Gewitter shutter
Zunächst aber nochmal einen Blick auf die Frühtemperaturen des Montagmorgens. Diese waren nämlich auch sehr außergewöhnlich. Allen voran sei die Station Bad Harzburg genannt. Diese befindet sich am Nordrand des Harzes und liegt auf etwa 200 m Höhe. Das bisher höchste Minimum wurde dort am 10.07.1959 gemessen und lag bei 23.1 Grad.
Dieser Wert wurde mit der Nacht auf Montag geradezu pulverisiert. Die ganze Nacht lang ging das Quecksilber nicht unter 26.6 Grad zurück.Das sind also 3.5 Grad über dem bisherigen Rekord.
 
Ein Blick auf die vertikale Sondierung der Atmosphäre konnte diese Beobachtung bestätigen. Mittels einer Radiosonde lassen sich die Temperaturwerte in verschiedenen Höhenschichten erfassen. Der Aufstieg von Meiningen (Thüringen) um 2 Uhr in der Nacht zeigte, dass zwischen 100 und 800 m die höchsten Werte zu finden waren (25 bis 27 Grad). Direkt darunter war es mit 21 Grad durch die nächtliche Auskühlung deutlich kühler. Auch darüber nahm die Temperatur dann wie gewohnt wieder mit der Höhe ab.
 
Am Tage konnte es dann besonders in der Osthälfte noch mal sehr heiß werden. So wurden dort sogar die Spitzenwerte vom Sonntag übertroffen. Ganz oben thront Dresden mit seinen beiden Wetterstationen. In Hosterwitz waren es 39.8 Grad und in Strehlen
39.7 Grad. Für beide Stationen ist dies mit Abstand ein neuer Hitzerekord. Die bisherigen Rekordwerte lagen bei 37.9 Grad in Strehlen (16.08.1974) bzw. 38.2 Grad in Hosterwitz (01.08.1994). Im Übrigen lagen wir damit nur 0.4 Grad unterhalb des deutschlandweiten Rekordwertes von 40.2 Grad!
 
Damit ist aber nun Schluss. Die Nordhälfte spürt den Luftmassenwechsel bereits. Dort ist es nicht mehr so drückend heiß mit Höchstwerten zwischen 22 und 26 Grad. Im übrigen Land kommt die schwülheiße Luft nach den Gewittern der vergangenen Nacht noch mal ein Stück nach Norden voran. Die Werte steigen auf 27 bis 34 Grad, mit den höchsten Werten im äußersten Süden.
 
Verantwortlich für den Warmluftschub ist ein kleines Tief, das von Frankreich kommend im Tagesverlauf nach Deutschland zieht. Auf seiner Vorderseite werden die schwülheißen Luftmassen nach Norden geschaufelt. Diese Luft ist aber auch sehr labil, sodass sich im Tagesverlauf kräftige und teils unwetterartige Gewitter bilden können. Davon ist zunächst die Mitte, später auch der Süden betroffen.
 
So geht es weiter:
 
In der Nacht auf Mittwoch zieht das angesprochene Randtief weiter nach Osten. Auf seiner Rückseite kann nun deutlich kälter Luft nach Süden vorstoßen. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen. So muss in der Nacht auf Mittwoch in großen Teilen Deutschlands mit unwetterartigen Gewittern gerechnet werden, die sich bis zum Morgen nach Süden und Osten verlagern. Nicht ganz trocken, aber wohl frei von Unwettern, bleiben große Teile des Nordens.
 
Im Zuge der Gewitter ist heute äußerste Vorsicht geboten. Es muss mit Starkregen um 20 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, Hagel und Sturmböen um 85 km/h gerechnet werden. In den stärksten Entwicklungen sind auch Mengen bis 40 Liter pro Quadratmeter, großer Hagel und schwere Sturmböen um 100 km/h zu erwarten. Wie immer bei Gewittern können dabei große Unterschiede auf kleinstem Raum auftreten und nicht jeden wird es so kräftig treffen. Zeigt der Blick zum Himmel aber eine schwarze Wand oder es blitzt kräftig (nachts), dann ist Eile geboten und man sollte sich einen sicheren Platz suchen.
 
Die nächsten Tage werden dann deutlich angenehmer temperiert. Einzig in den Gebieten südlich der Donau kann die Warmluft noch nicht ganz verdrängt werden. Am Freitag kann diese sogar noch mal bis zur Mitte vorstoßen. Inwieweit das dann auch wieder mit Unwettern einhergeht, bleibt abzuwarten. Bis dahin sollte aber zunächst Augenmerk auf den heutigen Tag gelegt werden.
 
dwd/öt