schneesturm norddeutschland ddp web

schneesturm_keziban_ddp_1

Nichts geht mehr - Straßen in Mecklenburg-Vorpommern komplett dicht.

Die Lage sei teilweise noch dramatischer als nach dem Sturmtief DAISY vor drei Wochen, sagte ein Sprecher im Lagezentrum des Innenministeriums. Im Müritzkreis fiel zeitweise die Stromversorgung aus.

Betroffen sind vor allem die Landkreise Bad Doberan, Güstrow, Nordwestmecklenburg, Rügen und Nordvorpommern. Auf den Bundesstraßen 106, 321, 105 und 198 steckten am Samstagmorgen mehr als 70 Fahrzeuge fest. Zwischen Barth und Löcknitz blieben ein Krankenwagen, zwei Räumfahrzeuge und ein Polizeieinsatzwagen im Schnee stecken. Auf der B 110 fuhr sich sogar eine Schneefräse fest. Wegen Schneeverwehungen kam der Autoverkehr auf mehreren Abschnitten der A 20 und der A 14 zum Erliegen. Starke Behinderungen durch Schneeverwehungen gebe es auch auf der A 11, der A 19, der A 24 sowie auf dem sogenannten Rügenzubringer nach Stralsund, sagte ein Polizeisprecher.

Wegen des Schneesturms sei auch die neue Rügenbrücke in Stralsund gesperrt worden. Nach heftigen Schneefällen und orkanartigen Böen bis Stärke 11 seien auf der Hochbrücke gleich mehrere Lkw ins Rutschen gekommen. Die quer stehenden Fahrzeuge könnten vorerst nicht geborgen werden, weil auch die Räumfahrzeuge große Probleme hätten, die Auffahrt zu bewältigen. Rügen ist damit nur noch über den alten Rügenzubringer erreichbar.



schneesturm_keziban_ddp_2

Sie sehen nichts? Richtig, so schlimm war es in Mecklenburg-Vorpommern. Am Nachmittag wird es aber ruhiger und am Abend dürfte der Spuk fast vorbei sein. Die Behinderungen durch Schnee und Verwehungen bleiben! (Bild: ddp)

Behörden appellierten an die Bevölkerung, unnötige Fahrten zu vermieden. Viele Straßen würden schon wenige Minuten nach der Passage des Winterdienstes wieder zugeweht. In Rostock, im Landkreis Nordvorpommern und auf Rügen brach der öffentliche Personennahverkehr zusammen. Auch der Bahnverkehr musste auf 18 Strecken eingestellt werden. Schienenersatzverkehr könne nicht angeboten werden, sagte eine Bahnsprecherin. Mehrere IC-Züge seien ausgefallen oder wurden frühzeitig in Schwerin gestoppt worden. Auch der von Leipzig über Berlin nach Rostock verkehrende InterConnex beendete nach Angaben der Ostseeland Verkehr GmbH schon in Neustrelitz seine Fahrt. Die Bahn ist mit schwerer Räumtechnik im Einsatz.

Die Weiße Flotte stellte den Fährbetrieb in Warnemünde zeitweise ein. Auch die Insel Hiddensee blieb von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem die letzte noch eisbrechende Fähre am Freitag mit Maschinenschaden ausgefallen. Anreisende Urlauber wurden in einem Hotel in Sellin auf Rügen untergebracht. Trotz Warnungen der Wasserschutzpolizei hatten mehrere Hiddenseer versucht, über das Eis nach Rügen zu kommen.

Der Landesfußballverband sagte für Samstag sämtliche Spiele aller Klassen ab, darunter auch das in Rostock geplante Zweitligaspiel zwischen Hansa Rostock und Union Berlin. Einen Sonderzug mit Berliner Fußballfans ließ die Bahn gar nicht erst losfahren. Kurzfristig abgesagt wurden am Samstag zahlreiche öffentliche Veranstaltungen und Volksfeste, darunter die Hochzeitsmesse und ein Hallensportfest in Rostock sowie die Berufsmesse in Greifswald. Aus Sicherheitsgründen wurde eine Ausstellungseröffnung in der Rostocker Kunsthalle abgesagt, weil nach Veranstalterangaben die Dachkonstruktion durch eine 50 Zentimeter hohe Schneeschicht die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht hatte. Behörden warnten auch vor dem Betreten von Wäldern. Wegen der großen Schneelast drohten Bäume umzustürzen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fiel in Steinhagen im Landkreis Nordvorpommern mit 43 Zentimeter der meiste Schnee.

Landesweit ist erst gegen Nachmittag mit einer Wetterberuhigung zu rechnen. Allerdings ist für Dienstag das nächste Schneetief angekündigt. Wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden!