Erkältungswetter

Er behandle weitaus mehr junge Patienten als im Vorjahr zu dieser Zeit, sagte der Mediziner weiter. "Der Andrang ist in etwa so groß wie während der Schweinegrippe im Jahr 2009." Einen großen Ansturm verzeichnen den Angaben zufolge auch die Erste-Hilfe-Stellen in Kinderkliniken. "Zurzeit bekommen wir sehr viele Kinder mit Influenza", sagte eine Mitarbeiterin des St.-Joseph-Krankenhauses in Tempelhof. Patienten müssten sich auf lange Wartezeiten von mindestens vier Stunden einstellen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) erwartet für die nächsten Wochen in ganz Deutschland mehr Grippefälle. Laut dem aktuellen Wochenbericht des RKI stieg die Zahl der Neuansteckungen bundesweit auf mehr als 1.700. Dennoch handele es sich aber nicht um eine außergewöhnliche Grippewelle. Im Januar 2011 lag die Quote bundesweit ähnlich hoch. Damals war jedoch eher Süddeutschland betroffen, 2013 breitet sich die Grippe vermehrt in Norddeutschland aus. Vor zwei Jahren stieg die Infektionsrate in den ersten beiden Februarwochen weiter an, um dann zum Ende der Grippe-Saison stetig zu sinken.
Der Hygiene-Experte Klaus-Dieter Zastrow sprach sich unterdessen dafür aus, dass Grippekranke Mund- und Nasenschutzmasken tragen sollen. "Bei uns in Deutschland ist das bislang nicht üblich, aber die Idee ist absolut richtig - im Krankenhaus wird das bei Grippekranken immer so gehandhabt", sagte Zastrow im dapd-Interview.
 
Dass sich der Gebrauch von Mund-Nasenschutzmasken - anders als etwa in asiatischen Ländern - hierzulande bislang aber noch nicht im Alltag durchgesetzt hat, führt Zastrow vor allem auf ästhetische Gründe zurück. "Wir sind es nicht gewohnt, Menschen mit Schutzmasken im Supermarkt oder im Kino zu sehen, und die Träger genieren sich vor ihrer Umwelt." In Japan sei das ganz anders, dort sei es ein Akt der Höflichkeit, um zu zeigen, dass man bemüht sei, den Anderen nicht anzustecken. 
 
(dapd)