Seychellen
Eigentlich war mein Plan ja, dem Winter zu entfliehen um dann mit dem  Frühling zurückzukommen. Das hat wohl nicht geklappt.
 

Aber eins nach dem anderen. Vor 3 Wochen hat sich der Frühling in Deutschland ja schon mal kurz blicken lassen. Im Süden und Westen wurden bis zu 20 Grad erreicht und auch im Rest des Landes konnte man sich über Plusgrade und Sonne freuen. Deshalb wollte es auch niemand glauben, dass es wirklich noch mal richtig kalt wird. Und das nicht nur für 4-5 Tage. Es war ja schon nicht leicht, im Sender alle davon zu überzeugen, dass es frühlingshaft wird. Viel schwerer war es jedoch, nach dem kurzen Aufatmen die nächste Kältewelle vorherzusagen, denn das wollte wirklich KEINER mehr hören.
 

Ich hatte Glück, denn genau an meinem Abreisetag fing es wieder an zu schneien. Dennoch wollte ich die dicke Winterjacke unter keinen Umständen mit in den Urlaub nehmen und bin deshalb in ein warmes Taxi gehüpft. In gemütlichen Klamotten fuhr ich also durch den Schneegriesel zum Flughafen und meine Laune stieg beträchtlich in Anbetracht des nahenden „Sommers“.  Zu diesem Zeitpunkt war es noch nicht klar, wie lange der Winter Deutschland noch mal beglücken würde.
 

Nach insgesamt zehn Stunden Anreise schlug mir beim Verlassen des Flugzeuges auf Mahe- der größten Insel der Seychellen- ein warmer Wind entgegen. Sogar sehr warm. Und es war gerade mal 7 Uhr morgens. Weitere 4 Stunden auf einem Boot und ich war endlich angekommen. Das war sie also, die kleine Insel La Digue. Mein zuhause für die nächsten 14 Tage.  Und es war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Autos gab es so gut wie keine, nur ein paar Taxen und Pickups. Dafür viele Fahrräder und Karren, die von Ochsen gezogen wurden.  Meine Unterkunft war einfach, aber wunderschön- ohne Fernseher oder jeglichen High Tech Schnickschnack. Von der Terrasse blickte ich direkt aufs Meer. Davor ein weißer Sandstrand und Kokospalmen. Wie im Bilderbuch. So was habe ich wirklich noch nie erlebt, obwohl ich schon viel unterwegs war. Das Wasser herrlich blau und die Tauchschule gleich zwei Häuser weiter- ein absoluter Traum. Mit der Akklimatisierung hatte ich keine Probleme. Ganz im Gegenteil! Ich liebe Hitze. Im kalten Sibirien wäre das wohl ein wenig anders.... besser nicht daran denken.
 

Was allerdings ein paar Tage gedauert hat, war das Runterkommen und Abschalten. Sich auf das Leben und das Tempo dieser Insel einzulassen.  Deshalb habe ich mir selbst ein paar Regeln auferlegt: Kein Handy, Internet nur alle 5 Tage und hier auch nur die wichtigsten Emails lesen.... wenn überhaupt. Und siehe da: es funktionierte! Ich habe nichts von alldem mitbekommen, was in der Welt so passiert ist. Keine Papstwahl, keine neue Eurokrise etc. etc. Stattdessen lange Spaziergänge am Strand, viel Natur, Spaß in den Wellen, den ein oder anderen Sonnenbrand und abends Barbecue mit  neu gewonnenen Freunden. Party oder ähnliches gab es auf dieser Insel nicht. Ich habe es allerdings auch nicht vermisst. Man geht früh ins Bett (aufgrund der Nähe zum Äquator wird es jeden Abend um 18.30 Uhr dunkel) und steht früh auf. Für mich und meinen Rhythmus also perfekt. Außerdem hat man die Strände morgens um 8 Uhr für sich allein, was wirklich unglaublich ist.
 

Eines meiner absoluten Highlights möchte ich euch noch erzählen. Ich bin ja Hobbytaucherin und freue mich über Fischschwärme genauso sehr wie über Schildkröten, Rochen oder Haie. Aber gleich beim zweiten Tauchgang ist einer meiner größten Träume in Erfüllung gegangen. Ich habe unter Wasser Delfine gesehen. Zuerst konnte ich es gar nicht glauben, als mein Tauchguide mir Schatten im Meer zeigte. Doch dann kamen sie näher. Es waren insgesamt 8 und sie waren auch ziemlich neugierig und haben unter Wasser viel „geschnattert“. Vor lauter Aufregung und Freude habe ich gleich mal ein Viertel der Tauchflasche leer geatmet. Egal, das war es wert und ich konnte den Tauchgang dennoch mit der Gruppe gemeinsam beenden. Solche Erlebnisse und dazu noch atemberaubende Sonnenuntergänge machen für mich einen perfekten Urlaub aus.
 

Bei der Ankunft in Deutschland habe ich gemerkt, dass man sich in 15 Tagen wirklich erholen kann. Das kalte Winterwetter war zwar ein Schock, aber ich warte jetzt mit einem Lächeln (und immer noch dick eingepackt in Winterklamotten) auf den Frühling. Irgendwann MUSS er ja kommen.
 

Ich schicke euch ganz viel Sonne und Wärme

Eure Anneke