Polarstern, Frank Rödel (AWI)
Das sogenannte Winterexperiment bildet den Höhepunkt einer insgesamt 18 Monate langen Expeditionsreise auf der Südhalbkugel und wird das Schiff, seine Besatzung und die 54 Wissenschaftler an Bord von Kapstadt, Südafrika, in das antarktische Weddellmeer führen. „Wir wollen auf dieser Fahrt zwei grundlegende Forschungsfragen untersuchen: Die erste lautet: Welche Mechanismen lassen das Ökosystem des Südpolarmeeres nach dem langen, kalten und äußerst dunklen Winter wieder zum Leben erwachen? Und die zweite: Aus welchen Gründen nimmt die Ausbreitung des antarktischen Meereises leicht zu, während die Meereisbedeckung in der Arktis stetig zurückgeht?“, sagt der wissenschaftliche Fahrtleiter Prof. Dr. Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI).

Bisher fehlen den Wissenschaftlern für Antworten auf diese Fragen ausreichend verwertbare Daten, denn der Winter im Weddellmeer zeichnet sich durch lang anhaltende Dunkelheit, sehr starke Winde und Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius aus. „Mehrere schwere Stürme pro Woche sind zu dieser Jahreszeit keine Seltenheit und natürlich auch einer der Gründe, warum sich im Winter so gut wie kein Schiff in der Antarktis aufhält“, erklärt Peter Lemke.
 
Der Physiker und Klimaexperte hat schon im Jahr 1992 ein Winterexperiment der POLARSTERN geleitet. Bei seiner insgesamt vierten Winterfahrt, 21 Jahre später, wird das Schiff die nahezu gleiche Route wählen. Der Forschungsansatz ist diesmal jedoch viel interdisziplinärer ausgerichtet: „Wir werden auf dieser Fahrt Wissenschaftler aus allen großen naturwissenschaftlichen Fachgebieten an Bord haben, denn wir wollen unsere zwei Leitfragen in enger Zusammenarbeit angehen und sie am Ende möglichst umfassend beantworten können“, so Peter Lemke.

Für den Forschungseisbrecher POLARSTERN wird die kommende Winterfahrt die fünfte dieser Art sein. Das letzte Mal verbrachte das Schiff die Wintermonate des Jahres 2006 im Weddellmeer. „Auf der damaligen Expedition haben wir gelernt, dass im September und Oktober – also mitten im antarktischen Winter – die Biologie im Meer und im Eis schon auf Hochtouren läuft und es stellte sich die Frage: Was genau bedingt den Start des Ökosystems in die neue Saison?“, sagt Peter Lemke.

Erstmals an Bord ist auch ein sogenannter Eisbagger, der bei Forschungen auf großen Eisschollen zum Einsatz kommen soll. Im Gegensatz zu herkömmlichen Baufahrzeugen besitzt das etwa ein mal zwei Meter große Gerät jedoch keine Baggerschaufel, sondern ist mit einem Eisbohrer ausgestattet. Mit ihm soll der Eisbagger etwa 80 Zentimeter breite Löcher in die Scholle bohren, die dann Forschungstauchern als Ausgangspunkte für Untersuchungen unter dem Eis dienen.
 
(Text: AWI, Bild: Frank Rödel, AWI)