Eröffnung
Dienstag
Die Wetterlage für Dienstag.
Als ich die Grafiken für die Video-Kolumne am vergangenen Freitag erstellte, hoffte ich, dass sich an diesem 3. Advents-Wochenende die Karten bzgl. des Weihnachtswetters eindeutig in EINE Richtung begeben würden. Es blieb bei dieser Hoffnung.
 
Wahrscheinlich werden mir viele Kollegen beipflichten ;)!? Die drei meist gestellten Fragen im Laufe eines Jahres sind:
Wie wird der Sommer?
(Am Siebenschläfertag:) Kriegen wir jetzt den ganzen Sommer über Regen/Sonne?
Gibt’s weiße Weihnachten.
 
Die erste Frage ist einigermaßen beantwortbar ;). Die zweite Frage kann man relativ einfach beantworten, wenn man die Großwetterlage im Griff hat und mit der Regel umgehen kann. Bei den ersten beiden Fragen geht es um Einschätzungen von Großwetterlagen, um „Richtungen“. Eine ganze Jahreszeit ist sowieso nicht greifbar, da es eigentlich nur um Richtungen/Trends geht.
Bei der dritten Frage sind wir Wetterfrösche am allermeisten auf die Karten angewiesen. Ist die Kartenlage klar und eindeutig, ist der Trend klar und eindeutig. Ist die Lage diffus, kann man gar nichts sagen.
 
Kurioserweise tauchten bei manchen Modellen in manchen Berechnungen exakt – und das finde ich schon sehr verblüffend – die Wetterlagen auf, die wir in den vergangenen Monaten um den jeweils 24. als „Weihnachtsprognose mit einem Zwinkern“ untersucht hatten. Es wäre die Wetterlage mit einem Tief eher östlich und südöstlich von uns mit kalter Luft und möglichen Schneefällen, also weißen Weihnachten.
kalt
Die Wahrscheinlichkeit "kalt" für das Weihnachtswetter nimmt derzeit ab, ...
 
Die sturen Druckgebilde Tief NICKI auf dem Atlantik und Hoch THOMAS über Russland machen die Wetterlage so verzwickt. Theoretisch hätte es überall sehr gut für weiße Weihnachten aussehen können. Es gab in der vergangenen Woche vielerorts eine geschlossene Schneedecke und Frostluft. Nun wich die Kälte nur einen Hauch – aus der Sicht der Großwetterlage – nach Osten und das Tauwettergedöns vom Atlantik konnte mehr oder weniger Fuß fassen.
 
Das ist ja gerade die Crux! Hoch THOMAS mit seinem riesigen Kaltluftreservoir trägt eine gewisse Mitschuld an dem aktuellen Tauwetter. Das Tief NICKI kommt nicht, wie es bei einer klassischen Westwetterlage üblich wäre, nach Osten voran, sondern hat sich an Hoch THOMAS verheddert. NICKI schubst immer wieder feuchte und milde Luftmassen nach Osten, die auf den zähen und frostigen Kaltluftbrei Nord- und Osteuropas stoßen.
mild
... die Variante "mild" hingegen zu - wenn auch nur vorübergehend.
 
Jetzt haben diese beiden höchst unterschiedlichen Luftmassen ebensolch unterschiedliche Verhaltensweisen. Während die milde Luft leicht ist und sich zuerst in höheren Luftschichten etabliert, glibbert in tieferen Luftschichten die zähe Kaltluft umher. Die Kaltluft kann sich halten oder durch klare Nächte wieder entstehen und sie kann „zurückfließen“. Das heißt, selbst wenn es in hohen Luftschichten (1500 Meter Höhe) meinetwegen 5 Grad plus hat, kann es in Bodennähe durch ganz schwache Ost- und Nordostwinde zu Dauerfrost kommen. Die Kaltluft fließt keilförmig nach Westen und Südwesten zurück. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn keine großen Westwinde am Rande zwischen mild und kalt unterwegs sind.
 
Brettert jetzt so ein Knubbel milder und feuchter Luft wie eine Art kleines Randtief in der Strömung vom Atlantik oder von der Nordsee her zu uns und knallt auf diesen Kaltluftglibber, kann entweder ein neues Tief entstehen, das die Luftmassen vermischt oder aber eine Luftmassengrenze.
 
Und wir haben es in dieser 3. Adventswoche sowie in der Weihnachtswoche mehr oder weniger mit beiden Arten der Rangelei zu tun:
Aus einer sich aufbauenden Luftmassengrenze in der 3. Adventswoche könnte sich ein eigenständiges Tief bilden. Das nennt sich auch „Abtropf-Prozess“. Das bedeutet, aus dem Einflussbereich eines Zentraltiefs nabelt sich ein eigenständiges Tief ab, das nach Süden oder Südosten „abtropft“ und die Zirkulation aufmischt bzw. durcheinander bringt.
 
Und einmal berechnen die Karten diesen Abtropfprozess einer markanten Abkühlung und möglichen Schneefällen. Und ein anderes Mal soll ein solches sich abnabelndes Tief das Russland-Hoch weiter nach Osten verdrängen, so dass die Westdrift vorübergehend Fuß fassen könnte. Eigentlich müsste ich hier das Wort Westdrift in Anführungszeichen setzen, da eine nachhaltige Westdrift im klassischen Sinne (wie im vergangenen Winter) zwar immer wieder in Ansätzen vertreten ist, es aber aufgrund der Gesamtzirkulation auf der Nordhalbkugel derzeit unwahrscheinlich erscheint.
 
Das ist jedoch ein anderes Thema. Mit diesem werden wir uns in Kürze befassen. Wir schauen auf die Zeit bis Weihnachten. Ob wir wo weiße Weihnachten bekommen, steht in den (Schnee)Sternen. Dieses Mal geht es weniger um die Höhenlage als mehr um die Lage der Luftmassengrenze und seinen Auswirkungen.
Freitag
Die Wetterlage am Freitag.
Diese Luftmassengrenze (ich kürze sie ab jetzt mit LMG ab) teilt nach Wochenmitte Deutschland in 3 Regionen: Eine (große) Region in der Südwesthälfte mit milder Luft und Regen, eine kleine Region angrenzend an dieses Regengebiet mit kräftigen Schneefällen und daran angrenzend eine Region mit trockener (Frost)Luft.
 
Exemplarisch für diese Situation möchte ich die Modell-Karte des GFS-Laufs von Sonntagmittag zeigen. Es stellt die Situation (aus reiner Modellsicht) für den Mittag des 4. Advents dar: Zweistellige Plusgrade im Südwesten, ein Streifen mit Regen und Schnee diagonal über die Mitte und ein knackiges Dauerfrostgebiet im Nordosten.
 
Bleiben wir bei der Theorie: Dort, wo es schneien würde oder geschneit hat und dann die Frostluft kommt oder liegen bleibt, hätte es „sicher“ weiße und kalte Weihnachten. Derweil gäbe es auf der Mildseite grüne und milde Weihnachten. Minus 10 Grad zur Bescherung auf Usedom bei frischem Schnee und plus 10 Grad im Schwarzwald bei grünen Wiesen.
 
Praktisch wurde diese Lösung nach und nach ein Stückchen mehr verworfen und eine Wetterlage, die eher grüne und milde(re) Weihnachten bringt kommt verstärkt auf den Modell-Tisch. Besonders markant zeigte sich das auch in den 15 Tage-Trends. Da gab es exakt zu den Feiertagen Läufe mit mehr als 10 Grad plus in 1500 Meter Höhe, gleichzeitig jedoch auch Berechnungen mit weniger als 10 Grad minus.
vierter Advent
So sah ein Modell-Lauf von Sonntag das Wetter für den 4. Advent.
 
Landauf, landab zeigen die aktuellen 15 Tage-Trends eigentlich nur eines: Alles ist möglich, alles kann, nichts muss, keine Langeweile und länger trocken bleibt es auch nicht. Besonders groß sind die Luftmassenmöglichkeiten im Süden.
(Erklärung 15-Tage-Trend: Die Grafiken stellen zweierlei dar: 1. Den möglichen Temperatur-Verlauf in 1500 Meter Höhe sowie die möglichen Regen- und Schneemengen bzw. deren Wahrscheinlichkeit, die man da herauslesen kann. Die obere, dicke weiße Linie zeigt den Durchschnitt aller Modell-Läufe für die Temperatur in 1500 Meter Höhe und ist ein guter Trendsetter. Die dicke rote Linie stellt das langjährige Mittel dar. Die dünnen weißen Linien repräsentieren die jeweils mildesten und kältesten Ausreißer. 
Die unteren Linien zeigen die Niederschlagsmengen innerhalb von 6 Stunden in Liter pro Quadratmeter. Die dicke weiße Linie zeigt ebenfalls den Schnitt aller Modelle, die dünnen Linien zeigen die nassesten (niederschlagsträchtigsten) Ausreißer.)
 
Um das Ganze noch etwas komplizierter zu machen als es eh schon ist: Die Temperaturen in 1500 Meter Höhe sagen im Winter nur bedingt etwas über die Temperaturen am Boden aus. Gibt es zum Beispiel minus 10 Grad in 1500 Meter Höhe und kräftigen Wind, kann es im Tiefland Regen und Plusgrade geben. Im Bergland fällt Schnee. Haben wir nur wenige Grad minus in 1500 Meter Höhe, die uns „normalerweise“ Regen bis 1000 Meter Höhe rauf bringen würden, dafür aber wenig Wind oder sogar eine in Bodennähe vorhandene Kaltluft, ist Schneefall bis ins Flachland möglich. Oder: Die Läufe, die mehr als 10 Grad plus in 1500 Meter Höhe haben, bringen nicht zwangsläufig mildes Wetter. Gleitet diese Luftmasse zusammen mit einem Hoch auf und es gab vorher einen Wintereinbruch mit Schnee und Frost, herrscht am Boden dank Inversion Dauerfrost und in den Bergen hätten wir Frühling.
 
Schauen wir uns daher kurz den Überblick an, wie es in den kommenden Tagen tendenziell weitergeht. Bis Mittwoch ist die Prognose einigermaßen verlässlich, dann läuft es eh aus dem Ruder. (Nein, das liegt nicht daran, weil man nicht mehr als 3 Tage nach vorne schauen kann, sondern an der Lage ;)!)
 
Der Montag und der Dienstag bringen und jeweils viele Wolken, zum Teil ist es auch neblig-trüb. Dazu fällt immer wieder Regen. Die Sonne komm nur kurz zum Zuge – dies vor allem am Montag nordöstlich der Elbe und in Alpennähe und am Dienstag im Westen. Sicherlich zeigt sich auch woanders die Sonne, nur in diesen Gegenden ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten.
Am Montag liegt die Schneefallgrenze bei 800 bis 1200 Meter Höhe, 800 Meter Höhe sind es in den Mittelgebirgen, 1200 Meter Höhe in den Alpen. Am Dienstag pendelt sich die Schneefallgrenze bei 500 bis 800 Meter Höhe ein.
Am Montag sind es ein bis 10, am Dienstag ein bis 7 Grad.
Norden
Der 15 Tage-Trend für den Norden.
 
In der Nacht auf Mittwoch sinkt die Schneefallgrenze noch ein wenig ab. Tagsüber lassen Regen, Schneeregen und nasser Schnee rasch nach. Es bleibt jedoch bewölkt oder trüb durch Nebel und Hochnebel. Nur örtlich klaffen kleinere Sonnenscheinfenster auf. Die Nachmittagswerteliegen bei null bis 6 Grad im Schnitt.
 
Im Vorfeld eines neuen und kräftigeren Tiefs klart der Himmel in der Nacht auf Donnerstag etwas besser auf und Frostluft macht sich breit. Tagsüber knallt das neue Tief von Westen rein und gräbt sich bis zum Abend in die Mitte voran. In der gesamten Südwesthälfte setzt kräftiger Regen ein. Am Rande zum Übergang in den trockenen Nordosten fällt Schnee. In der Nordosthälfte frischt der Südost- bis Ostwind stark bis stürmisch auf, sonst kommt der Wind aus Süd bis Südwest.
 
Tja – und dann? Und dann liegt sie an den Folgetagen da, die LMG. Kalt ist es im Nordosten, teils mit Dauerfrost und ein paar Schneefällen, mild mit Regen im Südwesten.
Süden
Der 15 Tage-Trend für den Süden.
 
Diese Luftmassengrenze wird uns nach Wochenmitte wahrscheinlich mehr beschäftigen als das kurz darauffolgende Weihnachtswetter. Während in einigen Gebieten Schneesturm oder Eisregen mit chaotischen Straßenverhältnissen samt Frostluft droht, gibt es ein paar hundert Kilometer weiter südwestwärts Dauerregen mit Hochwassergefahr, deutliche Plusgrade und Tauwetter bis ins Mittelgebirge (Alpen zwischen 1000 und 2000 Meter Höhe) bzw. bis in die Mittelgebirge.
 
Aus dieser LMG mit seinen kunterbunten Auswirkungen gibt es derzeit die wahrscheinlichste Variante: neues Tief zieht von Westen rein und räumt die LMG nach Osten weg, es wird auch im Nordosten milder, grüne bzw. milde Weihnachtstage folgen. Eine inzwischen nicht mehr so stark berechnete Anzahl an Berechnungen ließe die LMG südwärts auflösen mit in Schnee übergehende Regenfälle und darauffolgender Abkühlung. Hier wären weiße Weihnachten vor allem im Osten und Süden dann wahrscheinlich.
 
Eines ist aber bis mindestens zum 4. Advent sicher: Es ist und bleibt spannend beim Wetter!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)