Eröffnung
Das, was sich aktuell in der Wetterküche tut, tun wird und tun könnte, hätte zu anderen, „langweiligen Wetterzeiten“ eigene Berichte verdient.
Da wäre einerseits der Rückblick auf den vergangenen Winter. Ein Winter, der bemerkenswert „dunkel“ war und von dem fast alle, landauf, landab, die Schnauze voll haben. Oft wird bei der Beschimpfung des Winters der Schnee mit der Sonnenscheinarmut verwechselt. Ich höre immer wieder Stimmen, die sagen, sie können keinen Schnee mehr sehen. Und wenn ich dann nachfrage, kommt die Aussage, dass ihnen die Sonne fehlt(e). Hätte es den Schnee nicht gegeben, wäre es - subjektiv gesehen und gefühlt – noch düsterer gewesen. Wir kommen auf anderer Stelle noch einmal darauf zurück – und zwar bei der Frühlingsprognose. Das meteorologische Frühjahr werden wir uns die Tage mal etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Als dritter Punkt drängt sich da ein möglicher Rückfall in der zweiten März-Dekade auf. Beim Anblick dieser Wetterkarten blieb mir fast der Atem stocken. Die bis dato eisigsten März-Wetterkarten, die ich jemals gesehen hatte, stammen von Anfang März 2005. Hier flutete damals die kälteste Luftmasse des gesamten Winters Mitteleuropa mit neuen Kälterekorden und extremen Negativ-Abweichungen in den ersten Tagen des meteorologischen Frühlings. Die Luftmasse, die damals über uns lag, hatte in 1500 Meter Höhe unter minus 15 Grad.

Das GFS berechnet bis Tag 16, also 384 Stunden im Voraus. Die anderen Modelle gehen bis Tag 10, also 240 Stunden. Und das GFS berechnet beispielsweise von Nordosten her einen Kaltlufteinbruch mit minus 15 bis minus 20 Grad in 1500 Meter Höhe. Selbst die vom Modell ermittelten Höchstwerte würden überall im Dauerfrost- und die nächtlichen Tiefstwerte zum Teil im Strengfrostbereich (unter minus 10 Grad) liegen. Ein Kältepaukenschlag mit der Option auf neue Rekordwerte.
Apropos Option: Andere Modelle rechnen zwar nicht so weit wie das GFS. Doch die Grundlagen für einen solch herben Absturz (Struktur der Großwetterlage, um eine solche Konstellation zu ermöglichen) berechnen auch die anderen Modelle (ECMWF, GEM, BOM).

Ich will hier niemanden bange machen. Erinnern wir uns an den 15 Tage-Trend und die Option der Wetterkarten für den Start in den meteorologischen Frühling. Da sah es nach einer eisigen Nord- bis Nordostlage aus. Dies wurde damals von breiter Modellfront so gesehen. Vielleicht erinnern Sie sich an mein Video aus Schladming, in dem ich in der letzten Karte die Option vorstellte, dass es – auch wenn es von nicht allzu vielen Membern gestützt wurde – zu einer extrem milden Lage am Rande eines Hochs kommen könnte. Und genau das tritt jetzt ein!

Der einst einmal berechnete Kaltlufteinbruch ist zwar da, aber er geht östlich an uns vorbei. Knapp daneben ist eben auch vorbei. Und in den Übergangsjahreszeiten stehen sich nun mal gerne extreme Luftmassen gegenüber, die oft auf engstem Raum zusammen liegen. Da kann es zwischen warmem Frühlingswetter mit gefühlt über 20 Grad und gefühlt tiefstem Eiswinter zu heftigen Rangeleien kommen. Und das eine bedingt das andere. 

Diese drei Punkte (Winter, Frühling, Eisluft) gilt es also in den kommenden Tagen „abzuarbeiten“ ;-). Kommen wir nun zum Thema Nr. 1 – das halte ich persönlich für das mit Abstand wichtigste: Der bevorstehende „Frühling“. Das, was am Wochenende und besonders zu Wochenbeginn stattfinden wird, wird eine oskarreife Glanzvorstellung sein. Ein Stern in der Wetterwelt, das Highlight des Wetterjahres bisher schlechthin.
In den vergangenen Jahren, vor allem in den jungen Frühjahren 2012 und 2011, wäre eine solche Wetterlage im „S

Sonnenstunden Winter
Sonnenstunden des meteorologischen Winters
tandardprogramm“ untergegangen. In diesem Jahr jedoch nicht!

Mit dem Donnerstag verabschieden wir den Februar und den meteorologischen Winter. Die Februar-Düsternis brachte es gerade mal auf knapp 50 Prozent des Monatssolls an Sonnenschein. Die gemittelte Sonnenscheindauer für Deutschland lag im meteorologischen Winter bei knapp 100 Stunden Sonne. Machen wir uns das einmal bewusst! 90 Tage und 100 Stunden Sonne. Das ist grob eine Stunde am Tag! Und machen wir uns weiter bewusst, dass die Tage von Samstag bis Mittwoch Pi mal Daumen die Hälfte des Sonnenscheins des gesamten meteorologischen Winters in 5 Tagen zusammenraffen werden!

Das wird (gefühlt) in etwa so als würde man im Sommer stundenlang den Keller aufräumen und rennt dann in die pralle Nachmittagssonne raus und wird erst einmal vom Licht „erschlagen“.
Nicht nur, dass wir vom Licht „erschlagen“ werden – auch das Feeling wird gänzlich anders sein. Nach wochenlangem Winterwetter mit Frost, Schnee, Nebel, Hochnebel, Nieselregen, gefühltem Novemberwetter und dergleichen ballert die Märzsonne mit deutlichen Plusgraden und trockener Luft rein. Die teils über 10 Grad zu Wochenbeginn werden sich geschützt in der Sonne wie um und über 20 Grad anfühlen! Die Natur wird regelrecht explodieren mit Schneeglöckchen, Krokussen und all den Erstfrühlingsblühern. Die Bienen werden summen, Vögel zwitschern, erste Schmetterlinge flattern.
In den Wintersportgebieten, die noch Schnee satt haben, kann man mit T-Shirt Wintersport betreiben und die Sonnenbrandgefahr ist extrem hoch! Die Fernsicht in den Hochlagen der Mittelgebirge und der Alpen wird grandios sein!

Mit anderen Worten: Da kommen wir ein paar Tage Balsam für die Seele, Endorphine ohne Ende. Die Straßencafés werden geöffnet sein, man kann draußen sitzen, es wirkt wie ein Befreiungsschlag. Der Winter ist vorbei! Zum Aber komm ich am Schluss ;-)!

Der Start in den März bzw. in den meteorologischen Frühling am Freitag verläuft noch einmal relativ dunkel und trüb. In weiten Teilen Deutschlands dominieren Wolken, Nebel und Hochnebel mit vereinzeltem Nieselregen. Die Sonne kommt im Laufe des Tages im äußersten Norden gut zum Zuge und bringt uns hier einige Stunden Sonne. Die Temperaturen eiern bei null bis 6, mit Sonne bei bis zu 8 Grad rum. An und für sich sind das der Jahreszeit entsprechende Werte. Haken wir den Tag ab.

Wochenende
Wetterlage am Wochenende.

Am Samstag streift uns im Nordosten eine schwache Kaltfront. Wir werden es hier hauptsächlich durch Wind und später auch durch Wolken merken. An der Ostsee wird der Westwind am Nachmittag stark bis stürmisch. Derweil verschwinden sonst die tiefen Wolkenfelder mehr und mehr. Auch Nebel und Hochnebel lösen sich immer häufiger auf. Die Modelle gehen sogar von wolkenlosem Himmel auf. Ich persönlich habe da so meine Zweifel, ob das wirklich am Samstag schon überall so perfekt der Fall sein wird. Sicher länger trüb bleibt es voraussichtlich im äußersten Südwesten. Mit ein bis 8, vielleicht sogar 9 Grad wird es einen Tick milder.

Die am Samstag im Nordosten auftauchende schwache Kaltfront zieht in der Nacht auf Sonntag weiter nach Süden und erreicht am Sonntagmorgen den Mittelgebirgsraum. Mit der Front fallen geringer Regen und Schnee, teils auch gefrierender Nieselregen. Tagsüber zieht diese Front Richtung Mosel und Mainlinie und löst sich dabei auf. So haben wir am Sonntag tagsüber in der Mitte noch einmal dichte Wolken, die ein bisschen an das Wetter der vergangenen Tage erinnern. Einige Nebel- und Hochnebelreste halten sich in der Südhälfte. Abseits dieser Nebelfelder scheint, ebenso wie im nördlichen Drittel, die Sonne. Die Temperaturen ändern sich wenig, wobei die 10 Grad-Marke mit Sonne den Mittel- und Oberrhein entlang bestimmt geknackt wird!
 
Wochenbeginn
Wetterlage zu Wochenbeginn.

Kommen wir aber jetzt zu den wahren Super-Tagen von Montag bis Mittwoch! Die Höhenströmung dreht auf Süd und transportiert die so ziemlich wärmste Luftmasse, die es um diese Jahreszeit geben kann, zu uns. In 1500 Meter Höhe klettern die Temperaturen verbreitet auf über 5 Grad. Rein von der Theorie her wären bei einem „Pauschalaufschlag“ von 12 bis 15 Grad damit am Boden um die 20 Grad möglich. Diese würden wir auch bekommen, wenn wir eine andere Vorgeschichte hätten – beispielsweise wenn es jetzt und an den vergangenen Tagen sonnig und mild gewesen wäre und weit und breit kein Schnee liegen würde. Fast 20 Grad sind auch mit Schnee möglich. Dann müsste aber der Wind kräftig wehen und aus Süd bis Südwest kommen.

Und so weht der Wind zu Wochenbeginn aus südöstlichen Richtungen. Es entsteht eine schwache Inversion. Die extrem milde Luft in der Höhe wird nicht ganz runter durchmischt. Außerdem werden die Nächte fast überall kalt und frostig bleiben und im höheren Flachland sowie im Bergland liegt noch Schnee. Das bringt noch einmal eine mikroklimatologische nächtliche „Kaltluftproduktion vor Ort“. Damit werden die theoretisch möglichen ganz warmen Temperaturen nicht erreicht.

Ist auch völlig wurscht! Wir kriegen Sonne, trockene Luft und Höchstwerte die spielend frühlingshafte Werte erreichen: Montag 3 bis 13, Dienstag 5 bis 15 und Mittwoch 7 bis 17 Grad. Geschützt in der Sonne können wir gefühlt ohne weiteres 5 bis 10 Grad draufschlagen.
 
 
Niederschlagssumme
Niederschlagsmengen (bis zu) in Liter pro Quadratmeter binnen Wochenfrist.

Der Montag und der Dienstag sollten noch weitgehend wolkenlos verlaufen – von wenigen lokalen Ausnahmen abgesehen. Am Mittwoch ziehen vor allem im Süden und Westen erste hohe Wolkenfelder auf. Diese Wolkenfelder gehören zu einem Tief-System, das vor den Toren Südwesteuropas sein Unwesen treibt und den Kanaren, Portugal, Spanien und im weiteren Verlauf auch Südfrankreich und Italien unwetterartige Regenfälle bringen wird! Diese Gegenden saufen förmlich ab!

Die Nächte bringen uns übrigens fast überall Frost, zumindest aber Bodenfrost mit Reif und morgendlichem Scheibenkratzen. 
 
 
Mittelfrist
Mögliche Wetterlage zu Beginn der 2. Märzdekade
Von Donnerstag bis ins zweite März-Wochenende deutet sich eine sehr milde und nicht mehr ganz so edle Südlage an. Immer wieder ziehen Wolkenfelder durch. Die Inversionslage schwächt sich ab. Die Nächte werden deutlich milder und zunehmend frostfrei, tagsüber wird es sogar noch wärmer. Mit viel Sonnenschein dürften dann sogar die 20 Grad in greifbare Nähe kommen. Das Ganze ist aber noch etwas unsicher. Sollte das Tief ein bisschen weiter zu uns vorankommen, dann wären zu viele Wolken da. Es sind aber trotz alledem sehr frühlingshafte Tage ohne kalte Nächte.
 
 
Temperaturen um 12
Bei Eintreffen der Eisluft: Jeweilige Höchst- und Tiefstwerte in Grad Celsius.

Tja und dann? Dann kommt es möglicherweise zu einem herben Rückfall mit Wolken, Schneeschauern, Wind und Frost aus Nordost. Und nun kommen die Einwände wie „Wieso, ich dachte, jetzt ist Frühling!?“
Ja, eben. Der Frühling ist der Übergang zwischen Winter und Sommer. Wenn der Winter zu Ende ist, heißt das ja nicht sofort, dass nichts mehr kommt. Der März ist eben dem Winter noch am nächsten, der Mai dem Sommer. Und da der Frühling eine Übergangsjahreszeit ist, sind solche Aufs und Abs ganz normal. Aber wie stark und intensiv und ob es überhaupt so weit abwärts geht – das klären wir die Tage an andere Stelle, sowohl schriftlich als auch im Video…

 
 
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)