Kinderwagen im Schnee

Auf der Autobahn A45 im Bereich der Wetterau (Mittelhessen) kam es zu einer Massenkarambolage, an der über hundert Fahrzeuge beteiligt
waren und dreißig Menschen verletzt wurden, sechs davon schwer. In Sachsen geriet eine Autofahrerin auf glatter Straße in den Gegenverkehr und kam ums Leben.

Was war geschehen? Eine Luftmassengrenze über Süddeutschland trennte gealterte, relativ milde Meeresluft über dem Alpenraum und Südeuropa von kontinentaler Polarluft weiter nördlich. Grenzflächen (Fronten) zwischen verschiedenen Luftmassen bewirken Niederschläge, im konkreten Falle schneite es an der Nordseite, an der Südseite fiel Regen. Bereits am Samstag entstand diese Struktur über Norddeutschland und wanderte langsam südwärts. Darüber hinaus bildete sich im Frontbereich über Frankreich das kleine, aber intensive
Tiefdruckgebiet XAVER. Am Dienstag Früh griff es auf Deutschland über und bescherte insbesondere den Mittelgebirgen ergiebige Schneefälle, die örtlich Unwettercharakter aufwiesen.

Dass es nun zum "Chaos" kam, liegt wohl weniger an der "riesigen Schneewalze" als vielmehr an der Entwöhnung und Empfindlichkeit
unserer modernen Gesellschaft. Just-in-Time-Logistik und unbedingte Mobilität finden hier ihre Grenzen. Es gibt Gerüchte, dass nach den
warmen Vorfrühlingstagen zu Monatsbeginn, einige Winterdienste ihre Technik bereits eingemottet hätten. Das ist nicht gerade smart.
Apropos "smart" - eine Schneeräum-App für Smartphones wurde bislang noch nicht erfunden...
 
(dwd)