Walchensee
Die Sonne steht im Herbstpunkt, auch Waagepunkt genannt, der sich heutzutage allerdings im Sternbild der Jungfrau (Virgo) befindet. Das war nicht immer so, bei ihrer Festlegung vor ca. 2000 Jahren stimmten die Abschnitte des Tierkreises (Tierkreiszeichen) noch mit den entsprechenden Sternbildern überein. Ursache für die Wanderung desHerbstpunktes ins Sternbild der Jungfrau ist die Präzession der Erde, eine durch äußere Kräfte (Gravitation der Sonne und der Planeten) hervorgerufene Lageveränderung ihrer Rotationsachse. Sie verursacht ein Zurückweichen des Herbstpunktes (als Schnittpunkt zwischen Ekliptik und Himmelsäquator) um ca. 50 Winkelsekunden pro Jahr, was seitdem eine Verschiebung von etwa 28 Winkelgraden ausmacht.

Am Herbstanfang geht die Sonne überall auf der Erde nahezu im Osten um 06:00 Uhr wahrer Ortszeit (WOZ) auf und im Westen um 18:00 Uhr WOZ unter und theoretisch herrscht Tagundnachtgleiche (lat. Äquinoktium).
Da zur Definition des Herbstbeginns (Schnittpunkt zwischen Ekliptik und Himmelsäquator) die Sonnenmitte verwendet wird, beim Sonnenauf- und Untergang über dem Horizont aber die Sonnenoberkante zählt, ist der lichte Tag morgen noch etwas länger als die Nacht. Die Brechung des Sonnenlichtes in den unteren Schichten der Atmosphäre, die eine scheinbare Anhebung der Sonnenscheibe bewirkt, verstärkt diesen Effekt noch. Somit findet die wirklich sichtbare Tagundnachtgleiche ein paar Tage später statt.

Der astronomische oder kalendarische Herbst bildet den Abschnitt zwischen Herbsttagundnachtgleiche und Wintersonnenwende, die Sonne wandert auf der Ekliptik südwärts. Der Tagbogen der Sonne auf der Nordhalbkugel und damit die Tageslängen werden immer kürzer, die Mittagshöhe der Sonne über dem Horizont sinkt und der Einfallswinkel der Sonnenstrahlung wird kleiner. Folglich wird es im klimatologischen Mittel bei uns immer kälter. Auf der Südhalbkugel dagegen beginnt der Frühling.

(Quelle: DWD)