze sackt auf 1400 bis 1200 Meter Höhe. Besonders im westlichen Alpenraum schneit es in mittleren und hohen Lagen sehr, sehr viel! Jenseits der 2000 Meter-Marke kommt gut ein Meter Neuschnee zusammen!
Schnee erwartet uns auch im Hochschwarzwald und teilweise auf der Alb. (Wir hatten dieses Thema wiederholt bei der Frage: Sommerreifen – Winterreifen?)

In den übrigen Gebieten (Nordwesthälfte) herrscht am Freitag ein Mix aus Wolken und sonnigen Phasen mit vereinzelten Schauern. Der Gesamteindruck ist hier gar nicht mal so schlecht, besonders am Nachmittag. Am Samstag scheint nördlich der Mittelgebirge neben einigen Wolkenpaketen sogar länger die Sonne.

Die Temperaturen sind allerdings eine ganz andere Hausnummer. Sie liegen um 10 bis 15 Grad niedriger als am Donnerstag. Am Freitag sind es zwischen 8 Grad im Dauerregen und 17 Grad mit Sonne im Norden. Am Samstag bekommen wir 5 bis 10 Grad im Dauerregen und 10 bis knapp 15 Grad mit Sonne.

kaisk Niederschlagssummen
Grafik 3 (Niederschlagssummen): Die Niederschlagssummen in Liter pro Quadratmeter binnen Wochenfrist.
 
 
 

Am Sonntag setzt sich auch in den bis dato regnerischen Gebieten langsam wieder die Sonne durch. Letzte Schauer erwarten uns in der Osthälfte und der Regen am Alpenrand klingt bis zum Abend ab. Mit (aus heutiger Sicht) 10 bis 18 Grad haben sich die Temperaturen dann wieder der Jahreszeit angepasst!
Und Obacht: In windgeschützten und sternklaren Nächten besteht Bodenfrost-, in ungünstigen Lagen auch Nachtfrostgefahr. Das gilt nach aktueller Kartenlage aber NICHT für die große Ballungszentren inkl. des Ruhrgebiets.

Die erweiterte Mittel- und Langfrist ab in einer Woche führt uns ein wenig an der Nase herum. Gestern brachten die 15 Tage-Trends ein sicheres Dahingleiten auf einem leicht unterdurchschnittlichen Temperatur-Niveau mit „Niederschlagssignalen“. Diese berechnete Großwetterlage hätte uns einen wechselhaften und kühlen Witterungscharakter mit Wolken, etwas Sonne und Regen unterschiedlicher Intensität und Dauer gebracht mit einer Schneefallgrenze zwischen 500 und 1200 Meter Höhe samt Nachtfrostgefahr in klaren Nächten.

Heute sieht das wieder völlig anders aus. Der Grundcharakter soll zwar wechselhaft bleiben, jedoch erstens mit höheren Temperaturen und zweitens immer wieder mit der Option eines Hochs samt einströmender Mittelmeerluft. Die aktuelle Entwicklung deckt sich damit wieder einmal mit der Entwicklung, die wir am Wochenende im Video besprochen hatten: Brechen die Tiefs vom Atlantik durch oder werden sie (mit Hilfe eines Skandinavien-Hochs) geblockt.
Schaut man sich die gemittelten Großwetterlagen für die Mitte der letzten April-Dekade und den Monatswechsel hin zum Mai an, dann bahnt sich exakt die Wetterlage an, die wir im Mai-Ausblick besprochen hatten: Tendenziell tieferer Luftdruck über West- und dem westlichen Mitteleuropa. Hochdruck knapp westlich der Azoren sowie von Skandinavien über das Baltikum bis Nordrussland. Damit rutschen wir in eine Großwetterlage, die zwischen „Fluch und Segen“ entscheiden wird. Hier geht es oftmals nur um wenige hundert Kilometer. Reicht die mit feuchter und kühler Luft angereicherte Luftmasse über Westeuropa bis locker zu uns, könnte eine Witterung zustande kommen wie wir sie im Mai 2010 erlebt haben: Wolkenreich, nass und kühl. Bleibt das Ganze weiter im Westen und wir gelangen in die Warmluft aus Osteuropa bzw. wir kämen sogar auf die Vorderseite des Tiefs über Westeuropa, wären im Nu (hoch)sommerliche Tage mit Sonne und Wärme samt Schauer und Gewitter drin, wobei der Osten und Süden davon deutlich mehr Warmluft- und Sonnenchancen hätte als die Gebiete zwischen der Pfalz und der See
kaisk kommende Woche 1
Grafik 4 (kommende Woche 1): Die Tiefs vom Atlantik werden zu Beginn der kommenden Woche noch blockiert.
 

Jetzt sind wir eh schon so tief im Bereich der Spekulation und der Großwetterlagen-Analyse: Schaut man sich die Grobstruktur des Mais mit Hilfe des Langfristmodells CFS an, so bliebe uns diese wechselhafte Wetterlage mit seinem feucht-kühlen Witterungscharakter, unterbrochen von kurzen Zwischenhochs samt mehr Sonne und Wärme, bis über die erste Mai-Hälfte hinaus erhalten. Erst nach den Eisheiligen mit Blickrichtung Ende Mai deutet sich eine allmähliche Änderung an, wo es auf dem Atlantik und über Westeuropa zu mehr Hochdruck und über dem Mittelmeerraum und Osteuropa zu mehr Tiefdruck käme

kaisk kommende Woche 2
Grafik 5 (kommenden Woche 2): … und brechen dann mit feucht-kühler Luft zu uns wieder durch.
 
 
kaisk Monatswechsel
Grafik 6 (Monatswechsel): Die gemittelte Wetterlage und damit der grobe Trend für den Monatswechsel.
 
 
Für mich persönlich passt die eine Super-Woche jetzt im April exakt in den Charakter der vergangenen Monate. Auch der März hatte eine solche Woche am Anfang. Drumherum war es nicht so toll. Und mich würde es nicht wundern, wenn wir nach dieser summa summarum frühsommerlichen Episode erst einmal eine Weile warten müssen, bis wir einen solchen Block an Sonne UND weit überdurchschnittlicher Wärme bekommen werden. Nutzen Sie es aus!

(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)