Dem Baby solls schmecken!
"Wann genau das Baby den ersten Brei vom Löffel essen mag, ist individuell unterschiedlich", sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Früher hielt man es für das Beste, sein Kind möglichst lang ausschließlich zu stillen. "Heute weiß man, dass es dem Kind nicht schadet, schon früh mit einer Bandbreite an Lebensmitteln in Berührung zu kommen - im Gegenteil", sagt von Cramm. Der frühe Kontakt mit Gemüse, Getreide, Fisch und Fleisch senke das Allergierisiko sogar.

Als erste Mahlzeit seien in Kombination zur Muttermilch mittags milde Gemüsebreie geeignet. Fertige Gläschen verurteilt von Cramm nicht prinzipiell. "Sie schmecken jedoch als Industrieprodukt trotz unterschiedlicher Sorten alle sehr ähnlich", sagt die Expertin. Für die Geschmacksbildung des Kindes sei es besser, wenn man auch Breie aus frischen Zutaten füttere. "Die Verwendung von Bioprodukten ist dabei sinnvoll", sagt die Autorin.

Für die ersten Essversuche, bis sich das Baby an die Konsistenz der neuen Nahrung gewöhnt hat, seien Gläschen allerdings gut geeignet. "Das Baby isst zu diesem Zeitpunkt nur wenige Löffel - kochen lohnt sich also nicht", sagt von Cramm. Für den Einstieg sei ein dünner Brei aus Frühkarotten ideal. "Die Möhre hat wie die Muttermilch eine leichte Süße und wird daher meist gut angenommen", erklärt die Ernährungsexpertin.

Bereits nach wenigen Tagen könne man dann aber auch Selbstgemachtes füttern. "Als Basiszutaten für die ersten Breie sind neben Möhren auch Pastinaken ideal", sagt von Cramm. Letztere seien gut für die Darmflora des Babys und wirkten verdauungsfördernd. Zum Gemüse werde eine Kartoffel kombiniert. "Dazu kommt etwas Rapsöl für die mehrfach ungesättigten Fettsäuren", sagt die Autorin. Sie empfiehlt außerdem, gleich von Anfang an auch Fleisch oder Fisch als Zutaten zu verwenden. Das darin enthaltene Eisen sei essenziell für die Entwicklung des Babys. "Wer sein Kind vegetarisch ernähren möchte, fügt stattdessen Mandel- oder Sesammus zu", sagt Dagmar von Cramm. Auch darin sei viel Eisen enthalten. Da Eisen aus pflanzlichen Quellen durch Vitamin C besser vom Körper aufgenommen werde, gebe man zusätzlich etwas Apfelsaft in den Brei.

Am besten kocht man gleich vier bis sechs Breiportionen auf einmal. "Eine Portion kann man sofort füttern, eine im Kühlschrank aufbewahren und den Rest einfrieren", sagt die Expertin. Nach Karotte und Pastinake könne man zum Beispiel Fenchel, Zucchini, Kürbis, Tomate oder Brokkoli als Basis ausprobieren und miteinander kombinieren. Vom fünften bis zum neunten Monat schmeckten dem Baby zum Beispiel Kohlrabibrei mit Huhn, Zucchinibrei mit Lamm oder vegetarischer Fenchel-Hirse-Brei.

"Als zweite Beikost-Mahlzeit kann man etwa im Laufe des sechsten Monats einen Abendbrei mit Milch und Getreide einführen", sagt von Cramm. Nachmittags werde ungefähr ab dem siebten Monat als dritte Beikost-Mahlzeit ein Getreide-Obst-Brei mit rohen Bananen, Äpfeln, Pfirsichen, Beeren, Melonen oder Birnen gefüttert. Dazu komme etwas Öl, aber keine Milch gefüttert.

Nach der Breiphase folgt am Ende des ersten Lebensjahres der nächste Schritt - dann, wenn die Babys zu Kleinkindern werden. "Ein wichtiges Zeichen dafür sind die ersten Zähnchen", sagt Natalie Stadelmann, Autorin des Buches "Babybrei". Wann diese kämen, sei unterschiedlich. In der Regel sei es jedoch ab dem achten Monat soweit.

"Jetzt kann auch festere Nahrung ins Spiel kommen", sagt Stadelmann. Man könne das Gemüse im Brei stückiger lassen und Reis oder kurze Nudeln dazunehmen. Ebenso seien weich gekochte ganze Erbsen oder Haferflocken als Zugabe geeignet. Beliebt sei in dieser Phase bei den Kleinen auch selbst gemachtes Gebäck. Selbermachen habe den Vorteil, dass man den Zucker bewusst dosieren könne und keine unerwünschten Zusatzstoffe enthalten seien. "Bei uns waren selbst gemachte Biskuitwaffeln und Zwieback der Hit", sagt Stadelmann. Wichtig sei: Wenn die Kost fester werde, brauche das Kind zusätzlich Flüssigkeit - am besten eigne sich hier Wasser, sagt die Autorin.

Etwa zwischen dem achten und elften Monat beginne langsam die Umstellung vom Brei zur Familienkost. "Das Kind beginnt jetzt schrittweise, auch schon von den Speisen der Eltern mitzuessen", sagt Stadelmann. Etwa ab einem Jahr seien die meisten Kinder so weit, dass sie im Rahmen der normalen Familienkost Produkte aus jeder Lebensmittelgruppe essen könnten und auch sollten. "Darunter fallen zum Beispiel Obst und Gemüse, Getreideprodukte, Fleisch und Fisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Kartoffeln", sagt die Autorin. Wichtig bleibe weiterhin die Zufuhr von gesunden Fetten und Ölen, beispielsweise Rapsöl, Leinöl oder Olivenöl in guter Qualität.
(db)