Störche im Flug

Das waren noch Zeiten, in denen mit den Zugvögeln auch der Frühling kam. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Im Moment hat man das Gefühl, dass nur die Vögel singen, die eh schon den ganzen Winter hier waren wie Amseln und Meisen. Aber es waren auch schon andere da (gewesen).

Vogelkundler Peter Becker von der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft in Wilhelmshaven weiß zu berichten, dass die Stare schon bis nach Norddeutschland geflogen waren, aber statt Grün und Insekten fanden sie nur Eis und Schnee … und drehten um zurück nach Süden.

Auch die Störche hatten schon einen Vorstoß gewagt und warne in den Elbauen bei Dresden gesichtet worden. Aber der Speiseplan sah zu mager aus… Frost und Schnee schmecken nicht so gut wie Kröten. Also auch wieder weg, vorübergehend jedenfalls, bis das Angebot wieder stimmt. Sie sind ja gute Segelflieger.

Viele Vögel hängen wohl noch im Mittelmeerraum herum und warten ab. So zum Beispiel der Zilpzalp, der eigentlich schon Mitte März bei uns zwitschern sollte. „Bei Feldlerchen, Kiebitzen, Hausrotschwänzen gibt es derzeit ein kältebedingtes Hin und Her“, weiß der Ornithologe. Ein Teil ernährt sich von den Resten der Meisenringe, die Insektenfresser unter ihnen fliegen gleich wieder ins Warme.

Die Mehlschwalbe kann sich das Hin und Her nicht leisten, sie hat zu wenig Kraft und wartet also ab. Sonst ist sie die Erste, die hier die besten Brutplätze belegt und für Frühlingsstimmung sorgt.

Und dann gibt es noch die ganz Abgebrühten, die warten nämlich bis Mai und kommen erst, wenn es wirklich warm geworden ist. So z. B. der Pirol oder die Gartengrasmücke.

Wer jetzt Angst um unsere Vogelwelt bekommen hat, den kann der Ornithologe beruhigen: "Ein paar warme Tage und die Brut setzt explosionsartig ein", sagt Becker. Und dann wird es ein wahres Vogelkonzert geben.

Immerhin sind für die Tage nach Ostern milde 15 Grad angesagt.