Echinacea im Regen
In den vergangenen ersten fünf Tagen des Aprils zeigte uns der Winter aber noch mal so richtig seine "kalte Schulter". Im Vergleich zum durchschnittlichen Temperaturwert eines Aprils (Bezugszeitraum 1961-1990) registrierten die Messstationen in Deutschland bis einschließlich gestern Abweichungen von -1,8 bis -9 Grad! Die größte negative Abweichung wurde dabei mit -9 Grad in Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen) erreicht, am geringsten war sie auf der Zugspitze (Bayern) mit "nur" -1,8 Grad. Im deutschlandweiten Mittel betrug die Differenz -6,6 Grad. Würde sich die Kältewelle bis zum Ende des Monats fortsetzen, wären sicherlich neue Rekorde für den April zu erwarten. Der kalten Luft, die mit einem fiesen Ostwind zu uns strömt, scheint aber jetzt allmählich der Hahn abgedreht zu werden.
 
Ursache des Abbruchs der kalten Ostströmung ist eine grundlegende Änderung der Großwetterlage mit einem Rückzug der nördlich von uns gelegenen Hochdruckgebiete nach Sibirien. Sorgten diese bisher für den Ostwind, wollen ab Mitte kommender Woche Tiefdruckgebiete über den Britischen Inseln und der Nordsee wärmere Luft zu uns schaufeln. Mit den Tiefs dreht die Strömung auf West bis Südwest. Damit gelangen Luftmassen vom Atlantik oder der Iberischen Halbinsel zu uns und nicht mehr Luft aus arktischen oder sibirischen Gefilden.
 
Über dem Atlantik werden aktuell etwa 8 bis 15 Grad gemessen, über der Iberischen Halbinsel tagsüber 12 bis 20 Grad. Voraussichtlich ab Dienstag kommender Woche kommen genau diese Luftmassen auf uns zu. Somit steigen die Temperaturen verbreitet auf zweistellige Werte zwischen 10 und 15 Grad, etwas kälter bleibt es in den Küstenregionen, wo das kalte Meer noch nachwirkt. Nachtfröste treten dann auch nur noch selten auf.
 
Bei all den - für die meisten von uns - positiven Nachrichten, was die Temperatur angeht, gibt es aber auch einen Wermutstropfen. Die steigenden Temperaturen kaufen wir uns, wie unter Tiefdruckeinfluss eben üblich, mit Regen ein. So sind ab Dienstag mit Ankunft der warmen Luft auch immer wieder Regenfälle zu erwarten, längere Regenpausen bleiben wahrscheinlich die Ausnahme. Im Süden steigt zudem das Potenzial für Gewitter. Immerhin können sich die Bauern freuen, brauchen sie doch genau diese Mischung aus Wärme und Feuchte für das Pflanzenwachstum.
 
Was die Bauern freut, schmeckt den Pollenallergikern wohl gar nicht. Es ist zu erwarten, dass die Natur ab Mitte der kommenden Woche einen starken Sprung im Wachstum macht. Damit beginnt auch die Haupt-Pollenflugsaison.
 
dwd/öt