Die Temperaturen steigen
Die Städte müssten langfristig vorsorglich umgestaltet werden, derzeit würden aber nirgendwo erkennbar Anstalten dazu gemacht, sagte Mayer anlässlich der 9. Deutschen Klimatagung, die vom 9. bis 12. Oktober in Freiburg stattfindet und sich im Wesentlichen mit den Möglichkeiten einer Anpassung an den Klimawandel befasst.

"Die Hitzeperioden werden häufiger und intensiver mit einer Lufttemperaturen um die 40 Grad Celsius", sagte Mayer, der auch Vorsitzender der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft ist. Der Klimawandel gehe immer rascher vonstatten, ein solches Tempo habe es in der bisherigen Klimageschichte nicht gegeben. Mayer sprach von einer "äußerst düsteren Vorschau" angesichts belastbarer Berechnungen bis zum Jahr 2050. Danach stünden besonders außergewöhnliche Hitzeereignisse, wie 2010 im Großraum Moskau, alle sechs bis acht Jahre bevor.

Die Städte in ganz Mitteleuropa seien in ihrer Bauweise nicht an eine extrem hohe Lufttemperatur angepasst, sagte Mayer. Nach der großen Hitze 2003 habe es zwar überall Willensbekundungen gegeben, denen aber keine Taten gefolgt seien. "Man hat bei vielen Kommunen das Gefühl, dass das Thema sofort wieder verschwindet, sobald es Geld kostet. Erst bei einem Extremereignis wird es dann wieder akut."

Grünflächen verringern Belastung durch Hitze

Für Risikogruppen müsse besser vorgesorgt werden, denn die Bevölkerung werde schließlich immer älter und anfälliger, sagte Mayer. Zwar habe der Deutsche Wetterdienst ein Hitzewarnsystem entwickelt, das bis auf Landkreisebene reiche. Langfristig aber müssten Planer Stadträume so umgestalten, dass die Effekte der Hitze abgefedert und Menschen nicht gefährdet würden, verlangte er. "Wenn man jetzt anfinge, wäre noch Zeit für eine hitzegerechte Stadt."

Denkbar seien Anpflanzungen von Laubbäumen mit breiten Kronen sowie insgesamt mehr Grünflächen. "Je größer der Grünflächenanteil, desto geringer die thermische Belastung", erläuterte der Meteorologe. Einfluss habe aber auch die Orientierung von Straßenschluchten zur Sonne oder das Verhältnis ihrer Breite zur Höhe. "Derzeit beobachtet man aber auch in Städten wie Freiburg, die versuchen sich ein grünes Image zu geben, eine zunehmende Verdichtung und Versiegelung von Flächen." Aber auch in schrumpfenden Städten wie beispielsweise im Ruhrgebiet würden Steinwüsten nicht durch Grünflächen ersetzt.

Man müsste sich in jeder Stadt zusammensetzen und ein Konzept entwickeln, zeigt sich Mayer überzeugt. "Die Forschung hat für diesen Bereich in den vergangenen zehn Jahren sehr viele Erkenntnisse erarbeitet. Es liegen genügend Ergebnisse vor, die man in der Planung anwenden kann."