Eröffnung
Wäre rein theoretisch mit dem vergangenen Sonntag, also dem 5. August, der meteorologische Sommer zu Ende gegangen, stünden wir jetzt vor folgender Statistik (1. Juni bis 5. August): Mit einem Plus von 0,5 Grad hätte der Sommer zu warm abgeschlossen. Mit 85 Prozent Regen wäre der Sommer zu trocken und mit 66 Prozent Sonnenscheinsoll wäre der Sommer zu „dunkel“ gewesen. (All die Werte sind deutschlandweit gemittelt und beziehen sich auf das jeweilige Gesamtsommermittel (1. Juni bis 31. August) der Jahre 1961-90.)
TEmp Somer
Abweichungen der Temperaturen in Grad Celsius vom 1. Juni bis 5. August, bezogen auf das Gesamtsommermittel der Jahre 1961-90.
 
Das ist natürlich Mumpitz ;)! Der (meteorologische) Sommer geht ja noch dreieinhalb Wochen. Wenn das Mumpitz ist, werden sich sicherlich einige fragen, warum erwähne ich das denn dann!? Weil wir in den kommenden Tagen ein interessantes Statistik-Spiel erleben werden.
Schauen wir uns dazu kurz noch die Werte der ersten 5 August-Tage an. Demnach waren diese Tage, jeweils wieder auf das Gesamtmonatsmittel der Jahre 1961-90 bezogen, um 3,2 Grad zu warm, es fielen 17 Prozent des Gesamtregens und die Sonne brachte schon 20 Prozent zusammen.
 
Kommen wir noch einmal zum Sommer zurück. Wenn man jemandem erzählt, der Sommer sei zu warm und zu trocken gewesen, kann man sich ganz schnell eine besonders anschmiegsame Jacke einfangen und zwei freundliche Herren würden bei der Ankleide helfen.
Jetzt kommt nur der Clou:Die kommenden sonnigen Tage werden das Sonnenscheinsoll nach oben hieven, die Durchschnittstemperatur jedoch nach unten. Wir werden uns die Werte mal in einer Woche angucken…
 
Aber warum ist das so? Der Durchschnittswert eines Monats setzt sich aus den Durchschnittstemperaturen eines Tages zusammen. Und ein Tag hat bekanntermaßen 24 Stunden. Und all die Werte aus diesen 24 Stunden ergeben das Mittel. Haben wir nun warme und feuchte Luft mit vielen Wolken, Regen und Gewittern, sind die Nächte oft mild. Wenn die Sonne tagsüber rauskommt, schnellen die Temperaturen hoch und wir bekommen insgesamt hohe Tagesmittelwerte zustande. Das gefühlte Wetter ist jedoch bescheiden
Sonne Regen Sommer
Sonnenschein- und Regensoll in Prozent vom 1. Juni bis 5. August, bezogen jeweils auf das Gesamtsommermittel der Jahre 1961-90.
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Setzt sich jedoch eine Wetterlage mit trockener und höchstens mäßig warmer Luft durch, so erleben wir sehr sonnige und durch die Sonnenscheindauer angenehm warme Tage, die Nächte sind allerdings frisch. Rein gefühlsmäßig ist das Wetter schön, fast alle sind zufrieden, es ist trocken, der Himmel blau, die Sonne scheint und die Statistik sagt am Ende im Zweifelsfalle: Es war zu kalt. (Das wäre jetzt wieder so ein Fall für die schöne Jacke mit den zwei Herren!)
Und warum wäre das „zu kalt“? Weil die Nächte recht frisch sind und die einiges ausmachen. Das Tagesmittel kann an einem gefühlt schönen und warmen Sommertag gut 2 Grad zu niedrig liegen. Und genau das wird in den kommenden Tagen passieren!
 
Nach dem Durchzug der Front von Tief VIKTORIA am gestrigen Montag stellt sich die Wetterlage erstmals nach vielen Wochen so um, dass wir mal ganz „entspanntes“ Sommerwetter bekommen. Wie immer werden ein paar Schönheitsfehler dabei sein, aber es sind eben nur Schönheitsfehler.
 
Bevor wir jedoch auf die kommenden Tage schauen, schauen wir mal ganz kurz ans andere Ende der Welt. Neben den vielen neuen weltweiten Hitzerekorden, Dürren und Waldbränden ist der Winter in der Antarktis (da ist gerade Hochwinter wie bei uns Anfang Februar) gesäßkalt. Seit einigen Wochen liegen hier die mittleren Abweichungen vom langjährigen Mittel bei bis zu 20 Grad nach unten!! Die Kälte ist hier so ausgeprägt, dass die Globaltemperaturen um gut 0,3 Grad weniger zu warm ausfallen.
Das einfach mal am Rande.
Donnersag
Wetterlage am Donnerstag.
 
Kommen wir zurück nach Europa. Europa steht als nun vor einer Umstellung der Großwetterlage und die ewige Grenzlage zwischen dem kühl-feuchten Nordwesten und dem tropisch-heißen Südosten geht zu Ende. Grund dafür ist eine Umstrukturierung der Hochdruckgebiete. Das Azorenhoch verliert seinen Einfluss auf unser Wetter und das feucht-kühle Wolkenfließband des Atlantiks kommt zum Erliegen. Stattdessen bildet sich eine eigenständige Hochdruckzelle, die sich zunächst über West- und Nordwesteuropa und dann, binnen Wochenfrist, Richtung Nordeuropa etabliert. (Wir hatten schon vor einiger Zeit über diese beginnende Option gesprochen.)
 
Aber nicht nur das feucht-kühle Wolkenfließband des Atlantiks kommt zum Erliegen, sondern auch das zeitweilige Mittelmeer-Pumpwerk mit feucht-warmer bis feucht-heißer Luft samt Gewitter und Unwetter gibt seinen Geist auf. Eher trockene See- und dann Festlandsluft wird die Regie übernehmen.
 
Nehmen wir den Dienstag noch als „Übergangstag“. Zunächst haben wir böigen Wind und einen Mix aus Wolken und Sonne. Im Laufe des Tages lässt der Wind nach und die Wolken werden weniger. Zwischen NRW und der Nordsee sowie an der Ostsee bilden sich noch ein paar Schauer und Gewitter. Sonst fallen nur noch vereinzelt bis zur Mittagszeit letzte Tropfen. Besonders im Süden Deutschlands und in den Alpenländern setzt sich die Sonne durch.
Die Nachmittagswerte erreichen 17, 18 Grad in den kühlsten Ecken im Nordwesten und 20 bis 25 Grad sonst. Im Engadin, im Tessin sowie im Süden und Osten Österreichs werden auch etwas über 25 Grad erreicht.
 
Auch am Mittwoch lungert noch ein bisschen feuchte Seeluft herum. Besonders in der Mitte und im Norden Deutschlands starten wir abermals mit mehr Wolken als Sonne in den Tag. Vereinzelt entstehen Schauer. Am Nachmittag gewinnt auch hier, wie sonst schon in den übrigen Gebieten, die Sonne die Oberhand. Einzelne Schauer und Gewitter bilden sich auch von Tirol bis in die Obersteiermark.
Die Temperaturen ändern sich kaum.
 
Am Donnerstag verlagert sich der Kern des Hochs weiter über England, Irland und Schottland Richtung Nordsee und Nordmeer. Der Wind dreht mehr auf nördliche Richtungen und die Luft wird langsam trockener. Einzelne Schauer gibt es am ehesten noch im Norden. Am Nachmittag bilden sich in Alpennähe und über den Bergen Österreichs einzelne Schauer und Gewitter. Meist aber überwiegt die Sonne.
bisherige WL
Das war die bisherige Wetterlage in den vergangenen Wochen.
Mit 17 bis 21 Grad an der See und 20 bis 26 Grad sonst bleibt es eher gemäßigt. Höhere Werte von deutlich über 25 Grad bekommen wir am Ober- und Hochrhein, im Tessin und Engadin sowie im östlichen Niederösterreich, in Wien, im Burgenland, in Kärnten und der Steiermark.
 
Der Freitag bringt uns viel Sonne. Ein paar Wolken sind am ehesten im äußersten Nordosten unterwegs. Hier besteht ein leichtes Schauerrisiko. Und auch auf der Alpensüdseite brauen sich über den Bergen einzelne Schauer und Gewitter zusammen. Sonst aber präsentiert sich der Himmel oft sogar wolkenlos.
Mit kühlem Wind aus Nordwest bis Nordost sind es 17 bis 27 Grad, von Nord (Küsten) nach Süd (Alpensüdseite).
 
Am Wochenende schwächt sich die kühle Nordströmung ab. Der Wind dreht in der Höhe zwar auf südliche Richtungen und transportiert in 1500 Meter Höhe markant wärmere Luft zu uns, doch bodennah fegt der Ostwind dagegen. Er dämpft einen möglichen Temperaturanstieg auf heiße Hochsommerwerte. So steigen die Temperaturen am Wochenende „nur“ auf 20 Grad in der See und auf bis zu 30 Grad im Südwesten.
 
Dazu setzt sich das sehr sonnige und vielerorts wolkenlose Sommerwetter fort. Einzelne Schauer und Gewitter sind am Samstag über den Bergen im Süden Österreichs drin. Am Sonntag sickert in den Südwesten feuchtere Luft. Nach derzeitigen Trends brauen sich zwischen der Eifel und der Schweiz sowie über dem Alpenhauptkamm Tirols und in Oberkärnten erste (Wärme)Gewitter zusammen. Das ist zwar noch ein bisschen spekulativ, wird aber schon seit mehreren Modell-Läufen so berechnet!
Wochenende
Wetterlage am Wochenende.
 
Wie ich in meiner Videokolumne schon erklärte, steht uns damit bis einschließlich Sonntag die sonnigste Woche des bisherigen meteorologischen Sommers bevor!
Viele Landwirte werden sich freuen, dass es endlich mal über einen längeren Zeitraum trocken bleibt, um weiter die Ernte einfahren zu können und auch genug Grünlandfutter für den Winter einzusammeln. „Das war heuer kein gutes Jahr!“ sagte mir der ortsansässige Landwirt Schorsch am Samstag zu mir. Er freut sich auf die trockenen Tage.
 
Wir sollten uns jedoch noch ein größeres Aber anschauen, um den Kreis der Statistik zu schließen: Die Nächte werden vorerst ein ziemlich kühles Kaliber aufweisen: Bis einschließlich Sonntag werden die Tiefstwerte im groben Schnitt bei 14 bis 8 Grad liegen. Am warmen Meerwasser wird es etwas milder bleiben, in ungünstigen Lagen sowie in den Mittelgebirgen und im Alpenvorland wird es in durchweg sternenklaren und windstillen Nächten noch ein paar Grad kühler. Zusammen mit Tau und einzelnen Frühnebelfeldern werden die Morgende bis einschließlich Sonntag fast einen frühherbstlichen Touch haben!
 
Ein zu fast guter Letzt kurzer Blick auf die erweiterte Mittelfrist bis Mitte August zeigt weiterhin ein Hoch mit Kern über dem nordeuropäischen Raum. Von links und rechts, also vom Atlantik und von Osteuropa, laufen Tiefs dagegen an. Beiderseits wird wieder feuchtere Luft in unsere Richtung geschaufelt und ein paar Schwapper aus dem überquellenden Hitzekessel im Mittelmeerraum erreichen möglicherweise wieder den Alpenraum und den Süden Deutschlands. Zumindest hier könnte die friedliche und trockene Phase durch aufkochende Gewitterluft wieder zu Ende gehen.
Na Wo
Wetterlage im Laufe der nächsten Woche.
 
Die mittel- und langfristigen Aussichten werden wir uns im Laufe der Woche an anderer Stelle unter die Lupe nehmen. Genießen wir jetzt erst einmal die immer sonniger werdenden Tage im Verlauf der Woche. Und beobachten wir die extreme Hitzewelle, die in den kommenden Tagen vor allem auf den westlichen Mittelmeerraum zurollt. Diese ist eine eigene Videokolumne wert. Nur so viel schon mal vorweg: Die Temperaturen in 1500 Meter Höhe, mit der wir hier grundsätzlich hantieren, erreicht in der Südhälfte Spaniens am Freitag und Samstag kurzzeitig um 30 Grad. Die 25 Grad-Isotherme hat fast die gesamte Iberische Halbinsel unter ihren Fittichen inkl. der Balearen. Abseits des kühlenden Meeres (das auch schon deutlich über 25 Grad hat) ist das kaum aushaltbar! Die 50 Grad-Marke ist in Andalusien durchaus im Bereich des Möglichen. Und damit könnten in Spanien und Portugal neue Hitzerekorde aufgestellt werden. Wahrscheinlich werden sie es sogar…
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)