Fieber verursacht glasige Augen
Im Winter haben Atemwegserkrankungen Hochsaison, auch die Grippe. Allerdings gilt dieser Befund nur für Länder mit gemäßigtem Klima - zum Beispiel für Deutschland. Forscher vermuten daher schon lange, dass die Luftfeuchtigkeit für die Wintergrippe von zentraler Bedeutung ist. Der Gesundheitsforscher John Noti und seine Kollegen am US Center for Disease Control and Prevention in Morgantown im US-Bundesstaat West Virginia haben diesen Verdacht in einem Experiment bestätigt.
Die Forscher platzierten eine Grippeviren hustende und eine atmende Modellpuppe zwei Meter voneinander entfernt in einem geschlossenen, etwa neun Quadratmeter großen Raum. Die Luftpartikel, die an der atmenden Puppe ankamen, wurde nach ihrem Durchmesser in drei Gruppen unterteilt: kleiner als ein Mikrometer, ein bis vier Mikrometer sowie größer als vier Mikrometer. Die Forscher bestimmten die Virenmenge an den gesammelten Luftpartikeln. Außerdem erfasste das Team um Noti, wie ansteckend die gesammelten Viren waren. Ihr Experiment führten die Forscher für Luftfeuchten zwischen 7 und 73 Prozent durch. In der Ausgangssituation fanden die Forscher drei Viertel aller Viren an den mittelgroßen Teilchen mit einem Durchmesser zwischen einem und vier Mikrometern - Partikel, die bis tief in die Lunge eindringen können.

Fünffaches Ansteckungsrisiko bei halbierter Luftfeuchtigkeit

Im Experiment stellte sich heraus: Je feuchter die Luft, desto weniger ansteckend sind die Viren. Bei einer Luftfeuchtigkeit zwischen 7 und 23 Prozent behielten nach einer Stunde drei Viertel der ursprünglich ansteckenden Viren ihre Infektiosität. Bei 43 Prozent Luftfeuchte lag der Anteil nur noch bei einem Siebtel. Die mit steigender Luftfeuchtigkeit nachlassende Ansteckungskraft der Viren fanden die Forscher für alle drei Gruppen - kleine, mittlere und große Luftpartikel.

Konkret ergab die Studie, dass bei einer Luftfeuchte von 45 Prozent rund die Hälfte aller ursprünglich infektiösen Viren nach 15 Minuten nicht mehr ansteckend waren. Nicht nur die Ansteckungsfähigkeit, sondern auch die Menge der noch in der Luft befindlichen Viren sank mit der Zeit. In der fünften Stunde nach dem Husten fanden die Forscher auf den großen Partikeln noch etwa zwölf Prozent der Virenmenge, die sie in der ersten Stunde nach dem Husten eingefangen hatten. Die Virenzahl in der Gruppe der kleinen Teilchen hatte sich lediglich halbiert. Ursache für diesen Effekt dürfte die Schwerkraft sein, die größere Partikel schneller zu Boden sinken lässt, schlussfolgern die Forscher. Ansteckende Viren waren in der fünften Stunde auf Luftteilchen mit mindestens vier Mikrometern Durchmesser nicht mehr zu finden. Kleine Teilchen mit ansteckenden Viren hielten sich jedoch noch lange in der Raumluft, wenn auch in stark verminderter Zahl.

Forscher empfehlen höhere Luftfeuchte in Behandlungszimmern

Die Forscher ziehen aus ihren Beobachtungen das Fazit, dass Arztpraxen und Krankenhäuser so konzipiert werden sollten, dass dort eine erhöhte Luftfeuchtigkeit möglich ist. Für Patienten, vor allem aber für das medizinische Personal könne so das Risiko von Virusinfektionen deutlich gesenkt werden.