Blitze

In Europa bilden sich im Sommer über dem europäischen Festland häufig Gewitter. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass zu dieser Zeit die für deren Entstehung notwendigen Zutaten häufig zusammenkommen. Man benötigt: 1. eine stark mit der Höhe abnehmende Temperatur (großer vertikaler Temperaturgradient), 2. Feuchtigkeit und 3. Hebung.

Die Feuchtigkeit wird oftmals aus den Seegebieten wie dem Mittelmeer oder dem Atlantik zu uns transportiert. Bei der Temperaturabnahme muss man sich vor Augen halten, dass sich das Festland im Sommer sehr stark erwärmen kann. Das funktioniert am besten über der Iberischen Halbinsel. Durch diese starke Erhitzung in Bodennähe ergibt sich ein deutlicher Temperaturunterschied zu höheren Schichten. Die Luftmassen mit dieser Charakteristik werden dann über Frankreich zu uns transportiert. Für Hebung sorgen in der Regel Fronten, Berge oder auch bodennah zusammenströmende Luftmassen. Dort, wo alles zusammenkommt, knallt es, und das klappt eben am besten im Sommer.

Diese Zusammenfassung ist natürlich recht grob und allgemein, sie erklärt aber am besten, weshalb die Hauptsaison der Gewitter bei uns gerade im Sommer stattfindet.

Jetzt im Herbst und Winter kann sich das europäische Festland lange nicht mehr so kräftig erwärmen. Auch ist der Gehalt an absoluter Feuchte in den bereits deutlich kühleren Luftmassen lange nicht mehr so hoch. Das ist immer noch ausreichend, um unter bestimmten Bedingungen Gewitter auszulösen. Diese sind aber in der Regel nicht mehr so heftig und kommen seltener vor, als im Sommer.

Anders sieht es im Mittelmeerraum aus. Dort ist bedingt durch das Wasser sehr viel Feuchte in der Luft vorhanden. Im Sommer besteht das Problem, dass der Mittelmeerraum häufig unter Hochdruckeinfluss liegt. Damit fehlt es nicht nur an der Zutat Hebung. Auch die vertikalen Temperaturgradienten sind nur gering. Gewitter in Südeuropa finden im Sommer daher häufig über dem Festland statt, meist ausgelöst durch Hebung an den Bergen.

Im Herbst und Winter nehmen Tiefdruckaktivität und damit Hebungsprozesse im Mittelmeerraum deutlich zu. Grund dafür sind immer weiter und häufiger nach Süden vorstoßende kalte Luftmassen. Diese sorgen zudem für einen deutlichen vertikalen Temperaturunterschied zwischen dem vor allem im Herbst noch sehr warmen Wasser und der herangeführten Höhenkaltluft. Die Folge sind häufig heftige Gewitter, die aufgrund des hohen Feuchtegehaltes zum Teil sintflutartige Regenfälle bringen können. Letzteres passiert vor allem bei nur schwachen Winden. Dann können Gewitter an ein und derselben Stelle immer wieder vom Meer aufs Festland ziehen und die Niederschläge zum Teil an den Bergen gestaut werden.

Auch gestern und in der Nacht auf Dienstag gab es einen solchen Kaltluftvorstoß in den Mittelmeerraum. So zogen von Sardinien über Tunesien und Sizilien bis in die Adria teils heftige Gewitter. Zur Vorstellung: Das Wasser hat in diesem Gebiet eine Temperatur von 23 bis 25 Grad. Auf 5000 m Höhe in der Atmosphäre lagen die Werte hingegen zwischen -12 und -24 Grad. Für kräftige Hebung hat ein Gebiet gesorgt, bei dem südöstliche und südwestliche Winde zusammentreffen. (Konvergenzline). Die somit zusammenströmenden Luftmassen müssen nun irgendwo hin und steigen daher auf. Diese Konvergenzlinie wanderte bis heute Morgen langsam ostwärts. Ein kräftiger Höhenwind hat außerdem mitgeholfen, dass die an dieser Linie entstehenden Gewitter so heftig ausfallen konnten.

Heute nun bewegt sich das Hauptaktivitätsfeld weiter nach Osten, sodass das östliche Mittelmeer und der Balkan betroffen sind. Aber das war erst der Auftakt der Gewittersaison und die Mittelmeerbewohner werden sicherlich noch so Einiges zu überstehen haben.

Quelle: Deutscher Wetterdienst

(db)