Bodensee Eisschollen

Allerdings bildete sich seitdem in einzelnen kalten Wintern auf Teilen des Untersees eine Eisdecke. So konnte zum Beispiel im Februar 1984 der See von Allensbach bis zur Insel Reichenau auf einer Eisschicht überquert werden. Im Alemannischen wird dieses Zufrieren eines Sees zu einer tragfähigen Eisdecke als Seegfrörne oder Seegfrörni bezeichnet.

Für das vollständige Zufrieren des Bodensees ist ein früh einsetzender und lang anhaltender kalter Winter erforderlich. Bereits Mitte November 1962 stellte sich am See winterliches Wetter mit Frösten ein. Mitte Dezember 1962 gab es vorübergehend nochmals frostfreies regnerisches Wetter. Pünktlich zum Weihnachtsfest 1962 kehrte jedoch der Winter mit strengen Frösten zurück. Im Januar 1962 sank das Thermometer in Konstanz mehrfach auf unter minus 20 °C. Die tiefste Temperatur wurde an der damaligen Wetterwarte des DWD bei der Stadtgärtnerei Konstanz mit -21,8 °C am 14.01.1963 gemessen. Das Ende der Seegfrörne leitete ein warmer Föhnsturm mit Tauwetter Anfang März 1963 ein.

In langen Frostperioden beginnt die Eisbildung zunächst im Untersee. Sie fängt dort im flachsten Teil, dem Gnadensee zwischen Allensbach und der Insel Reichenau mit 22 Meter Tiefe an, greift dann auf den Zeller See mit 26 Meter Tiefe über und schließlich auf den rheindurchströmten Teil mit bis zu 46 Meter Tiefe. Bei weiterem Frostwetter folgt die Eisbildung im Überlinger See und zuletzt im Obersee. Die Eisdicken erreichten 1962/1963 im Untersee bis zu einem Meter, im Überlinger See wurden bis zu 30 cm und im Obersee bis zu 20 cm gemessen.

Der Heilige Johannes wartet seit 50 Jahren in Münsterlingen

Einer der Höhepunkte der Seegfrörne war die Eisprozession von Hagnau nach Münsterlingen am 12. Februar 1963. Dabei wurde die Büste des Heiligen Johannes über den gefrorenen See gebracht. Seit 1573 wird bei jeder Seegfrörne, soweit die Tragfähigkeit des Eises eine größere Menschenmenge auf dem See zuläßt, die Büste des Heiligen Johannes in einer feierlichen Eisprozession über das Eis vom schweizerischen Kloster Münsterlingen ins deutsche Hagnau am Bodensee getragen - und bei der nächsten Seegfrörne wieder zurück. Die Büste steht nun seit 1963 in der Pfarrkirche des ehemaligen Benediktinerklosters in Münsterlingen und wartet auf ihre Rückreise nach Hagnau.

Klimawandel macht Seegefrörne seltener

Im 20. Jahrhundert gab es nur eine vollständige Seegfrörne. Aus dem 19. Jahrhundert sind zwei vollständige Seegfrörnen in den Jahren 1830 und 1880 überliefert. Da der Klimawandel zunehmend für mildere Winter sorgt, wird nach Einschätzung des DWD das ohnehin sehr seltene Naturschauspiel in Zukunft wahrscheinlich noch seltener eintreten. Eines lässt sich jetzt allerdings schon vorhersagen: Aufgrund des bisher eher milden Verlaufs wird es im Winter 2012/2013 keine Seegfrörne mehr geben.
 
 
 
(dwd)