Erkältung Schnupfen
Es folgt ein tiefer Atemzug und dann das typische, explosive Ausstoßen von Luft und winzigen Flüssigkeitströpfchen durch Nase und Mund. Aber warum löst ausgerechnet Kälte das Niesen aus?

"Das Niesen ist eine Art schützende Reflexhandlung", erklärt der Hals-Nasen-Ohrenarzt Murat Songu vom Ataturk Forschungskrankenhaus in Izmir. Beim Niesen werde Luft schnell und mit hohem Druck durch Nase und Mund ausgestoßen. Bis zu 150 Kilometer in der Stunde kann der Luftstoß dabei beschleunigt werden, wie Messungen ergaben. Während des Niesens schließen wir zudem reflexartig die Augen, unsere Gesichtsmuskeln ziehen sich zusammen, und wir bewegen meist sogar den ganzen Kopf und Oberkörper ruckartig nach vorn.

Der positive Effekt: Die explosiv beschleunigte Luft fegt an den Schleimhäuten der Atemwege entlang und nimmt störende Fremdkörper und Keime gleich mit. Unter anderem deshalb sei das Niesen oft eine Begleiterscheinung von Erkältungen oder Allergien, erklärt Songu. Ausgelöst werde diese Schutzreaktion dann meist durch die Reizung der Nasenschleimhäute - beispielsweise weil Staubkörnchen die Schleimhaut kitzeln oder Bakterien sie angreifen.

Gesichtsnerv feuert auch bei plötzlicher Kälte

Aber auch andere Reize können zur Niesattacke führen. Denn verantwortlich für den Niesimpuls  ist der Trigeminus-Nerv, einer unserer großen Gesichtsnerven. Die Äste dieses Nervs durchziehen unsere Wangen und Kiefer, sie reichen aber auch bis zur Augenhöhle und Nase und bis in unsere Nasenschleimhäute hinein.  Dieser Nerv ist auch der Grund dafür, dass schon ein Kältereiz ausreichen kann, um ein Niesen auszulösen, wie Songu erklärt.

Denn die Enden des Trigeminusnervs reagieren sensibel auf eine Vielzahl verschiedener Reize:  Sie registrieren Berührung, Hitze und Druck ebenso wie plötzliche Abkühlung. Wenn wir also aus einem warmen Raum in die schneidende Winterluft hinaustreten, kann dieser plötzliche Kälteschock auf der Haut schon ausreichen, um den Trigeminus feuern zu lassen. Das Nervensignal läuft dann den Gesichtsnerv entlang über die Nervenwurzel in den verlängerten Hirnstamm. Dort, in der sogenannten Medulla Oblongata, liegt das Zentrum für den Niesreflex, wie der Forscher erklärt. Erreicht das ankommende Nervensignal dort einen bestimmten Schwellenwert, setzt das Nieszentrum eine ganze Kette von Reaktionen in Gang, die letztlich die koordinierte Aktion von Muskeln, Atemwegen und Nerven auslösen - wir niesen.

Kurzschluss im Nerv

Niesen kann aber nicht nur durch Kälte, sondern bei einigen Menschen auch durch helles Licht ausgelöst werden. Ursache für dieses sogenannte photische Niesen ist eine Art Kurzschluss in einem Ausläufer des Trigeminus-Nervs, wie Fabian Singbartl, Hals-Nasen-Ohren-Oberarzt von der Asklepios Klinik Harburg erklärt. Denn dieser sogenannte Nasociliar-Nerv zieht zu den Augenlidern und in die weiße Augenhaut. Dabei läuft er bei einigen Menschen sehr nah am Sehnerv entlang und kreuzt ihn sogar. "Wenn sie in die Sonne sehen, erzeugt dieser Lichtreiz eine Art Starkstrom auf dem Sehnerv", erklärt Singbartl. Dieser Strom springe dann über auf den benachbarten Nasociliar-Nerv, setze sich über den Trigeminus fort und löse dann das Niesen aus.