Eine grelle Sonne strahlt über den Alpen von einem weiss-blauem Himmel herab (Bild: dapd)

Es wehte vor allem ein stürmischer Südwind, denn es hat sich eine sogenannte Föhnlage eingestellt.

Als Föhn bezeichnet man einen warmen und meist böigen Fallwind, der bei bestimmten Wetterlagen und beim Überströmen eines Gebirges auftritt.
 
Voraussetzung für dieses Wetterphänomen in den Alpen ist zunächst eine Luftdruckverteilung über Europa, die ein Überströmen von Süden ermöglicht. Typischerweise befindet sich hoher Luftdruck südöstlich der Alpen und tiefer Luftdruck über Westeuropa. Um diese Luftdruckgegensätze auszugleichen, strömt nun die Luft vom hohen zum tiefen Luftdruck.
 
Stürmisch war es heuer vor allem auf den Gipfeln oberhalb von 1000 Metern. Die Zugspitze meldete beispielsweise Spitzenwindgeschwindigkeiten von 104 km/h (orkanartiger Sturm) und auch an den Wetterstationen der hohen Gipfel der Schweizer und Österreichischen Alpen wurden verbreitet Sturmböen um 90 km/h beobachtet. In den Alpentälern war der Föhnwind ebenfalls zu spüren, so traten zum Beispiel im bayerischen Mittenwald Windböen bis 60 km/h auf.
 
Der warme Charakter des Föhns beruht auf den thermodynamischen Vorgängen beim Überströmen des Gebirges. Steigt die Luft auf der Südseite der Alpen auf, bringt sie vom Mittelmeer schon sehr viel Wärme und auch Feuchtigkeit mit. Rasch kondensiert dann die Feuchtigkeit und es bilden sich Wolken. Wäre die Luft trocken, würde sie sich beim Aufstieg um etwa 1 Grad pro 100 Höhenmeter abkühlen. In den Wolken ist die Abkühlung dagegen mit nur noch 0,65 Grad auf 100 Meter weit weniger stark, da der Luft ständig Kondensationswärme zugeführt wird. Die Wolken, die auf der Alpensüdseite entstehen, sind häufig auch nördlich des Alpenhauptkammes als sogenannte Föhnmauer zu sehen, die sich über die Gipfel schiebt. Sinkt die Luft nun auf der Alpennordseite wieder ab, lösen sich die Wolken rasch auf. Die Luft ist dann sehr trocken und erwärmt sich dabei folglich wieder mit 1 Grad pro 100 Meter, so dass sie im Vergleich zur Ausgangssituation wesentlich wärmer am Fuß des Berges ankommt.
 
So meldete die Station Vaduz in Liechtenstein bereits am frühen Donnerstagvormittag eine Temperatur von 20 Grad, gegen Mittag waren es schon 25  Grad. Auch auf der deutschen Alpennordseite war der Effekt des Föhns zu spüren. Die wärmsten Orte waren Oberstdorf mit 22 Grad, Kaufbeuren  mit 23 Grad und Garmisch-Partenkirchen mit 24 Grad Höchsttemperatur. In München wurden maximal 19 Grad erreicht, während die Temperaturen etwas weiter nördlich teilweise nur um 15 Grad betrugen.
 
Sowohl was den Wind als auch die Temperaturen betrifft, sind die Auswirkungen des Föhns am deutlichsten immer in den großen von Süd nach Nord verlaufenden Längstälern zu spüren. Sie wirken auf die Föhnluft wie Kanäle.
 
Die Föhnlage wird heute, am Freitag noch anhalten, schwächt sich aber voraussichtlich im Laufe des Wochenendes ab. Natürlich kann warme Luft auch ohne die Alpen zu überströmen auf direktem Wege über Frankreich nach Mitteleuropa gelangen. Dies geschieht derzeit, so dass sich wärmeres und sonniges Wetter vorübergehend in ganz Deutschland durchsetzen kann.
 
Zur Schreibweise: Der Fön wird zum Haaretrocknen benutzt und ist ein technisches Gerät. Das Wetterphänomen dagegen wird FöHn geschrieben. Leicht zu merken, denn das "H" steht für die Berge, die der Wind überströmen muss.
 
(Quelle: DWD/sw)